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Der Israelit · 1934-08-09 · Heft 32 (9.8.1934) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 32 (9.8.1934)
Date
1934-08-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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9. August 1934 Der Israelit Nr. 32 Seite 9 Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Erez Jisroel. Jerusalem, 1. Aug. In einem Artikel Mosche Smilanskys, des Vorsitzenden der Kolonistenorganisätion, im „Doar Hajom", tritt der Verfasser der Behauptung entgegen, die Vorliebe der Kolonisten für jemenitische Arbeiter beruhe auf der leichteren Möglichkeit, dieses Arbeiterelement „auszubeuten". Der jemenitische Arbeiter empfange den gleichen Lohn wie der aschkenasische und arbeite keine Sekunde länger als jener. Lediglich die innerliche Beziehung des Jemeniten zu d' Arbeitgeber sei eine anständigere und friedlichere, als die des vom Marxismus und Internationalismus auf gewiegelten Arbeiters. In diesem Zusammenhang fährt Smilansky fort: „Der jemenitische Einwanderer zeigt gegenüber dem Arbeitgeber keine so hervorstechenden Züge von Zorn, Haß und Abneigung, wie die Erben des „Bund Aber darin zeichnen sich nicht nur die Einwanderer aus dem Jemen aus. Noch fehlt es dem jüdischen Volke nicht an braven, ehrlichen Männern. Ein kleines aber belehrendes Beispiel. In einem großen Be triebe wurden Facharbeiter aus den Kreisen der Poale Agudas Jisroel aufgenommen und zwar allesamt intelligente, gebildete Menschen. Als Werk meister fungierte m diesem Betriebe ein erfahrener arabischer Arbeiter, weil die erfahrenen jüdischen Arbeiter, die dort einige Jahre tätig gewesen waren und die den Maximallohn erlangt hatten, bis auf einen alle weggegangen waren. Da kam nun der arabische Arbeiter zu dem Oberaufseher und fragte ihn verwundert: „Was für eine Art von Juden sind denn diese neuen Arbeiter? Sie arbeiten den ganzen Tag und verfluchen den Pardesbesitzer gar n i c h t." Afrika. Das Märchen vom jüdischen Weltherrschaftsstreben. (JTA-Briefdienst.) Johannesburg, 14. Juli. In Grahamstown ist gegenwärtig ein Prozeß im Gange, der von dem Rabbiner der Western Road Synagogue in Port Elizabeth gegen drei Führer der antisemitischen Grauhemden-Organisation, Johannes von Moltke, Harry Victor Inch und David Hermanus Olivier, angestrengt worden ist. Der Kläger verlangt Entschädigung für eine, wie er behauptet, von den Beklagten dadurch begangene Diffamierung seiner Person, daß sie angeblich aus der Synagoge, an der er Prediger ist, gestohlenes Dokument veröffentlichten, von dem sie behaupten, daß aus ihm das Vorhandensein einer jüdischen Weltverschwörung hervorgeht. In diesem Schriftstück wird auf die vielgenannten „Zionistischen Protokolle" Bezug genommen. Da in dem Verfahren eine Aufklärung über die in diesen und ähnlichen Publikationen gegen die Juden erhobenen Anschuldigungen angestrebt wird, findet der Johannesburger Prozeß weit über den lokalen Rahmen hinaus stärkstes Interesse. Einen Höhepunkt in den bisherigen Verhandlungen bildete die Vernehmung Nahum Sokolows, der zur Durchführung einer Kampagne für den Keren Hajessod sich gegenwärtig in Südafrika aufhält, als Zeuge in dem Prozeß. Sokolow erklärte, er sei Präsident der Zionistischen Organisation und von Beruf Journalist, u. a. habe er die erste hebräische Tageszeitung redigiert. Mit dem großen zionistischen Führer Dr. Herzl sei er bis zu dessen Tod verbunden gewesen und habe zu einem großen Teil an dem Zustandekommen der Deklaration mitgewirkt, die Lord Balfour an Lord Rothschild gerichtet hat. Auch habe er die Judenheit vor dem Völkerbund vertreten. Nach diesen Mitteilungen über seine Person erklärte Sokolow, an der Behauptung, es gebe eine jüdische Verschwörung zur Erringung der Weltherrschaft, sei absolut nichts Wahres. Die zionistischen Kongresse seien organisiert worden, um die Errichtung einer Heimstätte für das jüdische Volk herbeizuführen. An dem ersten Zionisten-Kongreß in Basel im Jahre 1897 habe er selbst teilgenommen und an seiner Vorbereitung gemeinsam mit dem verstorbenen Dr. Herzl mitgewirkt. Sokolow führte genau aus, wie er die Tagesordnung zusammengestellt hat, und zeigte, daß alle Verhandlungen des Kongresses öffentlich waren. Dem Kongreß wohnten Personen aus allen Teilen der Welt, unter ihnen nichijüdische Professoren der Baseler Universität, bei. Nach Kongreßschluß wurde ein vollständiges Protokoll der Verhandlungen veröffentlicht. Er könne bezeugen, daß die Behaup tung, die „Protokolle der Weisen von Zion" seien irgendwann von Dr. Herzl herausgegeben worden, durchaus falsch ist. Dieses verleumderische Dokument sei unerhört. Er habe Ward Price, der im Jahre 1920 in der „Times" Entstehung und Wesen der „Protokolle" enthüllte, persönlich gekannt. Jedes Wort in den „Protokollen" sei eine boshafte Lüge, nur zu dem Zweck geschrieben, die Nichtjuden gegen die Juden Die Woche. Frankfurt a. M. Wie die mainfränkische Zeitung meldet, wurde an den Eingängen aller Wohnhäuser in Karlsberg a. M. ein 1 Schild mit der Aufschrift: „Juden ist der Zutritt verboten" befestigt. Flieden (Bezirk Fulda). Hier wurden auf dem jüdischen Friedhof 6 Grabsteine umgeworfen. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Amsterdam. Der Vorsitzende der aschkenasischen Gemeinde im Haag, A. Simons, feierte dieser Tage seinen 7 0. Geburtstag. Warschau. Wie aus den Veröffentlichungen des staatlichen Amtes für Bevölkerungsstatistik hervorgeht, ist, wohl vorwiegend infolge der wirtschaftlichen Not, die natürliche Bevölkerungszunahme unter den Juden Polens in starkem Rückgange begriffen. Die Zahl der Geburten beträgt 17,3 pro 1000, bei den Nichtjuden dagegen 26,7. Die Sterblichkeit unter den Juden beträgt 10,7, bei der nichtjüdischen Bevölkerung 15,1. Trotzdem iät der Bevölkerungszuwachs bei den Juden 6,6, bei den Nichtjuden 11,6. — Das Palästina-Amt macht alle Anstrengungen, um sämtliche Zertifikatinhaber noch vor Roschhaschono abzufertigen. Einschließlich der Touristen sollen bis dahin 2000 Palästina- Fahrer abreisen. Es schweben Verhandlungen betr. Verlängerung der Luftfahrtlinie Warschau—Lemberg—Bukarest über Konstantinopel nach Haifa, Jerusalem. London, Im Unterhaus antwortete der Unterstaatssekretär Eden auf eine Anfrage, daß die Regierung der dauernden Niederlassung einzelner ausgewanderter Deutscher, einerlei ob Juden oder Nichtjuden, innerhalb der durch die Arbeitslosigkeit gezogenen Grenzen wohlwollend gegenüberstehe. Jerusalem. Die Kunstgewerbeschule B e z a 1 e 1 soll unter Leitung des bekannten deutsch-jüdischen Graphikers Josef Budko reorganisiert und wiedereröffnet werden. Die Regierung hat einen Beitrag von Lst. 1500 bewilligt. — Durch Verordnung des High Commissioner wurde die Verbreitung der in Berlin erscheinenden Zeitschrift Der Staatszionist in Palästina für zwei Monate verboten. New York. Hier ist der belgische Gesandte in den Vereinigten Staaten, Paul Ma y , an den Folgen einer Operation verstorben. Der Heimgegangene entstammte einer angesehenen jüdischen Familie Belgiens. Sein Schwiegervater war der. verstorbene Senator L e v y , ein berühmter Nationalökonom der französischen Akademie. — Wie Felix Warburg bekanntgibt, hat die Campagne für die Hilfsaktion zu Gunsten deutscher Juden in diesem Jahre V/2 Millionen Dollar ergeben. Es sollen im Laufe des Jahres bekanntlich 3 Millionen gesammelt werden. Chicago. Der auf der Weltausstellung in Chicago veranstaltete „Tag der Judenh e i t " , bei dem das Massenausstattungsstück „Das Epos vom jüdischen Volke" mit 5000 Schauspielern, Musikern und Tänzern aufgeführt wurde, hatte auch bei seiner Wiederholung einen glänzenden Erfolg. aufzuhetzen. Man habe entdeckt, daß die „Protokolle" die fast genaue Kopie einer in der Zeit Napoleons III. geschriebenen Streitschrift sind. Das Original dieser Schrift habe er im Britischen Museum gesehen. In den „Protokollen" kabe man den Namen Napoleons durch den Herzls ersetzt und überall da von Juden gesprochen, wo in der Originalschrift von den Franzosen und den napoleonischen Kreisen die Rede ist. Nachdem. Kläger, Rev. A. Levy von der Western Road Synagogue, auseinandergesetzt hatte, daß es einerseits technisch unmöglich gewesen sei, ein Dokument unbemerkt aus der Synagoge zu entfernen, und daß außerdem das angebliche Dokument seiner ganzen Aufmachung nach als Fälschung zu erkennen sei — die hebräischen Worte seien verstümmelt und an seinem Kopfe trage das Blatt die wohl für Warenbezeichnung, nie aber für Dokumente benutzte Aufschrift „Koscher le-Pessach" —, wurde der christliche Philologe Prof. Dingemans zur Abgabe eines Gutachtens über das angeblich aus der Synagoge stammende Flugblatt vernommen. Der Sachverständige erklärte, er habe im Alter von 16 Jahren mit dem Studium des Hebräischen begonnen und dieses seither ununterbrochen betrieben. Auch jetzt unterrichte er Hebräisch, Nach sorgfältiger Prüfung des Schriftstücks sei er zu der Ueberzeugung gelangt, daß es keineswegs das sei, als was es ausgegeben wurde, nämlich ein von einem gebildeten Juden verfaßtes Geheimdokument. Es enthalte falsch geschriebene hebräische Buchstaben und lächerliche Inkongruenzen zwischen den hebräischen Wörtern und der Tendenz des Inhalts. Das Dokument stelle einen plumpen, niemanden überzeugenden Versuch dar, einen hebräischen Text vorzutäuschen. Man habe Anzeigen in hebräischer Sprache kopiert und ein heilloses Durcheinander daraus gemacht. Der Schreiber könne nicht nur nicht hebräisch, sondern auch nicht englisch, seine Gedanken seien völlig unzusammenhängend. Besonders ein Satz sei deutlich mit der Absicht geschrieben worden, die Nichtjuden gegen die Juden aufzureizen. Der Zeuge erklärte, er kenne die jüdische Lehre zum großen Teil und wisse, daß die Juden niemals versucht haben, den Allmächtigen als einen der ihrigen in Anspruch zu nehmen. Er sei überzeugt, daß der in dem Schriftstück selbst liegende Beweis überwältigend dafür spricht, daß das Dokument eine schamlose, tückische Fälschung ist. Dieses Dokument könne nicht die Arbeit eines gebildeten Menschen sei er Jude oder Nichtjude, sein. Das Gleiche gelte bezüglich der anderen vorgelegten Dokumente. Es handle sich bei diesen um den Versuch, den Geist leichtgläubiger Menschen zu vergiften, doch sei Satan ganz hesonders schlecht beraten gewesen, als er für dieses Geschäft einen so unfähigen Mann aussuchte. Jeder, der hebräisch kann, werde unvermeidlich zu denselben Schlüssen kommen. Inch: „Warum haben Sie soviel Sympathien für die Juden?" — Der Zeuge: „Ich habe Sympathien für alle Völker und für die Juden, weil mein Herr und Heiland Jude war, aber ich bin nicht zu Gunsten der Juden voreingenommen." Auf weitere Fragen erklärte Prof. Dingemans, in seinen und seiner Angehörigen Adern fließe kein jüdisches Blut. Was den Kommunismus betreffe, so seien unter seinen Schöpfern Juden und Nichtjuden. Er habe stets gefunden, daß die Antisemiten Gegner des G'ttes der Bibel sind. Der Sachverständige bestand darauf, daß das vorliegende Schriftstück das Produkt eines ungeordneten Geistes sei. Er halte es für eine überlegte, heimtückische Fälschung. Von Moltke: „Kann man etwas fälschen, was nicht existiert?" Prof. Dingemans; ,,Wenn ich der Feind einer bestimmten Rasse bin, kann ich leicht etwas schreiben, um diese Rasse verächtlich zu machen, und versuchen, den Eindruck zu erwecken, daß das, was ich schreibe, von denjenigen herrührt, die ich verunglimpfen will. Dieses Schriftstück behauptet etwas zu sein, was es nicht ist. Es will als Aeußerungen aus einer Synagoge gelten, niedergeschrieben von einem gelehrten Juden, und ich halte an der Meinung fest, daß es, wenn es überhaupt aus einer Synagoge kam, in diese von demjenigen gebracht worden ist, der es geschrieben hat, und daß dieser kein gelehrter Jude, aber auch kein gelehrter Nichtjude war." Von Moltke: „Glauben Sie, daß jemand, der nicht so handelt wie der Stifter des Christentums und seine Apostel, schlecht handelt?" Prof. Dingemans: „Lassen Sie mich von einer Organisation, die vorgibt, eine christliche Organisation zu sein, das Wort sagen: Wer seinen Bruder haßt, wandelt im Dunkel und weiß nicht, wohin er geht." Als von Moltke gegen diese Beantwortung seiner Frage Einspruch erhob, erklärte der Vorsitzende: „Sie haben diese Antwort selbst herbeigeführt."

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