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Der Israelit · 1934-07-26 · Heft 30 (26.7.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 30 (26.7.1934)
Date
1934-07-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Öer Israel Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann Frankfurt a. M. J26.^uli_1934 . 14. Ab 5694 Nummer 30 Die Hochwasserkatastrophe in Polen. Die polnische Hochwasserkatastrophe kann leider noch keineswegs als beendet angesehen ^werden, nur ihr Schwerpunkt verlagert sich mit jedem neuen Tag weiter flußabwärts. Für Warschau scheint die Gefahrindessen z. Zt. abgewendet zu sein. Es ist natürlich, daß in der allgemeinen Katastrophe, bei der sich sowohl die Behörden, als insbesondere auch das Militär nach jeder Richtung glänzend bewährt haben, der Bezirk der jüdischen Not eine besondere Rolle spielt*. Nach den bis heute hier vorliegenden Nachrichten sind annähernd 50 jüdische Todesopfer der Ueberschwemmungen, vornehmlich in Galizien, zu beklagen. Die Not unter den Zehntausenden von Opfern, die ihr ganzes Hab und Gut eingebüßt haben und kein Dach mehr über dem Kopf besitzen, ist unbeschreiblich. Bisher ist die Hilfsaktion der Regierung und die verschiedenen in den einzelnen Städten privat vorbereiteten Sammlungen, auch der jüdischen Kreise, noch nicht otark vorangekommen. Der unmittelbare Schaden wird auf über 150 Millionen Zloty geschätzt. Von denjenigen Städtchen, die hauptsächlich oder in starkem Maße von Juden bewohnt sind, ist insbesondere Neu-Sandez hervorzuheben, wo sich unter den Todesopfern zahlreiche Juden befinden. Neu-Sandez ist vollkommen überflutet. Der Rosch-Jeschiwah von Neu-Sandez, Rabbi Mendele Rothenberg, ist von einem heldenmütigen Bachur seiner Jeschiwah, der das eigene Leben aufs Spiel setzte, vom Ertrinken gerettet worden. Auch das Bejs-Hachajim in Neu-Sandez mit dem des ü^ri "Hm ist überflutet worden. In den Orten mit starker jüdischer Bevölkerung haben sich neben den allgemeinen Hilfskomitees auch besondere jüdische Komitees für die Hilfeleistung gebildet. In Gorelitz haben sich die dort befindlichen agudistischen Ghaluzim bei der Rettungsarbeit besonders ausgezeichnet. Die Kichtarier in der Wirtschaft. Das Berliner Arbeitsgericht hat Ende Juni eine Entscheidung gefällt, die besagt, daß nicht- . arische Firmen an die Tarifverträge nicht gebunden seien, soweit sie nicht vor dem 30. April für allgemein verbindlich erklärt worden waren, weil •die nichtarischen Firmen nicht der Deutschen Arbeitsfront angehören, die Tarifverträge aber von der Arbeitsfront abgeschlossen worden seien. Die „Deutsche Volkswirtschaft" hält die Entscheidung für praktisch und rechtlich unhaltbar. Das Gericht konnte aber kaum anders entscheiden, weil die alten Tarifverträge nur für die Vertragsparteien galten und es fraglich ist, ob die Verlängerung dieser Verträge in der neuen Rechtsform der Tarifordnung mangels besonderer Anordnung auch den bisherigen Geltungsbereich geändert hat. Die „Frankfurter Zeitung" zeigt an diesem Beispiel, zu welchen Verwicklungen die vom Gesetz selbst nicht vorgesehene Ausweitung der Ariergesetzgebung in die Bereiche der Wirtschaft führen muß. Sie weist auf die sich häufenden Aufrufe und Anordnungen lokaler Stellen hin, die zur Boykottierung jüdischer Firmen und jüdischer Geschäfte auffordern und die, wie jetzt erst bei einer großen Tagung, bis zu der Formulierung gehen, wer bei einem Juden kaufe, einen jüdischen Arzt oder einen jüdischen Anwalt zu Rate ziehe, beschmutze die deutsche Ehre. Das Blatt erinnert an das bekannte Schreiben des Reichsinnenministers Dr. Frick, gegen die Ausdehnung der Arierparagraphen auf die freie Wirtschaft und fordert eine Grenzziehung, die die Gewohnheiten des praktischen Lebens in Deutschland ausdrücklich mit den Schranken der Ariergesetzgebung in Uebereinstimmungbringt. Wir freuen uns, daß diese Notwendigkeit, die von der jüdischen Presse Deutschlands seit einem Jahre unablässig betont wird, nun auch einen Widerhall in einem angesehenen politischen Organ der öffentlichen Meinung Deutschlands findet. Aus dem Inhalt: Nach der Freisprechung Stavskys Seite 2 Weitere 1200 Arbeiterzertifikate . Seite 2 Spaltung im Misrachi.......Seite 2 Neueste Wirtschaftsnachrichten . aus Erez Jisroel.......Seite 3 Die Einheitsmacher am Zerstörungswerk Seite 3 Neu-Koscher...........Seite 3 Dr. Meier Hildesheimer V'XT Seite 6 Die Lage in Thrazien......Seite 9 Palästina als militärische Basis Englands Seite 10 Sonderbeilage Gola und Geulla: Thora im Derech-Erez, mit Beiträgen von Oberrabb. Dr. Joseph Carlebach und Ari Wohlgemuth. Druckfehlerberichtigimg! Auf Seite 3 der Beilage „Gola und Geulla" hat sich in einem Teil der Auflage ein sinustörender Druckfehler eingeschlichen. Die Ueber- . schrift des dort veröffentlichten Artikels muß natürlich heißen: „Den Manen S. R. Hirschs" und nicht „Den Namen S. R. Hirschs". er Anruf der Geschichte. Eine Auseinandersetzung mit Joachim Schoeps und anderen. Die deutsche Judenheit erweist sich wieder einmal als der Diskussionsklub des ganzen Diasporajudentums; alles, was an immanenter Problematik in der Golusexistenz des jüdischen Volkes steckt, drängt hier unter dem Zwange des täglichen Erlebens zu Ausdruck und vielfältigster Formung, wobei trotz der Verschiedenheit in Stimmung und Begriffsprägung, doch gewisse Typen der Auffassung konstant erkennbar bleiben. Wenn jetzt Hans Joachim Schoeps, den wir vor zwei Jahren unsren Lesern als jugendlichen Verfasser einer neuen theologischen Grundlegung des Judentums vorstellten, in einer kleinen Schrift ,, Wirdeutschen Juden" das Programm seines „Deutschen Vortrupps" verkündet und begründet, so sind die Erwägungen und die dialektischen Auseinandersetzungen, die dieser Verkündung zugrunde liegen, im Großen und Ganzen fast vollkommen identisch mit der Ideologie, von der heute große jüdische Organisationen, insbesondere der Centraiverein und der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, getragen werden, ja zwangsläufig sich tragen lassen müssen, und sie beleuchten am schärfsten auch die geistige Position des zionistischen Gegenspielers. Es lohnt sich also rein methodisch, obgleich der ,.Vortrupp" zahlenmäßig sicher keine beachtenswerte Rolle in der jüdischen Jugend spielt, auf die Schoeps'schen Gedankengänge etwas näher einzugehen. Schoeps hat, das wird man rückhaltlos zugeben müssen, in den zwei Jahren manches zugelernt. Mußten wir damals bemängeln, daß ihm auf seinem Wege über das fleißige Studium der evangelischen Theologie die Erkenntnis des zentralen dogmatischen Charakters des Volkstums, des nationalen Seins im Gesamtkomplex der jüdischen Lehre vollkommen abhanden gekommen war, so zeigt die neue Schrift nach dieser Richtung einen erfreulichen Wandel. Sie nimmt zwar eine scharfe Frontstellung gegen den Zionismus ein mit seiner Verweltlichung und assimilatorischen Angleichüng des jüdischen Volkes an die Nationen der Erde, aber sie weiß, daß auch im Golus das Königtum G'ttes über sein Volk weiterbesteht, daß somit jüdisches (Fortsetzung auf Seite 3.)

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