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Der Israelit · 1934-07-12 · Heft 28 (12.7.1934) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 28 (12.7.1934)
Date
1934-07-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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12.:: Juli 1934 Der Israelit Nr. 28 Seite 13 Kinderecke. In jener Nacht ... Eine Geschichte aus dem alten Kairo. Rabbi David, Sohn des Rabbi Schlomoh Abu Simrah, genannt R a d b a s , lebte vor ungefähr 450 Jahren. Er war Schüler des großen Kabbalisten Rabbi Josef Saragosi. Seine Eltern waren 1492 mit den Anderen aus Spanien ausgetrieben und er war erst 13 Jahre alt, als er mit ihnen nach Safed kam. Später wanderte er nach Kairo aus, wo er, zum großen Gelehrten herangereift, dem Kollegium des N a g i d (der offizielle Titel für den jüdischen Führer in Aegypten) angehörte. Nach Abschaffung des Nagid- Amtes wurde Rabbi David Oberrabbiner von Aegypten. Außer seiner umfassenden und souveränen Thoragelehrsamkeit war der Radbas auch mit allen weltlichen Wissenschaften vertraut. Seine Wohltätigkeit kannte keine Grenzen, erst recht als er auf der Höhe seines Lebens, in Amt und Würden, sich eines ansehnlichen Wohlstandes erfreute. Aus eigenen Mitteln erhielt er das große Lehrhaus in Kairo, aus der mehrere geistige Größen hervorgingen, unter ihnen auch der Meister der Kabbala, Rabbi Jizchak L u r i a , bekannt unter dem Namen ,,Ari", ebenso der Verfasser des „Schitta Mekubezeth", eines in gelehrten Kreisen bekannten und beliebten Werkes. Eine große Reihe von Anordnungen, Maßnahmen und Statuten, die heute noch für die Juden des vorderen Orientes bündig sind, stammen aus dem Besdin des Radbas. Zu Zeiten des Radbas war es, als einmal schwere Gefahren für seine Gemeinschaft heraufzogen. Der Tag der Rettung, am 27. Adar, wird heute noch in Aegypten von allen Juden als Fest mit Dankliedern gefeiert. Die Sache trug sich folgendermaßen zu: Aegypten, das damals der Türkei zugehörig war, wurde von dem Hochkommissar Achmed Schiatin verwaltet. Er hatte gerade glorreiche Siege als mutiger Feldherr gewonnen und, berauscht vom Ruhme, wie er war, faßte er den Plan, sich den Lohn selbst zu holen, Aegypten von der Türkei loszutrennen und sich in diesem Lande selber auf den Thron zu setzen. Um Konstantinopel vor die fertige Tatsache zu stellen, befahl er dem Steuerpächter und Münzmeister, einem Juden, seinen Namen und sein Bild in die neuen Münzen einzuprägen. In Konstantinopel erfuhr man aber vorzeitig vom Komplott Achmed Schiatins und vereitelte es. Achmed hatte, mit Recht oder Unrecht, den jüdischen Münzmeister in Verdacht, daß er aus der Schule geplaudert hatte, um so mehr, als der Münzmeister in Kairo nicht mehr aufzufinden war und sich jetzt, wie man vermutete, in Konstantinopel aufhielt. Es war vielleicht seine Pflicht, es an höherer Stelle zu melden, wollte er nicht sonst als Rebell seinen Kopf wagen. Achmed Schiatin, in Erwartung schwerer Strafe, schwor indes allen Juden Aegyptens bittere Rache. Denn noch war e r Herr von Aegypten. Sogleich ließ er den Oberrabbiner und sämtliche Vorsteher der Gemeinde kommen und befahl ihnen, in kürzestem Zeiträume — er hatte nicht viel Zeit zu verlieren — eine Summe ihm abzuliefern, von der er wohl wußte, daß sie die Gemeinde nicht aufbringen konnte. Er drohte, widrigenfalls die Juden des Landes samt und ■sonders niedermetzeln zu lassen. Die Vorsteher samt dem Rabbi behielt, er gleich als Geiseln da und gab den Befehl an die Gemeinde, das unerschwingliche Lösegeld unverzüglich zu beschaffen. Eine andere Delegation der Gemeinde, die um Gnade flehte und um eine Reduzierung des Betrages auf ein erschwingliches Maß fand taube Ohren. Es schien alles verloren und man griff in der Gemeinde zu der ältesten Waffe: Man setzte Fasttage an und betete ohne Unterlaß. Inzwischen wurden natürlich auch Gelder gesammelt, so viel man eben aufbringen konnte. An die von Achmed gewünschte Summe reichte der gesammelte Betrag bei weitem nicht heran. Als die Delegation zum zv/eiten Male beim Kommissar erschien und die Ziffer der aufgebrachten Gelder nannte, geriet Achmed. Schiatin in wilden Zorn und unterschrieb an Ort und Stelle ein Dekret, alle Juden niederzumachen und ihr Vermögen einzuziehen. In der Nacht vor der Ausführung des Dekretes wurde aber Achmed von seinem Vertreter Mohamed Ali, vielleicht im geheimen Auftrage von Konstantinopel, überfallen. Sein Fluchtversuch mißlang und er wurde ermordet. Mohamed Ali nahm die Verwaltung an sich und seine erste Amtshandlung bestand darin, die jüdischen Gefangenen zu befreien und die Gemeinde von der Kontribution zu. entbinden. Der Tag wird von den ägyptischen Juden durch ein Freudenfest, an dem diese Geschichte weit und breit und unter vielen Ausschmückungen erzählt wird, festgehalten. Mit neunzig Jahren kam der Radbas nach Jerusalem. Von dort ging er aber nach Safed, wo er als die erste und älteste Autorität von der ganzen Diaspora hochgeehrt wurde. Er erreichte ein Alter von 110 Jahren und fand in der Stadt Safed seine letzte Ruhe, Eine große Reihe von grundlegenden Werken zeugen von seiner Größe, am bekanntesten ist das große Responsenwerk nach seinem Namen „Radbas". Auflösung des Worträtsels aus Nr. 26. iiss p p*?n (Blitz) pna Dsnras p pna Richtige Lösungen sandten ein: A. Davidsohn. Tilsit; Kurt David, Zwingenberg; Henni Oelbaum, Frankfurt a. M.; E. Pfeffer, Dresden; Lotte Bergmann, Mirjam Beifuß, Margot Bender, Hanna Donath, Olga Schachnowitz und Rut Mainzer, Frankfurt a. M.; Adolf Tayer, Frankfurt a. M.; David Wilder, Dresden. Helene Lidzbarsky, Frankfurt a. M.; Gottschalk Schlesinger, Wien. Harry Wolfsthal, Hölderlinstr. 14, sandte die Lösung in folgender poetischer Form ein: pbi, der König Moabs, der Vogelsohn, Zahlte dem Bilam keinen Lohn, Nach verlorenem Krieg hatte er den Dalles, Die versprochene T»33 das war alles. p-U' der Blitz pflegte sich schnell zu melden, Ist zugleich Name des Helden, Der der Richterin Debora zulieb Das mächtige Heer Jabins ganz aufrieb. Vermischtes* Eine beachtenswerte Stimme aus dem liberalen Lager. Zum Vortrag von Dr. Isaac Breuer. Hannover, 8. Juli. Im hiesigen „Gemeindeblatt" schreibt Herr Paul Kauffmann folgendes: „Der in der vorigen Nummer dieses Blattes besprochene Vortrag, den Herr Rechtsanwalt Dr. Isaac Breuer aus Frankfurt a. M. in der Agudas Jisroel über Erez Jisroel hielt, verdient namentlich mit Rücksicht auf die Wirkung, die er auf den Kreis der geladenen Gäste ausgeübt hat, noch eine besondere Würdigung. Es war ein Ereignis von eigenartigem Reiz, daß die Worte eines Repräsentanten der extremsten Orthodoxie, der sogenannten „Austritts-Orthodoxie" auf Vertreter und Mitglieder der Einheitsgemeinde Hannover, die zum weitaus größten Teil in ihrer Lebensanschauung und Lebensführung auf dem Boden eines positiv-liberalen Judentums stehen, einen derartig bedeutenden Eindruck gemacht haben, daß sie sich duich Bildung eines Ausschusses für den religiösen Aufbau Palästinas die Hand gereicht haben. Man wird hierauf entgegnen, daß die gemeinsame Gegnerschaft gegen den Zionismus diese Wirkung hervorgerufen habe. Aber das wäre eine vollständig schiefe Beurteilung. Die Anerkennung der ungeheuren Leistungen des Zionismus und seiner Verdienste um den Aufbau Palästinas neben der Kritik an den dort bestehenden politischen Gegensätzen klang aus den Worten des Redners sowohl wie der Diskussionsredner mit aller Deutlichkeit hervor. Nicht um Gegnerschaft also handelte es sich, sondern um den Willen, dasjenige, was der politische Zionismus seiner ganzen Struktur nach nicht leisten konnte und nicht leisten kann, durch ergänzende, gleichwertige Arbeit zu fördern und zu verwirklichen, nämlich die Rückführung der palästinensischen Judenheit zur Thora. Ausgehend von der auf der Geschichte unseres Volkes beruhenden Ueberzeugung, daß nur auf der Grundlage des G'ttesgesetzes der Bestand eines jüdischen Gemeinwesens im heiligen Lande gewährleistet ist, haben wir uns mit der Orthodoxie, die bisher allein an diesem Werke gearbeitet hat, zusammengefunden, um den Versuch zu machen, die Gesamtheit der religiös eingestellten Judenheit für dieses Werk zu gewinnen und damit auch den Leitsatz von Theodor Herzl: „Heimkehr zum Judentum" von der nationalen zur religiösen Grundlage hin zu erweitern. Wie sich schon vor Jahren zur Förderung des Palästina-Aufbaus und zur Ergänzung der zionistischen Arbeit aus weiten Kreisen der nichtzionistischen Judenheit die Jewish Agency gebildet hat, so sollte auch heute, wo allein gemeinsam die Verantwortung für die Zukunft des größten Teils unserer aus Deutschland auswandernden Jugend obliegt, das Gemeinsame in den Vordergrund treten, sollten die Parteigegensätze überwunden werden; es sollten sich, wie hier in Hnnaover, so überall, die Vertreter der Aguda mit denjenigen einer liberalen Auffassung an einen Tisch setzen, um das Werk des religiösen Aufbaus Palästinas zu fördern. Nicht Gegnerschaft gegen den Zionismus darf hierbei Leitmotiv sein, sondern nur der gemeinsame Wille einer „Heimkehr zum Judentum". Karlsruhe, 3. Juli. Im Rahmen des Mussar-Vortrages am nnna r> hielt Herr Rabbiner M i c h a 1 s k i im Jrsna der Israelitischen Religionsgesellschaft einen ncon auf den Hamburger an, Oberrabbiner Dr. Spitzer b"W Im Anschluß an die erste nrr^o des nana H rühmte er ihn als toxi mvxK Fuß- und Armschmuck, Richtung weisend für Schritt und Tat! Zusammenhaltend und fest umschließend sei sein Wissen und Wirken für die Gesetzestreuen gewesen, vorbildlich sei es für alle Zeiten. Karlsruhe, 6. Juli. Am Sonntag, den 15. Juli wird Herr Dr. Isak Breuer hier einen Vortrag über Erez Jisroel halten. Mannheim, 7. Juli. In einem Mannheimer Betrieb wurde ein 54jähriger Expedient fristlos entlassen, weil er einem Arbeitskollegen gegenüber die Wahrheit der Angaben in der sog. „Ritualmordnummer" des „Stürmer" bezweifelt hatte. Die Firma erklärte vor dem Arbeitsgericht, der Kläger habe in einem psychologisch ungünstigen Augenblick die nationalsozialistische Presse angegriffen, als sie gerade ihren Feldzug gegen die Kritiker und Nörgler geführt habe. Er habe somit die nationalsozialistische Presse als Lügenpresse hingestellt. Die Firma wurde verurteilt, den Kläger weiter zu beschäftigen. Das Gericht trat der Auffassung der Firma, der Kläger habe die nationalsozialistische Presse als Lügenpresse hingestellt, nicht bei. Der Kläger habe lediglich die Richtigkeit des Artikels einer nationalsozialistischen Zeitung in Zweifel gezogen. Zu Gunsten des Klägers falle noch ins Gewicht, daß die betreffende Nummer der Zeitung beschlagnahmt worden sei. Aus dieser Kritik an einem einzigen Artikel einer Zeitung könne nicht der Schluß gezogen werden, daß der Kläger die nationalsozialistische Presse als Lügenpresse bezeichnet habe. Man könne den Kläger deswegen auch nicht etwa als ..Kritiker und Nörgler" bezeichnen und die fristlose Entlassung mit dem Hinweis begründen, daß die Regierung und die überwiegende Mehrheit des Volkes zurzeit gegen diese Kritiker und Nörgler einen erbitterten Kampf führen. Dieser Kampf gelte nur jenen Kritikern, die an Maßnahmen amtlicher Stellen, der Regierung und der ihr nachgeordneten Stellen, Kritik übten. Daß jeder Staatsbürger unbesehen jeden Artikel einer nationalsozialistischen Zeitung hinnehmen müsse, werde von der Regierung nicht verlangt, auch gar nicht gewünscht, Dem Kläger wird im Lirteil nur der Vorwurf gemacht, daß er als Vorgesetzter während der Arbeitszeit sich überhaupt auf solche Gespräche eingelassen habe. Aber dieser Grund reiche zur fristlosen Entlassung nicht aus. Die Firma muß daher den Angestellten wieder einstellen, wozu sie sich vorher, wenn eine Gerichtsentscheidung ergehen würde, auch bereit erklärt hat.

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