Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1934)
- Date
- 1934-07-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite-6 Nr. 27 Der Israelit 5. Juli 1934 Sportinteressen, vom Sinn am rein Praktischen und einem gemäßigten religiösen Konservativismus, der aber nicht artgleich ist mit einem inhaltreich erfüllten, von der Tauroh her begriffenen jüdischen Dasein. Hier ist das Typische der ,,Jewish Secondary School". Nicht daß sie orthodox gefüßrt wird, ist dieses Typische, ihr Positivstes. Das ist bei ihr selbstverständlich. Es ist die kulturell-jüdische Prägung, derart, daß das Primat jüdischer Weltanschauung dort zu Hause ist, das praktische Erfüllen des ]H zur bewußten, positiv betonten Handlung wird, das Lernen über seine wissensvermittelnde Funktion hinaus zur Bildung des jüdischen Wertgefühls führt und daß die ganze Schulgemeinschaft ihren Mittelpunkt hat tn einem jugendlichen Menschen, der den Beweis seiner Uebereinstimmung mit dem Jüdischen in der Freude führt, mit der er jeden Morgen wie zu einem Festtag seine Schüleru nd Kollegen leuchtend begrüßt. Die Schule ist noch jung und bezieht diesen Sommer ein neues schönes Heim, das weit und vornehm in Gebäude und Gartenanlage ist. Für eine jüdische Schule kann kein Heim schön genug sein. In d'esem ansprechenden Rahmen auf gesunder Basis, wird diese Schule — wenn nicht alles trügt t— noch ihre Mission in der englischen Judenheit erfüllen. Korrespondenzen. Deutsches Reich. »,Für jüdische Kulturdenkmäler!" — Ein zeitgemäßer Aufruf des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Berlin, 3. Juli. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, der u. a. seit Jahren regelmäßig in seinem Etat einen Posten für die Erhaltung jüdischer Kulturdenkmäler führt, wendet sich an die jüdische Oeffentlichkeit mit einem Aufruf, in dem es u. a. heißt: „Es besteht gerade jetzt die große Gefahr, daß in absehbarer Zeit eine Reihe jüdischer alter Kulturdenkmäler durch die Auflösung von Gemeinden der Vernachlässigung und der Vernichtung anheimfällt. Es gilt daher, rechtzeitig Vorsorge zu treffen, um diese Denkmäler jüdischen Seins auf deutscher Erde zu bergen. Wir rufen alle Gemeinden und jedes einzelne Gemeindemitglied auf, zur Errettung dieser Kulturdenkmäler beizutragen. Wir bitten, Photographien von alten Synagogen, bemerkenswerten Kultusgeräten, Friedhöfen und ähnlichem herzustellen und möglichst in mehrer&n Abzügen an das von uns mit der Durchführung der Arbeiten beauftragte „Gesamtarchiv der deutschen Juden", Berlin N. 24, Oranienburgerstr. 29 einzusenden. Ebenso bitten wir, diese Stelle auf alle geschichtlich wertvollen und erhaltungswerten Altertümer wie Gemeindeakten, Thoraschmuck, Thoravorhänge, Thorawimpel usw. aufmerksam zu machen," Geschichte und Rasse. Breslau, 1. Juli. Wir lesen in Nummer 14 des in Breslau (Verlag Ferdinand Hirt) erscheinenden „Mitteilungsblattes des NS Lehrerbundes, Gau Schlesien" vom 17. Mai 1934 auf Seite 216: „NSLB Ortsgruppe Heuscheuer. „Die eigentlichen Ursachen der rassischen Entartung." Auf dem Zuge der Arier von Norden nach Atlantis und Lemurien stießen sie dort mit den sogenannten Tiermenschen zusammen. Aus der Vermischung entstanden die Niederrassen, die von da an unter Führung intelligenter Bastarde einen bis in die Jetztzeit fortdauernden Kampf gegen die Hochrassen führen. In geschichtlicher Zeit ist es der „Geheimbund der Hebräer", der unter Anwendung der gemeinsten Mittel gegen die germanischen Rassen kämpft. Betrachten wir die Geschichte unter diesem Gesichtspunkte, so erschrickt man über die Unmenge von Fällen, wo Kriege durch heimtückische Hetze einflußreicher jüdischer Ratgeber veranlaßt worden sind. Denken wir an das Hinschlachten der Sachsen zur Zeit Karls des Franken, an die Kreuzzüge, die 7 Millionen Rittern das Leben gekostet haben, an den Mongoleneinbruch, an den 30jährigen Krieg oder den Weltkrieg ■— immer waren es von Juden vorbereitete Angriffe gegen unsere Rasse, um sie auszurotten oder ihr zu schaden. Ein anderes echt jüdisches^ Mittel zur Schädigung germanischen Blutes ist ihnen der Menschenraub und Sklavenhandel. Gerade Germanen wurden wegen ihres Körperbaues gern als Sklaven gekauft; Frauen und Mädchen endeten in Freudenhäusern. Wo sind die Scharen germanischer Kinder hingekommen, die den Kinderkreuzzug antraten? Wie üppig der Mädchenhandel noch in neuester Zeit blühte, wissen wir alle aus Pressenotizen, Schändung einer hochrassigen Frau ist dem Juden nach dem Talmud nicht ein Verbrechen, sondern Pflicht. Wie noch in jüngster Zeit unter einer christlich sein wollenden Regierung eine „Schwarze Loge" bestehen konnte, die unter ganz durchscheinenden Vorwänden deutsche Mädchen anlockte, um sie zu schänden, ist schwer zu verstehen. — Schließlich versucht der Jude noch durch Mord und Massenmord 'der hochwertigen Rasse zu schaden. Das geheimnisvolle Verschwinden von Kindern wird dem klar werden, der weiß, was der Jude unter dem Töten fehlerloser „Lämmer" meint. Tausende und Millionen unseres Blutes sind durch Einschleppung von Krankheiten und durch Hexenverbrennung ausgerottet worden. Nie kämpft der Jude ehrlich und offen, nie ist er direkt zu fassen. Deshalb gilt es, auf der Hut zu sein, denn der Kampf ist noch nicht zu Ende." Sollen aus diesem Konglomerat , geschichtlicher Phantasien die Herren Lehrer erfahren und es an ihre Schüler weiter geben, daß die Juden sogar die Kreuzzüge verschuldet haben? Nun sollen die Juden auch an der Ermordung des polnischen Innenministers schuld sein. Berlin, 22. Juni. Während in Polen und überall als ausgemachte Sache gilt, daß der Mord am Innenminister von der gleichen Seite ausging, die auch den Juden in letzterer Zeit so hart zusetzte, den Nationalradikalen .bringt die „Fränkische Tageszeitung" unter der Ueberschrift „Erwachende Völker" und den Untertiteln „Polen wehrt sich gegen Juda, Judensöldlinge haben den polnischen Innenminister ermordet" auf der ersten Seite ihrer Nr. 144 einen Artikel, in dem seltsamerweise behauptet wird, es bestehe eine „enge Verbundenheit der Juden und Logen mit den Nationaldemokraten". Bei den Nationaldemokraten habe man es „mit der berüchtigten Korfanty-Partei zu tun, die enge Beziehungen zum Judentum unterhält und die schon in den oberschlesischen Befreiungskämpfen als Hörige des internationalen Judentums gegen Deutschland aktiv zu Felde zog." In dem Artikel wird dann die Frage gestellt, warum der polnische Innenminister Pieracki ermordet wurde, und erklärt, man neige immer mehr dazu, den Mord darauf zurückzuführen, daß die deutschfreundliche; Außenpolitik der jetzigen Regierung den „franzosenM und judenfreundlichen Korfanty-Anhängern" nicht genehm ist. j Bekanntlich war der ermordete Innenminister Zielpunkt schärfster Angriffe der antisemitischen Nationalen, die es ihm insbesondere nicht verzeihen konnten, daß er von der Parlamentstribüne aus die antisemitische Hetze scharf verurteilt hatte und gegen die Urheber der judenfeindlichen Ausschreitungen in Polen energische Maßnahmen traf. Oesterreich. Neue Sommerkurse der Beth Jakob-Zentrale. Wien, 25. Juni. '' Die Hauptkurse der polnischen Beth Jakob-Zentrale finden in diesem Jahre in Jordanow statt und zwar für die Kandidatinnen des Krakauer Seminars wie auch für die amtierenden polnischen Lehre-; rinnen. Für die einzelnen Beth Jakob-Schulen wer-: den an zahlreichen Orten Sommerkolonien eingerich-i tet. Die Sommerkolonie für die Schülerinnen der Beth Jakob-Schulen in der Slowakei finden in dem schönen idyllisch gelegenen Luftkurort Sobor bei Nitra. statt. Das Ferienheim wird am 15. Juli eröffnet und nimmt auch Schülerinnen aus anderen Staaten auf. (A. I. P. B.). Wahlkämpfe in Baden. Baden bei Wien, 22. Juni. In nächster Zeit finden hier die Wahlen derjüdischen Gemeindevertretung statt. Der Kampf um die Gemeindestube ist in vollem Gang. Leider wird" aber dieser Wahlkampf nicht in sachlicher Weise geführt, vielmehr mitunter ■ mit einer Heftigkeit, wie wir bei derartigen Wahlen es hier noch niemals beobachten konnten. Besonders bedauernswert ist es, daß die Persönlichkeit unseres hochverehrten Rabbiners mit in diesen Kampf gezerrt. wurde und interne Gemeindeangelegenheiten publik gemacht wurden. Es entstanden, um es modern auszudrücken, Fronten für und gegen den Rabbiner, und es wurde viel „Geist" und Tinte verwendet, um in Flugblättern, Türanschlägen und mit sonstigen Mitteln moderner Propaganda das Ansehen und die Würde unseres Rabbiners in der Meinung der Gemeindemitglieder herabzusetzen. Sogar das Gericht wurde schon beschäftigt. Wem kommt da nicht die Erinnerung an frühere Zeiten, da unsere Vorfahren mit verehrungsvoller Hingabe zu ihrem Rabbiner aufblickten, der ihnen alles war: Lehrer und Seelsorger, Führer in Leid und Freud. Sollte solcher Geist nicht lebendig bleiben als Vermächtnis unserer Ahnen? Wir wissen aber auch, daß eine Gemeinde, die ihren Rabbiner nicht ehrt, sich selbst richtet und verwirft. Allein mit der bloßen Klage über mangelnde Moral ist es nicht getan. Nichts ist in solcher Situation notwendiger als kraftvolles Zugreifen; es wäre eine gefährliche Passivität, hier zuwarten zu wollen. Eswäre Aufgabe dse Gemeindevorstandes und der Mandatare, ihren ganzen Einfluß dahin geltend zu machen, daß dieser ungehemmten Hetztätigkeit ein Ende bereitet werde. Das peinliche Schauspiel, an dem auch viele christliche Mitbürger sowie Juden, ,die sonst jeden Zusammenhang mit jüdischen Dingen verloren haben, keine Freude haben, muß ein Ende nehmen, soll nicht alle, die diese bedauerlichen Vorkommnisse aufs Schärfste verurteilen, der Vorwurf treffen, daß sie durch ihre Passivität, die Zustände mitverschuldet haben. Die geistige und materielle Not der Zeit sollte uns doch zwingen, die Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gemeinde nicht zu vertiefen. Es muß wieder ain Yi33:" in alter Weise hergestellt werden. Wer unseren Oberrabbiner Dr. Carlebach kennt, weiß, daß sein Ziel Friede und Eintracht ist. Trachten wir, uns über die Nöte des Alltags hinweg von Mensch zu Mensch zu verstehen, so allein kann wieder wahres Gemeindeleben sich bilden und Friede einkehren in die jüdische Gemeindevon Baden. Ungarn, Der neue Präsident der ungarländischen Orthodoxie über sein Programm. B u d a p e s t, 26. Juni. In der religiös-orthodoxen Wochenschrift „Zsido- Elet" (Jüdisches Leben) äußert sich der neugewählte Präsident des Zentralbüros der Orthodoxen Landeskanzlei, Samuel Kahan-Fran kl, über die aktuellen Probleme der ungarländischen Orthodoxie. Es könne, erklärt er, keine Rede davon sein, daß die Zahl der Talmudjünger zurückgegangen ist. Im Gegenteil, es sei ein stärkerer Zudrang zu den Jeschiwoth zu verzeichnen. In Budapest erhalten allein 130 Bachurim zur Ermöglichung ihres Studiums ständige Unterstützung. Die Dauer des Studiums sei allerdings heute infolge der schweren Wirtschaftsverhältnisse beschränkt. Es müsse dafür Sorge getragen werden, daß die jungen Leute nach Beendigung ihres Studiums eine Existenzgrundlage erlangen. Was sein Programm betreffe, so habe er das Erbe seines Schwie- . gervaters, des Oberhausmitgliedes Frankl, angetreten. Die Wege der Orthodoxie seien vorgezeichnet; aber ein rascheres Tempo sei das Vorrecht der Jugend. Die-wichtigste Aufgabe sei, dafür zu sorgen, daß die