Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1934)
- Date
- 1934-07-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 29 De r Israelit 19. Juli 1934 Dr. "Ehrmä'nn' füKrt in dem Artikel den Nachweis, daß der R. J. F., indem er die nationalistisch-zionistische Weltanschauung für das Judentum ablehnt und die weltanschauliche Erziehung der ihm zugehörigen Jugend ganz auf religiöse Grundlagen stellt, mit innerer Notwendigkeit über die religiöse Neutralität in ihrer vollendeten Inhaltslosigkeit hinauswachsen und sich zu den religiösen Inhalten des Judentums, zu Sabbathut und jüdischem Lebensregime bekennen muß. Im Sinne dieser Entwicklung zu wirken und damit eine Bruderpflicht der Orthodoxie an einem in seiner inneren Sicherheit aufs tiefste erschütterten Geschlechte zu erfüllen, ist der Grundgedanke derjenigen, die in dem Zusammenwirken der unabhängigen Orthodoxie mit dem R. J. F. eine Mizwa erblicken. Im Gegensatz zu manchen anderen organisatorischen Formen des jüdischen Gemeinschaftslebens in Deutschland legt dieses Zusammenwirken kein Gewissensopfer auf und entspricht auch in seiner politischen Tendenz, wie in dem Artikel unter Berufung auf Samson Raphael Hirschs Choreb ausgeführt wird, durchaus den tausendjährigen Traditionen des orthodoxen Judentums im Golus. Rückwanderung jüdischer Ausländer aus Deutschland. Berlin, 13. Juli. In der demnächst erscheinenden Nummer der Informationsblätter des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau wird die Rückwanderung jüdischer Ausländer aus Deutschland in ihre Heimatländer i. J. 1933 im Rahmen eines Berichtes über die. Arbeit der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge dargestellt. Die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge hatte sich im Jahre 1933 insgesamt mit der Rückwanderung von 18.694 Personen zu befassen. Diese Zahl umfaßt keineswegs die gesamten in ihre Heimatländer im Jahre 1933 zurückgewanderten Personen, sondern nur diejenigen, die sich fürsorgebedürftig an die Bezirksstellen der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge gewandt haben. Die Zahl der Juden nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, die Deutschland im Jahre 1933 verlassen haben, wird man demnach vorsichtigerweise mit 25—30.000 beziffern können. Von den 18.694 Rückwanderungen waren 14.334 Männer, 2989 Frauen und 1371 Kinder. Die besonders hohe Zahl von Männern unter den Rückwanderern zeigt, daß es sich nur zu einem geringen Teil um Familienwanderung handelt, in erster Linie dagegen unverheiratete und arbeitsfähige Männer abgewandert sind. Die Abwanderung von Familien erfordert eine längere Vorbereitung und Prüfung der Ehrfurcht, ein heiliger Schauer. Das Wort b«w> fix hatte einen besonderen Klang, eine Weihe, eine nzmj? lag in ihm und sprach aus ihm. Das ist heute anders geworden. Der Schimmer der Romantik ist verblaßt, für Sentimentalität hat man nichts übrig in harten, rauhen Zeitläuften. bx-\v px ist verweltlicht, ein englisches Kolonialland geworden wie viele andere, für die letzten Endes Maßstäbe materiellen Nutzens und gesteigerter Produktivität Geltung haben. ps btr\w ist mitverflochten in die Weltpolitik. Auch jüdischerseits möchte man nur solche Maßstäbe anlegen. Man wirft der Orthodoxie vor, sie habe „praktisch" wenig geleistet, trotz ihrer Organisation. Nun man kann es menschlich begreifen und nachfühlen, daß dem Chaluz die Brust schwillt, wenn er mit eiserner Energie dem harten Erdreich herrlichen Ertrag abringt und Wüsteneien in blühende Auen verzaubert. Und gar wenn eine politische Katastrophe Tausende und Zehntausende von Brüdern und Schwestern Zuflucht suchen und finden, um eine neue Existenz unter ruhigen, friedlichen Lebensbedingungen gründen zu dürfen. So manches harte Wort im Ueberschwang der Gefühle, in aufgewühlten Tagen und Stunden, mag da hingenommen sein. Wenn das Feuerlöschauto seine schrillen Signale durch die Straßen gellen läßt, hat der Verkehr momentan stille zu stehen. Doch bald flutet der Verkehr wieder in normaler Art und Form weiter. Ein Jahr ist dahin, seitdem der politische Umschwung hierzulande sich auch auf E. J. auswirkte. Die zeitliche Distanz ist groß genug, um ruhig abzuwägen, inwieweit man sich von wirtschaftlichen, materiellen Erfolgen blenden ließ gegenüber schweren Mißständen auf religiös-sittlichem Gebiete. In diesen Blättern sind die beklagenswerten Verhältnisse oft und klar dargelegt und die Wege zur Möglichkeiten, gleichzeitig aber auch viel größere Fürsorgemaßnahmen. Die Nationalitäten der im Jahre 1933 von der Hauptstelle betreuten 18.694 Rückwanderer gliedern sich nach folgender Aufstellung: 8804 Rückwanderer waren polnischer Staatsangehörigkeit, 1951 ungarischer, 1917 tschechoslowakischer, 968 österreichischer, 890 rumänischer, 207 russischer, 187 litauischer, 118 lettländischer, 103; palästinensischer, 83 holländischer und 35 amerikanischer Staatsangehörigkeit. Bei 1494 Rückwanderern ist die Staatsangehörigkeit unbekannt, 1461 Rückwanderer waren staatenlos, ein Rest von 47 Rückwanderern verteilt sich auf verschiedene Staaten. In den allermeisten Fällen hat eine Rückwanderung nach den ursprünglichen Heimatländern stattgefunden. Von diesem Grundsatz ist nur dann abgegangen worden, wenn besondere Beziehungen, sei es wirtschaftlicher, sei es familiärer Art, in anderen Ländern Europas oder Uebersee vorhanden waren. Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Baden. Karlsruhe, 15. Juli. Das Badische Statistische Landesamt veröffentlicht eine Studie über die Religionszugehörigkeit der Wohnbevölkerung in Baden nach der Volkszählung vom 16. Juni 1933. An diesem Tage hatten 2.412.931 Personen ihren Wohnsitz in Baden. Als Israeliten der Religion nach haben sich 0,9 Proz., d. h. 20.617 bezeichnet. Im Verhältnis zur Volkszählung von 1925 ergibt sich ein Rückgang um 14,3 Proz. Mit Ausnahme von drei Amtsbezirken — Meßkirch, Pfullendorf und Oberkirch — sind in allen Amtsbezirken Juden wohnhaft. Die Höchstziffer ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung haben sie in der Gemeinde Gailingen mit 19,9 Proz. In dieser Gemeinde hatten die Juden im Jahre 1825, also vor über hundert Jahren, mit 47,6 Proz. nahezu die Mehrheit. n Schweiz. Wieder eine sogenannte Weltkonferenz in Genf? Genf, 15. Juli. Auf Initiative von Stephan Wise und Dr. Nachum Goldmann hat das Komitee der Delegationen in Paris wiederum eine Einladung ergehen lassen zu einer Konferenz von Vertretern der führenden jüdischen Organisationen und Gruppierungen der verschiedenen Länder, die vom 6. bis 9. August d. J. in Genf stattfinden soll. Die Konferenz soll mit Ausnahme der Eröffnungs- und Schlußsitzung einen geschlossenen Charakter tragen und sich mit der Lage der Juden in allen Ländern der Welt befassen. Insbesondere ist vorgesehen eine Stellungnahme zu dem seitens der polnischen Regierung für die kommende Session des Abhilfe angegeben worden. Wir rufen nach ">}tb uwbn, 'n weil wir den alten Fundamentalsatz nx rrsin min irr»»» nicht mit dem Rotstift aus der Thora streichen können. „Warum wurde Jerusalem zerstört??ni nx ni irrsin vbv '35», weil sie sich einander nicht zurechtwiesen." Gerade in diesen drei Trauerwochen klinge uns das Talmudwort in die Ohren, dringe uns ins Gewissen. Man berausche sich nicht an äußeren Erfolgen, wenn organische Fehler auf dem Gebiete des Geistigen sichtbar werden. Eine schwere, harte und zähe Arbeit harrt der 'fl ">ltib trs^n. Sie muß aufgegriffen werden mit jenem Optimismus, der einst die Propheten beseelte und ihnen den Mut gab, die steile Höhe zu erstürmen, der sie befähigte, auch einmal gegen den Strom zu schwimmen, /naa s6i ^vn x^ 'n n»x 'nna es -o „Nicht durch Heeresmacht, nicht durch Körperkraft, sondern durch Meinen Geist, spricht der Ewige der Heerscharen." bxivr> pnx muß „Heiliges Land" bleiben für alle Zeiten und Wandlungen! Wochenkalender. Vom 21. — 28. Juli 1934 / Vom 9. — 16. Ab 5694 '73T ep Samstag 21 9 1» ]Vn r02? D'*12T Sonntag 22 10 in nmj 3X3 7)?VT) Montag 23 11 nn Dienstag Juli 24 12 ca Mittwoch 25 3X 13 2 Donnerstag 26 14 XJ Freitag 27 15 33 nvnn Samstag 28 16 * il inni na» pnnxi Völkerbundes angekündigten Vorschlage auf Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes. Obgleich es gewiß richtig wäre, wenn die führenden jüdischen Organisationen die Konsequenzenrechtzeitig ins Auge faßten, die sich aus dem erwähnten polnischen Vorschlag ergeben, ist doch diese sogenannte Genfer Weltkonferenz hierzu kaum das geeignete Forum. An der Konferenz werden sich wiederum nur, wie., im vorigen Jahr, eine Reihe zionistisch oder zionistisch eingestellter Gruppen beteiligen, währenddie wirklich führenden Organisationen wie ICA., Board of Deputies bezw. Joint Foreign Committee,. American Jewish Committtse und. Alliance fernbleiben. Es wäre unter diesen Umständen viel richtiger für die Initiatoren, die Konferenz abzusagen und im. Interesse der Sache lieber anzuregen, daß auf anderer; Grundlage eine Aussprache über die hier in Betrachtkommenden Fragen, am besten in London, stattfinde.- Oesterreich. Erklärung der Aguda-Zentrale zum Stavsky- Urteil. W i e n , 16. Juli. Auf verschiedene Anfragen über die Stellungnahme: der Weltorganisation Agudas Jisroel zum Stavsky- Urteil ermächtigt uns die Zentrale der A. J. folgende- Erklärung abzugeben: 1. Es ist selbstverständlich, daß auch die Aguda- Leitung das Beweismaterial, auf Grund dessen die Verurteilung Stavskys erfolgte, soweit dieses Beweismaterial zu ihrer Kenntnis gelangt ist, d. h. also in. der Oeffentlichkeit bekanntgegeben wurde, nicht für ausreichend hält, um zu einem Todesurteil zu berechtigen. Abgesehen davon, daß die. vorgebrachten Beweismittel nach jüdischem Rechte gewiß unzureichend waren, muß man sich auch bei unparteiischer Würdigung des ganzen Materials sagen, daß der Standpunkt des Richters Valero ziemlich einleuchtend ist. Agudas Jisroel kann also nur billigen, wenn man alle: gesetzlich erlaubten Mittel ergreift, um zu erreichen, daß das Stavsky-Urteil revidiert und Stavsky freigesprochen wird. 2. Agudas Jisroel kann es aber nicht für berechtigt und kann es nicht für zweckmäßig erachten, daß nun in aller Oeffentlichkeit das englische Gericht in den schärfsten und beleidigendsten Ausdrücken, als parteiisch beschimpft und in seiner Würde herabgesetzt wird. Dazu liegt auf Grund der bekannt gewordenen Tatsachen keinerlei Berechtigung vor und' es widerspricht guter jüdischer Tradition, in so demagogischer Weise andere Nationen und ihre Vertreter herabzusetzen, noch dazu, wenn es sich um die Mandatarmacht handelt, die in Palästina doch als gesetzliche Obrigkeit anerkannt werden muß. 3. Aus den dargelegten Gründen haben die an der Spitze der A g u d a stehenden rabbinischen Kreise sich entschieden geweigert, die von dem palästinensischen Oberrabbinat veröffentlichte Erklärung mit zu unterzeichnen. An Schritten, die in zurückhaltender und maßvoller Weise zur Nachprüfung des; Falles und evtl, auch zur Begnadigung Stavskys führen, würde Agudas Jisroel immer gerne mitwirken^ (A. J.P.B.) Frau Bundespräsident Miklas im Krügerheim und Beth Jakob-Seminar. Wien, 10. Juli. Dienstag, den 19. Juni veranstaltete das Dr. Krüger-Heim ein Sommerfest, das am frühen Nachmittag: begann und bis in die späten Abendstunden dauerte. Unter den zahlreich erschienenen prominenten Gästen befand sich auch Frau Bundespräsident Miklas, die den Darbietungen des Abends, sowie der Einrichtung und Führung des Hauses uneingeschränktes Lob spendete, Namens des Heimes wurde Frau Bundespräsidentin von der Präsidentin Frau Obermedizinalrat Dr. Krüger, sowie von den Vizepräsidenten Kommerzialrat Smetana und Dr, Deutschender herzlichst begrüßt. Frau Bundespräsidentin gab in bewegten Worten ihrer Bewunderung für die Arbeiten des Heims Ausdruck und ihrer besonderen Freude darüber, daß; diese im religiösen Sinne geleitet werden, (AJPB.J