Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1934)
- Date
- 1934-07-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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5. Juli 1934 Der Israelit Nr. 27 Seite 3 Manifest an die agudistischen Arbeiter in Erez Jisroel. (Fortsetzung von Seite 1.) Selbsthingabe, Selbstaufopferung im Diensie die ses Ziels kann euch solchen Mut und solche Stärke für die Dauer spenden. IKr sollt keine Arbeiter sein, die daneben auch thoratreu sindl Ihr sollt euch von den anderen Parteien nicht nur dadurch unterscheiden, daß jene den Quell der Thora verschmähen und ihr euch daran labet, jene die Pflichten der Thora verletzen und ihr sie treu beachtet. Das war ja gerade der verhängnisvolle Fehler des Misrachi, daß er die Thora immer nur als ein Hinzukommendes erachtete, immer nur, mit einem Bindestrich versehen, an seine Fahnen heftete, immer nur in fremdem Lebensraum einzubürgern sich bemühte: seid ihr Zionisten, wir sind es auch, daneben aber thoratreu; seid ihr Sozialisten, wir sind es auch, daneben aber thoratreu; seid ihr Revisionisten, wir sind es auch, daneben aber thoratreu. Ihr aber, agudistische Arbeiter, ihr kennet den Mahnruf der Thora: Habet keine fremden Götter neben mir! Euch schließt sich die Thora nichts Fremdem an, auch duldet die Thora keinen Bindestrich, euch baut die Thora selber den Lebensraum! Möge der Misrachi als Partei der komplementären Thora an Histadruth und Revisionismus sich auseinanderspalten: als Agudisten, als Männer der souveränen Thora lehnt ihr den marxistischen Sozialismus der Histadruth und den chauvinistischen Nationalismus der Revisionisten in gleicher Weise ab und gründet die Partei des Sozialismus der souveränen Thora, die Partei des Nationalismus der souveränen Thora, die in Wirtschaft und Politik die Freiheit ihres Handelns nicht von vornherein preisgibt, sich nicht von vornherein durch eine „Vereinbarung" mit einer thorafeindlichen Organisation bindet, vielmehr ausschließlich aus Wort und Geist der souveränen Thora sich ein eigenes Sozialprogramm, ein eigenes Nationalprogramm entwickelt und das Gesetz ihres Handelns von Fall zu Fall nur aus diesem Programm der Thora herleitet. Agudistische Arbeiter! Wenn ihr nichts anderes wollet, als die Beschaffung von Bet- und Lerngelegenheit für thoratreue Arbeiter, als ihren Zusammenschluß zu gemeinsamer Pflege thoratreuer Welt- und Lebensauffassung, um sie vor den Gefahren zu feien, die ihnen von Histadruth und Revisionismus drohen: wenn ihr mit solch ausgesprochenen — Golahzielen euch begnügen zu können glaubt: so habt ihr, bei aller Löblichkeit derartigen Strebens, die Größe, die Schicksalsschwere der Stunde nicht begriffen, so seid ihr eine — Schaß-Chewra, aber wahrhaftig nicht die — Arbeiterorganisation der Thora; die Bahnbrecher der Thoraherrschaft im Wirtschaftsleben und im politischen Leben unseres Landes. Würdet ihr eure Tätigkeit mit einer — „Vereinbarung" mit der Histadruth beginnen, so würde euch freilich niemand im Lande — mit Ausnahme vielleicht des Poel Hamisrachi, und dieser nicht mit Unrecht! — weiter zu stören versuchen, aber ihr hättet eure Ruhe durch eure vollendete — Bedeutungslosigkeit erkauft, und die Thora hätte immer noch auf die „Helden Jisroels" zu warten, die ihre Sache im öffentlichen Leben des Thoralandes zu ihrer eigenen machen. Agudistische Arbeiter! Hat jemals in der Geschichte die Inangriffnahme der Verwirklichung einer Idee von weltbezwingender Größe mit einer kläglichen — „Vereinbarung" mit den geschworenen Gegnern dieser Idee begonnen? Wieget euch nicht in der törichten Hoffnung, eine solche „Vereinbarung" zu gelegener Zeit abzuschütteln, wenn ihr etwa stärker geworden seid, wenn euch; etwa reichlichere Mittel zur Verfügung stehen. Wer also zu euch spricht, kennt die Geschichte nicht, kennt zumal die Geschichte der Ideen nicht! Nie haben sich in der Geschichte Ideen verwirklichen lassen, wenn nicht am Anfang die todesmutige Bereitschaft ihrer bis zur Weißglut entflammten Bekenner sich bewähren konnte,' Glaubt ihr etwa, daß am Anfang der Histadruth, am Anfang des Revisionismus nicht solche todesmutige Bereitschaft am Werke war? Soll die wahre Idee der Thora diese Bereitschaft nicht entfachen können, wenn selbst die ^falsche Idee des Marxismus und des nationalen Chauvinismus sie in die Herzen ihrer Bekenner zu senden vermocht hat? Muß ich euch erst wirklich die Größe der Idee schildern, die eure Bewegung zu tragen bestimmt ist? Auf dem ganzen Edrenrund sonst vermag die Thora das Wirtschaftsleben nicht wirklich zu erfassen, denn das Recht der Völker beherrscht es. Das ist ja mit das Golus der Thora, daß sie 2000 Jahre die Bewährung im Wirtschaftsleben entbehren mußte. Und nun eröffnet sich, durch die Waltung der Vorsehung, im Lande der Thora eine seit 2000 Jahren nie dagewesene Möglichkeit —: und wir sollten sie nicht mit der höchsten Leidenschaftlichkeit unseres Wesens ergreifen? Sollten länger dulden, daß die auf dem Wege geistiger Assimilation von Europa entlehnten Ideen des Marxismus und des Nationalismus in unserem Lande die Stelle einnehmen, die nicht ihnen, die nur der Thora gebührt? Sollten länger dulden, daß das Volk der Thora, kaum ins Land der Thora gekommen, im Klassenkampf der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, im Bruderkampf der Internationalisten und Nationalisten sich zerfleischt, statt daß die Herrschaft der Thora seine Einheit gründet, der Friede der Thora die Gegensätze versöhnt, und der Sozialismus und der Nationalismus der Thora den Ruhm des jüdischen Namens über die Welt trägt? Auf, agudistische Arbeiter! Quer durch die Kampfesreihen der Histadruth und des Revisionismus traget die Fahne der Thora, und kämpfen jene — wahrlich ohne „Vereinbarung" — für die Götzen Europas, nun, so kämpfet ihr — erst recht ohne „Vereinbarung" — für Jisroels G'tt! Glaubet nicht den Scheinklugen, die euch vor „Ideologien" warnen, denen der Makel der „Weltfremdheit" anhafte. Noch nie war eine große Idee weltgemäß. Noch nie auch war die Welt — arbeitergemäß. Leichter, als der Bourgeois, vermählt sich daher der echte Arbeiter mit der Idee und läßt sich von ihr über ein Dasein hinausheben, dessen rauhe Härte ohnedies den täuschenden Schleier des Selbstzwecks nicht duldet. Die agudistische Arbeiterpartei in Erez Jisroel ist kein praktischer Zweckverband. Die höchsten Ziele des thoratreuen jüdischen Volkes sind ihr anvertraut, und nur durch restlose Hingabe an diese Ziele kann sie und wird sie siegen. Ich weiß, daß das thoratreue jüdische Volk Schwerstes von euch fordert. Achtet die nicht gering, die die Kraft und den Mut nicht aufbringen, als „Helden Jisroels" den Kampf mit der ungeheuren Mehrheit aufzunehmen, und zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts nicht darauf verzichten wollen, sich von der Histadruth Arbeit verschreiben zu lassen. Aber nur eben Mitglieder der agudistischen Arbeiterpartei werden sie nicht sein dürfen, damit sie die Herzen der Helden nicht schwach machen, die entschlossen sind, für die Herrschaft der Thora ihr Dasein aufs Spiel zu setzen. Treibet keinen Kultus der Zahl! Hundert wirklich entschlossene Männer sind mehr, als eine vierhundertköpfige Mischung von Starken und Schwächeren. Nicht die völlige Selbständigkeit verschiebet auf „später", sondern die — Zahl. Keinen überflüssigen Kampf sollt ihr führen. Sprechet es laut aus, daß ihr nicht kommet, um die Löhne zu drücken, der Ausbeutung Vorschub zu leisten, die Bruderpflicht des jüdischen Arbeitgebers zugunsten des arabischen Arbeiters in Vergessenheit zu bringen. Verkündet durch euer Programm den Sozialismus, den Nationalismus der Thora, und wenn von Fall zu Fall die Forderung der Thora mit der Forderung des Marx oder der Forderung des Chauvin übereinstimmt, nun, so fordert getrost im Namen G'ttes. was jene im Namen der — Fremden fordern. Agudistische Arbeiter! Wenn ihr für die Zukunft des thoratreuen jüdischen Volkes als Arbeiterpartei der herrschenden Thora Taten der höchsten Selbsthingabe vollführt, so bilden diese Taten einen flammenden Weckruf an das thoratreue jüdische Volk, euch, die vordersten Frontkämpfer der Thora, nicht schmählich im Stich zu lassen. Seid überzeugt: die Führer der agudistischen Weltorganisation werden Treue mit Treue lohnen, werden nicht ruhen und rasten, bis in die ganze Welt die Kunde eures heroischen Kampfes gedrungen ist und hinter jedem von euch die opferfreudige Kraft all derer steht, denen ein jüdisches Nationalheim in Erez Jisroel nicht vorstellbar ist, wenn es nicht zugleich das Heim ist der herrschenden Thora, Agudistische Arbeiter! „Seid emsig, Thora zu lernen, wisset, was ihr den Gesetzverächtern zu erwidern habt, wisset auch, vor wessen Angesicht ihr arbeitet und wer euer Arbeitgeber ist, der euch den Lohn eurer Leistung zahlen wird." Wochenrundschau- Erklärungen im englischen Parlamente, Im Londoner Unterhause vergeht seit der jüngsten Einwanderungsschedule für Palästina keine Sitzung mehr ohne kleine Palästina- und Judendebatten. Das Bild ist immer das gleiche, die Rollen liegen in festen Händen. Ein Abgeordneter, zumeist Wedgewood, nterpelliert und der Kolonienminister a;n twortcf. Auch ist der Text genau festgelegt, besonders für die ministerielle Antwort: 'Maßgebend' für die Einwanderung sei die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes und maßgebend für die Beurteilung der Aufnahmefähigkeit sei der High Commissioner. Dieser ist aber weitweg vom Londoner Unterhause und kann keine Auskunft geben über seine Motive'. Und der derzeitige Arbeitermangel in Palästina? Auch auf diese Frage hat der Herr Minister die stereotype Antwort: Man müsse auch an die Lage in der Zukunft denken. Man läßt die Menschen ohne Land und Arbeit nicht in das Land mit Arbeit ohne Menschen, ruiniert damit die Zukunft der Menschen wie die der Wirtschaft im Lande und beruft sich dabei — auf die Lage in der Zukunft. Eine etwas eindeutigere Sprache hörte man am 27. Juni im Londoner Oberhause. Die Anfrage eines Araberfreundes, Viscount T e m - p 1 e t o w n s , löste eine Aussprache aus, in der Lord S n e 11, Lord R e a d i ng und Lord M e 1c h e 11 ihre schweren Bedenken gegen die von London sanktionierte Einwanderungspolitik der Palästinaregierung äußern konnten. Wichtiger aber war die Erklärung des Unterstaatssekretärs für die Kolonien, Earl of Plymouth, Die Regierung Sr. Majestät, so sagte ungefähr der Unterstaatssekretär, beabsichtige, das ihr, übertragene Mandat sowohl dem Geiste wie dem Buchstaben nach zu erfüllen. Die Paßfield-Deklaration und der Brief des Ministerpräsidenten an Dr. Weizmann müßten zusammen berücksichtigt werden. Die Regierung beabsichtige nicht, von der in < diesen beiden Dokumenten festgelegten