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Der Israelit · 1934-07-05 · Heft 27 (5.7.1934) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 27 (5.7.1934)
Date
1934-07-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 27 Der Israelit 5. Juli 1934 fung. Zur Naturschöpfung tritt die Schöpfung der jüdischen Nation. Es war Abraham jede Möglichkeit der Fortpflanzung auf natürlichem Wege genommen. Auf dem Wege eines Wunders ist die jüdische Na tion in die Erscheinung getreten. Auf geschichtlichem Boden müßte heute jede Erziehung beginnen. Hier müßte dem jüdischen Kind' von Anfang an klargelegt werden, welches sind denn eigentlich die in der Tauroh gegebenen Motive, die G'tt veranlaßten, neben der Fülle der bereits vorhandenen Nationen eine neue Nation zu stiften. Und die Lektüre der heiligen Schrift gibt uns jede wünschenswerte Klarheit. In dem Augenblick, da die Nationen der Erde sich selbst mit der Krone der Souveränität versahen, unter der Devise des ov i3^> r'j; sich als Selbstzweck deklarierten, der Staat die Menschen sich einfügte, um sie dem Staate als Mitte' hinzugeben, in dem Augenblick war die Erde annek tiert, in dem Augenblick hatte G'tt faktisch aufgehört, König der Erde zu sein. Hier tritt, und das müßte jedem jüdischen Kinde von Anfang an klar gemacht werden, hier tritt die jüdische Nation in einen vollendeten Gegensatz zu den Nationen der Erde: dort die Souveränität des Staates, hier die Souveränität G'ttes. Und es müßt' jedem jüdischen Kinde gesagt werden: nicht in dem religiösen Verhalten des Einzelmenschen erschöpft sich das jüdische Wesen, wenn es selbstverständlich auch unerläßliche Voraussetzung ist, aber der jü dische G'tt ist nicht nur der-G'tt des individuellen Sabbat, der G'tt der Mizwaus und des Kaschrus, sondern er ist genau so der G'tt des Volkes und der Geschichte, und die Tauroh, sie regelt nicht nur das individuelle Leben der Menschen, sondern sie ist ihrem ganzen Wesen nach auch das Staatsrecht G'ttes, das Recht, das berufen ist, das gesamte staatliche Wesen zu erfassen. Wir werden weiter gehen müssen und dem Kinde sagen, daß die Tauroh nach einer Nation, nach einem nationalen Lande schreit, daß in dem Augenblick, da wir unser Land verloren haben und aufhörten, einen Staat zu bilden, daß in demselben Augenblick auch die Tauroh ins Golus gegangen ist. Denn die Tauroh will das gesamte menschliche Leben und Wesen erfassen, und wie könnte sie dies tun, wenn sie Halt machen würde vor jener Institution, in der sich die Fülle des Menschentums am vollkommensten entfaltet, nämlich dem staatlichen Wesen. Es bed< tet für uns, und darin liegt ja unsere ewige Sehnsucht nach Staat und Land, es bedeutet für uns das Golus, werden wir dem Kinde sagen, eine unermeßliche Verarmung der Tauroh. Sie ist im Golus außerstande, das, was sie von Haus aus wollte, die Frage des menschlichen Nebeneinander in ihrer Weise zu lösen, sie ist außerstande, die Frage des Wirtschaftslebens zu lösen, denn sie sieht im Golus das Wirtschaftsleben unter der Herrschaft eines fremden Rechtes, und sie hat kein Land, wo sie Menschen und Dinge nach eigenem Ermessen erfassen könnte. Wir werden weiter dem Kinde sagen müssen: Du leidest ja heute nicht so sehr wegen der Religion. Du leidest heute wegen Deinse Blutes. Auf das Blut aber hat G'tt, darin sehen unsere Gegner ganz richtig, auf das Blut hat G'tt die Nation gebaut. Die Tauroh ist zwar nicht der Auffassung, daß das Blut das letzte ist. Der Farbige, der zu uns käme, zu der auserwählten G'ttesnation, und spräche, ich bin überzeugt von der Wahrheit der Tauroh, ich will in ihren Wegen gehen: wir müßten ihn aufnehmen. Denn die Tauroh kennt keine Möglichkeit,- den Farbigen zu diffamieren, vor G'tt ist die Erkenntnis ewig, daß alle Menschen von Odom-Horischaun abstammen. Und weil sie von Odom-Horischaun abstammen, darum . gibt es, mit Ausnahme der von der Tauroh gebotenen Hemmungen und Hindernisse, kein irgendwie qualifiziertes Blut, das nicht würdig wäre, vollberechtigtes Glied der auserwählten Nation zu sein. Immerhin ist es richtig, daß G'tt aus Abrahams Blut die jüdische Nation gebildet hat. Das muß jedes jüdische Kind wissen, aber es muß zugleich den Sinn der grundsätzlich aus Abrahams Blut von G'tt erschaffenen jüdischen Nation begreifen lernen, um die Leiden tragen zu können, die aus Blut und Nation ihm erwachsen. Die Sorge um die Reinheit des Blutes, die Sorge um die nationale Selbstbehauptung durch die stete Erinnerung an die nationale Vergangenheit und die stete Sehnsucht nach der verheißenen nationalen Zukunft hat den Abstand zwischen dem jüdischen Volke und den Völkern der Erde, Wurzel all unserer Leiden, nicht schwinden lassen. Die jüdische Nation aberdarf nicht untergehen, weil die Tauroh mit ihr und durch sie sowohl das innerstaatliche Wirtschaflsproblem von Arm und Reich, wie das zwischenstatliche Problem von Nation zu Nation in eigenartiger, den Menschen ohne Offenbarung nicht bekannter Weise zu lösen berufen ist. Dem Kind muß gesagt werden, der Leidensweg der jüdischen Nation, er hat Sinn und Berechtigung vor allen Dingen darin, daß wir ein Gut in uns wahren, von dem die Zukunft aller Menschen abhängt. König David sagt: die ganze von G'tt so schön gebildete Schöpfung ist wegen der Menschen in Unordnung geraten, weil sie das richtige Recht nicht kennen, und Ordnung und Ruhe und Frieden werden auf dieser gequälten Erde erst herrschen, wenn G'tt als König einzieht und G'ttes Recht die Menschenverhältnisse regelt. Hier müßte die Erziehung versuchen, aus jedem jüdischen Kinde einen jüdischen Politiker in dem Sinne zu machen, daß sein ganzes Wesen wurzelt in der jüdischen Geschichte, daß es weiß, was da David sagt: apy? -paa -ffoan. daß das jüdische Volk nicht nur Träger des Sabbatgedankens, nicht nur Träger einer individuellen Lebensdiät ist, sondern eine eigene geschichtliche Zielsetzung hat, und daß jeder Jude dazu aufgerufen ist, in die Geschichte hineinzutreten und das g'ttliche politische Ideal des jüdischen Volkes be wüßt zu vertreten und bewußt dafür zu leiden. Dieses politische Ideal des thoratreuen jüdischen Volkes isl groß genug, um unsere Jugend selbst heute noch zu entflammen, mit Begeisterung zu erfüllen und ih: den aufrechten Mut zu verleihen, der zu den Gegnern sich wendet: Ihr könnt reden, sprechen und tun, was ihr wollt, wir sind und bleiben das auserwählte G'ttesvolk, als Nation für eine ganz bestimmte, in die Menschengeschichte hineingestellte jüdisch-politische Entwicklung von G'tt berufen. Allein wir müssen noch einen Schritt weiter ge hen. Wir werden uns heute nicht mehr der Pflicht entziehen können, der jüdischen Jugend das Auge zu öffnen, daß die Ereignisse der letzten Jahre, der letzten Jahrzehnte, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, mehr und mehr zeigen, daß G'tt in unseren Tagen die Dinge so gestaltet, die Dinge sich so entwickeln läßt, daß zum ersten Male seit 2000 Jahren auch für uns Menschen die Möglichkeit besteht, die Waltungen G'ttes zu verstehen und sie mit unserer nationalen Zukunft, die uns die Thora und die Propheten verheißen haben, in Zusammenhang zu bringen. Nur ein Kurzsichtiger, so möchte ich glauben, kann dies bestreiten. Wir werden uns ■ nicht der Erkenntnis verschließen dürfen, wenn wir unsera Kinder in Aufrichtigkeit und Wahrheit belehren wollen, daß die zionistische Bewegung in einer höchst überraschenden Art Menschen, die dem Judentum vollkommen entfremdet waren, auf einmal den Ruf nach der jüdischen Nation hat erheben lassen und sie selber mit Sehnsucht nach unserem Lande erfüllt hat, auch wenn diese Sehnsucht eine falsche Sehnsucht und der Ruf ein falscher Ruf ist. Offensichtlich war diese Bewegung, wir können das heute schon merken, eine Handhabe, um Wirkungen auszulösen, denen gegenüber wir nicht gleich gültig bleiben können. So unendlich groß der Gegensatz zwischen der Tauroh und dem Zionismus ist, so läßt sich dennoch nicht verkennen, daß von ihm eine gerade Linie führt zu zwei historischen Ereignissen, die von unseren Großvätern und Urgroßvätern erlebt, sie zu Konsequenzen geführt hätten, wie wir sie gar nicht groß genug uns vorstellen können. Ich meine zunächst das Wunder der Balfour- Deklaration, Unlösbar ist das Band, das uns nach der Verheißung für die Erfüllung der Thora mit unserem Lande verknüpft. Jahrhundertelang haben wir unseren von G'tt verbrieften Anspruch an unser Land in unserem Herzen getragen. Dieser Anspruch war nach menschlichem Ermessen bis zur vollendeten Lächerlichkeit verjährt. Wenn wir nun in unseren Tagen erleben durftne, daß durch die Balfour-Deklaration unsere besondere Beziehung zu unserem Lande, wenigstens im Sinne eines Anfangs, unter der Garantie der Großmächte der Erde zu öffentlich-rechtlicher Anerkennung gelangt ist, so muß ich sagen, daß ich kein größeres geschichtliches Wunder kenne, als dieses. Wir haben in den vergangenen Jahren die welthistorische Bedeutung der Balfour-Deklaration vielfach nicht recht erkannt, denn zwischen uns und der Balfour-Deklaration stand letzten Endes doch wieder der Zionismus. Aber die Mittel, die die Vorsehung sich wählt, sind Mittel, wie sie uns nicht zur Verfügung stehen. Es ist die Vorsehung in der Lage, selbst aus dem Zionismus Wirkungen entstehen zu lassen, mit denen wir eben rechnen müssen, und angesichts deren wir uns zu fragen haben? Was will denn nun G'tt damit? Der Zionismus hat den Weltkrieg nicht vorausgesehen, und er hat die politische Konstellation, aus der schließlich die Balfour-Deklaration entstand, nicht vorausgesehen. G'ttes ist die Balfour-Deklaration, und wir, die wir heute die Geschichte der letzten 25 Jahre überblicken können, wir müssen fragen: was will G'tt mit dem Wunder der Balfour-Deklaration? Aber auch an dem zweiten großen Ereignis dürfen wir nicht vorübergehen. Es ist kein Geheimnis, daß in unseren Tagen in Erez Jisroel das Leben hereingebrochen ist, daß Erez Jisroel mehr und mehr aufhört, Wüste zu sein, daß es, auch eine merkwürdige Fügung G'ttes, in seinen heutigen Grundlagen aufgebaut worden ist, zumeist von Menschen, die nicht mehr für Tauroh und Mizwoh hätten verwandt weren können. Giftgeschwängerte Teile von Erez Jisroel sind unter Opfern von hunderten solcher Menschenleben umgewandelt worden in blühende Oasen. Wir müssen uns auch hier fragen, warum, weshalb, warum gerade in unseren Tagen, und was ist der Sinn davon? Wie kommt es, daß bis zu einem gewissen Grade G'tt das Heilmittel vor der Wunde sandte, wie kommt es wirklich, daß heute schon eine ganze Reihe von jungen Leuten, die hier nicht mehr existieren können, immerhin dort die Möglichkeit finden, sich eine Existenz zu gründen, und wieso kommt es schließlich, daß durch eine merkwürdige Verstrickung von historischen Umständen immer mehr und mehr der Blick des gesamten jüdischen Volkes zwangsläufig gelenkt und gerichtet wird auf dieses Erez Jisroel, gerade in dem Augenblicke, da'es zu neuem Leben erwachen kann? Aus all dem gilt es für die Erzieher unserer Jugend, die Konsequenzen zu ziehen. Haben sie unserer Jugend die Erkenntnis vermittelt, daß das Judentum eine geschichtliche Stiftung G'ttes ist, daß Jude .sein bedeutet, eine große geschichtliche Idee zu erfassen und sich ihr in auf Blut gegründeter nationaler Eigenart für die eigene nationale Zukunft und die Zukunft aller Nationen zur Verfügung zu stellen, so haben .sie unserer Jugend weiter zu eröffnen, daß wir heute in. einer geschichtlichen Epoche stehen, in der wir, was bisher nur Theorie war, praktisch zu bewähren haben, daß wir vor der schwersten aller Aufgaben stehen: als G'ttes geheiligte Nation die Möglichkeiten der Balfour-Deklaration entschlossen zu ergreifen, um in unserem Lande der Tauroh eine Heimstätte zu bereiten und im Wirtschaftsleben unseres Landes den Namen G'ttes vor den Augen der Völker zu verherrlichen. Die Erzieher unserer Jugend müssen sie für die unsäglich große und unsäglich schwere Aufgabe entflammen, sich als' Glieder nicht der zionistischen, sondern der wahren und echten jüdischen Nation zu begreifen, die nicht souverän ist und nicht auf eigenem Recht steht, die vielmehr G'tt als Souverän anerkennt und G'ttes Recht dienen will, und die nach ihrem Lande schreit, weil sie nur in ihrem Lande die Bestimmung erfüllen kann, die G'tt ihr für immer gewiesen hat. Unsäglich groß und unsäglich schwer'ist der Weg, den unsere Jugend, wo immer sie weilt, nach unserem Lande zu nehmen hat, auch wenn sie körperlich nicht dorthin gelangt. Für den Weg nach unserem Lande müssen wir sie erziehen, und nur vermöge einer solchen Erziehung wird sie den doppelten Anstürmen der zionistischen Bewegung und des Galuthleides standhalten können und aus dem doppelten Ansturm die doppelte Pflicht zum „Lernen" herleiten. Nur vermöge einer solchen Erziehung wird sie die Kraft zu dem Entschluß finden, unser Land für die G'ttesnation zu gewinnen und die verirrten Brüder in unserem Lande zur G'ttestreue zurückzuführen. Wir brauchen eine Jugend, die zur G'ttesnation erzogen ist, in deren Brust der eherne Entschluß lebt, in die Geschichte einzutreten und nach Maßgabe der durch die Balfour-Deklaration gewählten Möglichkeiten der G'ttesnation das G'ttesland bereitzustellen. Schwer und keineswegs ungefährlich ist dieser Weg. Aber ich glaube, wir haben nicht einmal mehr die Wahl. Ich glaube, wir gehen entweder entschlossen den Weg hinein in die nationale Geschichte mit der Tauroh oder wir werden, G'tt behüte, von der zionistischen Flut überrannt. Der falsche Nationalismus des Zionismus kann nur durch den echten Nationalismus der Tauroh überwunden werden, Zionismus, Balfour-Deklaration, erwachendes Erez Jisroel, gesteigerter Druck des Galuth: nur die Aktualisierung unserer Zukunftshoffnung, nur die Erweckung unserer Jugend, daß sie sich bewußt in den Dienst dieser Zukunftshoffnung stellt, nur die Erweckung des ganzen thoratreuen'Volkes, daß es sich bewußt hinter unsere Jugend stellt, kann die Gefahren des Weges bannen und unsere Jugend retten. Der Zionismus sucht sich unseres Landes zu bemächtigen. Streckt das thoratreue jüdische Volk entschlossen die Hand nach unserem Lande aus, so wird ihm unsere zu Gliedern der G'ttesnation erzogene Jugend gern und freudig < folgen und sich selbst und unser Land der Tauroh retten. Bezirkstagung des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer"- Die Bezirkstagung des Bundes, zu der die Vereinigung gesetzestreuer jüdischer Lehrer im Freistaate Hessen, der Verein Jeschurun und die Frankfurter Ortsgruppe des Bundes geladen waren, hatte sich eines überaus guten Besuches zu erfreuen. Sie fand am 23, Mai im Hörsaal der Israelitischen Religionsjesellschaft statt und wurde vom Vorsitzenden des 3undes, Herrn Studienrat Münk geleitet, Herr Münk gab einen Rückblick über die Arbeit des Bundes in den letzten Jahren und gedachte der dahingeschiedenen Mitglieder. Besonders warme Worte fand er im Gedenken an den heimgegangenen Schriftführer, Herrn Albert Hirschberg ^"ST- und dessen, was er in jahrelanger Arbeit dem Bunde war. Herr Dr. S. Ehrmann begrüßte als Vertreter der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und des Vorstandes der Israelitischen Religionsgesellschaft die Bezirkstagung. Herr Rechtsanwalt Dr. Breuer hielt ein Referat über die „Aufgaben der Gegenwart". Es erübrigt sich an dieser Stelle, auf die Ausführungen des Referenten, die den ungeteilten Beifall der Versammlung fanden, einzugehen, da der Vortrag uns für unser Bundesorgan zur Verfügung gestellt wird und so auch die der Tagung ferngebliebenen Mitglieder und weitere Kreise Gelegenheit haben, sich mit den i dem Vortrage zum Ausdruck kommenden Gedan- :en des Referenten vertraut zu.machen. Der Vortrag*':,

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