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Der Israelit · 1934-07-05 · Heft 27 (5.7.1934) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 27 (5.7.1934)
Date
1934-07-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 27 Der Israelit 5. Juli 1934 Der Austritt des Misrachi aus dem Waad leumL Zur Begründung des in der vorigen Nummer gemeldeten sensationell wirkenden Austritts des „Misrachi" aus dem Waadleumi der Kneses Israel schreibt das Misrachi-Organ ,,Hator" folgendes: ,,Der entscheidende Schritt ist geschehen. Der Misrachi zieht seine Vertreter aus der Leitung des Waad leumi zurück. Der Schritt ist nicht leichtsinnig geschehen. Auch die schärfsten Gegner des Misrachi werden seine Ergebenheit an den Gedanken der Einheit des Jischuw und die Einheitlichkeit seiner Organisation nicht leugnen und wenn er nun nach 12jähriger gemeinsamer Arbeit das Band durchschneidet, das er selbst geknüpft hat, so geschieht es wirklich nicht im Gefühl der Befriedigung, sondern aus tiefstem Schmerze heraus. 12 Jahre hat der Misrachi mit den übrigen Bestandteilen des Jischuw an der Organisationsarbeit mitgewirkt. Diese Arbeit hat ihm entfernt und hat ihm entfremdet viele Kreise des gesetzestreuen Judentums, von dem er nach seiner Lebensführung und seiner Weltanschauung ein organischer Teil ist. Nur die Leidenschaft für diese Arbeit, der er mit ganzem Herzen und ganzer Seele treu war, ließ ihn sich trennen von Brüdern und Freunden, mit denen er zusammen groß geworden war. Er mußte so gegen sie kämpfen und alle diese Jahre hindurch mit ihnen in Streit leben. Grundlegende Meinungsverschiedenheiten bestanden nicht zwischen dem Misrachi und zwischen den übrigen Teilen des religiösen Judentums auch in dieser Hinsicht. Auch der Misrachi sah sehr wohl die Mängel und Schäden, die ihm von den Gegnern der gemeinsamen Arbeit entgegengehalten wurden. Er wußte wohl, daß durch seine Beteiligung an der nationalen Arbeit der „freien" Kreise er einen nicht gerade in Rosen eingehegten Weg beschreite und wenn er sich dennoch von den übrigen Teilen des Judentums trennte und sich auf eine Gemeinschaftsarbeit mit den freien Elementen einließ, so hat er dies in der Hoffnung und in dem Vertrauen getan, daß wenigstens in Bezug auf die Wertschätzung dieser Gemeinschaftsarbeit Uebereinstimmung herrsche unter all denen,, die sich daran beteiligen, daß auch die Kreise der Linken einsehen würden, daß die Bedeutung einer organisierten Gesamtheit so groß ist, daß die Linke auf einen Teil der Prinzipien und Grundsätze, die ihr allein zu eigen sind, die aber für Klall Jisroel nicht gelten, verzichten könnte. Nach einer Arbeit von 12 Jahren hat sich der Misrachi überzeugt von seinem Irrtum und seiner Enttäuschung. Es ist ihm klar geworden, daß die Linke immer nur bereit ist, aus der gemeinschaftlichen Arbeit für sich Nutzen zu ziehen, daß sie aber um dieser Arbeit willen nicht gewillt ist, auch nur den geringsten Verzicht zu leisten auf die revolutionären Ideen und die extrem-sozialistischen Prinzipien, welche die anderen Teilnehmer an der Arbeit nun einmal nicht anerkennen, sondern die sie bekämpfen. Praktisch gesprochen: die Organisation hat während der Dauer des Bestehens jeden gemeinsamen Inhalt verloren. Die Kolonisten, die Bewohner der Kolonien, dieser ökonomische Block, der innerhalb des Volkes und Landes eine deutlich erkennbare Stellung einnimmt und nicht in der Mehrheit aufgeht, hat sich von der Organisation zurückgezogen. Die Revisionisten, von denen niemand leugnen wird, daß sie große Massen hinter sich haben, sind ausgetreten und was übrig geblieben ist, das teilt sich nun in zwei Völker: in das herrschende sozialistische Volk und in das alte j ü - d i s c h e Volk, das gedemütigt und gefesselt dieser Herrschaft unterworfen ist. Diese Lage war während der ganzen Zeit schon erkennbar und fühlbar und unsere letzte Hoffnung haben wir an die jüngste Sitzung der Asefath haniwcharim geknüpft. Wir haben geglaubt, daß die Linke bei all ihrer Herrschsucht wenn sie vernimmt, daß die Juden sich auflehnen und die Opposition sich verstärkt, von selbst einsehen werde, daß sie einen Teil ihrer Herrschaft an andere abgeben müsse, so daß nicht die absolut entscheidende Kraft allein in ihrer Hand bleibt. Diese Hoffnung ist enttäuscht worden. Die Linke hat in ihrer großen Liebenswürdigkeit bewilligt, daß die Asefath haniwcharim um 30 Mann erweitert wird, aber auch von dieser Hinzufügung haben sie sich mehr als ein Drittel beschlagnahmt, so daß nur die Mitgliederzahl der Asefath haniwcharim sich vermehrt hat, aber die Herrschaft, wie bisher, in der Hand der Linken bleibt. Die Kolonisten und Koloniebewohner haben keinerlei Lust verspürt, in den geöffneten Rachen des Löwen hineinzuspringen, um sich verschlingen zu lassen und sie sind nicht geneigt, eine ihnen unwillkommene Herrschaft auf sich zu nehmen, solange sie die Wahl haben, außerhalb zu stehen. Dem orthodoxen Judentum etwa den Eintritt zu ermöglichen, daran haben sie gar nicht gedacht, einen Weg zu suchen. Gegenüber dem religiösen Judentum verhält sich die Linke in völliger Verachtung. In dieser Lage ist dem Misrachi keine Möglichkeit geblieben, im Waad leumi zu verbleiben. Nur um die Herrschaft der Linken zu verstärken, ist es nicht der Mühe wert und nicht angemessen, sich von der ganzen jüdischen Gemeinschaft im allgemeinenundvomreligiösen Judentum im besonderen zu trennen. Deshalb hat der Misrachi mitgeteilt, daß er seine Bevollmächtigten aus dem Waad leumi zurückzieht und er bekennt offen, daß keine Hoffnung auf das Bestehen einer organisierten Gesamtheit in Erez Jisroel vorhanden ist, wenn die Linke statt sich selber zu beherrschen, über alle Teile des Judentums die Herrschaft ausüben will." Wir finden diese Erklärung des Misrachi um deswillen prinzipiell außerordentlich bedeutungsvoll, weil hier zum ersten Male von offiziell misrachistischer Seite der von uns so oft betonte Gedanke zum Ausdruck kommt, daß nicht die so gern als „Trennungsorthodoxie" beschimpfte unabhängige Orthodoxie sich von irgend einer Gesamtheit „getrennt" hat, sondern daß umgekehrt der Misrachi es war, der bisher die Trennung von der alten jüdischen Gemeinschaft, von dem durch die Thora allein konstituierten jüdischen Volke vollziehen zu müssen geglaubt hatte. Wer gäbe, daß der Misrachi nun die Konsequenz seiner besseren Erkenntnis auch in Bezug auf die zionistische Organisation, nicht nur den Waad leumi zöge und daß dann in geduldiger Arbeit das große Werk der Wiederherstellung der Einheit des religiösen Judentums eine gute Strecke weitergefördert werden könnte. Neuregelung des Privatschulwesens in Polen um ein Jahr verschoben. Eine Gefahr für das jüdische Schulwerk abgewendet. Nach Besprechungen der jüdischen Abgeordneten mit Vertretern der Regierung betreffend das jüdische Schulwesen, insbesondere die religiösen Schulen, empfing der Unterrichtsminister die Abgeordneten Rabbi Lewin, Minzberg und Wislicki und teilte ihnen mit, daß die Neuregelung des Privatschulwesens, die eine Ueberprüfung der Privatschul-Lizenzen und den Widerruf einer großen Zahl der bestehenden Konzessionen vorsieht und allgemein als eine schwere Gefährdung des jüdischen Schulwesens beurteilt wurde, um ein Jahr bis zum Juni 1935, hinausgeschoben werden' soll. Der Minister versprach, dem jüdischen Erziehungswesen in der Zwischenzeit wohlwollende Aufmerksamkeit zu schenken., Neue Devisenbestimmungen für Auswanderer. Berlin, 2. Juli. Das Palästina-Amt der Jewish Agency for' Palestine teilt mit: Durch einen soeben veröffentlichten Runderlaß der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung vom 23. Juni 1934 — Nr. 59/34 — wird bestimmt, daß Auswanderer statt des bisherigen Höchstbetrages von RM. 10.000 nur noch in bar bis zu 2000 RM. zur Freigabe genehmigt erhalten können. Es werden daher künftig grundsätzlich nicht mehr als bis RM. 2000 in bar bewilligt werden. Für die Auswanderung nach Palästina bleibt es aber mit Rücksicht auf die getroffenen besonderen Abkommen bei den bisherigen Grundsätzen, wonach das Vorzeigegeld von Lst. 1000 grundsätzlich in bar zur Verfügung gestellt wird. Es kann aber bei der Zuteilung der für das Vorzeigegeld benötigten Mittel eine gewisse Verzögerung dadurch eintreten, daß die Devisenanforderungen zentral bei der Reichsbank erfolgen. Um jedoch den Palästina-Wanderern zu ermöglichen, den Zeitpunkt ihrer Auswanderung rechtzeitig zu bestimmen, hat sich die Reichsbank bereit erklärt, Anmeldungen auf Zuteilung des Vorzeigegeldes von Lst. 1000 schon auf Grund der verbindlichen Zusage der Devisenstelle mit der Wirkung entgegenzunehmen, daß die Zuteilung dann nach Vorlegung der endgültigen Genehmigung in der Reihenfolge der Anmeldungen erfolgt. Voraussetzung für die Anmeldung bei der Reichshaupt-Bank Berlin ist die Vorlage a) des vorläufigen Devisenbescheides {verbindliche Zusage); b) der Einwanderungserlaubnis der palästinensischen Regierung (Zertifikat der Kategorie A 1 der britischen Paß-Stelle Berlin). c) der Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes. Nach Vorlage dieser Unterlagen wird die Reichsbank dann den Anmeldenden mitteilen, in welcher Frist mit der Zuteilung zu rechnen ist. Um eine mißbräuchliche Inanspruchnahme der Reichsbank von Auswanderern zu .verhindern, die eine Einwanderung nach Palästina lediglich vorschützen, in Wirklichkeit aber nach anderen Ländern auswandern wollen, wird die Zuteilung des Vorzeigegeldes in Zukunft — abgesehen von einem begrenzten Barbetrag — in der Weise erfolgen, daß die Palästina-Auswanderer über das Vorzeigegeld nur persönlich nach ihrer Ankunft in Palästina und bei Nachweis der dauernden Festlegung des Auswandererkapitals in Palästina, verfügen können. Ferner wird mit Rücksicht hierauf die" Zuteilung in Zukunft nicht — wie bisher — durch einen Scheck, sondern durch einen Kreditbrief vorgenommen werden. Im übrigen macht die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung erneut darauf aufmerksam, daß die Palästina-Auswanderer bei der Erteilung der Genehmigung darauf hinzuweisen sind, daß die fälschliche Angabe des Ziellandes strafbar ist. Gegen planlose Sammeltätigkeit. In der ersten Sitzung der vom Schweizerischen israelitischen Gemeindebund eingesetzten Kommission für Aufbau wurde der grundsätzliche Beschluß gefaßt, daß der Gemeindebund analog früheren Beschlüssen allein berufen sei, Sammlungen durchzuführen und daß es abgelehnt werden müsse, irgendwelche ausländische Vereine, Schulen, Gemeinden oder gemeinnützige Institutionen auf c 'gene Initiative Sammlungen in der Schweiz durchführen zu lassen. Die Situation verlange eine klare und eindeutige Stellungnahme. Gerade die ungeheure Notlage so vieler Institutionen zwinge dazu, mit den verfügbaren Mitteln das Maximum zu leisten und nicht eine Chaotische Propagandatätigkeit aufkommen zu lassen.

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