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Der Israelit · 1934-07-05 · Heft 27 (5.7.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 27 (5.7.1934)
Date
1934-07-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 27 Der Israelit 5. Juli 1934 Politik abzugehen und sehe es nicht als notwendig an, ein weiteres erläuterndes Statement in dieser Sache zu machen. Was die verfassungsmäßige Entwicklung in Palästina betreffe, so sei es nicht möglich gewesen, einen Legislative Council einzusetzen. In dieser Angelegenheit sei es die Absicht der Regierung, sich an die vorgezeichneten Richtlinien zu halten. Es werde notwendig sein, daß der High Commissioner die ganze Frage mit den Vertretern aller Gemeinschaften Palästinas bespreche. Die Zulassung von Einwanderern nach Palästina müsse bestimmt werden durch die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes. Der High Commissioner habe dargelegt, daß er es, als er seine Entscheidung traf, als seine Pflicht ansah, nicht nur die gegenwärtigen Verhältnisse des Landes, sondern auch die künftigen Möglichkeiten zu berücksichtigen. Das könnte wie ein volles Bekenntnis zum Balfourmandat klingen, nähmen nicht auch dieser Erklärung die ominösen Sätze von der ,wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes" und der Rücksicht ,,auf die Lage in der Zukunft" alle Wirkungskraft für absehbare Zeit. Gefahr für das jüdische Handwerk in Polen, In einer Zeit, da im Verfolge des Umschichtungsprozesses sich viele Juden in Deutschland dem Handwerk zuwenden, da in Palästina das Handwerk das alte Märchen vom goldenen Boden fast wahr macht, zur gleichen Zeit drohen in Polen, das das Reservoir der jüdischen Handwerker aller Fächer und aller Grade ist, die größten Gefahren. Nach dem neuen Industriegesetz werden alle selbständigen Handwerker, die bis spätestens den 1. Januar 1935 im Industrieamt nicht registriert sind, für immer das Recht verlieren, eine selbständige Werkstatt mit Lehrlingen und Angestellten zu führen. Annähernd 50 Proz. der Handwerker in Polen sind Juden. Es sind zumeist arme, kleine Leute, die sozusagen von der Hand in den Mund leben und auch nicht die nötigen Mittel besitzen, die, neben dem Befähigungsnachweis, für die Lizenz notwendig sind. Auch mit der Ablegung des Examens wird es für sie nicht so einfach sein, weil all die Erleichterungen, die den Besitzern von Meisterdiplomen für das Examen zugestanden wurden, den jüdischen Handwerkern, die ihr Fach auch ohne das kostspielige Meisterdiplom bis jetzt bestens ausgeübt haben, nicht zugute kommen. Kaum 10 Proz. von den jüdischen Die Sidra spricht zu uns . . . Von Rabbiner Dr. AI. Lewin in Hamburg. ,a"bv 'n'-o nx im ->bk pb „Darum sprich es aus: So gebe ich ihm meinen Bund: Frieden.1" Die mutige Pinchostat voll Manneskraft und Entschlossenheit, getragen von dem heiligen Verlangen, dem drohenden Verhängnis zu wehren und die Harmonie und den Frieden zwischen G'tt und Israel wiederherzustellen, findet ihren Lohn in der herrlichen Himmelsgabe des Friedens. Das war eben nicht blinder Eifer, der verzehrt und vernichtet und nicht der höchsten Idee dient, der Pinchos trieb und zum Verteidiger des G'ttesrechtes machte. Maß um Maß mn ujd mn vergilt der Herr immer edles Tun. Hier ist für alle Zeiten und Geschlechter festgelegt, daß der Friede wohl ein köstliches Gut ist, daß er in Wahrheit aber nur dort erblüht, wo der Heiligkeit und Reinheit Kämpfer und Verteidiger erstehen. Es ist gewiß schön, wenn man um des lieben Friedens willen, auf manches seiner Rechte verzichtet oder wo man nach dem Vorbilde des ersten Hohepriesters Frieden zwischen den Menschen stiftet. Für G'tt und seine Lehre, für Sitte und Wahrheit, da gilt es, unentwegt zu eifern und zu kämpfen, bis dem Guten der Sieg wird und diesen dann der Friede krönt. Handwerkern haben, als es noch Zeit war, auf die Erlangung eines solchen Diploms Wert gelegt. Es ist dies mehr öder weniger auch eine Zukunftsfrage für das jüdische Handwerk in Polen und mittelbar auch in Palästina. Denn ist es einmal den jüdischen Meistern verwehrt, Lehrlinge und Gesellen anzustellen, so würde das aus Mangel an Nachwuchs den allmählichen Untergang des jüdischen Handwerks bedeuten. Läßt man die Dinge ihren Gang gehen, so steht zu befürchten, daß zu Beginn des bürgerlichen Jahres alle „illegalen" Werkstätten, die aber zu den besten ge- Von Edgar M. Stern in London. Es dürfte kaum angezweifelt werden, daß die Rolle der englischen Judenheit in den letzten Jahren sichtbar an Bedeutung zunimmt. Der Einfluß, das AnseHen und der Reichtum, deren sich die englischen Juden wie in kaum einem anderen Lande erfreuen, haben sie nicht übermütig gemacht, und jeder englische Jude bekennt mit Stolz; Ich b i n Jude! Die Hilfsbereitschaft, die die Juden Englands ihren deutschen Glaubensgenossen gegenüber an den Tag gelegt haben, ist ein leuchtendes Beispiel echtjüdischen Solidaritätsgefühles, und hat auch in nichtjüdischen Kreisen die verdiente Würdigung und Anerkennung gefunden. Es kann nicht verkannt werden, daß der Assimilationsprozeß in England nicht in dem Maße eine gefährliche und zersetzende Entwicklung genommen hat wie es in Deutschland, von der nachmendelssohnschen Zeit angefangen, der Fall gewesen ist. Die religiöse Atmosphäre Englands, wo man Begriffe wie Humanität und Liberalismus niemals mit Atheismus und Religionsverfolgung identifiziert hat, konnte einer geistigen Flucht aus dem Judentum, der Mutter aller Religionen, nicht förderlich sein. Freilich ist der überwiegend große Teil der englischen Juden himmelweit entfernt von dem uns in mündlicher und schriftlicher Lehre überlieferten Ideal-Judentum, dem man auch mit den imposantesten Synagogenbauten, brausenden Chören und sonstigen Surrogaten nicht gerecht wird. Was fehlt, ist das Bewußtsein des Herrschaftsanspruches des G'ttesgesetzes und die Kenntnis des Gesetzes selbst. So gehört es zu den ganz normalen Erscheinungen, daß Juden, Ein sinniges Wort unserer Lehrer ist es: irr^K IT onra Pinchos das ist Elijahu. Offenbar soll angedeutet werden, wie alle G'ttesmänner, die wahren Priester und echten Propheten, den Kampf niemals gescheut, wo es galt, für G'tt und seinen heiligen Willen einzutreten, wie gerade sie, die immer wieder dem Frieden das Wort geredet, mit Feuereifer und flammender Begeisterung für das reine unverfälschte Judentum gestritten. Das i im Worte aito ist kein ganzes, ein gebrochenes. Das bedeutet, daß der Friede immer neu errungen werden muß. Erst wenn er als Frucht wahrer reiner G'tteserkenntnis und Menschenliebe emporkeimt, dann hat der Pinchosgeist endgültig gesiegt und wird die Erde von neuem ein Paradies der Liebe und Harmonie. Ein Midrascherklärer möchte in dem Worte oito mit dem halben "i einen Hinweis finden: abv sei wie eine Andeutung nvib xbv daß in Israel niemals dieses wahre Friedenseifern ausstirbt. n"m mibx ima p. .Ganz recht reden die Töchter Zelofchads." Das war ihre Größe und Ehre und Würde ihrer Väter, n:i nvv daß sie zur rechten Zeit das rechte Wort sprachen. Nicht Eigennutz, nicht kluge Berechnung hat sie zu ihrem Vorgehen veranlaßt. Treue und Pietät lösten ihnen die Zunge, daß sie, ohne Widerspruch fürchten zu müssen, ihre Sache vorbrachten und mit den von Weisheit und Gesetzeskunde zeugenden Worten begründeten: .inriBPa Tim was ov jnj' rmb „Warum soll schwinden der Name unseres Vaters aus seiner Familie." Dieses getreue Gedenken an den Vater war der Rechtstitel, mit dem sie sich für die Sache ihrer Familie einsetzte und sie schließlich auch durchführten, "x "»inb ibbü» jir ns7ö mp'i „Mosche brachte hören und mit wenigen Ausnahmen in jüdischen Händen liegen, geschlossen werden. Die zuständigen Organisationen, wie Joint, I c a und vor allem der Ort-Verband haben sich zusammengeschlossen, um im Einvernehmen mit den örtlichen Handwerkerverbänden und Vereinen, alle nötigen Schritte zur Abwendung der drohenden Gefahren zu unternehmen. Hoffen wir, daß es gelingt, in diesem kurzen Zeiträume den Tausenden die Lizenz zu verschaffen, die Gefahr laufen, ihres Broterwerbes verlustig zu gehen. die sich für ,,strengreligiös" halten, hier am Schabbos das elektrische Licht andrehen, ihre Schirme spazierentragen usw. mehr. Man wird sich nach dem Grund dieses eigentlich recht kuriosen Zustandes fragen. Wenn einer schon religiös sein will, wird man einwenden, muß er doch eine Kenntnis von den elementarsten jüdischen Gesetzen haben. Dieser Einwand ist verständlich, aber woran er krankt, ist, daß eben diese selbstverständliche Voraussetzung nicht vorhanden ist. Durch das fast gänzliche Fehlen von geeigneten jüdischen Erziehungsmöglichkeiten ist auch bei den jüdischen Kreisen, die den besten Willen zur Beobachtung ihrer Religion haben,- ein völlig entstelltes und verschwommenes Bild von den Erfordernissen und dem Wesen des Judentums entstanden. Wie ist nun diesen Verfallserscheinungen, die mit der Zeit recht bedenkliche Folgen zeitigen können, entgegenzutreten? Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Es muß die Initiative ergriffen werden zur ,,S c h a f f u n g orthodoxer Kultur Institutionen, in denen die heranwachsende Generation zu ihrer jüdischen Lebensaufgabe bewußten Juden herangezogen werden. Dies hat der vor einigen Jahren allzu früh verstorbene Rabbi Dr. Victor Schönfeld V'ET erkannt und mit unsäglicher Mühe und Not, unter größter Opposition von jüdischen Seiten, hat er im Jahre 1929 eine höhere, strengreligiös geführte Schule, die „Jewish Secondary School", ins Leben gerufen. Kaum jedoch war die Schule, die im Geiste Samson Raphael Hirschs die „Thora im derech Erez"-Synthese ideal verwirklichen sollte, gegründet, als der Tod Dr. Schönfelds wie ihren Rechtsanspruch vor G'tt," erzählt die Sidra und verleiht diesem Satze noch einen Nachdruck, indem sie den letzten Buchstaben als Nun rabosi hervorhebt. Weiser, gelehrter, rechtskundiger, edler Frauen Beweisführung wurde G'tt selbst zur Klärung und Entscheidung vorgelegt. Wahrlich, die Töchter Zelofchads verdienten es, daß ihnen die Weisen das ehrende Wort der Anerkennung widmen; »psms DWim nn rnira vn Q'wn mn mut „In jener Zeit bauten die Frauen wieder auf, was die Männer in Verkennung von Pflicht und Aufgabe niederrissen." Wer gibt uns allenthalben für unsern Aufbau und Bestand die echten Zelofchads-Töchter, die da immer reden das rechte Wort und mehr noch die rechte Tat vollbringen? Mosche ersehnt einen Nachfolger und Führer, ,dK'3'> *ie?R1 OS'Sl' Cn^sV W HPtO D.T'JS^ SS' HPK ,,der vor ihnen aus- und vor ihnen eingehe, der sie aus- und wieder einführe." Die Fülle der Worte fällt hier auf. In der nnn ist nichts überflüssig, hat vielmehr alles Sinn und Bedeutung. Der erste Teil der Forderung an den Führer spricht, von seinen p e r s ö n 1 i c h e h Belangen draußen und daheim. Auch diese sind zu stellen unter den Gesichtswinkel der Bedürfnisse der Gesamtheit. Immer muß, der ein Ganzes führen will, dessen Erfordernisse vor Augen haben, sich zu jeder Zeit draußen nicht nur, wo er beobachtet wird, sondern auch drinnen im geheimsten Kämmerlein omaV vor ihnen, sich an der Spitze seiner Schutzbefohlenen fühlen. So wird er der Gerufene und der Berufene, und s e i n Verdienst wird allen zum unerschöpflichen Segensquell. Die Londoner Schönfeld'sche Schule als ideale Verkörperung des Geistes S. EL Hirsch's- Deutsche Kinder können unter besonderer Schulgeldermäßigung aufgenommen werden.

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