Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1934)
- Date
- 1934-07-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450836--80585-2538426- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 30 Der Israelit 26. Juli 1934 Nach der Freisprechung Stavskys, Verschärfung der Gegensätze. Jerusalem, 23, Juli. Die Freisprechung Abraham Stavskys, (über die ebenso wie über die Begründung des freisprechenden Urteils im Innern des Blattes, Seite 9 berichtet ist) hat in der ganzen jüdischen Welt Befriedigung ausgelöst, da die Beweislage zum mindesten zweifelhaft war. Die „Histadruth hoowdim" veröffentlicht jedoch eine Erklärung, in der sie unter Berufung auf die Urteilsbegründung feststellt, daß auch der höchste Gerichtshof von der Täterschaft Stavskys und Rosenblatts überzeugt sei und daß er nur wegen des nach türkischem Gesetz geforderten zweiten Beweises neben dem Zeugnis.Frau Arlosoroffs Freisprechung verfügen mußte. Ferner stehe das oberste Gericht Palästinas auf dem Standpunkt, daß die Aussage Abdul Medschids ein falsches Zeugnis zu Gunsten der Verteidigung war. Die Arbeiterpartei halte also daran fest, daß Arlo'soroff das Opfer der Birjonimhetze sei und sie sei überzeugt, daß Stavsky und Rosenblatt Verbündete bei ihrer Tat vom 16. Juni gehabt hätten. Der Kampf der Arbeiterpartei gegen die revisionistische Bewegung und ihre laufende Halbjahr. Jerusalem, 24, Juli. Die Palästina-Regierung bewilligte am 23. Juli die Ausgabe von weiteren 1200 Einwanderungszertifikaten über die Anfang Mai festgesetzte Einwanderungsquote von 5600 hinaus. Von den neuen Zertifikaten sind 660 für Der „Frankfurter Zeitung" wird aus Aachen berichtet: Die Kulturwoche der Hitlerjugend fand ihren Abschluß in einer Kundgebung, an der über 100 000 Angehörige der HJ aus dem ganzen Mittelrheingebiet teilnahmen. Der Vorbeimarsch der HJ am Elisenbrunnen, der von dem Gauleiter Staatsrat Grone und dem Obergebietsführer Hartmann-Lauterbacher abgenommen wurde, währte fünf Stunden — — — Gauleiter Grone sprach über die rassischen Grund lagen der deutschen Volkseinheit. Die Hitlerjugend müsse sich dieser Grundlagen bewußt sein, die in erster Linie Blutsgemeinschaft und deutsche Eigenart seien. Wenn das deutsche Volk diesen Rassenstandpunkt verfechte, so betrachte es deshalb doch nicht die anderen Rassen als minderwertig. Die jüdische Rasse dagegen müsse es als minderwertig ansehen. Der Jude sei der Feind jeder anständigen Gemeinschaft in der ganzen Welt. Der Jude sei der Feind der Arbeit; er lebe vom Profit, immer bestrebt, andere Völker zugrundezurichten . . . Der Jude habe dem deutschen Volke jeden sittlichen Halt nehmen wollen, und das sei ihm auch teilweise geglückt. Der Jude sei der Urheber des Klassenhasses, des Marxismus und der Dünkelhaftigkeit. So habe er Deutschland zum Spielball der Welt gemacht. Vor dem Kriege habe er die Welt gegen das friedfertige Deutschland aufgehetzt, Im Kriege habe er Greuelmärchen gegen das deutsche Volk verbreitet. Nach dem Kriege habe er das Volk ausgebeutet, Wirtschaft und Kultur vernichtet. Heute hetze er die Welt wieder gegen das friedliche Deutschland. Das müsse die deutsche Jugend wissen, daß ihr die Reinheit des Blutes und die Eigenart des Volkstums über alles zu gehen habe. Die Jugend sei verantwortlich für das Weiterleben der Nation. Jeder deutsche Junge und jedes deutsche Mädchen müsse sich schämen, einen Juden auch nur freundlich anzusehen. Wer bei einem Juden kaufe, einen jüdischen Arzt oder einen jüdischen Rechtsanwalt zu Rate ziehe, beschmutze die deutsche Ehre. Unsre Anständigkeit und unsre Menschlichkeit gebieten uns, Terrorakte, gegen die „falschen Propheten", die sich den Anschein von Heiligen geben, werde weitergehen. Während des Sabbat-G'ttesdienstes in der großen Synagoge von Tel Awiw am 21. Juli kam es zu schweren Störungen, als Stavsky aufgerufen wurde, um Gomel zu benschen. Es wurden Steine geworfen und im Gedränge mehrere Personen leicht verletzt. Die Polizei verhaftete einzelne Angreifer. Die Lage in Tel Awiw ist gespannt, zumal es am Nachmittag zu einem Zusammenstoß zwischen Revisionisten und Arbeiterparteilern kam, wobei es wieder Steinwürfe und Verletzungen gab. Die Polizei riet Stavsky und Rosenblatt, Tel Awiw zu verlassen, da man sich für ihre Sicherheit nicht verbürgen könne. Warschau, 23. Juli. In P o 1 e n geht der heftige Bruderkrieg zwischen Arbeiterparteilern und Revisionisten weiter und es kam am Tischobeaw vielfach zu Zusammenstößen zwischen den feindlichen Gruppen, trotzdem die Presse zum Burgfrieden mahnt. landwirtschaftliche Arbeiter, 465 für Industriearbeiter und 75 als Reserve bestimmt. Die Hälfte der Zertifikate soll deutschen Juden zugeteilt werden. So dankenswert diese Neubewilligung ist, so entsprechen auch 6600 Einwanderungszertifikate in keiner Weise dem wirtschaftlichen Bedarf des Landes, so fuhr Gauleiter Grone fort, den Juden als einen Feind zu behandeln. Wir befinden uns da in einer Gesellschaft mit Christus, der erklärte, daß der Satan der Vater des Judentums sei; wir befinden uns in Gesellschaft aller großen Männer der Welt, insbesondere der deutschen; wir befinden uns in der Gesellschaft der christlichen Kirchen, der katholischen und der evangelischen. Das müsse die deutsche Jugend wissen, dann sichere sie die Zukunft des Volkes und erweise der Menschheit den größten Dienst.--- Man v/ird nicht erwarten dürfen, daß Juden, die sich ihrer menschlichen Würde bewußt sind, auf so maßlose Ehrenkränkungen irgendwie antworten. Sie stehen im schärfsten Gegensatz zu den eben erst veröffentlichten Erklärungen des Leiters des rassenpolitischen Amtes der NSDAP., Dr. Walter Groß, der im „Völkischen Beobachter" am 20. Juli feststellt, daß „der Nationalsozialismus gar nicht daran denke, andere Rassen herabzusetzen oder als minderwertig zu bezeichnen", ohne daß Dr. Groß dabei einen Unterschied zwischen diesen anderen Rassen selbst macht. Und sie berufen sich auch völlig zu unrecht auf die k a - t h o 1 i s c he und evangelische Kirche, die den Adel des jüdischen Volkes nimmermehr bestreiten kann, ohne die Glaubensgrundlage aufzuheben, auf der die Kirche steht. Wir müssen aber immer wieder auf den unberechenbaren moralischen und politischen Schaden hinweisen, der nicht für die Juden, wohl aber für Deutschland im ganzen Auslande dadurch entsteht, daß derartige Beschimpfungen der jüdischen Ehre vor hunderttausend unschuldigen deutschen Jungen und Mädchen verkündet werden dürfen. Spaltung im Misrachi. Jerusalem, 20,. Juli, In Palästina wurde unter dem Namen. „Hamisrachi ha'Watik" eine unabhängige Misrachi-Organisation gegründet. Die Initiatoren dieser Neugründung, Prof, Chaim Pick, Rabbi Dow Hacohen Kook, Rabbi Simeon Winograd, Rabbi S. Assaf,. Rabbi J, Berman, Prof. Hermann Struck, Dr. J. Wolfsberg, Dr. Ebert und Rabbi M. Ostrowski, haben ein Manifest verüffentlicht, in dem sie auf die in Palästina und in den übrigen Ländern wachsende Unzufriedenheit mit der Haltung der Exekutive des Misrachi-Weltverbandes, sowie darauf hinweisen, daß diese Unzufriedenheit zu einer Absonderung des deutschen Misrachi-Verbandes als unabhängige Organisation geführt hat. Die Unterzeichner erklären, sie seien zu ihrem Schritt aus dem Wunsche heraus genötigt worden, die Grundsätze des Misrachi rein zu erhalten. Sie seien gegen den geplanten Bruch mit dem Waad Leumi, „der nichts anderes bedeuten würde als das endgültige Ausscheiden aus der organisierten palästinensischen Judenheit"; sie versprächen, einen. Weg zur Zusammenarbeit aller Elemente der Judenheit in der Knessoth Israel zu finden, und seien entschlossen, die nationalen Fonds zu unterstützen, mit der Zionistischen Organisation harmonisch zusammen zu arbeiten und den Hapoel. Hamisrachi zu fördern. Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung in Holland. Verbreitung antisemitischer Schriften und aufreizende Reden gegen Juden verboten. Amsterdam, 24. Juli, Die Erste Kammer der holländischen Generalstaaten (Parlament) hat ein Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung angenommen, das u. a, schwere Strafen für die Verbreitung antisemitischer Schriften und für aufreizende Reden gegen den jüdischen Teil der Bevölkerung vorsieht. Das Gesetz wurde mit 24 gegen 10 Stimmen beschlossen. Die Gegenstimmen wurden von den sozialdemokratischen Mitgliedern der Kammer abgegeben, die jedoch erklärten, daß sie mit dem gegen die antisemitische Propaganda gerichteten Passus einverstanden seien. Das Gesetz wird von allen maßgebenden holländischen Zeitungen begrüßt. Der neue Präsident des Verbandes der orthodoxen jüdischen Gemeinden Ungarns beim Kultusminister* Budapest, 24. Juli. Der Minister für Kultus und Unterricht, Dr. Valentin Hcman, empfing, nachdem er die Wahl des neuen Präsidenten des orthodoxen Gemeindeverbandes, Samuel Kahan-Frankl, bestätigt hatte, diesen und seinen Schwiegervater und Amtsvorgänger Adolf Frankl in Audienz. Er versicherte das neugewählte Oberhaupt des orthodoxen Judentums Ungarns seines aufrichtigen Wohlwollens und sprach die Hoffnung aus, daß der neue Präsident das glaubenstreue Judentum im Geiste seines hervorragenden Vorgängers leiten werde. Bei dieser Gelegenheit betonte der Minister, daß die orthodoxe Judenheit durch ihre tiefe Religiosität auch im Hinblick auf die allgemeinen Landesinteressen einen hohen Wert darstelle, Es freue ihn, daß der frühere Präsident und nunmehrige Ehrenpräsident Adolf Frankl, der auch in Zukunft die orthodoxe ungarische Judenheit im ungarischen Oberhaus vertreten wird, seine öffentliche Tätigkeit fortzusetzen gedenkt. Weitere 1200 Arbeiterzertifikate für das Andersartige oder minderwertige Rasse?