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Der Israelit · 1934-07-12 · Heft 28 (12.7.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 28 (12.7.1934)
Date
1934-07-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 28 Der Israelit 12. Juli 1934 Kaltwasserleitung abgesperrt werden kann, so daß die Zufuhr kalten Wassers zur W a r m w a s s e r 1 e i t u n g am Schabbos unterbunden ist. Eine derartige Leitungseinrichtung ist z. B. in dem hiesigen Hotel Ehrenreich vorhanden. Diese wurde seinerzeit nach den Wünschen und Angaben des verstorbenen Herrn Emil Jeidel h"i in Rücksicht auf das Religionsgesetz in dieser Weise errichtet. Das Wasser der oben erwähnten Warmwasserleitung wird durch Kohlenheizung erwärmt und ist vor Sabbat-Beginn schon erwärmt, es ist also als bvzm 1315 zu ■ bezeichnen. Außerdem besteht das Interesse, daß das Wasser nicht zu rasch und stark einkocht, da es sonst möglicherweise am Schabbos nicht ausreicht. Daher kommt i? rn j?at>xa in Betracht und dadurch fällt die nnrr K»o rrvn weg, so daß man den Warmwasserhahn einer derart eingerichteten Leitung wohl ohne Bedenken am Schabbos öffnen darf. Wenn man also in einem zuverlässigen jüdischen Hause wohnt, prüfe man, ob die Warmwasserleitung in der erwähnten erlaubten Weise hergestellt ist. Wer im eigenen Hause eine Warmwasserleitung einrichten läßt, möge dies so tun, daß die Oeffnung des Warmwasserhahnes am Schabbos geschehen darf und man wird dann von ihm sagen können: ]wn a'B-n D'an. A, Jüdische Gaststätten. Von besonders geschätzter rabbinischer Seite geht uns folgender Aufruf zu: „Besucht die jüdischen Gaststätten", das muß die Losung der Stunde für alle sein, die jetzt Erholung in den Bergen und an der See suchen. Das ist keine platte Geschäftsreklame. Wir alle müssen die jüdischen Gaststätten schützen, wenn wir nicht empfindlichen Schaden davontragen wollen. Wie sollen diese in den schweren Zeiten bestehen können, wenn wir selbst sie nicht fördern und unterstützen? Habt ihr euch je die besonders zugespitzte Lage des jüdischen Hotelbesitzers klar gemacht? Wie klein der Kreis ist, auf den er Anspruch zu erheben vermag, der aber an ihn mit derselben weitgehenden Forderung herantritt, wie jeder Kurgast? Dachtet ihr einmal an die Schwierigkeit der Koscher-Fleischbeschaffung? — An die erhöhte Forderung, die an seine Gewissenhaftigkeit gestellt wird, wenn er in seiner Isolierung alles streng rituell gestalten soll? Es ist geradezu eine Pflicht der Dankbarkeit, an seiner Arbeit nicht achtlos vorüberzugehen. Und was soll aus unseren Kranken und Leidenden werden; was wirst Du selber für ein Mittel ergreifen, wenn Du in geschwächter Gesundheit die Kur gebrauchen mußt, und es gibt keine rituelle Speisemöglichkeit? Es sei daher jedem zur Pflicht gemacht: Propagiere und empfiehl nach Kräften die jüdischen Badehotels! Sie sind wirklich gut: erstklassig in Wohnung und Verpflegung. Du kannst Dir selbst keine rechte Freude und Behaglichkeit in den Tagen der Ausspannung schaffen, ohne daß Dir das Milieu des jüdischen Hauses Heimatgefühl, Sabbatfreude, Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und die Möglichkeit gemeindlichen G'ttesdlenstes gewährt. Die jüdischen Wirte sind in ihrer Organisation bestrebt, die Preise zu ermäßigen und der schweren Lage des Publikums Rechnung zu tragen. Die Kosten für Dich v/erden bei eigener Wirtschaftsführung mit ihren tausend Schwierigkeiten letztlich doch nicht geringere sein als im Schutze der jüdischen Gaststätte mit ihren Annehmlichkeiten und Erleichterungen für Dich. Lernet endlich aus der Gegenwart, daß jeder Mensch den sich und seiner Religion treuen Juden tausendmal höher achtet als den Assimilanten und Treuebrüchigen. Für viele ist der Aufenthalt im jüdischen Hotel geradezu eine Zeit religiöser Besinnung und Vertiefung geworden, wo sie zum ersten Male die Schönheit jüdischen Lebens kennen gelernt haben. Der Kuraufenthalt wurde für sie auch eine seelische Erneuerung. Darum noch einmal! Lernt sie nur einmal kennen, Ihr werdet es nicht bereuen. Laßt es Euch als guten Rat und oberste Regel ins Herz schreiben: Besucht die jüdischen Gaststätten! Personalien. Gelnhausen^ 8, Juli. Am 18. Tammus hauchte Frau Jettchen Moritz geb. Glauberg nach kurzer Krankheit im 69. Lebensjahre ihre Seele aus. Mit ihr ist eine jener frommen Frauen von uns gegangen, wie sie besonders in den Kleingemeinden immer seltener werden. Einem echt jüdischen Hause Langenselbolds entstammend, gründete sie vor über vier Jahrzehnten in Gelnhausen ihr eigenes Heim und gestaltete ihr Haus zu einem öj?» cnj?» in des Wortes schönster Bedeutung. Ihre größte Freude war es, ihre Kinder, von welchen ein Sohn nach Erez Jisroel übergesiedelt ist, zu wahrhaft frommen Jehudim und tüchtigen Menschen heranwachsen zu sehen, wofür sie auch das schöne mar genoß, daß diese, selbst schon Eltern, an ihr die Pflicht des dri nx iiaa in der edelsten Form bis in die letzte Stunde ihres g'ttgefälligen Lebens ausübten. Das Ueben von n-aa war ihr selbstverständliche Pflicht, die sie in reichem Maße, zu erfüllen stets bestrebt war. Groß war das Gefolge derer, die ihr die letzte. Ehre erwiesen. Herr Religionslehrer Lang schilderte am Grabe in ergreifenden Worten das vorbildliche Leben der Verblichenen. Ferner widmete ihr Herr Lehrer Weingarten, Hanau als Freund der Familie warme Dankes- und Abschiedsworte, frasan Amsterdam, 6. Juli. Am Sonntag, den 24. Juni, ist nach kurzem Krankenlager Jesaia Lissauer, nachdem er eine Woche vorher sein 82, Lebensjahr vollendet hatte, in die Ewigkeit entschlummert. Jesaia Lissauer war in den breitesten Kreisen des In- und Auslandes bekannt. Er war „der Mohel" von Holland, aber auch in den umgrenzenden Ländern und besonders in Deutschland hatte man öfters Gelegenheit, Zeuge zu sein, wie Jesaia Lissauer mit besonderer nro und ihn ganz erfüllender nn»*7 von der auszuführenden großen mxa sein Werk als Mohel ausübte, was auch vor zwei Jahren im „Israelit" anläßlich seines 50jährigen Moheljubiläums hervorgehoben wurde. Unter den Tausenden Knaben, die er in den nmaK rv-o führte, durfte er auch seinen eigenen Urenkel zählen. Auch als "im rr-bv bewährte sich der Heimgegangene in hervorragendster Weise. Es würde zu weit führen, alle die D'aiü D'pya aufzuführen, die ihn inner- und außerhalb seiner Gemeinde und der Vereinigungen auszeichneten. Mustergültig war die Art, wie er den Sabbat hielt. Was; Lissauer noch in hohem Alter für seine deutschen Brüder und die deutsche Jugend, die sich um ihn scharte, war, bleibt in den Herzen derer, die das Glück hatten, von ihm gestärkt und unterstützt worden zu" sein, unvergeßlich. Möge er für uns weiter ein Fürsprecher sein. - PI. Amsterdam, 8. Juli. Herr A. van Creveld Mzn., ein sehr bekannter Mann im Kehillohleben von Amsterdam, feierte am 27. Juni seinen 75. Geburtstag. In Hoorn geboren, wirkte Herr van Creveld als Religionslehrer in Amsterdam, wurde einer der Gründer des Bundes der Religionslehrer „Achawah" und fungierte mehr als 30 Jahre als Vorsitzender dieses Bundes. Er war auch Ehrenvorsitzender des Unterstützungsfonds und Vorsitzender des Vereins „Steun der Weduwen" (für die Pensionierung von Lehrerswitwen). Sehr verdient gemacht hat sich der Jubilar um die Chanukoh-Schulfeste in Amsterdam, an denen jährlich mehr als 1000 Kinder teilnehmen. Ferner war Herr van Creveld Hauptlehrer am Mädchen-Waisenhaus und gab auch den jüdischen Lehrlingen im Blindeninstitut Unterricht. Auf seine Veranlassung sind dort verschiedene jüdische Bücher in Blindenschrift angefertigt worden. In der jüdischen Schulvereinigung „Kennis en Godsvrucht", die er mitbegründet hat, war er lange Jahre Vize-Vorsitzender. Zahlreich sind die religiösen und philantropischen Vereine, auch für Jerusalem, in denen Herr van C. mitarbeitete. Von seiner Hand sind viele Artikel über die Erziehungslehre und religiösen Unterricht erschienen. Sehr oft hat Herr v. C. in den verschiedenen Vereinen Vorträge gehalten über jüdisch-wissenschaftliche Themen. Als Herausgeber hat er sich sehr verdient gemacht durch die Ausgabe einer Anzahl Werke für Schule, Haus und Synagoge. U. a. brachte er ein Pentateuch heraus mit der Uebersetzung von Raschi durch Oberrabbiner A. S. Onderwijzer, ein Gebetbuch mit Uebersetzung und Erklärung von Oberrabbiner L. Wagenaar s. A.( Geschichte der Israeliten von Oberrabbiner M. Monasch s. A., Sprachen- und Geschichtsbücher von H. Italie und eine Anzahl andere Werke. Auch im öffentlich-jüdischen und Gemeindeleben nimmt der nun 75jährige noch einen wichtigen Platz ein. 1916 wählte die Versammlung von Noord-Holland ihn zum Mitglied von der Kommission für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde, während er 1917 in den Gemeinderat gewählt wurde. Er ist auch seit vielen Jahren Mitglied der Schulkommission der Gemeinde. Ferner gehört Herr v. C. der Kommission an zur Prüfung der Mohelim, auch war er Gründer des Bundes der Mohelim „Bries Awroohom", in dem er jahrelang erster Schriftführer war. Herr v. C. ist auch der Gründer des „Centraal Blad voor Issraelieten in Nederland", das in kurzer Zeit sein 50jähriges Bestehen feiert. Noch immer ist er dort als Chefredakteur tätig. Ihre Majestät die Königin ehrte seine Verdienste durch Ernennung zum Ritter des Ordens „Oranje-Nassau". Oberrabbiner Dr. J. H. Dünner s. A. verlieh ihm den „Chower-Titel" in Anbetracht seiner großen Verdienste um das Judentum. Wir wünschen dem hochverdienten Manne weitere frische Arbeitskraft. wyias?. Dolni Kounice (Mähren), 8. Juli. Am 11. Tamus haben wir unsere verehrte Rabbinersfrau, Frau Anna F 1 e s c h , die aus Hessen stammte, zu Grabe geleitet. Die Teilnahme war eine überaus große. Kein Auge blieb tränenleer, als unser verehrter Raw, Dr. H. Flesch, von seiner Gattin Abschied nahm. ' rraxan Briefkasten. J. M. in St. Ffs. 50.— für Abonnement eingegangen. Wochenkalender. Vom 14. — 21. Juli 1934 / Vom 2. — 9. Ab 5694 'OT t]T «4 Samstag 14 2 l'ü'a '3?oö nits» -. Sonntag 15 3 Ö Montag 16 4 8» Dienstag Juli 17 5 aa . Mittwoch 18 as 6 aa Donnerstag 19 7 i» Freitag 20 8 na Samstag 21 9 ia Jim naw n'^ai; . In Paris finden Pensionäre und Passanten gute Unterkunft bei Dr. L. Herz (früher Fulda) 8 bis, rue de l'Arrivee Metrostation Montparnasse. Näheres siehe Inserat. Geschäftliches. Es ist gewiß nicht uninteressant, zu untersuchen, wie das Konversationslexikon sich in den 120 Jahren seit der ersten Auflage des Brockhaus herausgemacht hat. Es hat sein Gewand abgelegt und ist in ein neues geschlüpft, in ein weiteres und dabei doch geschmackvolles und zugleich dauerhaftes. Vor uns steht der neue „Große Brockhaus", dessen 12. Band soeben erschienen ist.*) Wenn immer man von dem „Buch als Persönlichkeit" sprechen kann-— auf ihn trifft's gewiß zu. Er ist nicht mehr der liebenswürdige Plauderer von vor 120 Jahren, der uns nur „Stoff zu einer Konversation" gibt — und doch ist er gewiß tausendmal bunter, lebendiger, unterhaltender geworden. Und dabei gewissenhaft und zuverlässig. Seine Aufgabe in unserer Zeit? Sie ist weit gespannt, so umfassend, daß uns der „Große Brockhaus" in der kurzen Zeit seit Erscheinen des ersten Bandes schon unentbehrlich geworden ist. Er soll ja nicht nur das gesamte, Wissen unserer Zeit, sorgfältig nach Schlagworten und Unterschlagworten geordnet, darstellen, sondern er soll darüber hinaus den großen Kreis praktischer Fragen, die täglich an uns gestellt. werden, mit allem Verständnis für das, was den Menschen von heute angeht, beleuchten. Um ein Beispiel zu geben: wir verlangen von ihm nicht nur gewissenhafte Auskunft über Namen und Daten, über den Siebenjährigen Krieg etwa, über den Lebenslauf eines Nobelpreisträgers, über eine Stadt oder einen uns unbekannten Fachausdruck — wir möchten gegebenenfalls auch Ratschläge für unser tägliches Leben haben, etwa bei Krankheitsfällen oder Vergiftungen, oder bei der Berufswahl unserer Kinder, oder in rechtlichen Fragen (Muß ich ein geplantes Verbrechen zur Anzeige bringen? Wann kann ich einen Richter als befangen ablehnen? Wie veranlasse ich die Eintragung einer Hypothek in das Grundbuch?). Ja, eigentlich soll er mir noch mehr sagen können: Wie sollen im Badezimmer die elektrischen Schalter angebracht sein, damit eine Gefährdung des Badenden ausgeschlossen ist? Welches ist das. Mindestkapital bei der Gründung einer Aktiengesellschaft? Wie lege ich mir eine Bienenzucht an? Wie ist der gefürchtete Hausschwamm zu bekämpfen? Wie soll ich meine Ernährung sinngemäß gestalten? Um es vorweg zu nehmen: „Der Große Brockhaus" ist das Nachschlagewerk, das diesen Anforderungen in hohem Maße -gerecht wird. Und noch mehr. Die sehr gute Ausstattung läßt den — übrigens seit Beginn dieses Jahres herabgesetzten — Preis als niedrig erscheinen. Der 12. Band allein enthält 80 Tafelseiten, teilweise prächtig bunt, mit vielen Hunderten von Abbildungen, sowie 20 Kartenseiten, darunter färbige Stadtpläne von Mailand, Mainz, Mannheim-Ludwigshafen und Moskau. (Zum Vergleich: in den bisher vorliegenden 12 Bänden haben wir insgesamt 934 Tafelseiten und 482 Kartenseiten' zählen können, die — für sich allein genommen — schon ein paar starke Bände ergeben würden!) Wie wir selbst zu brennenden Fragen unserer Tage uns Unterrichtung aus dem „Großen - Brockhaus" holen können, zeigen Artikel wie Memelgebiet und Minderheitsfrage. Die beigefügte Mondkarte kann als die beste augenblicklich vorhandene Karte über unser Nachbargestirn bezeichnet werden. Kurz, im neuen „Großen Brockhaus" ist die Welt in ihrer bunten Vielfältigkeit vortrefflich eingefangen, und es ist nicht zu viel gesagt, daß man ihn nicht mehr missen mag, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, sich von ihm das bunte Leben und seine Geheimnisse erklären zulassen und sich in allen Fragen, die jeder Tag an uns stellt, bei ihm Rat zu holen*. *) „Der Große Brockhaus", Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Band 12 (Mai bis Mud) in Leinen RM. 23.40; bei Umtausch eines alten Lexikons nach den festgesetzten Bedingungen RM. 21.15.

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