Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-07-12 · Heft 28 (12.7.1934) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 28 (12.7.1934)
Date
1934-07-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450834--80560-2538399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

12. Juli 1934 Der .Israel i;t Nr. 28 Seite 7 Menschen in den Dienst dieser Aufgabe gestellt;, sie sind bereit, ihre Zeit und ihre Kraft der Durchführung dieser Aufgabe zu widmen. Die Leitung des „Nöar Agudati" hat in den letzten Monaten in den von der Palästina-Zentrale neu gegründeten Hachscharahstätten eine große Anzahl Chaluzim und Chaluzoth in diesen untergebracht, eine noch größere Zahl von jungen Menschen zur vorherigen geistigen Ausbildung auf deutsche und östliche Jeschiwaus geschickt. Besondere Pläne zur Aufbringung der Mittel für den Fonds sind ausgearbeitet und werden in Kürze durchgeführt. Wir, die agudistische Jugend, rufen den Alten zu: Scheal owicho wjagedcho skenecho wjaumro loch! Ihr Alten, gebt uns Euren Rat, Eure Hilfe, Eure Mittel! Der Jugend sagen wir: Im ein ani Ii, mi Ii! Wenn wir, die Jugend, nicht für uns selbst sorgen, wer sollte es dann tun? Scheut keine Zeit und keine Mühe, damit wir unser Ziel erreichen! Möge das Alter nicht durch Gleichgültig-. keit und Untätigkeit die Jugend enttäuschen! Möge die Jugend dieselbe Aufopferungsfähigkeit und Bereitschaft zeigen, wie es ihr das Alter durch sein Vorbild vorgelebt hat! Sch. Korrespondenzen, Deutsches Reich. Welche Namen gelten als jüdisch? Berlin, 5. Juli. In den schon berichteten Anweisungen des Preußischen Innenministers über die Aenderung von Familiennamen wird bestimmt,' daß dafür, welche Namen als jüdisch anzusehen sind, die Auffassung der Allgemeinheit maßgebend sein soll. Dänach gelten auch gewisse dem Ursprung nach deutsche Namen als Judennamen wie z. B. Hirsch, Goldschmidt usw. Als typisch jüdische Namen werden auch die sowohl bei Juden wie bei Nichtjuden vorkommenden biblischen Namen Salomon, Israel, Moses usw. angesehen. Ferner werden die vom Herkunftsort abgeleiteten Namen wie Krotoschiner, Hamburger, Darmstädter usw. zu den Judennämen gerechnet. Dagegen gelten Namen, die zwar auch von Juden, häufiger aber von Christen getragen werden, nicht als Judennamen. Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde Berlin. Berlin, 8. Juli. Durch Verfügung des Polizeipräsidenten von Berlin wird das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zur Ausgabe der amtlichen Erkennungsbinden für körperlich Behinderte, Blinde und Taube ermächtigt, Das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde fordert alle Körperbehinderten, auf die dieser Erlaß Anwendung findet, auf, zunächst ihre Adresse durch Postkarte dem Wohlfahrtsamt, Rosenstraße 2—4 mitzuteilen. Bei der zu erwartenden großen Zahl der sich Meldenden können diese nicht an einem Tage abgefertigt werden. Vielmehr muß eine planmäßige Behandlung eintreten. Auf eingesandte Meldungen wird alsbald eine Benachrichtigung erfolgen. . Einmütige Verurteilung. Paderborn, 8. Juli. Zu der Friedhofsschändung in Paderborn, über die wir bereits mitgeteilt haben, schreibt das „Westfälische Volksblatt" u. a.: „Pie Behörden, die nationalsozialistische Bewegung und die gesamte Bevölkerung rücken mit Abscheu von einer so gemeinen Tat ab. Amtlicherseits wird alles geschehen, um die Vorgänge aufzuklären, und die Täter können einer strengen und rücksichtslosen Bestrafung sicher sein. Wer die Pietät gegenüber den Toten verletzt, den trifft ohne Rücksicht der Arm' des Staates und. die Verachtung aller gutgesinnten Kreise der Bevölkerung . . ." Ebenso hieß es im „Filter-Kampfblatt für den nationalsozialistischen Staat": „Wir wissen uns mit allen Nationalsozialisten ■ einig in der Verurteilung dieser Freveltat. Der Kampf unserer Bewegung gilt nur Lebenden, nicht der Ruhe Toter. Wir hoffen, daß die Täter bald gefaßt werden. Die. ganze" Strenge des Gesetzes wird und muß sie treffen!" Inzwischen ist es gelungen, die Täter zu fassen, sie haben bereits ein Geständnis abgelegt. Keine unterschiedliche Behandlung der Juden in Danzig. D a n z i g , 4. Juli. Im Zusammenhang mit einer Reihe von Artikeln betreffend die rechtliche und wirtschaftliche Stellung der Juden in Danzig, die im „Danziger Echo" erschienen sind und in denen auf die der Danziger' Verfassung widersprechenden judenfeindlichen Bestrebungen auf wirtschaftlichem Gebiet, sowie auf Aeußerungen und Versammlungsreden von Mitgliedern des Senats hingewiesen worden war, die außer schweren Ehrenkränkungen der jüdischen Bevölkerung auch die Ankündigung einer Sonderbehandlung der Juden mit Hilfe außergesetzlicher Maßnahmen enthalten, hat nunmehr der Präsident des Senates der Freien Siadt Danzig ein Presse-Communique herausgegeben, in dem er versichert, daß die Bestimmungen der Danziger Verfassung betreffend gleiche Behandlung aller Bür-( ger eingehalten werden sollen. «m^^ Neu erschienen! Im Auftrage der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" erschien: Mißverstandene und mißdeutete Talmud- und Soharstellen« Sonderdruck aus dem „Israelit". Die Schrift ist zur Aufklärung in den eigenen Reihen unentbehrlich. Der Preis der Broschüre ist RM. 0.25 im Einzelverkauf, bei Bezug von mindestens 10 Stück RM. 0.20, Wiederver- ' käufer erhalten Rabatt. Zu erfragen bei dem Büro der Freien Vereinigung, Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 10. Dr. Rauschning erklärt in diesem Communique, es bestehe kein Grund zu Befürchtungen betreffend unterschiedlicher Behandlung von Bevölkerungsteilen, insbesondere der jüdischen Bevölkerung, innerhalb des Gebietes der Freien Stadt Danzig wegen ihrer Abstammung oder wegen ihrer Religion. Die Verfassung der freien Stadt schließe die Möglichkeit auch nur der geringsten Beeinträchtigung der Rechte ihrer Einwohner aus. Im besonderen sei ein Wirtschaftsboykptt nicht möglich, da der Senat allen Bürgern vollständige verfassungsmäßige Gleichheit garantiere. In Uebereinstimmung mit den' Wünschen der gesamten Bevölkerung stehe der Senat der Freien Stadt Danzig auf dem Standpunkt, daß innerhalb der gesetzlichen Vorschriften ein korrekter wirtschaftlicher Wettbewerb aufrecht erhalten werde, in dem ausschließlich die Fähigkeiten der konkurrierenden Elemente maßgebend sein sollen. Der Senat werde alle gesetzlichen Maßnahmen zur Wahrung dieses Standpunktes treffen. Oesterreich, Der Wiener Prozeß um die Ritualmord- Beschuldigung. .Wien, 26. Juni. Der von der Führerin der österreichischen Bewegung gegen den Antisemitismus, Irene H a r a n d , provozierte Prozeß um Ritualmord-Beschuldigung und „Zionistische Protokolle", in dem Frau Harand den Nachweis führen will, daß der. von ihr gegen ein österreichisches antisemitisches Blatt wegen Veröffentlichung von Teilen aus den „Protokollen" und Wiederholung der Ritualmord-Beschuldigung erhobene Vorwurf der Lüge und Verleumdung berechtigt ist, wird mit Rücksicht. auf das umfangreiche Material erst nach Schluß der Gerichtsferien- Anfang September fortgesetzt werden. Um zu beweisen, daß auch die Behauptung des Blattes, die Juden seien faul und arbeitsscheu, als lügnerische Verleumdung gekennzeichnet werden kann, hat der Anwalt Frau Harands den Antrag gestellt, einen hohen Funktionär der Palästinaverwaltung als Zeugen über jüdische Leistungen und jüdische Arbeit in Palästina zu vernehmen. Frau Harand hat sich bereit erklärt, die Kosten der Reise des Zeugen nach Wien zu tragen. Erklärung der Rabbiner Wiens zum Falle Stavsky. Wien, 8. Juli. In einer Plenarsitzung der Wiener Rabbiner wurde die Veröffentlichung folgender Erklärung beschlossen: „Abraham Stavsky, ein junger Jude, ist in Palästina auf Grund einer Indizienbeweisführung durch Majoritätsspruch des Richterkollegiums des Mordes an dem Zionistenführer Arlosoroff schuldig erkannt und zum Tode verurteilt worden. Der Oberrabbiner von Palästina, Kuk, und mit ihm das palästinensische Rabbinat, sowie ein großer Kreis hervorragender Persönlichkeiten haben in einem Aufruf, an die Judenheit der ganzen Welt beteuert, •daß nach ihrer Ansicht Abraham" Stavsky an dem Morde gänzlich unbeteiligt sei. Unter dem Eindruck dieser Kundgebung und bestärkt durch die Erklärung eines der Richter des ersten Gerichtshofs, de Valero, der gleichfalls von der Unschuld Stavskys überzeugt ist, geben die Rabbiner der Wiener Gemeinde dem innigen Wunsche und der Hoffnung Ausdruck, daß die Ueberzeugung so vieler hervorragender Menschen von der Unschuld Stavskys durch das weitere gerichtliche Verfahren volle Bestätigung finden möge." 1 Die Ueberführung der Leiche Bialiks, Wien, 9. Juli. Die am Montag, den 9. Juli, vormittags auf dem Wiener Zentral-Friedhof in Form einer stillen Andacht abgehaltene Trauerfeier für Chaim Nachman Bialik wies eine Massenbeteiligung auf. In der Zeremonienhalle hatten sich unzählige Delegationen aus dem In- und Ausland eingefunden. U. a. nahmen an der Trauerfeier sämtliche Rabbiner Wiens und die Oberrabbiner von Budapest und Fiume teil. Auch aus Polen waren Ehrengäste eingetroffen. Ansprachen wurden nicht gehalten. Nach der Feier wurde dem Sarg bis zum Süd-Bahnhof das Geleite gegeben. Polen. Jeder steht zu seinem Glauben. Warschau, 6. Juli. Anläßlich eines Besuches in der zu seiner Diözese gehörenden Stadt Wielza hielt der Bischof von Sandomierz eine Ansprache, in der er auch das Verhältnis von Juden und Christen zm ihrem Glauben streifte und die Notwendigkeit einträchtigen Zusammenstehens von Polen und Juden betonte. Die in einer Zeit hemmungsloser judenfeindlicher Propaganda in Polen an die Bevölkerung gerichtete bischöfliche Mahnung zu Frieden und Eintracht übte starke Wirkung aus. An dem festlichen Empfang, den die Einwohnerschaft von Wielza dem Bischof bereitete, nahm auch eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung teil, die dem Bischof unter der Führung des Ortsrabbiners eine Thorarolle entgegentrug. Der Bischof dankte der Abordnung für diese ihm zuteil gewordene Ehrung: Er erklärte, er schätze die jüdische Religion, die als erste den wahren G'ttesgaluben verkündet habe, sehr hoch ein. Die Christen müßten an ihrer Religion festhalten und ebenso die Juden an der ihrigen. Gleichzeitig aber müßten beide Volksstämme, Polen und Juden, einträchtig zusammenstehen, denn „wir alle sind Kinder eines G'ttes". Die Ansprache des Bischofs machten auf die vieltausendköpfige Menge von Juden und Christen, die der Begrüßung beiwohnten, einen tiefen Eindruck.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.