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Der Israelit · 1934-08-09 · Heft 32 (9.8.1934) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 32 (9.8.1934)
Date
1934-08-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 32 Der Israelit 9. August 1934 Von Dr. med. J. Weigl s. A. in München. Im vorigen Jahre ist einer der treuesten Mitarbeiter des „Israelit", der katholische Arzt Dr. med. Weigl in hohem Alter heimgegangen. Dr. Weigl war ein warmer Freund der jüdischen Religion, der jüdischen Geschichte und des jüdischen Volkes. Sein Andenken zu ehren wollen wir einige seiner schönen, faßlich geschriebenen Lebensbilder jüdischer Geistesgrößen hier allmählich zum Abdruck bringen. Sie sind teils vor Jahrzehnten im „Israelit", teils im Jüdischen Volksschriftenverlag der Freien Vereinigung erschienen. I. ,,Sei von den Jüngern Aharons, den Frieden liebend und nach Frieden strebend, die Menschen liebend und sie hinführend zur Thora!" So lehrte Hillel; in Pirke Aboth ist uns dieser Ausspruch getreulich überliefert. So lebte er ein langes segensreiches Menschenleben. Wer in Mischna und Gemara den Pfaden seines Erdenwallens nachgeht, dem leuchtet es, so oft Hillels Name genannt wird, entgegen wie von sonniger Höhe: es ist der Widerglanz des hehren reinen Menschentums, das uns dieser Große vorgelebt. Neunzehnhundert Jahre sind im Strome der Zeit dahingerauscht, seit er von der Erde schied. Aber heute wie einst ergreift, die ihm näher treten, der Liebreiz seiner Persönlichkeit. Wie ehedem seinen Zeitgenossen es erging, ergeht es uns: auch wir müssen ihn von Herzen liebgewinnen. Hillels Leben zeigt uns das Steigen eines Menschenseins zu den Bergen der Ewigkeit, geleitet von der Thora. Hillel entstammt einer vornehmen Familie des Volkes Israel. Seine Ahnenreihe leitet sich mütterlicherseits auf David, väterlicherseits auf Benjamin zurück. Die schweren Schicksalsschläge, welche durch die gewalttätige Erobererpolitik Nebukadnezars mit dem Jahre 2497*) über Land und Volk des Reiches Juda hereingebrochen waren, hatten mit vielen anderen der ersten Geschlechter auch diese Familie in die Verbannung getrieben, und in bescheidenen Verhältnissen lebten Hillels Vorfahren im fremden Land zu Babylon. Er selbst wurde dort im Jahre 80 vor Beginn der gewöhnlichen Zeitrechnung geboren; weswegen wird er im Talmud an mehreren Stellen als i^an d. i. der Babylonier bezeichnet. Ueber seinen Lebenslauf lesen wir in Sifre am Ende Wesot Habracha die wenigen und doch so inhaltsreichen Worte: „Hillel ging, als er vierzig Jahre zählte, von Babylon nach Erez Israel, lernte und verkehrte vierzig Jahre lang mit den Weisen und war vierzig Jahre seinem Zeitalter Lehrer." Schemajah und Abtaljon sind die Weisen, die ihn anzogen und in das Heiligtum der Erkenntnis der Thora einführten. Es waren harte Lernjahre; denn die äußeren Verhältnisse Hillels waren innerhalb derselben überaus einfach. Er wollte sich von seinen Verwandten nicht unterstützen lassen; durch der Hände schwere Arbeit mußte er als Tagelöhner seinen und seiner Familie Unterhalt verdienen. Das entnehmen wir aus dem Talmudtraktate Joma; dort wird nämlich erzählt: Hilel gibt Veranlassung, die Armen zu verurteilen, wenn sie das Thoralernen vernachlässigen. Wird in der anderen Welt ein Armer gefragt, warum er das Studium der Thora hintanließ, und führt er zur Entschuldigung seine Armut an: So wird ihm Hillels große Dürftigkeit entgegengehalten. Von diesem berichtet man, daß er täglich durch seiner Hände Arbeit ein Tarpek**) ver- *) 586 vor Beginn d. g. Z. **) 37 Pfennig. diente; davon gab er die Hälfte dem Türsteher des Lernhauses, die andere Hälfte gebrauchte er für den eigenen bescheidenen Lebensbedarf und für den seiner Familie. Eines Tages hatte er nichts verdient. Der Türsteher ließ ihn nun nicht eintreten. Hillel aber schreckte das nicht ab; er kletterte am Lehrhaus in die Höhe und setzte sich in eine Fensternische, damit er trotzdem aus dem Munde von Schemajah und Abtaljon die Worte des lebendigen G'ttes hören könne. Man sagt, es war an einem Sabbatvorabend und Tekufa des Tebet, also der kälteste Tag im Jahr," und der Schnee vom Himmel fiel auf Hillel. Als sich der Morgenschimmer zeigte, sprach Schemajah zu Abtaljon: „Abtaljon, an jedem anderen Tage ist der Lehrsaal hell; heut ist er dunkel. Ist etwa der Himmel von Wolken überzogen?" Sie schauten empor und gewahrten in der Fensternische eine menschliche Gestalt. Da stiegen sie hinauf und fanden Hillel drei Ellen hoch mit Schnee bedeckt. Sie holten ihn heraus, bereiteten ihm ein Bad, rieben ihn mit Oel und setzten ihn dann gegen das Feuer. „Denn," sagten sie, ,,so ein Mensch ist es wert, daß man um seinetwillen das Gebot der Sabbatruhe übertritt." Dieser Vorfall ist ein Beweis dafür, wie groß die Dürftigkeit Hillels war, und wie sie gleichwohl nicht vermochte, ihn vom Thoralernen abzuhalten. Er überwand alle Schwierigkeiten, um das Studium nicht zu versäumen. II. Nachdem er lange Jahre im heiligen Lande seinem hohen Ziele gelebt hatte, kehrte er in die babylonische Heimat zurück. Hier sammelte sich um ihn alsbald ein Kreis lernensfroher Schüler. Sein ausgedehntes Wissen belebte das darniederliegende Thorastudium und den Eifer Vieler für das Gesetz. Aber dessen ungeachtet litt es Hillel nicht auf die Dauer in der Heimat. Wer den Atem von Erez Israel einmal getrunken, den dürstet immer danach, und die Sehnsucht treibt ihn wieder dorthin. So ging es Hillel. Er wanderte neuerdings in das heilige Land. Wir erkennen hierin des Ewigen Fügung; in seinem Plane lag: Hillel mußte steigen. „Wer der Ehre nachläuft, den flieht sie, aber sie folgt dem, der ihr aus dem Wege geht," sagen die Weisen. Deshalb kam Hillel, der Bescheidene, zu Ehren. Durch einen religionsgeseztlichen Streitfall, in welchem er vermöge seiner klugen Darlegungen zum richtigen Vorgehen veranlaßte, wurde man auf ihn aufmerksam. Die Sache spielte sich in folgender Weise ab. Nach dem Ableben Schemajahs und Abtaljons hatte der König Herodes verfügt, daß der Vorsitz im Synedrium den Aeltesten von Bethar übertragen würde. Einmal nun fiel der Vorabend des Peßachfestes, also der 14. Nissaan, an welchem das Peßachopfer geschlachtet werden muß, auf einen Sabbat. Jenen Aeltesten war die für den Fall bestimmende Halacha nicht erinnerlich; sie wußten also nicht, den richtigen Entscheid zu finden, ob es gestattet sei, das Opfer zu schlachten, oder ob es mit Rücksicht auf die Sabbatheiligung unzulässig sei. In ihrer Verlegenheit wandten sie sich an die Anwesenden mit der Frage: Gibt es denn niemand, der hier Bescheid wüßte? Man antwortete ihnen: Es gibt einen; sein Name ist Hillel der Babylonier. Er ist ein Schüler der zwei großen Lehrer Schemata und Abtaljon. Er weiß es. Als sie ihn befragten, war er dafür, die Schlachtung vorzunehmen; seine Stellungnahme begründete er mitteis der sieben Regeln der Auslegung. Zwar erregten die Ausführungen zunächst Widerspruch, aber Hillel konnte sich im Weiteren auf seine beiden Lehrer berufen. Jetzt ward sein Vortrag als Halacha angenommen. Die Aeltesten von Bethar verzichteten infolgedessen freiwillig auf den Vorsitz — sie werden dafür im Talmud zu den demütig Bescheidenen gerechnet — und übertrugen ihn auf Hillel. So wurde er N a s s i. Diese Würde des Präsidenten des Synedriums bildete die höchste Auszeichnung, welche die politisch geknechtete Jüdenheit in Erez Israel zur damaligen Zeit einem ihrer Großen geben konnte. Sie war eine unbedingte Vertrauerissteilung. Ihrem Inhaber vielieh sie ein autoritatives Ansehen. (Fortsetzung folgt.) Ein Tag im Ferienheim der Wiener Aguda - Jugendgruppe, Liebe Freunde! Ich durfte zwei Wochen im Ferienheim unserer Wiener A. J, J. verbringen. Das Heim liegt, entfernt von der staubigen Landstraße, zwischen grünen Wiesen und Wäldern, in der schönen Natur, die uns G'tt gegeben hat. Morgens werden wir um 6 Uhr geweckt, damit wir nicht »nw nsnp -qij; sind. Um 6.30 Uhr wird xrnnp geort. Wer zu spät kommt, muß D3p (Strafe von 3—10 Groschen) zahlen. Nach rrnnw wird 5 Minuten von -piv \tbv -ns1? gelernt. Zum Frühstück bekommt man eine große Tasse Kaffee und so viele Butterbrote man will. Um 10 Uhr bekommt jeder ein Glas Milch. Von 9—10 werden die O'-nsr'w abgehalten. Dann gehen wir in das Bassin, welches in unserem Garten ist, baden. Um 1 Uhr kommen wir, von der Sonne gebräunt und hungrig, zum Essen. Es schmeckt uns sehr gut. Von 1.30—3.30 Uhr müssen wir liegen-. Dann gibt es zur Jause (weil wir noch nicht milchig dürfen) entweder Obst oder Marmelade- Brote. Nachher gehen wir auf die große Spielwiese, in den Wald oder machen Ausflüge. Um 8 Uhr wird nmn geort, Abendbrot gegessen, :rnjm gebetet und ins Bett gegangen. Natürlich ist dort auch ein Bes-Din (von uns Kindern kurz Be'sn genannt), das von jedem Kind mit anderen Fragen beschäftigt wird (ob mani am roc? baden darf? Ob man am nzv einen Baum anfassen darf! Wie weit der na» omn ist und dergl.) Den ganzen Tag singen wir jüdische Lieder. So ist es in einem echt jüdischen Heim. Schade, daß ich nicht noch länger dortbleiben konnte. Gottschalk Schlesinger, 12 Jahre, Wien II, Heinestr. 20. Buchstaben-Rätsel. Von den nachstehenden Buchstaben sind 25 Worte zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, einen Satz aus der Sidroh ergeben : iii. nnnnimaanaai ssssshx bbbbbbb' dddD' ü>!t T' mmn T*l. (? y>- X.- S- »y». OOD> 3 3 3 3 3. »»»»»ÖS»» •n, v v w v) w. m 1. Jüdischer König, 2. Truhe, 3. Edelstein, 4. Eine Frucht, 5. Deutsche Universitätsstadt, 6. Sohn Abrahams, 7. Haustier, 8. Versammlung, 9. Sohn Jakobs, 10. Jüdischer Prophet, 11. Jüdische Prophetin, 12. Trinkgefäß, 13. Wildes Tier, 14. Klagelieder, 15. Das letzte, das einen Menschen verläßt, 16. Sohn Ebers, 17. Gesamtheit, 18. Teil eines Kleiderständers, 19. Gewässer, 20. Teil des Körpers, 21. Die Paukenschlägerin, 22. Teil des Körpers, 23. Klageausspruch, 24. Nahrungsmittel, 25. Innerer Körperteil. Auflösung des hebr. Wort-Rätsels aus Nr. 30. "p" ^fj,? R^he "W" nat2^3 Seele "X\" nariJ Trost Richtige Lösungen sandten ein: Gottschalk Schlesinger, Wien; Leo Weiß, Amsterdam; Bernhard Tachauer, Marktbreit a. M.; E. u. Ph. Pfeffer, Dresden; A. Davidsohn, Tilsit (Ostpr.) Briefkasten. Frankfurt a. M. E. 1000. Wir können Ihre Anfragen nur auf schriftlichem Wege beantworten und lütten um Angabe Ihrer Adresse unter^Wiederholung der Fragen. B. K: in H. Aus unserem Leserkreis wird uns noch mitgeteilt, daß Pallenberg vor einigen Jahren in München, als er dort im Volkstheater auftrat, sein Gastspiel ausgerechnet auf den Kolnidre-Abend verlegte. Das erregte damals in dem im gleichen Gebäude befindlichen jüdischen Restaurant Weiss starkes Aergernis Familien-Nachrichten. Geburten: Ein Sohn, A. J. Neugebauer und Frau geb. Jacobsohn, Uhlandstr. 57. — Eine Tochter, Fritz Besser und Frau Martha geb. Daniel, Breslau.

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