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Der Israelit · 1934-07-05 · Heft 27 (5.7.1934) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 27 (5.7.1934)
Date
1934-07-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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]|Q|Lq»on °—° IdHEl CHI 3 Erziehung' und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzest reuer jüdischer Lehrer Deutschlands CS] LH] |[o ifölfo|rö^ö"lfö|i o ifösf Die Aufgabe der Gegenwart. Vortrag gehalten auf der hessischen Bezirkstagung des Bundes am 23. Mai ds. Jszu Frankfurt a. M. von R.-A. Dr. J. Breuer in Frankfurt a. M. (Nach stenographischer Aufzeichnung.) Meine Herren! Ein überaus schweres Schicksal hat sich über die deutschen Juden vollzogen, ein Schicksal, in welchem eine Unsumme von Schuld und Verstrickung, die sich in dem letzten Jahrhundert angesammelt hatte,, schließlich zur Entladung gekommen ist. Die Lage der deutschen Juden war immer eine besondere. Sie waren an Zahl zu gering, als daß sie etwa ein eigenes Milieu, wie in Polen, hätten bilden, zu groß gegenüber Frankreich und Italien, als daß sie, wie dort, hätten verschwinden können. So wurden sie überall bemerkt und drangen vermöge ihrer Zahl und vermöge ihrer Unfähigkeit, ein eigenes Milieu zu finden, immer wieder in die Umwelt hinein. Die Erwartung, die unsere Väter hatten, die Rabbiner Hirsch b"M hatte, als die Emanzipation uns vor 100 Jahren beglückte, daß sich das Leben der deutschen Juden inmitten des deutschen Volkes zu einem QVTl ump gestalten werde, diese Erwartung ist nur zu einem außerordentlich geringen Teil zur Verwirklichung gekommen. Niemand weiß das besser, als die Lehrer, die ja die Möglichkeit hatten, das Leben und das Treiben der Jugend und des heranwachsenden Geschlechts aus nächster Nähe zu betrachten. Nun scheint die Vorsehung uns ein weit schwereres Los aufzubürden als in dem vergangenen Jahrhundert, und ich kann mir vorstellen, daß gerade die Persönlichkeiten, die berufen sind, als Lehrer zu wirken, vor einer überaus schwierigen Aufgabe stehen. Schwierig ist die Aufgabe zunächst in rein subjektiver Hinsicht. Es gibt keinen unter uns, der nicht von der Schwere der Zeit ungemein betroffen wäre, und nun stehen gerade die Lehrer vor der Pflicht, fortgesetzt zu spenden und zu spenden, Lebensmut und Lebensfrische anderen zu geben. Woher soll man sie nehmen, wenn man selbst darum zu kämpfen hat? Ich kann mir sehr wohl vorstellen, wie fortgesetzt zu dem jüdischen Lehrer des Ortes Menschen kommen, um von ihm Trost zu holen, daß der Lehrer sie aufrichte und ihnen den Sinn des Schicksals deute, und er ist vielleicht selbst des Trostes und der Stärkung bedürftig. — Vielleicht ist es daher nicht ganz unnützlich, wenn wir uns, soweit ich dies vermag, darüber unterhalten, in welcher Weise wir heute die Jugend erziehen und die Jugend beeinflussen können, daß die Erziehung einen Sinn und die Einflußnahme einen Erfolg habe. Wenn der weise König sagt: -dtt '3 by -ijttV lin, so denkt er hierbei nicht nur an die Charaktereigentümlichkeiten des Kindes, an das, was es in sich trägt, sondern auch gewiß an den Weg, den es wird nehmen müssen. Es wird keine Erziehung davon absehen können, welches das mutmaßliche Schicksal und Milieu des Kindes ist, in das es später, .als reifer und erwachsener Mensch, hineingestellt sein wird, und wir fragen uns, welchen Weg denn das Kind nehmen wird, wenn es hier in Deutschland groß wird. Wir stehen hier vor einem ungemein schweren Problem. Wir haben bis zum Ausbruch der nationalen Revolution die Jugend erzogen, damit sie imstande sei, mitten im bürgerlichen Leben die jüdischen Ideale zu verwirklichen, am Gesetz festzuhalten und darüber hinaus eine gewisse harmonische Verbindung des allgemein Bürgerlichen und des spezifisch Jüdischen zu finden. Dieses Erziehungsideal, das an Rabbiner Hirsch anknüpft, hat heute nicht mehr seinen alten, wohlberechtigten Sinn. Die bürgerliche Gesellin Anbetracht dessen, daß der jüdische Lehrer in der Frage der Uebersiedlung jüdischer Kinder nach Erez Jisroel von Eltern vielfach zu Rate gezogen wird, bringen wir nachfolgenden Aufruf den' Kollegen nochmals in Erinnerung. Es ist Pflicht eines jeden um die religiöse Zukunft der Kinder besorgten Lehrers, im Sinne dieses Aufrufes tätig zu sein. Der Vorstand. Aufruf an die Juden Deutschlands! Die Frage der religiösen Erziehung der jüdischen Kinder aus Deutschland, welche nach Erez Jisroel kommen, erweckt ernste Sorge, wenn man bedenkt, daß ein großer Teil dieser Kinder nach En Charod und Ben Schemen geschickt worden ist. Wir sind sicher, daß der größte Teil der deutschen Juden, die Eltern dieser Kinder, nicht weiß, was es bedeutet, Kinder En Charod und Ben Schemen zu überantworten. Die Atmosphäre dieser Stätten bedingt vollkommene Auslöschung jedes religiösen Empfindens, Entweihung der heiligstein Güter unseres Volkes, für die unsere Väter ihr Leben hingaben. Es ist unausdenkbar, daß in den Herzen dieser Jugend die vieltausendjährige, heilige Erbschaft zerstört werden soll — durch Erziehung in jener Atmosphäre! Wer hier beiseite steht und nicht hilft, die Lage zu bessern, der ist für die Folgen moralisch mitverantwortlich. In Erkenntnis der Lage in unserem Heiligen Lande und in Würdigung der Tatsache, daß die Erziehung dieser deutschen Kinder aus religiösen Kreisen besondere Sorgfalt erfordert, beabsichtigen wir, für diese Kinder besondere Erziehungsinstitutionen zu schaffen, in denen sie in hebräischer Sprache unter Leitung religiöser Lehrer ausgebildet werden sollen. Mit den Erziehungsstätten sollen Internate verbunden werden, die sich unter der Aufsicht des Komitees befinden und in denen eine Atmosphäre der Liebe und der wahrhaften Fürsorge im religiösen Geiste herrschen soll. Wir kennen wohl die Schwierigkeiten, die der Verwirklichung dieser unserer Absichten entgegenstehen; aber wir sind sicher, daß der heilige Gedanke, der uns leitet, alle Schichten unseres Volkes durchdringen wird und daß wir moralische und materielle Unterstützung überall finden werden, wo das Herz eines wahrhaften Jehudi schlägt. Wir wenden uns an alle Juden, und besonders an die deutschen Juden, mit einem heißen Aufrufe, und sagen ihnen: Schützet die Seele Eurer Kinderl Laßt nicht zu, daß das Heiligste und Schönste, dem das jüdische Volk die besten seiner Kräfte opferte, aus ihrem Herzen gerissen wird! Die Unterzeichneten haben zur Organisierung einer religiösen Jugendalijah ein Komitee gebildet. Eltern, welche diesem Komitee die Erziehung ihrer Kinder übergeben wollen, werden gebeten, sich an die untenstehende Adresse zu wenden. Jerusalem-Berlin, Adar 5694. Dr. Moses Auerbach, Berlin; Rabbi Mosche Blau, Jerusalem-, Dr. Isaak Breuer, Frankfurt a. M.; Jeschuo Heschel Farbstein, Jerusalem; Dr. Samuel Grimberg, Berlin; Daniel Sirkis, Tel Awiw. Adressen zur Anmeldung von Kindern: Dr. M. Auerbach, Berlin N 24, Artilleriestraße 31; Dr. S. Grünberg, Berlin NW 40, Thomasnisstraße 24. schaft hat den deutschen Juden mehr oder weniger aus sich heraus gestoßen", und es sind nicht viel Anzeichen vorhanden, daß darin in den nächsten Jahren eine Besserung eintreten wird. Hierüber darf man sich einer Täuschung nicht hingeben. Unter solchen Umständen erwächst der Zionismus rs**' einer ungeheuren Gefahr, denn der Zionismus vermag eine Sinndeutung des Gegenwartserlebnisses ::u geben, die auf den ersten Augenblick durchaus einleuchtet. Die Gefahr ist heute riesengroß, daß gerade unsere Jugend, gerade der bessere und aufrechte Teil der Jugend, letzten Endes dem Zionismus zum Opfer fällt. Der Zionismus klärt die Jugend auf, daß all die Leiden, die über den jüdischen Menschen in Deutschland kamen, letzten Endes darauf zurückzuführen sind, daß eben hier eine fremde Nation sich befindet im Kreise anderer Nationen, t und daß es für sie eine Unmöglichkeit ist, sich auf die Dauer in ihrer Mitte zu behaupten und durchzusetzen, so daß es nur die eine Lösung gibt, daß man das akzeptiere, was der Gegner sagt: nicht etwa das, was an Schmähungen gegenüber der jüdischen Religion, wohl aber das, was grundsätzlich über die jüdische Rasse und über die jüdische Nation gesagt wird. Die Fremdheit, die heute über den jüdischen Menschen ausgesprochen ist, die hat der Zionismus längst als These aufgestellt: Du hast nur einen Weg, wenn Du Dich durchsetzen willst: akzeptiere die These der Fremdheit, stelle Dich bewußt auf den Boden der jüdischen Nation und sorge dafür, daß sie ihre Rehabilitierung in Erez Jisroel erfahre. Man kann nicht verkennen, daß diese ganze Art der Argumentierung eine außerordentlich einleuchtende und bequeme ist, zumal sie auch an das Auffassungsvermögen nur sehr geringe Anforderungen stellt. Um so mehr erwächst uns, dem thoratreüen jüdischen Volke und seinen berufenen Vertretern, all denen, die berufen sind, jüdische Menschen zu erziehen und zu belehren, die unabweisbare Pflicht, zunächst sich selber darüber klar zu werden, wie heute eine jüdische Erziehung gestaltet werden muß, damit sie den Anforderungen der Gegenwart gerecht werde. Um es vorweg zu nehmen: ich sehe keine andere Möglichkeit heute, als die Forderung aufzustellen, wir, die Orthodoxie, das thoratreue jüdische Volk, nicht nur in Deutschland, sondern auch anderswo, müssen der uns anvertrauten Jugend eine durch und durch nationale Erziehung zuteil werden lassen. In dem Augenblick, da die Völker wissen, daß wir den geschichtlichen Anspruch niemals aufgegeben haben, eine Nation zu sein, in dem Augenblick, da die Umwelt uns als eine Nation betrachtet, allerdings zionistischer Provenienz, in dem Augenblick sind wir genötigt, uns und unseren Kindern und der Umwelt die volle Wahrheit zu sagen. Wahrheit ist aber, daß wir nie aufgehört haben, eine Nation sein zu wollen, und daß wir den nationalen Anspruch auf eine geschichtliche Zukunft in Verbundenheit mit unserem Lande, daß wir diesen nationalen Anspruch zwar niemals in die Welt hinausgeschrieen, aber in uns niemals aufgegeben haben und niemals aufgeben werden. Wir werden unseren Kindern daher schon vom zarten Alter an sagen müssen, daß das Wesen des Judentums nicht darin besteht, daß G'tt eine Religion, sondern darin, daß G'tt eine Nation gestiftet und dieser Nation zur Ausübung des G'tteswillens ein Land verliehen hat, ~bns -jiwwi ..-i^h iE?« nsn b* .-iriNa -p *\b~ Ich möchte glauben, daß jede Erziehung, sowie sich in dem Kinde die Fähigkeit des Denkens regt, mit diesem Satz wird anfangen müssen, mit der Begründung der jüdischen Volksgeschichte durch unseren Stammvater Abraham. Die Berufung Abrahams ist ein Akt von einer ungeheuren welthistorischen Bedeutung. Nachdem die übrigen Völker von G'tt ab-4 gefallen waren, greift G'tt zu einer zweiten Schöp-

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