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Der Israelit · 1934-07-26 · Heft 30 (26.7.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 30 (26.7.1934)
Date
1934-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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26 Juli 1934 Der Israelit Nr. 30 Seite. 5 Nicht jenes war das ideale Z i e 1 S. R. Hirschs, sondern das letztere; darüber wird in nächster Zeit gegenüber unberufenen Kritikern im zionistischen Lager noch manches Wort zu sprechen sein-*) Fast möchten wir glauben, daß dieses Ziel im Golus des neuen Deutschland, sofern eine Lockerung des Schulzwanges für das höhere Schulwesen eintritt, eher erreicht werden kann als irgendwo sonst in der Welt, selbst drüben auf dem Boden des heiligen Landes, wo — trotz fehlenden Schulzwanges — ganz besondere Bedingungen jeden Schritt zum Aufbau originalen und dabei weltzugewandten jüdischen Lebens unendlich erschweren. Wenn die deutsche Judenpolitik konstant bleibt, wird die Zahl der deutschen Juden in den nächsten Jahren außerordentlich stark abnehmen, und mit der rapid steigenden Ueberalterung auch die Frequenzziffer der Schulen und Bildungsstätten aller Art rasch sinken. Aber dieser Umstand raubt dem deutsch-jüdischen Kulturproblem nichts von seiner inneren Bedeutsamkeit. Auf diesem deutsch-jüdischen *) Siehe die heutige Sonderbeilage „Gola und Geulla". Wochenrundschau, Die „Einheitsmacher" am Zerstörungswerke. In Warschau, der größten jüdischen Gemeinde Europas, wo die organisierte Orthodoxie die Majorität in der Gemeindeverwaltung hat, konnte diese aus innerem Kraftgefühle heraus, das ein Abhängigkeitsverhältnis nicht befürchten läßt, die Initiative zur Schaffung einer einheitlichen Repräsentanznachaußen ergreifen, Die Sache war im besten Gange, eine Parteienversammlung von sämtlichen Parteien beschickt. Masur und J. M. Lewin, die orthodoxen Führer, ebneten den Parteien alle Wege zum Eintritte in das geplante gesamtjüdische Zentralkomitee und alle Parteien, einschließlich der zionistischen oppositionellen Gruppen schlugen in höchsten Grad von Zdokoh darstellt — selbst dann dürfte eine Wagenanschaffung für mich nicht in Frage kommen. Denn einerseits gestatten mir meine Verhältnisse nicht eher von jenen neuen, besseren Verwendungsmöglichkeiten Gebrauch zu machen, bis sich die Anschaffungskosten ausgewirkt haben, also bis die fünfviertel Jahre herum sind und andererseits darf ich nicht heute etwas preisgeben, um in fünfviertel Jahren womöglich etwas Besseres aufgreifen zu können. Indessen, sagte A. beschwichtigend zum Reisenden, bin ich überzeugt, daß Sie auf solche Schwierigkeiten in Ihrer Praxis wohl selten stoßen werden und daß Ihnen mithin, trotz meiner Ablehnung ein recht guter Umsatz bevorstehen kann. Die Offertenabgabe fand daraufhin ihre Erledigung. Der Reisende zog sein Angebot zurück und A. — mietete seinen Wagen von dem armen Wagenbesitzer weiter. B. R. Kleines Feuilleton, Hinter den Kulissen der jüdischen Tragödie in der Türkei. Aus Anlaß der tragischen Vorgänge in Thrazien und an den Dardanellen erinnert das in Saloniki erscheinende Blatt „Observer" daran, daß es Sultan Mohammed II. war, der nach der Eroberung Konstantinopels jüdische Gemeinden aus Kleinasien veranlaßte, sich in der neuen Hauptstadt niederzulassen, weil er diese mit loyalen Untertanen wieder bevölkern wollte. Einige Jahre später sind deutsche Juden in die Türkei eingewandert, denen bald eine Golusboden werden — so scheint es — auch weiter die geistigen Schlachten geschlagen, deren Ausgang für die gesamte europäisch - amerikanische Judenheit so gut wie für die Kulturproblematik Erez Isroels, seinen vorbildlichen Sinn haben kann, denn es geht ja im Grunde nicht um ein spezifisch deutsch - jüdisches Problem, sondern um die Auseinandersetzung der religiösen Kultur des jüdischen Volkes überhaupt mit der Umwelt. Die gesetzestreue Judenheit Deutschlands hat numerisch nie eine große Rolle in der Welt gespielt und trotzdem, war sie von der Vorsehung berufen, wie in einem Brennspiegel die Strahlen jüdischen und außerjüdischen Geisteslebens zu sammeln und Männer zu erzeugen, die für die große Auseinandersetzung zwischen Welt- und Offenbarungskultur Worte von ewigem Werte zu sprechen und Leistungen von dauernder Keimkraft zu vollbringen hatten. Wer weiß, ob sie nicht für die Zukunft erst recht die kulturelle Experimentierstube der ganzen Judenheit sein und ihren vollen Anteil an dem ,,Wege zum Baume des Lebens" zu nehmen haben wird, auf dem das Volk G'ttes und die Kulturen der Völker dem gemeinsamen Menschheitsziele entgegenschreiten. die dargebotene Hand ein. Im letzten Augenblicke aber gelang es den Z i o n i s t e n vom offiziellen C. K., den gleichen Herren, die allezeit die Aguda als „Störung der jüdischen Einheit" empfinden und bekämpfen, das Einheitswerk zu zerbrechen, bevor es noch in Wirksamkeit treten konnte. Warum? Verlangten die Herren von den orthodoxen Initiatoren mehr Interesse für Palästina, die hebräische Sprache, Einbeziehung der jüdischnationalen Belange ins Programm der neuen Zentrale? Solches Verlangen wäre unbillig, aber immerhin verständlich. Es ist der Zionisten unbestreitbares Recht, alle Konjunktur für ihre Ideale auszunutzen. Aber man höre und staune: die Zionisten dachten dabei weniger an Palästina als mehr an ihre parlamentarische Taktik in Polen und stellten eine Bedingnug, von der sie von vornherein wußten, daß sie für die Orthodoxie schlechthin unannehmbar ist. Sie verlangten als Preis für ihr Mittun den Austritt der orthodoxen Mitglieder aus dem parlamentarischen Regierungsblock. Und damit war das Schicksal der geplanten gesamtjüdischen Repräsentanz entschieden. große Zahl von Flüchtlingen aus Spanien folgte. Diese gewannen rasch entscheidenden Enifluß auf die Kultur des türkischen Judentums. Die tolerante Haltung gegenüber den Juden wurde in der Türkei ununterbrochen bewahrt, bis nach dem Weltkrieg die Juden die einzigen Nicht-Mohammedaner blieben, die außerhalb Konstantinopels wohnten. Jetzt erst wurde von halboffizieller Seite an sie die Forderung gestellt, türkisch als Muttersprache anzunehmen. Von diesem Zeitpunkt an waren sie wiederholt Beunruhigungen ausgesetzt, und in den letzten Monaten wurde von Leuten, für die allem Anschein nach persönliche Interessen ebenso maßgebend sind wie extrem-nationalistische Gefühle, eine Art antisemitischer Bewegung gefördert. Die Ausschreitungen ereigneten sich in Thrazien, wo sich die Juden stets als Käse-Erzeuger und vertrauenswürdige Vermittler beim Export von Agrarproduktion betätigt haben. Die Exzesse setzten im Juni d. J. in T s c h a n a k ein und verbreiteten sich schnell über das ganze Gebiet. Jüdische Läden wurden boykottiert, einzelne Juden erhielten Drohbriefe. Die Behörden schritten in manchen Fällen ein, beschränkten sich jedoch stets auf den formellen Schutz von Leben und Eigentum. Außerordentlich gefördert wurde die antisemitische Hetze durch ein vor zwei Monaten in Konstantinopel gegründetes Halbmonatsblatt, das in Ton und Aufmachung gewisse antisemitische Organe des Auslandes, wie sie bisher in der Türkei unbekannt waren, getreu nachahmt. (Der Scheidungskuß.) Was das ist? Lesen Sie in der Jüdisch-Liberalen Zeitung vom 13. Juli die rührende Schilderung einer Ehescheidung im Hause des liberalen Rabbiners: „Darauf — nach Anfertigung des Get — wird die Frau hereingerufen. Gerührte Familienszene. Sie legt Alle Erfolge bei der Regierung und all ihre Popularität bei den jüdischen Massen dankt die Aguda ihrer vernünftigen Politik, mit der Regierung unablässig für das jüdische Recht wachsam zu sein. Das Unterfangen, die Orthodoxie an den Karren der Opposition zu spannen, kann nur entweder einer kindlichen Naivität entspringen, oder — was hier wahrscheinlicher ist — dem Willen, die geplante einheitliche Repräsentanz von vornherein zu vereiteln. Denn was sollte diese Repräsentanz anderes bezwecken, als die jüdischen Interessen zu schützen, die permanenten Gefahren im politischen und Wirtschaftsleben des jüdischen Mittelstandes abzuwenden, höchstmöglichen Rechtschutz für die jüdischen Bürger bei der Regierung zu erreichen. Wie sollte sie aber überhaupt den Weg zu diesen Aufgaben und zur Regierung finden, wollte sie nach dem Wunsche der Zionisten ihren ersten Schritt mit einer Kampfansage der orthodoxen Fraktion an die Regierung beginnen? Die nach außen geplante einheitliche jüdische Repräsentanz in Polen ist zu Fall gekommen. Und mit ihr das Märchen vom ehrlichen Einheitswillen der polnischen Zionisten. „Neukoscher!" Ein neues Wort wurde aus der heutigen, neben der Tragik auch an Komik reichen jüdischen Situation geboren: „Neukoscher". Was ist das? In Thora und Talmud steht nichts davon, natürlich auch nicht in den Dezisoren und Responsen. Wenn in den Schriften einmal in Verbindung mit Gesetz das Wort „neu" gebraucht wird, so immer nur in dem Sinne, daß Thoralehre und Thoragesetz uns allezeit neu bleiben wie am ersten Tage trsnrD "iT Öl' ^33 Daß es aber auch einen Begriff „Neu-Koscher" geben kann, ersehen wir erst aus der Ankündigung einer jüdischen Restauration an einem bekannten Badeplatze im Schwarzwald. Es heißt dort u. a.: „Die Fleischküche wird „neukoscher" geführt . . . Ueber ähnliche Umstellungen auf „Neukoscher" in öffentlichen Betrieben wie in jüdischen Institutionen und Privathäusern auf dem Lande wird uns tagtäglich berichtet. Für unsere Leser, die nicht genügend eingeweiht sind, und über die Bedeutung von „Neukoscher" auch aus keinem jüdischen Lexikon etwas erfahren werden, sei hier das Wort kurz und klar definiert: Es handelt sich um Fleisch ihre Ringe ab, preßt die Ballen der Hände gegeneinander, so daß ein kleiner Zwischenraum bleibt, in den den Mann den Scheidungsbrief legt. Zum symbolischen Zeichen, daß sie das Dokument empfangen hat, steckt sie es in eine Tasche, wobei der Mann dem Rabbiner auf hebräisch die Formel nachspricht: „Dies ist dein Scheidebrief. Empfange den Scheidebrief und durch ihn sollst du von mir geschieden sein von nun an, und du bist frei für eine neue Ehe." Die Frau will das Symbol ihrer religiösen Scheidung behalten; es wird ihr aber bedeutet, daß das Dokument beim Rabbiner aufbewahrt bleibt und sie sich mit einer Uebersetzung begnügen muß. Eine kurze Ansprache des Rabbiners und der Austausch eines versöhnlichen Scheidungskusses zwischen den ehemaligen Eheleuten beenden die feierliche Zeremonie." Von der „Ansprache des Rabbiners" und dem „Scheidungskuß" steht im Talmud und „Eben Haeser" nichts . . . (Ein Kunstkalender der Berliner jüdischen Kunst-. Ierhüfe.) Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin (Abt. Bildende Künstler) bringt soeben einen Kunstkalender für das kommende Jahr 5695 heraus. Wenn man auch davon ausging, die wirtschaftliche und seelische Bedrängnis des bildenden Künstlers zu beheben, so war es doch ebenso wichtig, die jüdische Oeffentlichkeit, die der bildenden Kunst gegenüber noch immer eine allzugroße Zurückhaltung bewahrt, mit den Werten vertraut zu machen, die für jeden Menschen in dem Schaffen der bildenden Künstler ruhen und gerade heute wieder ihre befreiende Wirkung ausüben sollen. In diesem Kalender, der im Kunstverlag Dr. Herbert Loewenstein (Berlin S. O. 16, Köpenickerstr. 76)

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