Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1934)
- Date
- 1934-07-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 28 Der Israelit 12. Juli 1934 Bücherbesprechungen. The Jewish Library — third series — edited by rabbi Leo Jung, Ph. D. — The Jewish w o - man. New York. 193 4. The Jewish Library Publishing Co. Der dritte Band der jüdischen Bibliothek ist erschienen und behandelt in zwanzig Aufsätzen „die jüdische Frau". Mit tiefstem Verständnis, unendlichem Fleiß und bestem Geschmack ist unter Leitung des Rabbiners des New York Jewish Centre, Rabbiner Dr. Leo Jung, wieder ein Werk erstanden, das klaren Ueberblick über ein großes Gebiet gewährt, viele Vorurteile tilgt und selbst den Laien instand setzt, ein einigermaßen selbständiges Urteil zu fällen. Es gilt zu beweisen, daß wahres Glück nur durch das Festhalten an den von G'tt gebotenen Normen zu erreichen ist; es gilt darzutun, worin das Wesen der jüdischen Frau besteht, die nicht nur zu leben, sondern die jüdisch zu leben hat, welche Leistungen dadurch die jüdische Frau in der Vergangenheit aufzuweisen hat, welche Bedeutung ihr in der Gegenwart zukommt und worin ihre Aufgabe für die Zukunft besteht. Dies einer ganzen Welt und vor allem den jüdischen Kreisen selbst vor Augen zu führen, das ist die Aufgabe, die sich der Herausgeber und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gestellt und die sie meisterhaft gelöst haben. Man hat oft blöde behauptet, daß bei unseren Vätern die Frau eine verachtete und geknechtete Stellung eingenommen habe. Das Gegenteil ist wahr: nirgends wurde die Würde und Ehre der Frauen so hoch gehalten wie in Israel. Die Frau ist "iTy „Gehilfin" nicht Dienerin. Unsere Stammütter sind Gefährtinnen und Beraterinnen, die in enger Gemeinschaft mit ihren Gatten leben. Trotz g'ttlichen Auftrags erbittet Jakob das Einverständnis seiner Gattinnen zum Verlassen des Laban'schen Guts, Dem sonst so weisen Abraham wird das G'tteswort „alles was dir Sara sagt, höre auf ihre Stimme". Wenn unsere Weisen so herrliche Normen aufgestellt wie ,,es hüte sich der Mann, seine Frau zu kränken, denn leicht wird sie weinen und ihre Kränkung dringt vor G'tt. „Wer seine Frau liebt wie sich selbst und sie ehrt mehr als sich selbst und seine Kinder auf den rechten Weg leitet, von dem heißt es: und du wirst erkennen, daß Friede in deinem Zelte weilt", so dachten sie eben auf Grund der Bibel in diesem Sinne. Ueberall wo in der Thora von Ehre und Ehrfurcht die Rede ist, die dem Vater zu zollen ist, wird auch die Ehrfurcht vor der Mutter tief ins Herz geprägt. Lese man doch auch das Kapitel Salomos über das Biederweib! Die edelste der Perlen wird sie genannt und Gatte und Söhne gemeinsam preisen sie laut. Sie steht nicht nur dem Haushalt vor und leitet die Kinder zu einem religiösen Leben an. Als Gattin und Mutter ist sie der Mittelpunkt des Familienhauses und strahlt nach überall hin Wärme aus. — Mirjam gilt uns als Prophetin und die Worte der Prophetin Hulda wurden vom König Joschija und seinem Ministerium voll und ganz beherzigt. Es ist noch nicht so lange her, daß nach hundert Widerständen endlich Frauen gar Richterinnen werden durften. Da war des Jubels bei den Frauen kein Ende. Mit welchem Stolz muß es uns erfüllen zu wissen, daß schon vor Jahrtausenden unsere Heldin und Dichterin Deborah Richterin war in Israel. Unter der Palme saß sie und sprach Recht und ganz Israel stand vor ihr zu Gericht. Ihr Geist entflammte die anderen. -— Die Frau beseelt das Haus, erfüllt es mit ihrem Sinn und Geist. Sie ist die Säule, auf der das Haus ruht. „So sollst da zu dem Hause Jakob sprechen," damit sind die Frauen gemeint. Gar oft in den Epochen unserer Geschichte waren die Männer verzweifelt und die Frauen waren es, die den Mut neu anfachten in den Herzen. „Durch das Verdienst der Frauen jener Generation ist die Erlösung gekommen". Der frommen jüdischen Frau ist es zuzuschreiben, daß auch zu Zeiten schwersten Druckes das jüdische Familienleben rein geblieben ist und als Quell alles Edlen und sittlich Hohen sich behauptet hat. Die jüdischen Frauen waren es zu allen Zeiten, die mitwirkten, Großes zu schaffen und sie sind es auch, die in der heutigen Zeit der Bedrängnis und Zerrüttung hilfreich und trostspendend uns zur Seite stehen und die Erlösung vorbereiten. Es ist wohl kaum möglich, in einer Besprechung all die Weisheiten zusammenzufassen, die auf 500 Seiten dieses in Form und Inhalt gediegenen Buches vermerkt sind. Alle Probleme, die die jüdische Frau bewegen können, sind berührt und die möglichen Lösungen sind nahegelegt. Kaleidoskopartig ziehen an unseren Augen die Großtaten der jüdischen Frauen der Bibel und der nachbiblischen Zeit bis auf unsere Tage vorüber. Der Herausgeber selber beschäftigt sich mit der schwierigen Aufgabe, die relativ beste Lösung der sexuellen Probleme unserer Zeit zu finden. Wesentlich ist, mit der Gründung des echtjüdischen Hauses nicht zu lange zu warten. — Es finden besondere Würdigung die Frauen in der jüdischen Literatur und die für jüdische Frauen geschriebene Literatur; die soziale und religiöse Stellung der jüdischen Frau und jüdische Frauen im Dienst des sozialen Lebens; die jüdischen Reinheitsgesetze als mächtigen Faktor zur Erhaltung der Gesundheit und des Glücks des jüdischen Volkes und als machtvolle Garantie der weiteren Existenz der Juden als Volk; alles was jüdische Frauen auf dem Gebiete der sozialen Hilfstätigkeit, Volkserziehung, Kunst, Förderung des Frauen-Berufslebens, Hebung der Sittlichkeit, Mitgestaltung am Schicksale der jüdischen Gemeinschaft geleistet haben; die Errungenschaften jüdischer Frauen auf dem Gebiete der sanitären Hilfe, der religiösen, erzieherischen und wirtschaftlichen Aufgaben in der Welt und ganz besonders in Palästina. Was der „International Council of Jewish women", die „World Organization of Jewish women", was „Hadassa", „Wizo", Beth- Jakob-Schulen, welch letztere schon über 30 000 Schüler zählen, an wunderbaren Leistungen aufzuweisen haben, bleibt für ewige Zeiten ein Verdienst der jüdischen Frauen — wahrlich ein inhaltsreiches Buch und der Leser fühlt sich stark bereichert und befriedigt. Dr. M. A. Glauben und Wissen nach R. Mose ben Maimon von Dr. A. Schück. 193 3. Timisorava. Selbstverlag. Das für die jüdische Philosophiegeschichte zentrale Problem wird hier unter thoratreuem Aspekt unter steter Beachtung der weltanschaulichen Bedeutsamkeit des Problems behandelt. Vielleicht geht diese Beachtung der Tragweite etwas auf Kosten der Gründlichkeit und der Exaktheit. Aber im Interesse des thoratreuen Publikums, das auf viele spezialwissenschaftliche Forschungen bei dem heutigen Stand der Dinge nicht warten kann, möchten wir dem Verfasser in seiner Entscheidung Recht geben. Zwei Ergebnisse der Abhandlung zeigen, daß eine thoratreue Betrachtung der jüdischen Philosophiegeschichte diese in ein ganz anderes Licht setzt, als es durch die bisher fast ausschließlich liberal eingestellte Forschung geschehen konnte. Der eine Gesichtspunkt ist der der Kontinuität in der Geschichte jüdischer Weltanschauung. Von Tenach über Talmud, Rambam, Schloh, R. Jecheskel Landau bis zu Hirsch wird eine gerade Linie gezeichnet, deren gemeinsames Grundmotiv die Anerkennung des menschlichen Geistes in Verbundenheit mit der Erkenntnis seiner Grenzen bildet. Die scheinbar aristotelisch beeinflußten Spanier haben hier nur jüdischen Geist wiedergefunden, mehr als bei andern abgelehnten griechischen Philosophen. Die Feststellung dieser Kontinuität ist deshalb so wesentlich, weil Glauben und Wissen kein theoretisches Problem ist, sondern ein solches, das an den Sinn menschlichen Denkens und Tuns selbst, also an die Ethik rührt. Der zweite wesentliche neue Gesichtspunkt, den Schücks Broschüre liefert, ist die Auffassung von der Ethik des Rambam. Nachdrücklich wird die sehr populäre Auffassung, Erkenntnis sei das Ziel de: Ethik rektifiziert. „Nicht die Erkenntnis G'ttes, die Liebe und die Angleichung an G'tt, ist das Höchstziel des Menschen, das in der sittlichen, g'ttgeweihten Tat seine Verwirklichung findet." (S. 79.) Diese wichtige Auffassung des Rambam wird in Polemik gegen Guttmann auf Grund sehr vieler Zitate bewiesen. Diese beiden Ergebnisse Schücks sind für die Selbsterkenntnis des thoratreuen Judentums von unschätzbarem Wert. Von äußerlichen Beanstandungen sei abgesehen, vielmehr der Wunsch ausgesprochen, daß noch viele geistesgeschichtliche Abhandlungen, die ebenso jüdisch verwurzelt sind, wie die von Schück folgen mögen. A. W. L'toras b'ne AHj'oh. Von Emanuel Hirschberg. I. Heft. Dan zig. Verlag „Daath". Engl. Damm 5/12. Das erste Heft eines jungen Gelehrten, dessen Wissen und geistiges Denken zu den besten Hoffnungen berechtigt, liegt in hebräischer Sprache vor. Es bespricht in klassischem, aber dennoch gut verständlichem Hebräisch die Lehre des R. Schimon ben Jochai (Sohar) und dessen Sohnes R. Elieser und vergleicht sie mit den Lehren des Rabbi Akiba. — Geschichtliche Ereignisse aus vergangenen Tagen werden lebendig und die große Persönlichkeit des Rabbi Schim'on und Rabbi Akiba in ihren Aussprüchen, in ihrer Beurteilung der Zeiten und Geschlechter und deren Lehre in ihrer Einwirkung in stilvoller und anregender Weise dargestellt. Verschiedene Stellen des Sohar und des Talmud werden herangezogen, um das Leben der beiden Großen in Israel ihrer Zeit und ihrem Einflüsse nach zu verstehen und bringen den Leser auf Gedanken, welche vieles aus alter Zeit erklären. — Der kleinen Schrift ist weitgehendste Verbreitung zu wünschen, damit es dem fleißigen Forscher möglich wird, sein ganzes Werk, das im Manuskript vorliegt, recht bald ganz erscheinen zu lassen. Religiöses Judentum und Kapitalismus« Von Dr, Joseph Stern. Schriftenreihe des Bundes Jüdischer Akademiker. Frankfurt a. M. 1933. Hermon-Verlag. Preis Mk. 1.—. Man liest heute diese Schrift nach zwei Richtungen mit verdoppeltem Interesse. Einmal ist es die Verdrängung des jüdischen Einflusses in der deutschen Wirtschaft, die zur Selbstbesinnung mahnt, andererseits taucht drüben in Palästina die ganze Problematik der autonomen jüdischen Wirtschaft mit ihren Spannungen zwischen sozialistischen, kapitalistischen nationalistischen und religiösen Tendenzen auf und gibt Anlaß zu vertiefter Orientierung in den biblischtalmudischen Quellen. Dabei wird die Stern'sche Arbeit ein willkommener Wegweiser sein, wobei allerdings das Fehlen spezialisierter Quellennachweise für den Leser, der tiefer schürfen möchte, einen Mangel bedeutet. Der Verfasser entwickelt zunächst in freier Darstellung einige Grundgedanken der biblischen Wirtschafts- und Sozialgesetzgebung an Hand der Tradition, wobei er mit Schärfe die theokratische Begründung aller wirtschaftlichen und sozialpolitischen Rechtsbestimmungen betont. Daran schließt sich die Charakterisierung der jüdischen Lehre und der von ihr geschaffenen Wirtschaftsordnung in ihrem Gegensatz zum Erwerbsprinzip, Konkurrenzprinzip und ökonomischen Rationalismus des kapitalistischen Systems. Ueberall weiß die jüdische Wahrheit die rechte Mitte zu halten zwischen den Verstiegenheiten und Ueberfreibungen des Individualismus und Kollektivismus, der christlichen Wirtschaftsabgewandtheit und dem marxistischen Materialismus. Die psychologischen Ursachen von Sombarts ungeheuerlicher und unwissenschaftlicher Verkennung des jüdischen Wirtschaftsgeistes werden treffend aufgedeckt. Am nächsten den Tendenzen des biblisch-talmudischen Rechtes kommt noch, soweit der Arbeiter betroffen wird, die sozialpolitische Richtung des spätkapitalistischen Zeitalters mit ihren nach beiden Seiten mäßigenden, Mißbrauch verhindernden Eingriffen in die wirtschaftliche Freiheit. Die Konflikte, die entstehen können zwischen dem sozialethischen Geist des jüdischen Rechtes und den. wirtschaftlichen Interessen auch des sabbatfeiernden . orthodoxen Juden, berührt der Verfasser an mehreren Stellen, ohne auf dieses Problem ausführlicher einzugehen. Die Schrift ist reich an anregenden Gedanken, deren Lebensnähe dem Ganzen, wie bereits angedeutet, hohe Aktualität verleiht. Literarische Notizen. Bereits im Jahre 5672 habe ich bei einem hala- . chischen Referat in der Vereinigung von Rabbinern der Provinz Posen zur Wahrung des überlieferten Judentums (abgedruckt in Nobels Homiletischer Zeil-- schrift I. Jahrg. 4 u. 5.) darauf hingewiesen, daß sich im T"' 9~v seit langer Zeit ein sinnentstellender Fehler eingeschlichen hat, der selbst in der großen Wilnaer Ausgabe vom Jahre 1894 nicht nur nicht richtig gestellt ist, sondern auch in den zahlreichen Kommentaren daselbst, soweit ich sehen konnte, mit keiner Silbe erwähnt wird, der aber auch andererseits zeigt, daß man vielfach bekannte und vertraute Textstellen mit einer Leichtlesigkeit überfliegt, die die erforderliche Genauigkeit und Gründlichkeit vermissen läßt. Es handelt sich um den Schluß von T"3 epyo lö'O» wo statt des dem "ü'sx unmittelbar vorhergehenden D'isn das entgegengesetzte Q13H«E? stehen muß, wie aus der Quelle im b'ki deutlich erhellt und wie es "Vits und em^> richtig haben; ja das Wort D'iirs an dieser Stelle würde gerade das Gegenteil von dem ergeben, was kodifiziert werden soll. Durch Vergleichung von 11 verschiedenen T"' -Ausgaben ist 65 mir nun gelungen, an dieser Stelle drei verschiedene Lesarten festzustellen: Die Ausgaben: Krakau 1579, Krakau 1646, Prag 1694, Amsterdam 1711, Wilna 1894, Wilna 1895 haben sämtlich die falsche Lesart a^-ivo, die Ausgabe Hanau 1627 hat richtig n^-iss?, fügt aber noch hinzu a'n lixo pin» ^üll w-wd eine Ergänzung, die nicht unbedingt erforderlich lieh ist; in den Ausgaben Amsterdam 1662, Amsterdam 1698, Stettin 1864 fehlt der ganze Satzteil ^Qii D'asiw) nnps dvs nao pin^ohne daß die Klarheit an dieser Stelle beeinträchtigt wird. Aus diesen drei verschiedenen Lesarten kann man aber vielleicht entnehmen, daß Hanau entweder eine andere Vorlage als Krakau hatte, oder daß Hanau in dieser Ausgabe die Schwierigkeit des d^eo herausfand. Letzteres scheint auch bei Amsterdam 1662 der Fall gewesen zu sein, so daß man sich durch Fortlassen der ganzen Stelle half. Möglicherweise aber hat bereits bei Krakau 1579 der Drucker oder Abschreiber die Worte a'» rwo pin» Vttti D'ais». die in der Ausgabe Hanau vorhanden sind, irrtümlich ausgelassen. Es wäre daher interessant, durch Einsichtnahme in den ersten Druck des V"> Venedig 1567 festzustellen, welches die ursprüngliche Lesart war, die natürlich noch sicherer auf Grund der Handschrift sich ergeben würde,. Vielleicht ist einer der verehrten Leser imstande, darüber Auskunft zu geben. Dr. Dünner, Köln. Unter dem Titel a^in nv^ln gibt Herr Rabb. S. Schapira in Lemberg ein im Lexikonsformat gehaltenes Verzeichnis aller amtierender Rabbiner in der Welt heraus, das neben Biographien auch bibliographisches und Bildermaterial enthalten soll. Zuschriften und Bestellungen sind an den genannten Rabbiner in Lemberg, Zolkiewska 25, zu richten. Die Vertretung für Litauen hat Herr Rabbiner L e v it a n in Sweksna (Litauen).