Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1934)
- Date
- 1934-08-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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2. August 1934 Der Israelit Nr. 31 Seite 5 Wir können die Authentizität dieser Mitteilung aus eigener Wissenschaft bestätigen, da die Anfrage seiner Zeit von hier ausging. In diesem Zusammenhange auf das ganze Problem einzugehen, würde zu weit führen. Es kam uns zunächst nur darauf an, festzustellen, daß ein Mann von der Festigkeit und für alle Kompromisse unzugänglichen Starrheit Rabbi Chajim Sonnenfeids Vst aus tiefstem Verantwortungsbewußtsein sich für verpflichtet hielt, unter. L Ein Jahr Emigration in Paris. E. S. Paris im Juli 1934. Es ist jetzt ungefähr ein Jahr vergangen, seitdem ein Teil der deutschen Juden nach erfolgter Gleichschaltung den Entschluß faßte, zu versuchen, sich außerhalb Deutschlands eine neue Existenz aufzubauen; über die Ergebnisse dieser Bemühungen ist in der Tagespresse genug geschrieben worden, meist mehr oder weniger tendenziös gefärbt. Der Augenblick scheint jetzt erst gekommen, um eine gewisse Uebersicht zu .geben. Eine Bilanz darf nur gezogen werden unter Berücksichtigung der Tatsache, daß man bei den augenblicklichen Schwierigkeiten aller Lander nirgends auf Emigranten gewartet hat. Dazu kommt, daß eine gewisse Reserve, gewisse Einschränkungen allen Fremden gegenüber selbstverständlich hingenommen werden müssen. Man hat niemandem ohne weiteres die Erlaubnis erteilt, eine bezahlte Stellung anzutreten. Die Zahl der Arbeitslosen, gering zwar im Vergleich mit anderen Ländern, ist im letzten Jahr um einige Tausend gestiegen. Es ist daher nur zu begreiflich, daß man hier zunächst an die beschäftigungslosen Landsleute denkt, nachdem sich gerade im letzten Jahre die wirtschaftliche Lage eher verschlechtert als gebessert hat. Es kann heute als beinahe ausgeschlossen gelten, Arbeitserlaubnis zu erhalten. Nur ganz wenige Ausnahmen für besonders qualifizierte Kräfte werden, wenn überhaupt, gemacht. Differenzen haben sich ferner nicht etwa ergeben, weil die Emigranten einer anderen Rasse angehörten. Dies wäre absurd in einem Lande, "wo Menschen verschiedenartigster Rasse unter der Devise „liberte, egalite, fraternite" zu einer Nation geeint sind. Schwierigkeiten wurden — abgesehen von Mißverständnissen infolge manfür die Rolle des Moses ist Feodor Schaljapin in Aussicht genommen. Franz Werfeis neues Drama hat eine ganz eigene Form, das gesprochene Wort geht zuweilen in Rezitation und Gesang über. Das Thema stützt sich auf vier Begebenheiten aus dem Alten Testament, die teils in die Zeit der Erzväter, teils in die der Propheten fallen. (Jüdische Gemeinden und Synagogen in Bulgarien.) Wie dem bulgarischen Kultusministerium auf dessen Verlangen mitgeteilt wurde, gibt es gegenwärtig in Bulgarien 37 Synagogen und vier Bethäuser. Die älteste Synagoge ist die in Plowdiw (Philippopel) aus dem Jahre 1534. Es gibt in Bulgarien 34 jüdische Gemeinden (31 sephardische, 3 aschkenasische). Von historischer Bedeutung ist die Gemeinde der Donau-' stadt Nicopol, wo der Verfasser des Schulchan Aruch Joseph Caro gelebt und diesen religiösen Kodex zu schreiben begonnen hat. (Eine Reise nach der Hauptstadt der Königin von Saba.) Der Forschungsreisende Graf Byron de Prorok ist im Flugzeug nach dem Hedjaz abgereist, um dort alle Vorbereitungen zu einer Expedition der jüngst von Malraux entdeckten Hauptstadt der Königin von Saba zu treffen. Malraux, der diese vergessene Wüstenstadt überflog und am Landen durch die Karabiner der wilden Araber verhindert wurde, hat ihm alle Dokumente und Daten übergeben, die ihm seinerzeit Veranlassung zu seinem Fluge gaben, und Prorok will nun in Begleitung von vier amerikanischen, einem englischen und einem italienischen Studenten, sowie eines Filmoperateurs und möglicherweise von Malraux selbst diese Reise nach der sagenhaften Metropole antreten. Sechzig Lastkamele bestimmten Voraussetzungen über den von ihm selbst viermal erneuerten Issur hinwegzugehen. Das bedeutet nicht, daß nun jeder das Recht hätte, seiner eigenen Einsicht zu folgen, wohl aber ist es ein Mahnruf an die berufenen rabbinischen Führer, ohne Rücksicht auf rechts oder links, so zu. entscheiden, wie die Stunde und wie ihr Gewissen rnifl DSH 2"S7 es ihnen gebietet. gelnder Sprachkenntnisse — dadurch hervorgerufen, daß die deutschen Juden sich durch ihre deutsche Mentalität von den Franzosen unterschieden. Wegen seiner Abstammung hat man keinem Emigranten einen Vorwurf gemacht, denn es gibt in Frankreich keinen Antisemitismus und wird, wie von Franzosen aller Parteien versichert wird, auch dann hier noch keinen geben, wenn schon alle anderen Länder Europas ihn zum Programmpunkt erhoben haben würden. Für alle, die in Frankreich Fuß fassen wollten, war also die erste Aufgabe, zum mindesten nach außen hin, sich der französischen Mentalität anzugleichen zu versuchen, denn ohne eine solche Angleichung ist es auf die Dauer unmöglich, hier etwas zu erreichen. Man muß nicht glauben, daß mangelnder Wille die Erfüllung dieser Aufgabe oft verhindert hat. Aber viele, besonders die an Jahren Aelteren, sind nicht mehr biegsam genug gewesen, um sich den neuen Erfordernissen anzupassen. Den Bemühungen der deutschen Emigranten, sich möglichst rasch eine neue Grundlage zu schaffen, traten die Franzosen mit der Formel entgegen: ,,nous ne sommes pas presses". (Wir haben es nicht eilig); denn diese Phrase ist in der allgemein konservativen Einstellung unerprobten Personen gegenüber begründet. Der in der Politik so oft gehörte Ruf nach securite gilt für jeden noch so kleinen Entschluß, in der mißtrauischen Provinz noch mehr als in dem mit Fremden aller Nationalitäten überschwemmten Paris. Auf Anhieb ist kein Geschäft abzuschließen. In diesem Jahr der Skandale, unter immer schwieriger werdenden Lebensbedingungen, wo jeder einzelne Nackenschläge erlitt, war es ein besonderes Kunststück, überhaupt einen Abschluß irgendwelcher Art zu Stande zu bringen. Schon in besseren Zeiten hat man meistens in Paris schon mehrere Jahre gebraucht, um sich ein bescheidenes Auskommen zu schaffen; nun sah man und eine starke militärische Eskorte sollen die Forscher gegen Durst und feindliche Wüstenstämme schützen. Prorok, der durch seine archäologischen Entdeckungen in Zentralamerika, Mexiko, Innerasien und Nd'rdafrika Berühmtheit erlangte, erklärte, daß der Gedanke einer Expedition zwecks Verifizierung der Entdeckung Malraux' von dem Negus von Abessinien stamme, bei dem er sich kürzlich aufgehalten habe . Der Negus, dessen Geschlecht vom König Salomo abstammt, wie er behauptet, habe begreiflicherweise großes Interesse an allem, was die Freundin seines Ahnherrn beträfe, und habe ihn gebeten, die von Malraux aufgefundene Ruinenstätte aufzusuchen. Prorok ist erst vor kurzem aus Abessinien zurückgekehrt. Wochenkalender. Vom 4. — Ii A u*. 1934 / Vom 23. — 30. Ab 5694 W *p Vinn •ps-ntt apj? l'ü'A Mauled: Freitag mitttag Samstag 4 23 0 12 Uhr 39"/B M. Sonntag 5 24 SO Montag 6 25 30 Dienstag Aug. 7 26 30 Mittwoch 8 3K 27 TO Donnerstag 9 28 no 1üp 1133 DT Freitag 10 29 10 Samstag 11 30 TD vih s?N-n "« rmi sich bei allen Bemühungen Mauern gegenüber, in die kaum eine Bresche zu schlagen war. In Anbetracht all dieser Gegensätze und Schwierigkeiten sind die teilweise erzielten positiven Ergebnisse um so höher zu bewerten. — Für einzelne Berufsgruppen ist folgendes zu sagen: Die Akademiker: Es ist weder den deutschen Aerzten noch den Anwälten gestattet, selbständig in Frankreich zu praktizieren. Sowohl das Abitur als auch sämtliche Prüfungen müssen noch einmal absolviert werden. Ein Teil arbeitet daher bei französischen Kollegen als Hilfskraft und treibt nebenbei Studien zur Erwerbung des französischen Patentes. Nur die Begabtesten, nur die am intensivsten ihre Absichten verfolgten, haben in der verhältnismäßig kurzen Zeit dieses Ziel bereits erreicht. Von den Universitätsprofessoren haben nicht alle einen neuen Lehrstuhl, viele aber einen neuen Wirkungskreis gefunden, denn der Respekt vor den jüdischen Gelehrten deutscher Nationalität ist groß genug, um die Schaffung einer neuen Basis zu erleichtern. Von den Studenten haben viele statt an deutschen nun an französischen Universitäten ihre Studien fortgesetzt. Viele von ihnen haben auch Stipendien erhalten; — wie ihre Aussichten nach Beendigung der. Lehrjahre sein werden, das ist eine andere Frage. Auch in Frankreich ist die Berufswahl zu einem schwierigen Problem geworden. Wie in der ganzen Welt herrscht auch hier eine Ueberschätzung der intellektuellen Berufe, die alle überfüllt sind. Gerade die Ereignisse der letzten Zeit und ihre Folgeerscheinungen haben aber gelehrt, um wieviel wichtiger die praktischen Kenntnisse eines Handwerks sein können als der Besitz eines akademischen Grades. Die freien Berufe: Schriftsteller mit internationalem Namen fanden ohne große Schwierigkeiten Uebersetzer und Verleger. Die weniger Bekannten und das Heer der Journalisten steht vor der Frage der Berufsumschichtung, denn der Kreis der deutschsprachigen Blätter als Abnehmer ist nach erfolgter Gleichschaltung sehr zusammengeschrumpft. Die Nachfrage ist viel geringer als das Angebot. Wie wenige aber beherrschen eine fremde Sprache so, um in einem Lande, wo ein gepflegter Stil beim Durchschnittsmenschen zu den selbstverständlichsten Bestandteilen der Allgemeinbildung gehört, mit Erfolg konkurrieren zu können. Das harte Gesetz der Auslese wird sich schließlich nur für die Wendigsten und Geschicklichsten, nicht für die Begabtesten, entscheiden. Die Klügsten ergriffen kurz entschlossen ein Handwerk oder fingen einen Handel an. — Das Gleiche gilt für die Musiker, ausgenommen die, welche das Glück hatten, einen Kontrakt für eine Tournee zu erhalten. Fotografen und Reklamefachleute, die sich auf eigene Füße stellen konnten, leben ihren Talenten entsprechend, wie sie es in ihren früheren Wirkungskreisen getan hätten. DieKapitalisten: Mit dieser Bezeichnung sollen alle diejenigen zusammengefaßt werden, die sich an irgendeinem bestehenden Unternehmen zu beteiligen oder selbst etwas zu gründen in der Lage waren. Man darf nicht etwa annehmen, daß ein solches Unterfangen rasch in die Wirklichkeit umzusetzen war. Sprachen die bereits genannten Gründe dagegen, so kam noch die Tatsache hinzu, daß in Paris zwar brachliegendes Geld mehr als genug vorhanden ist. Es ist aber eine kaum lösbare Aufgabe, einen Franzosen während einer Periode rückläufiger Konjunktur dazu zu bewegen, sich mit seinem Geld an einer neuen Sache, und noch dazu mit einem Ausländer als Kontrahenten, zu beteiligen. Ein echter Franzose wird außerdem niemals mit seinem in sicheren Staatspapieren angelegten Vermögen, sondern höchstens mit den Zinsen etwas nur riskieren, selbst bei den besten Sicherheiten. In Unternehmen, die gezwungen waren, Kapital aufzunehmen, war wiederum nicht jeder bereit, sein Geld, seine letzte Reserve, hin- Emigranten-Schicksale.