Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-07-26 · Heft 30 (26.7.1934) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 30 (26.7.1934)
Date
1934-07-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450836--80593-2538434
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10 Nr. 30 Der Israelit 26. Juli 1934 Der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung machb am 1. Juli 1934 23,8 Proz. der Gesamtbevölkerung des Landes aus. Rechnet man auch die Beduinen und die Durchwanderer mit, so bildeten die Juden 22,4 Proz, der Gesamtbevölkerung. Am 1. Juli 1933 mach ten die Juden 20 Proz. der allgemeinen Bevölkerung aus. Im November 1931, zur Zeit der Volkszählung, betrug der Prozentsatz der Juden 18,1 Proz. Somit ist der Prozentsatz der Juden unter der Gesamtbevölkerung im Verlauf von 21/, Jahren um 5,5 Proz, gestiegen. Nach den offiziellen Ziffern der Palästinaregierung kamen in den ersten vier Monaten 1934, d. h. bis 1. Mai, 9552 Touristen ins Land, in der gleichen Zeit wanderten 6119 Touristen ab. Somit blieben im Verlauf dieser vier Monate 3433 Touristenim Lande. Nach Mitteilungen der Regierung verteilen sich die Einwanderer der ersten vier Monate 1934 auf die Herkunftsländer wie folgt: aus Polen kamen 4734, aus Deutschland 2381, aus Rumänien 554, aus Griechenland 420, aus Litauen 342, aus Amerika 245, aus dem Yemen 561, aus England 99 Juden nach Palästina. Falsche Gerüchte über einen bevorstehenden Rücktritt des High Commissioner iür Palästina. Jerusalem, 21. Juli. Das Büro des Chefsekretärs der Palästinaregierung übergibt der ITA. ein kategorisches Dementi des vor kurzem von der Jerusalemer Jüdischen Nachrichten- Agentur „Palcor" weitergegebenen Gerüchtes, High Commissioner Sir Arthur Wauchope werde in diesem Jahre aus dem Amte scheiden. Alle Gerüchte über einen Rücktritt des High Commissioner sind, wie der ITA, von maßgebender Seite versichert wird, vollkommen unbegründet. Der Aufbau in Palästina, Rotterdam, 21. Juli Der Korrespondent des „Nieuwen Rotterdamer Courant" sendet seinem Blatt folgenden interessanten Bericht unter dem 4. Juli: Unter den hiesigen Ereignissen der letzten Zeit sind auch einige erfreuliche zu melden. Kürzlich wurde die neue jüdische Landbauschule auf dem Berge Ta bor eröffnet, die aus einem Legat des Sir Ellis K a - d o o r i erbaut und nun feierlich eröffnet wurde. Wie man sich wohl erinnern wird, hat der jüdische. Philantrop K a d o o r i vor etwa 10 Jahren einen größeren Betrag (ungefähr 177.000 Lst.) zu Gunsten des Unterrichtswesens in Palästina hinterlassen und die englische Regierung als Verwalterin dieses Vermögens ernannt. Die Regierung teilte die Summe in zwei Beträge, die Hälfte für eine arabische Ackerbauschule in Tulkarem, die bereits seit einiger Zeit in Gebrauch ist und die andere Hälfte für eine jüdische Ackerbauschule, die jetzt eröffnet wurde. Diese Schule mit 2000 Dunam Land entspricht einem dringenden Bedürfnis, denn die alte Schule in Mikwe Jisroel kann schon lange nicht mehr allen Anfragen genügen. Der Bruder des Erblassers gab anläßlich der Eröffnung 1500 Lst. zum Bau von Wohnungen für die Lehrer. Dr. Magnes, Rektor der hebräischen Universität, ist wieder in Palästina. Er war einige Zeit in Amerika. Er gibt bekannt, von einem anonymen Spender 40.000 Lst. für 10 Jahre Krebsforschung empfangen zu haben. Berühmte Spezialitäten aus Berlin sollen die Leitung des Krebsforschungsinstituts übernehmen. Die Finanzen der Universität haben sich gebessert, die amerikanischen Freunde der Universität wollen alles tun, um ihr Einkommen zu erhöhen. Das Budget des nächsten Jahres ist Lst. 58.000 (dieses Jahr Lst. 43.000), Lst. 47.500 für das gewöhnliche Budget, Lst. 7500 für das unvorhergesehene deutsche Budget und Lst. 3500 für das Krebsforschungsbudget. Ein weiteres erfreuliches Ereignis für das Land ist die Spende von 60.000 Lst. aus Regierungsfonds für Zwecke des technischen Unterrichts. Der größte Teil dieser Spende, nämlich Lst. 40.000, kommt den Arabern zugute, für die Errichtung einer arabischen Handelsschule in der Haifabucht, 20.000 Lst. sind für die bereits bestehenden technischen jüdischen Schulen des Landes bestimmt. Das Geld ist ein Teil der palästinensischen Anleihe. Die Unterhaltung der arabischen Schule geschieht gleichfalls durch die Regierung. Die Mitteilung der Regierung, daß 2000 Blanco Zertifikate für Kapitalisten aus Deutschland an das Britische Konsulat in Berlin gesandt wurden, ist auch erfreulich. Das vereinfacht die Verteilung an die Reflektanten, die nun nicht mehr auf Antwort aus Palästina warten müssen. Noch erfreulicher ist, daß die Regierung 500 Extra¬ Zertifikate für gelernte Arbeiter mit 250 Lst. Kapital zur Verfügung gestellt hat. 200 Stück sind für Deutsch land bestimmt, 200 für Polen und 100 für deutsche Flüchtlinge, die sich in anderen Ländern aufhalten, Palästina will auf jedem Gebiet mit anderen Ländern konkurrieren können. Nach gründlichen Vorarbeiten hat der Gouverneur den Direktor des Postwesens ersucht, sich einen Kostenvoranschlag für eine drahtlose Station bei Jerusalem zu verschaffen. Der Kontrakt für die Errichtung der Station wurde mit Marconi's Wireless Telegraph Co. abgeschlossen. Es soll nun eine Kommission ernannt werden, die die Programme in den drei offiziellen Sprachen zusammenstellt. Die Frage nach jüdischen Arbeitern in den Kolonien wird immer dringender und droht zu einer Katastrophe sich zu entwickeln. Die letzten Maßregeln der Regierung gegen jüdische Arbeiter, die darauf sehen, daß in den Kolonien keine jüdische Arbeit durch arabische ersetzt wird, hat große Unzufriedenheit hervorgerufen. Der Standpunkt der Regierung^ daß es jedem frei stehen muß, seine. Arbeiter sich auszuwählen, ist an sich richtig. Nicht richtig ist es aber, daß man durch zu geringes Hereinlassen jüdischer Arbeitskräfte die Arbeitgeber geradezu zwingt, arabische Kräfte zu nehmen und nicht nur arabische Arbeitskräfte aus dem Lande, sondern sogar aus Transjordanien. Dadurch bringt die Regierung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Unruhe. Auf beinahe der Hälfte der jüdischen Citrusplantagen wird mit nichtjüdischen Arbeitern gearbeitet, auf etwa 30.000 Dunam arbeiten nur 1000 Juden. Nur auf etwas mehr als ein Drittel der jüdischen Güter wird ausschließlich durch jüdische Arbeiter gearbeitet. Die jüdische Aufbauarbeit wirkt sich für die Araber nicht schlecht aus. 1922 hatten die Araber 22.000 Dunam bepflanzt, jetzt 90.000. Bei den Bauarbeiten dasselbe Bild, 1924 waren die Bauarbeiten außerhalb Jerusalems für Araber 150.000 Lst. und 1932 zwei Mal so viel. Durch das Geld, das infolge der Einwanderung ins Land strömt, sind die Kassen der Re-, gierung voll und es war möglich, den Arabern 500.000 Lst. Steuern zu ersparen. Mausoleum, Tel Awiw, 20. Juli. „Der Waad Leumi und die Zionistische Exekutive in Jerusalem haben beschlossen, ein Mausoleum für die nach Erez Israel zu überführenden sterblichen Ueberreste Theodor H e r z 1 s zu errichten." „Bis auf den heutigen Tag hat niemand Moschehs Grab erfahren." Die Mitteilung des ersten Satzes ist jetzt durch die jüdische Presse gegangen- Nur die wenigen Leser, in deren Seele sich der Sinn des zweiten Satzes nicht verloren hat, werden empfinden, daß zwischen der Denkatmosphäre der Thora und der Denkatmosphäre des Waad Leumi und der Zionistischen Exekutive eine Welt klafft und daß die Juden rechts und die links dieser Welt „einer die Sprache der anderen nicht mehr versteht." Im Waad Leumi, der obersten offiziellen Vertretung des neuen Jischuw, sitzt wohl auch eine Minovon Thorajuden. In seiner Majorität gibt es aber viele Elemente nach Art Ben Gurions, der heute einflußreichsten und bedeutendsten Führerpersönlichkeit Arbeiter-Organisation und dadurch auch der Zionistischen Organisation. Ben Gurion hat aber auf dem vorjährigen Zionistenkongreß in Prag den Ausspruch getan: „Uns verbinden mit dem jüdischen Volk nur Stamm und Schicksal." Aus politischen Gründen kann eine solche Richtung dem Antrag des Misrachi nach Kaschruth in den Arbeiterküchen zustimmen. Aus politischen Gründen findet sich eine solche Richtung auch mit dem Misrachi-Schulwerk ab, obwohl sie, wie Kenner wissen, ganz gern nach Gelegenheiten sucht, es zu beschränken. Seit dem Preßburger. Misrachikongreß — August 1904 — sind Jetzt dreißig Jahre vergangen. Da jedes regenerierende Volk nach seinen Traditionen greift, durfte der Misrachi glauben, daß auch die neue zionistische Nationalbewegung zur Tradition zurückfinden werde, um so mehr, als auf den Ziohistenkongressen immer wieder und wieder die feierliche Erklärung der Respektierung der Tradition abgegeben wurde. Wäre wenigstens die Tradition ehrlich respektiert worden,, dann hätte der Misrachi sich der Aufgabe unterziehen können, eine Annäherung zur Tradition zu vermitteln. Heute — anderthalb Jahrzehnte nach der Balfourdeklaration, nach der staatsrechtlichen Anerkennung des jüdischen Nationalheims in Erez Israel — haben sich Optimismus und Illusionen; als trügerisch erwiesen. Weltanschaulich ist auch nicht der bescheidenste, alllerkleinste Erfolg zu konstatieren! Im Gegenteil: Die geistige Atmosphäre, die die zionistische Bewegung in Erez Israel geschaffen hat — durch ihre areligiöse oder antireligiöse und damit a- oder antitraditionelle Beamtenschaft und ihre gleichgesinnten Literaten, Lehrer usw. — diese geistige Atmosphäre zerstört, auda den größten Teil der jüdischen Erziehung der Misrachischulen. , S. G. Palästina als militärische Basis Englands. Jaffa, 15. Juli. Die arabische Zeitung Palestine veröffentlicht eine Reihe von Enthüllungen im Zusammenhang mit den letzten Besprechungen zwischen den High Commissioners von Aegypten und Palästina. Das Blatt behauptet, daß Erez Jisroel und Transjordanien in eine Hauptbasis für das englische Heer und die englische Flotte im Osten verwandelt werden sollen. Malta sei zu klein als Basis für die englische Flotte, außerdem sei die Bevölkerung der Insel in ihren Sympathien zu sehr auf italienischer Seite. Haifa solle mit A k a b a verbunden werden. England wolle auch die hohen Gebühren, die die Suezkanalgesellschaft erhebt, vermeiden, deren Anteile zum größten Teil in französischen Händen seien. In Transjordanien solle ein großer englischer Militärlufthafen geschaffen werden. Gleichzeitig wurden Verhandlungen geführt wegen eines direkten Luftverkehrs zwischen Syrien und Aegypten. Personalien, München, 12. Juli. Einen schweren Verlust hat unsere Gemeinde zu beklagen. Eine edle fromme Frau ist in Frau Paula Lonne rstädter, der verdienstvollen, pflichttreuen, selbstlosen Leiterin des gemeindlichen Altenheims in der Kaulbachstraße dahingegangen. Unter großer offizieller und persönlicher Teilnahme wurde die Verblichene noch vor dem heiligen Sabbat zu Grabe getragen. Von weiten Kreisen der Gemeinde geehrt, von ihren Schutzbefohlenen über alle Maßen anerkannt und geliebt, ob ihrer mustergültigen Pflichterfüllung bewundert, wird sie in den Annalen der Anstalt und in den Herzen ihrer Pfleglinge fortleben: n-nxw Familien-Nachrichten. Geburten: Ein Sohn, Lehrer Kurt Silberpfennig u. Frau Rita, geb. Jacob, Frankfurt a. M. — Eine Tochter, Erich Zaduk u. Frau Irna geb. Katz, Gleicherwiesen (Thür.), 18. 7. 1934. — Eine Tochter, Max Finkel u. Frau Ida geb. Rokowsky, Arnhem (Holland). Barmizwoh: Oskar, Sohn des Herrn Julius Lewin, Frankfurt a. M., Uhlandstr. 58. unn«i 's'» Synagoge Friedberger Anlage, — Alfred, Sohn des Herrn Samuel Bachrach, Marburg, Bahnhofstr. 36. TOTU nnw- — Helmuth, Sohn des Lehrers Max Schuster, Ellingen (Bayern) •'«nJ na» in Ichenhausen. V e r 1 o b t e : Henny Bachrach, Fürth-Marburg, m. Dr. Abraham Cohn, Hannover-Marburg, iötu nns?. — Paula Nußbaum, Mosche Jeidel, Rechovoth, Chawurath Chofez Chajim. — Hetti Neumann, Kassel mit Lehrer Erich Jacobs, Unna. Vermählte: Edgar Beyersdorf Bouxwiller (Bas Rhin), Ruth Beyersdorf geb. Wertheim, Mannheim M. 6, Nr. 15 in Straßburg, 17. Av. Geburtstag: Frau Weißmann, Alzenau, war am 24. Juli 70 Jahre alt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.