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Der Israelit · 1934-07-05 · Heft 27 (5.7.1934) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 27 (5.7.1934)
Date
1934-07-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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5. Juli 1934 Der Israelit Nr. 27 Seite 13 war besonders darauf abgestellt, den jüdischen Lehrern zu zeigen, wie gerade sie in der Zeit des Umbruchs die Aufgabe haben, das jüdische Kind für die Aufgabe bxw> px "pi off mm zu erziehen. An den Vortrag schloß sich eine sehr rege Diskussion, an der sich die Herren Wahrhaftig, Bick, Dr. Elias, Schuster, Kösterich, Strauß, Dr. Adler und Goldschmidt beteiligten. Herr Dr. Breuer nahm dann in seinem Schlußwort Gelegenheit, nochmals die Aufgabe der thoratreuen Judenheit in Erez Ji'sroel und für Erez Jisroel zu zeichnen und forderte die thoratreuen Lehrer in hinreißenden Worten auf, die jüdische Jugend für diese Aufgabe zu erziehen. Nach Besprechung verschiedener interner Angelegenheiten des Bundes machte der Vorsitzende Mitteilung über die zukünftige Arbeit der Frankfurter Ortsgruppe des Bundes, die in ihren nächsten Sitzungen aktuelle pädagogische Themen bearbeiten wird. Es wird jeweils über die Sitzungen der Ortsgruppe im Organ des Bundes berichtet. K, Generalversammlung der Vereinigung gesetzestreuer jüdischer Lehrer im Freistaate Hessen. Die Generalversammlung der Vereinigung fand am 23. Mai ds. Js. in Frankfurt a. M. sttat. Sie hatte sich eines recht guten Besuches zu erfreuen. Der Vorsitzende, Koll. Kahn, Höchst begrüßte die Anwesenden und leitete die Versammlung mit gewohnter Sicherheit. Dem allgemeinen Bericht über die Arbeit im Vereine entnehmen wir: Im Juni des verflossenen Jahers wurde das Vermögen des Vereins von der Staatsbehörde beschlagnahmt. Die Freigabe des Vereinsvermögens erfolgte, nachdem es dem Vorsitzenden gelungen war, die Behörde davon zu überzeugen, daß der Lehrerverein keinerlei politische Zwecke verfolge, sondern nur die Aufgabe habe, Standes- und soziale Interessen seiner Mitglieder und des jüdischen Lehrerstandes überhaupt zu vertreten. Der Verein zählt zur Zeit 39 Mitglieder. Der frühere Vorsitzende Kahn, Alsfeld wurde anläßlich seines Wegzuges nach Amerika zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Dem Jahresberichte des Vorsitzenden folgte eine ausgiebige Aussprache. Von verschiedenen Seiten wird Klage darüber geführt, daß es vielen Gemeindemitgliedern an dem Interesse und der Bereitwilligkeit zur Zahlung der Kultussteuer und des Lehrergehalts fehlt, obwohl für persönliche Zwecke und Annehmlichkeiten noch Geldmittel im Uebermaße verausgabt werden. Einen breiten Raum in der Aussprache nimmt das Thema ein: Bedrohung der Stellung der Landlehrer. Es sind dafür zwei Ursachen vorhanden. 1. Verschiedene Kleingemeinden machen den Versuch, ihren seitherigen Religionslehrer loszuwerden und den Religionsunterricht von Kauf- oder Handelsleuten erteilen zu lassen, obwohl denselben jede Eignung zur Unterrichtserteilung, jtedes jüdische Wissen abgeht. Dieser Umstand berührt die Herren Gemeindegewaltigen nicht, ihnen geht es nur darum, die Ausgaben für den Religionsunterricht herabzudrücken. Der Verein will versuchen, auf gütlichem Wege durch Vermittlung des Rabbiners die in Betracht kommenden Gemeinden an ihre Pflicht gegenüber ihren Kindern zu erinnern. ' Eine zweite Gefahr erwächst manchen Lehrern durch die erfolgte Gründung der jüdischen Bezirksschulen (Volksschulen). Diese Schulen nehmen auch Schüler aus den Landgemeinden auf, für die dann die Erteilung des Religionsunterrichts durch ihren seitherigen Religionslehrer sich erübrigt. Es kann also dadurch der Fall eintreten, daß der Filialunterricht durch Abwanderung der Kinder in die Bezirksschule wegfällt und der betreffende Lehrer eine merkliche Einbuße an seinem Einkommen erleidet. Es werden die verschiedensten Vorschläge gemacht, die aber unseres Erachtens kaum Abhilfe schaffen können. Man beschließt, in einem kleinen Gremium diese Angelegenheit mit Herrn Rabb. . Dr. Merzbach, Darmstadt zu besprechen. Es wird anerkannt, daß der Verein auf sozialem Gebiete Ersprießliches geleistet hat. Ansehnliche Beträge wurden notleidenden Mitgliedern zur Verfügung gestellt und auswandernden und wirtschaftlich sich umstellenden Kollegen größere Darlehen bewilligt. Es war in diesem Jahre davon abgesehen worden, ein Referat halten zu lassen, da im Anschluß an unsere Generalversammlung eine Bezirkstagung des Bundes, mit einem Vortrage des Herrn Rechtsanwalt Dr. Is. Breuer stattfand. Wahrhaftig, Darmstadt. Briefkasten. Kollegen, die geneigt sind, eine Stelle als V o 1 k s schullehrer zu übernehmen, werden gebeten, sich an den Schriftleiter (L. Kaufmann, Sprendlingen, Kr. Offenbach) umgehend zu wenden. Bücherbesprechung. Biblische Geschichte von S. Rosenfelder. 3. Heft: Moses. Im Selbstverlag des Verfassers. Ladenburg a. N. Das Büchlein will in das Bibellesen einführen und enthält zur Unterstützung des Gedächtnisses eine schcmatischc Darstellung der Stiftshütte und des Lagers der Israeliten in üer Wüste, sowie eine Karte, die nach Angabe des Verfassers auf Wissenschaftlichkeit keinen Anspruch erhebt, die aber immerhin dazu beiträgt, den Wüsteilzug zu veranschaulichen. Die Anlage des Werkchens ist nicht ganz einheitlich. Die im Text, beigegebenen zeichnerischen Darstellungen, die sicher nicht als künstlerische Illustrationen gelten wollen, sind für die untersten Jahrgänge ab Vorlagen zum Nachzeichnen wohl geeignet, während die eingefügten Berichte über' Aegypten und über die Wüste schon ein entwickelteres Verständnis voraussetzen dürften. Die in kindertümlichem Tone abgefaßten, zu ihrem Vorzuge an das Bibelwort sich haltenden Textstücke sind für Kinder in Schulen mit nicht ausgedehntem Religionsunterrichte ein schätzenswertes Hilfsmittel, sie in Moses Leben einzuführen, weshalb für Schulen, die im Pentateuchunterricht sich Beschränkung auferlegen müssen, das Heft empfohlen werden kann. Schulen, die inbezug auf Zeit für Religionsunterricht in einer glücklicheren Lage sich befinden, beziehen allerdings ihre Bibelkenntnis besser aus dem ihnen zugänglichen Quellenwerke. O. Israelitische Religionslehre von Dr. Ernst Jacob, Bezirksrabbiner in Augsburg. Verlag B. Heller, München. Das Buch, in erster Linie für dre Mittelstufe der höheren Schule (U III—U II] bestimmt, behandelt in zwei Hauptabschnitten „Die Lehren des Judentums" und „Das Leben der Juden"; der letzte Teil zeigt als Untergliederung „Die sittliche Heiligung des Lebens'! und „Die religiöse Heiligung des Lebens". Am Schluß bringt es einen Anhang über 200 Worte Judentum, bedauerlich, daß religiöser . Tiefstand für gewisse Kreise die Notwendigkeit einer derartigen Zusammenstellung erheischt. Das Buch ist flüssig geschrieben. Es bringt vieles und will jedem etwas bringen, es bemüht sich, objektiv zu sein und versucht, eine gemeinsame Plattform für liberale und gesetzestreue Schüler zu finden. Aber gerade deshalb — auf die Frage, ob für alle überhaupt' systematischer Religionsunterricht notwendig ist, will ich hier gar nicht eingehen — muß ich das äußerlich sympathische Werkchen mit aller Entschiedenheit ablehnen. Ein Religionsbuch muß aus einem Gusse sein. Es kann nicht auf 53 Seiten allgemein verbindlichen Charakter haben wollen und auf 56 weiteren Seiten eine beschreibende Darstellung „der religiösen Heiligung des Lebens nach der Ueberlieferung" bieten und dazu noch nach der Ueberlieferung, „die ich meine". Im religiösen Bezirk muß jede Zwiespältigkeit vermieden werden. Da heißt es, sich klar für das Ja oder Nein entscheiden. Gerade in einer scharf durchgeführten Einheit zeigt sich das Eigenartige einer religiösen Erziehung; denn Einheit der Weltanschauung im ganzen Umkreis der Erziehung, des Unterrichts, der Bildung ist das in der jüdischen Schule zu erstrebende Ideal. 0. Literarische Warfe. Die literarischen Arbeiten des Chief Rabbi Dr. Hertz. In Anlehnung an den deutschen Dichter möchten wir im Hinblick auf die literarische Arbeit des ehrwürdigen Chiefrabbi Hertz von England sprechen: wer den Besten seiner Zeit genugtut, hat sich damit ein Lebensrecht für alle Zeiten erworben. Wer an SOlch hohe Stelle gestellt ist wie das geistliche Oberhaupt sämtlicher Juden des Britischen Reiches, dem ist für seine geistig-literarische Tätigkeit eine bange Wahl gestellt: soll er den Glanz und den Ruhm wissenschaftlicher Forschung und der Gelehrtenarbeit mit seinem Rabbinatssitz verknüpfen, oder soll er lieber den Bedürfnissen der Tausende, die seiner Fürsorge anvertraut sind, Rechnung tragend, von der eigenen Höhe herabsteigen und neu die Grundlage jüdischen Wissens legen helfen? Bis heute haben im allgemeinen die großen Rabbinen den ersten Weg gewählt, Denn sie konnten die Gewißheit haben, daß die elementaren Kenntnisse keinem Juden fehlen, daß die geistige Versorgung der breiten Oeffentlichkeit gewährleistet ist. Heute liegen die Dinge ganz anders. In erschreckender Weise hat unter den Gebildeten die jüdische Unwissenheit um sich gegriffen. Die Leere und Fremdheit hat ganz eigentlich den Nährboden für die Reform, für den Abfall, für die Verkennung und Mißdeutung unserer religiösen Lehre gegeben. Heute ist es vordringlichste Pflicht der geistigen Führer, ins Breite zu wirken, der Gesamtheit wieder die Quellen zu erschließen, und jede Möglichkeit zu ergreifen, um bei der knappen dem Kulturmenschen zur Verfügung stehenden Zeit ihn mit neuen Kenntnissen zu versorgen. ^Pentateuch and Ha f t o r a h s (Lessons from the prophets) Bereschis bis Bamidbar. 2) A Book of. Jewish Thoughts by the Chiefrabbi (Dr. J. H. Hertz), Oxford University Press Humphrey Milford, London. In vorbildlicher Weise hat Hertz diese Aufgabe ergriffen. Wir hatten schon in früheren Jahren Gelegenheit, auf das Hauptwerk, die Neuherausgabe des Pentateuch, hinzuweisen. 1929 war das Sefer Bereschis erschienen. Heute liegen bereits vier Bände vor. Wir heben noch einmal die äußeren und inneren Vorzüge des Werkes hervor: ein wunderbarer Druck, Uebersichtlichkeit der Anordnung, die Möglichkeit schneller Orientierung dadurch, daß dem Uebersetzungstext kurze, erklärende Anmerkungen zugefügt sind, gute Karten, die das geschichtliche Bild verlebendigen, und endlich überall dort, wo größere Probleme sich ergeben, wo der Kampf um die Wahrheit der Thora einsetzt, wo theoretische und praktische Fragen immer wieder sich aufdrängen, ausführlichere Darstellungen, die dem Leser als Wegweiser dienen können. So bringt das Buch Leviticus am Ende eine scharf pointierte Auseinandersetzung mit der Bibelkritik wegen ihrer Theorie vom Priester- und Heiligkeitsgesetz, zwar ohne Schärfe, aber mit der Sicherheit und Klarheit eines über der Sache stehenden Weisen. Die Art der Herausgabe ist sowohl dem häuslichen Bedürfnis als vor allem dem synagogalen aufs genaueste angepaßt. Wenn die Sidra langsam und eindrucksvoll verlesen wird, vermag bei jedem schweren Wort ein Blick auf die nebenstehende Uebersetzung sogleich die nötige Aufklärung zu geben, und in den freien Augenblicken zwischen den Abschnitten des Leinens reizen die Anmerkungen geradezu zu schneller Belehrung. Die immer beigefügten Ueberschriften erschließen schnell den Sinn des Ganzen. Zusammengefaßt: Hertz' Pentateuch ist das richtige Mittel, um die Thoravorlesung in der Synagoge, die leider jetzt oft unverstandene, wieder zum geistigen Erlebnis der Gemeinde zu machen. Dasselbe Lob verdient auch das Werk „Ein Buch jüdischer Gedanken", eine Anthologie von Kernworten über das Judentum. Seine Entstehung verdankt es dem Weltkriege, indem Hertz den vielen jüdischen Soldaten in den Schützengräben ein Werk reichen wollte, das sie mit Stolz über ihr Judentum erfüllt, das in jedem-Augenblick zur Hand genommen werden kann und immer etwas Abgerundetes gibt. Darum hielt er , es nicht für richtig, eine zusammenhängende Darstellung über das Judentum zu schreiben, die in zusammenhängender Lektüre aufgenommen werden muß. Denn welcher Soldat hat soviel Muße und Ausdauer, ein wissenschaftliches Buch in seinem Gesamtaufbau zu verfolgen. Aber einen kurzen Spruch, ein gedrängtes Urteil, ein bedeutsames Wort über irgendeine Seite des Judentums aufzunehmen, dazu ist die Seele immer bereit. Die Auswahl, die Hertz traf, war aber so glücklich, daß sie den Krieg überlebte, in welchem das Buch in 87 000 Exemplaren verteilt worden ist. Es ist inzwischen erneut in englischer Sprache in 18 000, in deutscher Sprache in über 3000 Exemplaren verbreitet worden. Das Buch ist eingestellt nach folgenden Gesichtspunkten: I. Ich bin ein Jude. II. Das Volk des Buches oder die Bibel. IIL Das Zeugnis der Nationen. IV. Die Stimme des Gebets: das jüdische Jahr. V. Die Stimme der Weisheit. Und unter diesen Ueberschriften wird nun Altes und Neues, Prophetisches, Rkbbinisches, Sprüche aus dem Machsor wie aus den modernen jüdischen Dichtern, Aussprüche großer Staatsmänner, jüdischer Persönlichkeiten, von Gelehrten und Laien gegeben. Hertz nimmt das Gute, wo er es findet. Auch in seiner Chumoschausgabe scheut er sich nicht, neben den alten und neuen jüdischen Bibelkommentatoren auch die großen Forscher der Völker zu nennen. Es liegt dadurch etwas Messianisches über dem Buch: „es loben Dich, G'tt, alle Deine Geschöpfe." Darin verrät sich die Luft Englands mit seiner unbegrenzten Hochschätzung für die jüdische Bibel, mit seinem wohlwollenden Verstehen des Judentums. Darum hat die Lektüre dieser Sammlung auch für uns etwas besonders Erfrischendes. Es wird in jeder Hausbibliothek Nutzen stiften, weil es für die mannigfachen Situationen des Lebens das richtig'e Wort an die Hand gibt. Es ist für jeden Redner eine Fundgrube glücklicher Sentenzen. Hertz kann der Dankbarkeit aller seiner Leser gewiß sein. Wir möchten erneut wünschen, daß auch dem deutschen Judentum ein ähnliches Buch wie der Pentateuch in der Hertz'schen Ausgabe geschenkt werde. Oberrabbiner Carlebach, Altona.

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