Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1934)
- Date
- 1934-07-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 28 Der Israelit 12. Juli 1934 vertraut. 1891 erschien sein erstes Gedicht mDSn und machte größtes Aufsehen. Einige Zeit später erschien sein TänaH' das wie eine Wachsplatte all seine tiefen Erlebnisse und Eindrücke hinter der Gemoro in Woloschin aufgenommen hat und der Welt aufbewahrt. Es gehört dieses Gedicht heute noch mit zu den Besten, was wir seit der kastilischen Dichterschule erhalten haben. Es kam der Pogrom in Kischinew, und Bialik gab der Erschütterung und der Tragödie eines Volkes in einem elegischen Gedichte Ausdruck, das ihn nun vollends zum Meister der hebräischen Lyrik für alle Zeiten stempelte. Unzählige Gedichte folgten, die in Gesammelten Werken aufbewahrt und der Welt erhalten sind. Wir sehen ihn dann in Berlin und in Homburg sich als Dichter, Schriftsteller und Verleger mit groß angelegten, schöpferischen Plänen betätigen. 1923 übersiedelt er endgültig nach Palästina, wo er sein, literarisches Schaffen und seine Verlagsunternehmungen in noch größerem Maße fortsetzte. Er ist in Tel Awiw mitten im Rausche des Aufbaus Mittelpunkt des geistigen kulturellen Lebens. Ohne jemals ein Amt in der zionistischen Organisation zu bekleiden, wächst sein Einfluß von Tag zu Tag, er ist Führer der zionistischen Jugend, soweit sie sich noch über den Rausch der Arbeit und den Fanatismus der Parteipolitik hinaus einen gewissen Intellektualismus bewahrt hat, und damit steigt seine Popularität so weit, daß er schon zu Lebzeiten eine Straße in der jüdischen Stadt sehen darf, die seinen Namen trägt. Dort steht auch die hübsche Villa „Beth Bialik", die jedem Besucher gezeigt wird und in der Sabbat für Sabbat die vielen Hunderte zu dem von ihm gegründeten und bis zuletzt geleiteten ,,Oneg Schabbath" zusammenströmten. Jedes Volk betrachtet die Erziehung und die Fürsorge für seine Jugend als seine höchste Pflicht. Die Thora verkündet wiederholt Führern und Eltern, die Erziehung der Jugend als erste Lebensaufgabe und legt ihnen die Bereitstellung des jüdischen Kindes für G'tt und seine heilige Thora warm ans Herz. Auch die Weltorganisation f,Agudas Jisroel" hat neben allen anderen Aufgaben, der Erziehung des jüdischen Sohnes und der jüdischen Tochter stets in erster Linie ihr Augenmerk zugewandt. Sie hat den „Keren Hathora" zur Unterstützung von Jeschiwaus und orthodoxen Schulen und „Beth Jacob" zur Erziehung des jüdischen Mädchens gegründet. Keren Hathora und Beth Jacob waren vornehmlich für die Erziehung der Jugend in der Golah gedacht. Die politische Umwälzung stellt die Agudas Jisroel, insbesondere in Bezug auf die Jugenderziehung vor neue Aufgaben. Ein Land nach dem andern verhindert durch Gesetz die Entwicklungsmöglichkeiteh der Juden. Vor allem den in Deutschland lebenden Juden wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als daß sich ein erheblicher Teil ihrer männlichen und weiblichen Jugend nach Abschluß der- Schulbildung ihr Leben in außereuropäischen Ländern aufbaut. Hierfür kommt in erster Linie ein Land in Frage: Erez Jisroel. Nach Erez Jisroel, dem Lande ihrer Sehnsucht, fühlt sich die jüdische Jugend und nicht zuletzt die thoratreue, hingezogen. In Erkenntnis dieser Tatsache hat die Agudas Jisroel in vielen Ländern West- und Osteuropas Hachscharastätten zur körperlichen Ausbildung und Umschichtung der orthodoxen Jugend gegründet. Die orthodoxe Jugend hat jedoch erkannt, daß eine bloße Umschichtung und Umstellung in körperlicher Hinsicht nicht genügt. Sie will fort von jeder Assimilation; sie will sich nicht in den jetzt bestehenden, von Politik und Parteien beherrschten Jischuw einordnen. Sie will in einem Bialik kommt aus der Schule der Himmelstürmer innerhalb der Haskalah, aber er hatte sich die glühende Liebe zum Buch,, auch zum Talmudfolianten, zur Halacha und Agada (er hat mit Rawnitzki das JiTUHfl "ISIS herausgegeben und auch ein grundlegendes Essay über Halacha und Agada geschrieben) von Woloschin in sein Dichterleben und seinen Dichterruhm hineingerettet. Er hatte in jungen' Jahren nicht viel übrig für die Religion als Faktor im Aufbau des neuen Lebens, aber die Entwicklung ging weit über ihn hinaus, und er sah zuletzt mit wehem Schmerze eine Generation aufwachsen, die in gleichem Maße, wie sie sich von der praktischen Religion entfernte, immer mehr auch den Quellen derselben, der Bibel, dem Talmud auch den Klassikern des .Hebräischen, all den Heiligtümern, die auch Quelle seines eigenen künstlerischen Schaffens waren, entfremdet wurde. Er suchte noch zu retten, was zu retten war: mit Aufrufen zugunsten des Schabbath, mit der Institution des ,,Oneg Schabbath". Hunderte kamen, Tausende blieben fern. Für Unzählige, die der Hammer des Aufbaus geschmiedet und denen die Parteifahne Farbe und Form gegeben,, war er der Mann von gestern, der Vertreter einer überwundenen Bourgeosie im Geistigen. Wir hätten ihm von Herzen gewünscht, daß er die Besinnung und die Umkehr, die er in den letzten Jahren — freilich nach unseren Begriffen mit unzulänglichen Mitteln, mit Melodien ohne Texte, mit Reden ohne Taten, mit Hawdalahflammen, die verlöschen, ohne innere Flammen zu wecken — herbeizuführen suchte, noch erlebt hätte. Ein tragisches Geschick rief ihn im Alter von erst 61 Jahren von dannen. In den Herzen des jüdischen Volkes werden seine. Lieder für alle Zeiten nachklingen. vom reinen Thorageist erfüllten Jischuw leben, in einem Jischuw, der restlos unter die Herrschaft des in der mündlichen und schriftlichen Thora niedergelegten G'tteswillens gestellt ist. Sie will sich zu einer thoratreuen Gemeinschaft zusammenschließen, in der sie gegen alle einstürmenden Versuchungen religiöser, sittlicher oder wirtschaftlicher Art geschützt ist. Um dieses hohe, heilige Ziel zu erreichen, hat die Jugend ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und einige wenige auf agudistischem Boden stehende junge Leute haben mit Billigung von Rabbinen und führenden Persönlichkeiten der Agudas Jisroel den „Noar Agudathi" Bund agudistischer Chaluzim ins Leben gerufen. Er übernimmt, im Einvernehmen mit der Palästina-Zentrale, die einen Vertreter in der Bundesleitung des Noar Agudathi hat, die körperliche und geistige Ausbildung der Chaluzim und Chaluzoth als Vorbereitung für die Uebersiedlung nach Erez Jisroel. Die Gründer des Noar Agudati durften sich aber nicht mit der Zusammenfassung und Ausbildung der thoratreuen Chaluzim begnügen, sondern sie mußten das Aufgabengebiet dahin erweitern, daß sie die jungen Menschen so schnell wie möglich seßhaft machen und dauernd in die Wirtschaft einordnen. Andererseits durfte der Noar Agudati seine Kräfte nicht zersplittern; daher haben junge agudistische Menschen, die dem Noar Agudati nicht angehören können, weil sie keine Chaluzim sind, sich zusammengefunden und haben, wiederum mit Zustimmung führender agudistischer Persönlichkeiten, als Unter-Abteilung des „Keren Hajischuw" den „Jischuw Hathora" Fonds für agudistische Arbeitersiedlung geschaffen. Dieser Fonds dient zur Seßhaftmachung agudistischer Chaluzim und Chaluzoth. Der von Wirtschaftssachverständigen zur Durchführung dieser Aufgabe aufgestellte Plan, beruht auf der Kombination von Lohnarbeit mit Siedlung und Bewirtschaftung auf eigenem Boden. Dieses Ziel soll erreicht werden, indem: in der Nähe größerer Siedlungen auf eigenem, der Agudas Jisroel gehörenden bezw. von ihr zu erwerbenden Boden die durch die agudistischen Hachscharastellen vorgebildeten Chaluzim und Chaluzoth angesiedelt werden, dergestalt, :,daß diese jungen Menschen im Außendienst auf Lohnarbeit gehen, aber auf eigenem Böden eine gemeinschaftliche Wirtschaft (Gemüsegärten, Hühnerzucht, Milchwirtschaft usw.) einrichten. Diese Verbindung von Lohn und Bewirtschaftung eigenen Bodens hat den Vorteil, daß die jungen Menschen bis zu einem gewissen Grade von den Schwankungen und Zufälligkeiten des Arbeitsmarktes unabhängig werden und sich notdürftig von den eigenen Erzeugnissen ernähren können; in guten Zeiten wird durch dieses System eine erwünschte Hebung des wirtschaftlichen Lebensstandards herbeigeführt werden können. Voraussetzung für ein Anrecht der Ansiedlun£ auf di;esem Boden ist das Vorhandensein wahrhafter religiöser und sozialer Gesinnungsgemeinschaft auf dem Boden der Thora, sowie Anerkennung und Betätigung der Thoragesetze im Leben* in Denken.und Tun der Siedler. ._ Der Regel nach sollen nur solche Chaluzim und Chaluzoth auf diesem Boden angesiedelt werden, die sich vor ihrer Ansiedlung oder doch bald nach dieser verheiraten, damit dem alten jüdischen Grundsatze einer Hausgründung in jugendlichem Alter entsprochen werde. Jedem verheirateten Chaluz soll ein Stück Grund und Boden in Erbpacht gegeben werden, damit er dort (mit Hilfe der Agudas Jisroel) ein Häuschen erwerben und einrichten kann. Hierdurch ergibt sich für die Kolonie die Möglichkeit, einen seßhaften Arbeiterstamm zu erziehen, der mit dem Boden verknüpft bleibt. Die auf Grund dieses Planes zu schaffenden Arbeitersiedlungen werden von einer zentralen Stelle, nämlich der Arbeiterorganisation ,,H i s t adruth. Poale Agudath Israel in Erez Israel" überwacht werden, die Aufbau und Entwicklung regelt. Die ganze thoratreue Welt ist verpflichtet, ihre Energien und alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel in den Dienst dieses vom menschlichen und jüdisch-religiösen Standpunkt im, höchsten: Maße bedeutungsvolle Siedlungswerks zu stellen.. Schon der verhältnismäßig kleine; Betrag von 100.000 Reichsmark reicht, aus, um einer stattliche Zahl von Arbeitern die Möglichkeit zu geben, eine Existenz für dauernd aufzubauen, jüdische Häuser zu gründen und dadurch auch viele junge Mädchen ihrer Lebensbestimmung, und der Sicherung gemeinsamer wirtschaftlicher Wohlfahrt zuzuführen. Die gesammelten Gelder werden auf Treuhandkonten eingezahlt, die in jedem Lande errichtet sind. Sie' werden zwar $m Rahmen des Keren Hajischuw, dem Finanzinstrument der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, aber getrennt von dessen sonstigen Mitteln geführt werden. Die Verwaltung der Gelder geschieht durch den Keren Hajischuw, der für den „Jischuw Hathora" ein Sonderkomitee, bestehend aus führenden Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens, gebildet hat. Es hängt nur vom guten Willen und von der Tatkraft unserer Gesinnungsgenossen ab, ob es möglich ist, die erforderlichen Mittel aufzubringen. Zur Beschaffung der Mittel bedarf es keiner großen Propaganda mit ihrem kostspieligen Apparat; nötig ist nur Verständnis der thoratreuen Massen für dieses heilige Werk. Die Jugend hat ihr Schicksal selbst in die Hand genommen!. Sie stellt keine Forderung an das Alter. Sie will die körperliche und geistige Erziehung der Jugend und die Aufbringung des Fonds für die Seßhaftmachung in Erez Jisroel aus eigener Kraft vornehmen. Sowohl für das Eine als auch für das Andere haben sich junge Was will der „Jischuw Hathora"?