Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1934)
- Date
- 1934-08-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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2. August 1934 Der I s r a e 1 i t Nr. 31 Seite 7 sondern ernste Bedenken in Würdigung gegebener Tatsachen und Verhältnisse. Was der Jugend mit Recht gebührt, wissen wir seit Salomos Tagen: DITO Qmna mssn» Der Schmuck der Jugend ist ihre Kraft. (Sprüche 20, 28). Das ist sicher ebenso deutlich als weltlich und schön. Doch würde der weise König heute uns beraten können, er würde im Koheiet-Ton uns zurufen: Es gibt eine Zeit, Wandersport zu treiben und eine Zeit, daheim zu bleiben. Wählt das Letztere! Korrespondenzen- Deutsches Reich. Keine Unterscheidung zwischen arischen und militärischen Unternehmern, aber — Aufforderung, nur in deutschen Geschäften zu kaufen. Frankfurt a. M., 30. Juli. Der Oberbürgermeister von Erfurt hat, wie der „Frankfurter Zeitung" aus Halle gemeldet wird, auf eine Anfrage in der Presse, betreffend die Genehmigung eines jüdischen Konfektionshauses in Erfurt, eine Erklärung veröffentlicht, wonach ihm die Pflicht, nach den gesetzlichen Bestimmungen zu entscheiden, die Ablehnung des Gesuchs unmöglich gemacht habe; denn nach einem Runderlaß des Reichswirtschaftsministers sei eine unterschiedliche Behandlung von arischen und nichtarischen Unternehmern oder Gewerbetreibenden mit dem nach wie vor geltenden Grundsatz der Markt- und Gewerbefreiheit nicht vereinbar, Pflicht einer nationalsozialistischen Behörde sei es, ihren Maßnahmen und Entscheidungen nur die geltenden Gesetze zugrunde zu legen. Die Bedürfnisfrage sei bei der Entscheidung über die Genehmigung überhaupt nicht zu prüfen gewesen, sondern lediglich, ob infolge der beabsichtigten Errichtung die Gefährdung einer in unmittelbarer Nähe liegenden selbständigen Verkaufsstelle zu befürchten sei. Eine solche Gefährdung sei aber nicht ohne weiteres in der Tatsache der Konkurrenzmöglichkeit des neuen Unternehmens zu erblicken. Der Reichswirtschaftsminister habe übrigens die Entscheidung ausdrücklich bestätigt. Die Erklärung schließt mit dem Salz, daß der Oberbürgermeister persönlich als Nationalsozialist das Vertrauen zu seinen Erfurter Volksgenossen habe, „daß sie ihre Einkäufe nur in deutschen Geschäften vornehme n." 1364 Anwälte und 1199 Notare bis zum 1. Mai in Preußen als Nichtarier ausgeschieden. Berlin, 23. Juli. Die „Deutsche Justiz" veröffentlicht eine Uebersicht über die Zahl der am 1, Mai 1934 in Preußen zugelassenen arischen und nichtarischen Rechtsanwälte und Notare. Danach sind nach den letzten im Preußischen Justizministerium getroffenen Feststellungen auf Grund des Gesetzes über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und des Berufsbeamten-Gesetzes vom 7. 4. 1933 in den Oberlandesgerichtsbezirken Berlin 720, Breslau 143, Celle 32, Düsseldorf 66, Frankfurt a, M. 121, Hamm 82, Kassel 15, Kiel 33, Köln 61, Königsberg 47, Marienwerder 9, Naumburg 32 und Stettin 20 nichtarische Rechtsanwälte ausgeschieden. Insgesamt waren am 1. Mai 1934 10.885 Rechtsanwälte zugelassen, von denen 2009 Nichtarier sind. Von den 1364 ausgeschiedenen nichtarischen Anwälten sind 1084 auf Grund des Gesetzes über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und, wie die Aufstellung in der „Deutschen Justiz" sagt, 280. aus anderen Gründen ausgeschieden. Die Gesamtzahl der am 7, April 1933 in Preußen vorhandenen Notare betrug 6226, darunter 2051 Nichtarier. Am 1. Mai 1934 waren noch 5216 Notare zugelassen, unter denen 852 Nichtarier sind. Von den ausgeschiedenen 1199 nichtarischen Notaren sind 1055 infolge Zurücknahme der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und auf Grund des Berufsbeamtengesetzes, 144 aus anderen Gründen ausgeschieden. „Die Juden sind unser Unglück" als Leitsatz der deutschen Arbeitsfront in Franken. Berlin, 27. Juli. Die „Fränkische Tageszeitung" veröffentlicht eine vom stellvertretenden Gauwalter der Deutschen Arbeitsfront in Franken, Strömsdörfer, unterzeichnete amtliche Bekanntmachung über den Aufbau der Deutschen Arbeitsfront, in der es zum Schluß heißt: Das Rassenproblem ist somit auch für die Riesenorganisation der DAF. das A und O. Nur die germanische Rasse ist befähigt zur höchsten Disziplin und damit zur höchsten Leistung. Andersrassische, vor allem Juden, haben in der DAF. nichts zu suchen. Im Gau-Bereich des Frankenführers Julius Streicher wird auch die DAF., bis in die letzte Einheit hinein, nur nach dem einen Grundsatz geführt: „Die Juden sind unser Unglück", Neueste aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel A w i w. Infolge ungünstiger Umstände kann trotz der Vergrößerung der fruchttragenden Flächen bei den Pardess i m in der nächsten Saison kaum mit einer größeren Ernte als im letzten Jahre gerechnet werden. Die Grapefruchtaussichten sind günstiger als diejenigen der Orangenernte. — Haifa. Die Arbeiten zur Erweiterung des Nescher - Werkes — es ist dies die durch ihre systematische Sabbatentweihung berüchtigte Zementfabrik — Sollen im September oder Oktober abgeschlossen werden. Die Fabrik ist heute schon in der Lage, den Zementbedarf des Landes zu decken. — Tel A w i w. Der Ueberschuß der palästinensischen Einfuhr über die Ausfuhr (Waren abzüglich Goldausfuhr) ergibt einen Ueberschuß von Lst. 375.000 gegenüber Lst. 141.000 im entsprechenden Monat des Vorjahres. Hauptsächlich ist an dieser Einfuhrsteigerung der Posten Lebensmittel: Schlachtvieh, Butter, Käse, Fischwaren, Schokolade und Kartoffel beteiligt. An der Ausfuhr sind fast ausschließlich Orangen beteiligt, daneben in minimalen Mengen Wein, Speiseöl, Waschseife, künstliche Zähne, Schaf- und Ziegenfelle. — Jerusalem. Unter den von der Regierung beabsichtigten Straßenbauten befinden sich Asphaltstraßen von Hebron und Bethlehem nach dem Toten Meer, die durch unbewohntes Wüstengebiet führen. Gerüchtweise verlautet daher, eine englische Gesellschaft beabsichtige, Minerallager am Toten Meer auszubeuten. — Jaffa. Nach Berichten aus Cypern nimmt der Landerwerb in jüdische Hände zum Zwecke der Anlage von Citrus- } | Pflanzungen einen beachtlichen Umfang an. Der Anreiz hierzu liegt in der Vorzugsstellung Cyperns gegenüber Palästina als britische Kolonie, weiterhin in den niedrigeren Bodenpreisen und drittens in den niedrigeren Arbeitslöhnen der einheimischen Arbeiter. Eine unmittelbare Gefahr für die palästinensische Citruswirtschaft liegt noch nicht vor, doch könnte eine solche auf weite Sicht in Betracht kommen. — Jerusalem. Die Zqlleinnahmen haben im Mai die Höhe von Lst. 214.000 erreicht gegenüber einem Durchschnitt in den Monaten April 1933 bis Januar 1934'von Lst. 150.000. Die Regierung verfügt jetzt per 31. Mai über einen Büdgetüberschuß von nahezu 3 Millionen Pfund.;— Haifa. Als interessante Einzelheit aus den bereits mitgeteilten offiziellen Einwanderungsziffern für 1933 sei noch folgendes registriert: Von den 30.327 jüdischen Einwanderern waren 15.958 männlichen, 14.369 weiblichen Geschlechts. Berufstätig waren 14.674 Juden, berufslos (Rentner, Kinder, Frauen) 15.653 Juden. Bei den Berufen überwiegen fast völlig die Arbeiter aller Branchen. Auf Hauspersonal entfällt nur die Ziffer von 217, auf Fabrikanten und Kaufleute 1814, auf kaufmännische Angestellte und Beamte 695, auf Geistliche und Lehrer 429. — Jerusalem. Der Verkehrsminister des Irak weilt hier zur Besprechung der zwischen beiden Ländern schwebenden Verkehrs- und handelspolitischen Fragen. —• Kairo. Der ägyptische Eierexport, der durch Einfuhrbeschränkungen europäischer Länder stark gelitten hat, erstrebt stärkere Konkurrenzfähigkeit für Palästina durch bessere Prüfung und Sortierung der Exporteier, Zur Rede des Staatsrates Groh6. Berlin, 28. Juli, Auf einer Jugendkundgebung im Rahmen einer Kulturwoche der Hitler-Jugend hat der Gauleiter und Staatsrat Herr Grohe scharfe Angriffe gegen das Judentum gerichtet. Hiergegen hat sich der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände in einem Schreiben an den Herrn Reichsjugendführer gewandt. Anerkennung von Zweigstellen des Berliner Palästina-Amtes durch den Reichsinnenminister. Berlin, 27. Juli. Das Berliner Palästina-Amt hatte vor einiger Zeit bei der zuständigen Reichsbehörde beantragt, eine Anzahl von provinziellen Stellen des Palästina-Amtes als Zweigstellen anzuerkennen. Daraufhin hat . der Reichsminister des Innern durch Erlaß vom 12. Juli 1934 (IV 6042 11/7) im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt und nach Benehmen mit den zuständigen Landesregierungen achtzehn Zweigstellen des BeTliner Palästina-Amtes „hinsichtlich der Beratung jüdischer Auswanderer nach Palästina" als gemeinnützig anerkannt und die für die Leitung dieser Stellen seitens des Palästina-Amtes vorgeschlagenen Berater als solche bestätigt. Demnach bestehen nunmehr gemeinnützige Auswanderer - Beratungsstellen als Zweigstellen des Palästina-Amtes in folgenden Städten: Beuthen, Breslau, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Erfurt, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln, Königsberg, Leipzig, Magdeburg, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart. Oesterreich. Die Ereignisse in Oesterreich. — Falschmeldungen über Ausschreitungen gegen Juden, Wien, 30. Juli. Nach dem Tode des Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß hat der Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde eine Trauersitzung abgehalten. Die der Jüdischen Gemeinde gehörenden Gebäude tragen wie alle übrigen öffentlichen Gebäude Trauerschmuck. Auch die Vorstände der A d a ß Jisroel und 'der Agudas Jisroel haben Trauersitzungen abgehalten. Gegenüber Behauptungen in einem ausländischen Blatt, das anläßlich der jüngsten Vorgänge im Bundeskanzleramt und in der Ravag-Zentrale in dem von Juden stark bewohnten zweiten Gemeindebezirk Leopoldstadt antijüdische Ausschreitungen stattgefunden haben, stellt der Wiener ITA-Vertreter auf Grund eines von ihm eingerichteten verläßlichen Kontrolldienstes fest, daß es zu solchen Ausschreitungen nirgends gekommen ist. Allerdings besteht in weiten jüdischen Kreisen infolge der stets mit antisemitischer Propaganda verbundenen politischen Unruhen Besorgnis über die weitere Gestaltung des Schicksals der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich. In einer im Bundeskanzleramt stattgefundenen Pressekonferenz teilte der Chef des Bundespressedienstes, Gesandter und bevollmächtigter Minister Ludwig, u. a. mit, daß die Aufrührer, in deren Gewalt er sich selbst mehr als sieben Stunden befand, ein ausgesprochen antisemitisches Verhalten an den Tag gelegt haben. Einem Sektionsrat Dr. Otter, der, obwohl Christ, ein jüdisches Aeußere hat, wurde die Brille vom Gesicht geschlagen, und er wurde unter antisemitischen Hetzrufen wie „Hängts den Juden auf!" und dergl. mit Kolbenschlägen traktiert. Anderen Beamten, die das Unglück hatten, für Juden gehalten zu werden, erging es nicht besser. Vizekanzler Fürst Starhemberg, der im Flugzeug aus Italien in Wien eingetroffen ist, wurde von einem Vertreter des „Daily Expreß" über die Stellung der Juden in Oesterreich befragt. Der Vizekanzler erklärte, die Juden seien in den freien Berufen, im öffentlichen Dienst und im Kunstleben in einer ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung weit übersteigenden Zahl vertreten. Die Maßnahmen gegen die Juden trügen keinen Angriffs-, sondern reinen Verteidigungscharakter. Es werde in Oesterreich keine Judenverfolgungen und keinen Pogrom geben.