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Der Israelit · 1934-07-19 · Heft 29 (19.7.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 29 (19.7.1934)
Date
1934-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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19. Juli .1934. Der Israelit Nr. 29 Seite 5 cGeaunim des heiligen Landes in den vorangegangenen Generationen aufgestellt haben. Unsere Rabbinen halten sich nicht für befugt, an diesen Begrenzungen Kritik zu üben und sie durch das -Aussprechen öffenlicher Hetterim zu durchbrechen. Aber wenn es dabei bleibt, dannist dieLage hoffnungslos und e s .gibt keinje Heilung für diese Wunde des orthodoxen Judentums, insbe- .sondere in den Städten des neuen J i s c h u w. Wenn die gesetzestreuen Juden sich wirklich solchergestalt zwischen Hammer und Amboß befinden, wenn kein Weg da ist, um .auszuweichen und nur die Wahl bleibt zwischen rechts und zwischen links, dann stehen wir vor der großen Gefahr, mit .offenen Augen den ganzen neuen -Jischuw, eine Stadt von 100 000 Juden und die Hafenstadt Erez Jisroels und einen großen Teil der Kolonien der Vernichtung preiszugeben. Es ist natürlich auch kein Heilmittel, über die von den früheren Geschlechtern aufgestellten Beschränkungen einfach hinwegzugehen und europäische Schulen zu gründen. Dieses Heilmittel, das andere als gut erachtet haben, hat viele Tausende von Seelen zugrunde gerichtet. Diesen Weg ging der Misrachi und hat da- :mit mehr als 6000 Kinder dem orthodoxen Judentum geraubt. Das orthodoxe Judentum kann nicht großmütig sein auf Kosten der Thora und auf Kosten -der Gedaule Hathauro und wenn dieses Judentum, das sich unter dem Banner der ,,Agudas Jisroel" gesammelt hat, nun anfangen wollte, die "Taten des Misrachi nachzuahmen und Erziehungsanstalten in Erez Jisroel zu gründen, welche nicht :in Uebereinstimmung * stehen mit den Forderungen der Großen des Judentums, die im Widerspruch stehen mit den von den früheren Geschlechtern auferlegten Beschränkungen, s o nützt es auch nichts, wenn die heutigen Rabbonim dazu einfach schweigen und sich passiv verhalt e n. Es würde dann gleichwohl das Ende solcher Erziehungsanstalten genavi dasselbe sein, wie das Ende der Misrachi-Schulen; sie wären auf einem morschen Grunde gebaut, der sie allmählich verschlingen müßte. Aber auf der anderen Seite ist es unerlaubt für die Gedaule Jisroel, die gesetzestreuen Juden in den Städten des neuen Jischuwin dieser ausweglosen Lage zu lassen und sTe einer so furchtbaren Versuchung Glaube, ist unerschütterlich in uns die Gewißheit, „daß Er es ist, der uns Kraft gibt, Mächtiges zu vollbringen," ist tief in uns verankert das Bewußtsein, daß nur echte, fromme, unbestechliche Führer uns leiten können, ist p'Taan max unser unverlierbarer Besitz, sind uns Haus und Hof der Güter höchste nicht, ist die Sorge um das Brot, die Existenz nicht unser dringendstes Anliegen, dann ist unser Weg, dann ist der jüdische Weg — und gleicht er auch hundertmal einem Wandern durch die Wüste — der Weg, der zum Ziele führen muß! Dann erleben wir das Wunder unserer Existenz an uns selber, dann erleben wir täglich neu die Offenbarung Seiner Waltung, dann spalten sich Meere vor uns und G'ttes Lehre wird uns zum Geschenk, dann kann nichts, das von außen kommt, unser inneres Gleichmaß erschüttern, dann hält G'tt Seine Hand über uns und läßt den Träger Seines Willens nicht zum Spielball der Völker werden, dann werden alle unsere verschütteten Kräfte wieder frei, dann sind jüdische Menschen vorbildlich für alles, was gut und edel ist, dann sehen alle Völker der Erde, daß der Name G'ttes über uns genannt wird und sie empfinden vor uns tiefen und ehrlichen Respekt! Wir haben die Wahl! Die Entscheidung liegt bei uns, in uns! Bestimmen Glücksverlangen und die Sucht nach Behagen und Geltung unseren Weg, dann führt dieser Weg gewiß — in die Wüste, — sind wir bereit, freudig und bewußt bereit zum Weg durch die Wüste, bereit, zu tragen und zu entsagen, den Führern zu folgen in redlichem Gehorsam und ohne Wenn und Aber, dann ist unser Weg der j ü - dische Weg und er führt uns gewiß zum. Ziele, zum g'ttgewollten Ziele! Wir erleben, begreifen die Vergangenheit, überwinden die Gegenwart und gewinnen die Zukunft! auszusetzen, deren Ende eine Katastrophesein muß. Das orthodoxe Judentum hat keinen Vorteil davon, wenn die Erfahrung eines Tages beweisen wird, daß alle Erziehungsanstalten, die gegen den Willen der Wei-* sen gegründet worden sind, nach Jahren ihren Mißerfolg zugestehen müssen, denn die Kinder, die da zugrunde gehen, sind ja nicht bloß die Kinder ihrer Eltern, es sind ja die Kinder des orthodoxen Judentums in Erez Jisroel, es ist der gerettete Ueberrest, und das orthodoxe Judentum ist nicht so reich an Kindern, daß es derartige gefährliche Experimente gestatten könnte, die zu 99 Proz. nicht gelingen können, weil sie gegen den Willen der Weisen oder wenigstens nicht mit der vollen Zustimmung der Weisen unternommen werden. Ich fürchte mich, die Frage anzurühren, soweit J erusalem und die anderen Städte des alten Jischuw in Betracht kommen, dort wo durch Konzessionen und Verzichte noch viel verloren gehen kann, dort wo man noch sagen muß: ,,Rührt meine Gesalbten nicht an, die Kinder des Lehrhauses". Aber gar nicht ängstlich bin ich, diese brennende Frage aufzurollen mit Bezug auf die Städte des neuen Jischuw, mit Bezug auf Tel Awiw. und Haifa. Dort haben wir zu unserem Schmerze nicht mehr viel zu verlieren. Die gegenwärtige Lage ist nicht nur nahe dem völligen Untergang, sondern sie stellt schon einen kompletten Bankrott dar und in solcher Lage ist man schon berechtigt, ja verpflichtet, die Seelenärzte und die Steuermänner des vom Sturm herumgetriebenen Schiffes zu j e d e m Versuch, auch wenn er nicht ganz sicher ist in seinem Erfolge, aufzurufen, Rettungswege zu suchen, auch wenn diese Wege nicht ohne Gefahren sind. In Bezug auf diese Städte genügt es nicht, daß die Gedaule Jisroel in Stillschweigen verharren, wenn eine Kompromißschule gegründet wird. Stillschweigen tut nicht gut. Einer solchen Schule wird dann sofort der Stempel der Thorawidrigkeit aufgedrückt und sie kann gar keinen anderen Stempel tragen, solange sie ohne die ausdrückliche Zustimmung und ohne die ausdrückliche Aufsicht des orthodoxen Judentums errichtet und geführt wird. Sie muß schließlich in den Abgrund hineinrollen. Für die Städte Tel'Awiw und Haifa müßten die Gedaule Jisroel selber Konzessionen machen, sie selber müßten darüber nachdenken, was man tun kann, um in diesen Städten Erziehungsanstalten zu errichten, die trotz der Aufnahme profaner Disziplinen in den Lehrplan in voller Reinheit und Heiligkeit verharren, so daß Zu den Klageliedern. Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. na'S, das Wort so voll des Leides und des Wehs, erinnert uns an jenes nant auf den ersten Blättern der Thora, mit dem G'tt dem sündigen Adam zugerufen hat: „Wo bist du?!" Diese Gegenüberstellung finden wir bereits im Midrasch, wo es wie folgt heißt; „All das, was den ersten Menschen getroffen hat, traf auch Israel. Den ersten Menschen führte G'tt in den Garten Eden hinein. Er gab ihm ein Gesetz, da er aber das g'ttliche Gebot übertrat, fällte G'tt das Urteil über ihn und verbannte ihn aus dem Eden, so daß -Klage ertönte. Und so geschah es auch mit Israel. G'tt führte es in das gelobte Land und erteilte . ihm Ge- und Verbote. Diese aber übertrat Israel. Propheten riefen das warnende nsn«/ Israel hörte nicht. So kam über Israel das Los der Verbannung und die Klage wurde angestimmt: WS! Tiefsinnige Parallele, „G'tt versetzte Adam in den Garten der Wonne, der Glückseligkeit, dieser Glückseligkeit zu dienen und sie zu bewahren, durch treue Lösung seiner Aufgabe diesen glücklichen Zustand für immer zu erhalten." In der treuen Beobachtung des g'ttgegebenen Befehles sollte sich die sittliche Tüchtigkeit des ersten Menschen erproben und bewähren. Er.bestand aber nicht die Probe und unterlag der Versuchung, daher ertönte das an ihn gerichtete Wort: nan??!" n&s?! Wo bist du?! Halb Klage und halb Anklage. Weheruf und Vorwurf zugleich. Wie sollte es denn überhaupt möglich sein, daß vsa ~T2P» das aus der eigenen Schöpferhand G'ttes hervorgesie unter dem Schutze und unter der Aufsicht der Verantwortlichkeit der Gedaule Hathauro des orthodoxen Judentums stehen können. Nicht leichten Herzens habe ich diese schwere Frage berührt, sondern aus dem Bewußtsein ihres Ernstes heraus und aus der Erkenntnis der Verantwortlichkeit, aus dem bitteren Weh über die Gefahr, die die Zukunft des orthodoxen Judentums in Erez Jisroel bei Fortdauer der gegenwärtigen Lage bedroht. Ich wäre glücklich, wenn meine Worte auch Andere dazu anregten, sich mit dieser Frage zu beschäftigen und wenn die Rabbinen, die Großen des orthodoxen Judentums und zwar gerade die Treuesten, die als hundertprozentige äußerste Extremisten anerkannt sind, einen festen Standpunkt zu dieser Frage einnehmen möchten. Möge ihre Entscheidung dann positiv oder negativ ausfallen. Aber die Frage selbst muß gestellt, beachtet und beantwortet werden, um der Zukunft Erez Jisroels willen. Unsere Gedaule Hathauro müssen ihre Ansicht klar und ohne Scheu heraussagen und wenn ich im Irrtum befangen bin, bin ich bereit, meinen Irrtum öffentlich einzugestehen." Wir können nur hoffen, daß diese mannhaften und ehrlichen Worte das entsprechende Echo in den Kreisen der verantwortlichen Rabbinen finden werden. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Zur Weltanschauung des jüdischen Frontsoldaten. Berlin, 15. Juli. Im „Schild", dem Organ des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten", veröffentlicht Dr. S. E h r - mann in Frankfurt a. M. an leitender Stelle einen Aufsatz zur Weltanschauung des jüdischen Frontsoldaten, den man wohl als Antwort auf die in der Oeffentlichkeit vielfach aufgeworfene Frage auffassen darf, aus welchen Gründen der Verfasser — obgleich seine ideale Lebensarbeit zum guten Teile Erez Jisroel gewidmet ist — vor einiger Zeit dem Führerrat des R. J. F. beitrat und in der Führung des Bundes eine eifrige Tätigkeit entfaltet. gangene Wesen, das selber das g'ttlich Verbot vernommen hatte, — daß nun dieser Adam sich gegen G'ttes ausdrücklichen Befehl vergangen haben konnte? Wo bist du? Wohin bist du geraten? Wie konntest du so tief herabsinken von der himmlischen Höhe deiner Reinheit und Unschuld? Und so erging es auch Israel. Es wurde von G'tt ins Volksdasein gerufen,-^ W IT ds?»damit es vor den Augen der Völker auf den g'ttgewiesenen Pfaden der Pflicht einherwandle, und damit den Ruhm G'ttes verkündend, inmitten der Völkerwelt den Beweis dafür erbringe, wie aus der treuen Erfüllung des g'ttgewollten Sittengesetzes uns schon hienieden auf Erden das Paradies erblühe, Einstimmig leistete es den heiligen Treuschwur zu Sinais Füßen: „Alles, was G'tt sprach, wollen wir tun und hören!" Aber gar bald vergaß es seines heiligen Schwures. Und mußte bald die Klage und Anklage Jesajas ertönen: »naasa rrip» naitb nn»n ns>K „Wie wurde zu einer Treulosen die einst so treue Stadt?!" Und nicht lange danach das jermejanische "113 MET nD'N» Möge das drohnende ns'K von heute uns alle zurückrufen auf den Weg zu G'tt. •nauMi t^k 'K üa'ün ♦'n tpx^n „Chaluzim vor dem Ewigen." Zu den laufenden Wochenabschnitten. Von A. Mannheimer in Dettelbach. (Schluß.) Wenn in früheren Jahrzehnten ein „Jeruschalmi" zu uns kam, ergriff uns ein besonderes Gefühl der

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