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Der Israelit · 1934-07-12 · Heft 28 (12.7.1934) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 28 (12.7.1934)
Date
1934-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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12. Juli 1934- Der Israelit Nr. 28 Seite 3 Fair play. (Fortsetzung von Seite 1.) wirr der gegnerischen Presse übertöne und der Gedanke sich durchsetze, daß zum jüdischen Lande die jüdische Thora ebenso gehöre, wie die Seele zum Körper. Man mag daher von zionistischer Seite, welche programmatisch Religion als Privatangelegenheit erklärt, die agudistische. Anschauung bekämpfen, aber man soll es :mit ehrlichen Mitteln tun. Man sollte es verschmähen, Behauptungen zu verbreiten, die längst widerlegt sind, und deren Wiederholung lediglich den Verdacht erweckt, als ob sie deshalb vorgebracht werden, weil andere treffsichere : Argumente fehlen. Den Nachweis der Faden-; scheinigkeit der bisher mit großem Pathos vorj gebrachten antiagudistischen Behauptungen zu | erbringen, ist der Zweck dieser Ausführungen. II. Eine Hauptrolle in der gegnerischen Argumentation spielt die Behauptung, daß die Aguda und -speziell Isaac Breuer bisher die Balfour-Deklaration bekämpft habe und erst jetzt, überwältigt von der Wucht der Tatsachen, anfange, sie in ihrem Werte zu begreifen. Die Wahrheit ist das Gegenteil. Einige Beweise dafür — längst nicht alle — seien im folgenden gebracht: Beim Erlaß der Balfour-Deklaration selber hat die Agudas Jisroel vom ersten Augenblick an mitgewirkt. Der damalige Vertreter der Agudas Jisroel in England, der verstorbene Rabbiner Jung y^T London, hat, als England den Beweis verlangte, daß auch die Orthodoxie die Balfour- | Deklaration wünsche, im Einvernehmen mit der Leitung der Agudas Jisroel die nötigen Dokumente unterbreitet. Im Jahre 1919 bei der von der Agudas Jisroel in Zürich einberufenen Weltkonferenz lautete die Forderung der Agudas Jisroel betreffs Palästina folgendermaßen: „Das jüdische Volk erwartet von der Friedenskonferenz die grundsätzliche Anerkennung Palästinas als des Landes Israels, wo es berufen ist, seinen nationalen Aufgaben gemäß, Lehre und Gesetz der G'ttesoffenbarung zu verwirklichen. IL Das jüdische Volk, dem die Besiedelung Palästinas während der Dauer der Zerstreuung stets eine religiöse Pflicht war, beansprucht das Recht im heiligen Lande, unter dem Schutze des Völkerbundes oder seiner Mandatare ein jüdisches Gemeinwesen auf breitester Basis durch planmäßige Einwanderung und Ansiedlung zu errichten und zwar unter Bedingungen, welche die selbständige Entfaltung seiner religiös-nationalen Kultur auf gesunder wirtschaftlicher und sozialer Grundlage, sowie in freundschaftlicher Verständigung mit der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas ermöglichen." In der Zwischenzeit erschienen eine Reihe von Werken aus der Feder von Dr. Isaac Breuer, die anerkanntermaßen Grundlage agudistischer Ideologie wurden. Ein gewiß unverdächtiger Zeuge, über die Rolle, die das Palästinamandat in den Schriften von Dr. Breuer spielt, ist Herr Lazarus Barth, der damals in der misrachistischen „Jüdischen Presse" (Nr, 19vom Jahre 1921) konstatierte, „daß Dr. Breuer erst die Erkenntnis in Agudakreisen wachgerufen habe, daß ] das Palästinamandat einen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte darstelle." Damals bereits haben die „Agudablätter" Herrn Lazarus Barth ersucht, auch nur eine Stelle aufzuweisen, wo von agudistischer Seite aus, wie er sich ausdrückte, „das Mandat als bedeutungslos" hingestellt werde. Die Antwort freilich ist Herr Barth schuldig geblieben. j I Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. Unter der Firma Nurok u. Idelsack Ltd. wurde in Tel Awiw ein neues Bankgeschäft gegründet. Das nominelle Kapital der Gesellschaft beträgt Lst. 25.000, von denen Lst. 10.000 eingezahlt sind. Die Firma w|rd sich insbesondere mit Hausverwaltungen und Mietbevörschussungen befassen. — Die Reg'ierung gibt eine Erhöhung \ des G e rs t e n z ö 11 s von 1 Müs auf 2 f Müs pro Kilogramm bekannt. Durch diese Maßnahme soll der Gerstenpreis für die neue Ernte geschützt werden, der in Anbetracht der bevorstehenden großen Ernte gefährdet ist. Die neue Ernte dürfte die Einfuhr weitgehend überflüssig machen. — Die palästinensische Einfuhr erreichte im Januar d. Js. die Höhe von Lst. 1.100.000 gegenüber Lst. 779.000 im Januar des vorigen Jahres. Die Ausfuhr stellt sich auf rund Lst. 600.000 gegenüber 700.000 im entsprechenden Monat des Vorjahres. Da in den Ausfuhrziffern die Goldausfuhr von Lst. 100.000 enthalten ist, so ergibt sich ein Einfuhrüberschuß von Lst. 600.000 dazu noch in einem Monat, in dem der Orangenexport sehr stark war. Insbesondere ist die Einfuhr von Weizen, Schafen, Butter, Oel, Porzellan und sanitären Artikeln, von Rohstoffen der Bauindustrie, Möbeln, Seidenstoffen und Automobilen stark angestiegen. Bei der Ausfuhr entfallen 85 Proz. auf den Orangenexport. — Der Abschluß der Misrachi-Bank per 31. Dezember 1933 weist eine Verdoppelung bis Verdreifachung des Geschäftsumfanges gegenüber dem Vorjahre aus. Im neuen Jahre 1934 sind die Umsätze weiter angestiegen. Der Reingewinn beträgt annähernd Lst. 5000. Es wurde beschlossen, eine Dividende von 5 Proz. zu verteilen, Lst. 3000 der Reserve zuzuführen. — Die Firma Palestine Syndicate Ltd., Tel Awiw, hat bei Lst. 20.000 Passiven die Zahlungen eingestellt. Eine zu niedrige Preiskalkulation des Unternehmens habe trotz günstigen Umsatzes während der letzten Jahre die Rentabilität des Geschäftes untergraben. Auch hätten Fehldispositionen beim Einkauf zu größeren Verlusten geführt. — Mit den Vorarbeiten zur A n - Siedlung deutscher Juden im Emek Sebulun neben Kirjath Chajim soll noch im Laufe dieses Monats begonnen werden. Innerhalb eines Jahres sollen 100 Häuser errichtet und 15 Wirtschaften zu 20 Dunam angelegt werden. Die Siedler in der städtischen Siedlung investieren in bar 40 Proz. des Bauwertes. Bis jetzt haben sich 156 Bewerber gemeldet, von denen 100 je einen Dunam und 56 je 2/3 Dunam erhalten. Unter den landwirtschaftlichen Siedlern befinden sich Spezialisten für Geflügelzucht, Gemüsebau und Milchwirtschaft, die die übrigen Ansiedler instruieren. Weitere 400 Dunam sind für später zwecks Erweiterung der Siedler vorgesehen. — Die Palästina-Regierung legt jetzt den Gesamtabschluß ihres Finanzjahr res 1933/34 vor. Er ergibt einen Ueberschuß von Lst. 1.300.000, so daß jetzt ein Gesamtüberschuß von über 2]/2 Millionen Pfund zu verzeichnen ist. — Eine Uebersicht über den Außenhandel Persie n s ergibt, daß die persische Einfuhr 612 Millionen Rial beträgt. An dieser Einfuhr ist Rußland mit 200 Millionen, England mit 73 Millionen, Amerika mit 54 Millionen, Indien mit 69 Millionen, Deutschlands mit 50 Millionen, Japan mit 52 Millionen^ beteiligt, während die Länder des'nahen Ostens an dieser Einfuhr bisher kaum Anteil haben. Lediglich der Irak führt 21/, Millionen Rial nach Persien aus. — Nach Mitteilungen der palästinensischen Regierung sind im Jahre 1933 in den wichtigsten Orten des Landes 51/, Millionen Pfund im Bauwesen investiert worden. Obgleich die Zahl der Bauerlaubnisse in Tel Awiw (2290) diejenigen in Jerusalem (1368) stark übertrifft, beträgt doch■;das angelegte Baukapital in Jerusalem Lst. 2.100.000, in Tel Awiw Lst. 1.700.000, in Haifa Lst. 1.150.000. — Laut Veröffentlichung in der Palestine Gazette sind in der Zeit vom 14. bis 21. Juni 8 Genossenschaften, 29 Teilhabergesellschaften und 3 Aktiengesellschaften ins Register, eingetragen worden. Unter den Aktiengesellschaften befindet sich die Kupath hakooperat'ivim Ltd., ferner ein Unternehmen für Druckerei, Lithographie und Schreibwaren, und ein kaufmännisches Unternehmen für Gesellschaftsgründung und Finanzierung. Bei sämtlichen zentralen Tagungen der Agudas Jisroel, die inzwischen stattfanden, ist niemals auch nur mit einem Worte die Balfour-Deklaration bekämpft worden, wohl aber hat bei der letzten Kenessio Gedaulo im Jahre 1929 Jacob Rosenheim wörtlich folgendes gesagt: ,,Wenn schon die einzelnen Menschen in allem Geschehen den Finger G'ttes schauen, um wieviel mehr muß das jüdische Volk in seiner Gesamtheit in allem, was geschieht, den Ausfluß - g'ttlicher Vorausbestimmung erblicken. Und wenn unter dem Donner der Kanonen aus einem Meer von Blut und Tränen eine neue Welt emporsteigt, sich Ereignisse vollzogen, die wir nie erträumten, so sehen wir hierin das Walten der g'ttlichen Vorsehung. Entsprechend dieser Auffassung hat das gesetzestreue Judentum' in der Balfour-Deklaration vom ersten Augenblick an das Walten der "Vorsehung erblickt." Auch die weiteren Sätze, die sich an diesen anschließen, sind charakteristisch für die Einstellung der Agudas Jisroel gegenüber dem Palästina- Mandat: „Die Kreise der Agudas Jisroel haben nie-' mals geglaubt, daß die Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte mit menschlicher Hilfe in der Lage wäre, die Erlösung herbei zu führen. Darüber war sich jeder Jude, dessen Lebensauffassung in der Tauroh wurzelt, vollkommen klar. Die Differenzierung zwischen unserer Politik und der Politik jener, die — unbewußt allerdings — der Vorsehung dienten, ist, daß wir die Mizwas Jischuw Erez Jisroel mit ganzem Herzen und aller Hingabe erfüllen wollen. Jede jüdische Ackerfurche und jede jüdische Seele auf heiligem Boden ist Werkzeug des Allmächtigen. Deshalb hat die Aguda in jeder Beziehung der Politik der Mäßigung und der Bescheidenheit verfolgt. Ebensoweit wie Jabotinsky entfernt ist von der offiziellen zionistischen Politik, ebensoweit sind wir von der zionistischen Politik entfernt. Wir sehen darin nicht ein Politikum, sondern ein Religiosum." Diese wenigen Zitate mögen vorläufig genügen, darzutun, daß wirklich das Bekenntnis zur Balfour-Deklaration durch die Agudas Jisroel kein Novum vom Jahre 1934 bedeutet. — Den Herren Dr. Pommeranz, Wiener usw. empfehlen wir die Lektüre des vor einigen Jahren erschienenen Werkes: „Das jüdische Nationalheim" von Isaac Breuer und wollen abwarten, ob sie noch in Zukunft den Mut haben werden, zu erklären, daß aus dem Saulus ein Paulus geworden sei. III. Mit ganz besonderem Ingrimm bekämpft die gegnerische Presse aber die Angriffe Dr. Breuers gegen die zionistische und revisionistische Arbeiterorganisationen, als ob diese Angriffe eine Spezialität von Dr. Breuer wären, als ob nicht alles, was über diese beid e n Organisationen von ihm gesagt wird, bei weitem übertroffen wird durch die Angriffe, die diese Organisationen in Wort und Schrift und manchmal auch „handgreiflich" gegeneinander richten. Es scheint im übrigen den Redakteuren der „Rundschau" und der Breslauer „Jüdischen Volkszeitung" sowie der Straßburger „Tribüne Juive" ganz unbekannt zu sein, daß die zionistische Histadruth Hoauwdim, die heute die herrschende Partei in Erez Jisroel ist, auch ein kulturelles Programm hat, welches ausgesprochenermaßen antireligiös ist. Sie scheinen nicht zu wissen, daß nicht, nur das offizielle Organ dieser Histadruth, die palästinensische Tageszeitung „Dawar", sondern auch die der Histadruth unterstellten Schulen tagtäglich das Prinzip einer materialistischen Welt- und Lebenasnschauung in Erez Jisroel verbreiten, und daß dasjenige, was an sozialer Gerechtigkeit von der Histadruth an-

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