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Der Israelit · 1934-07-05 · Heft 27 (5.7.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 27 (5.7.1934)
Date
1934-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Frankfurt a. M. 5. Juli 1934 22. Tammus 5694 Nummer 27 Der Faschismus in Enqland. WLß In einer Versammlung des englischen Ordens .„National Brotherhood" äußerte deren Präsident ernstliche Befürchtungen für die englische Verfassung und den Staat für den Fall, daß man nicht .gegen die Faschisten vorginge, die den Haß gegen die Juden predigten und nach einer militärischen Diktatur drängten. Wenn man nicht beizeiten dagegen einschreite, werde es mit der persönlichen Freiheit im nächsten Jahrzehnt zu Ende sein. Besonders die Jugend scheine für die neue Bewegung sehr empfänglich zu sein. Das offizielle Organ der englischen Faschisten hat über die Stellung der Partei zur Judenfrage vor kurzem folgende Erklärung gebracht: ,,Es wird keine Rassen- oder Religionsverfolgung unter dem Faschismus im Britischen Reiche geben, aber man erwartet von den Juden, daß sie das Interesse des Imperiums vor das des Judentums stel- 1 e n. Dieser Grundsatz gilt für alle Teile der Bevölkerung und steht obenan unter den Grundsätzen des Faschismus im Britischen Reich. Unsere Gründe, die Juden von der Mitgliedschaft der Britischen Union der Faschisten auszuschließen, sind: 1. Die Juden und die jüdische Presse dieses Landes haben den Faschismus bitterlich bekämpft. 2. Die Mehrheit der Juden hat bewiesen, daß sie international gesinnt ist und die Interessen ihrer eigenen Rasse vor das Wohl des Landes stellt, in dem sie wohnt. Die Britische Union der Faschisten arbeitet auf eine nationale Renaissance hin und darf in ihren Reihen keine Mitglieder dulden, die nicht .auf „Britannien voran!" schwören." Gegen die Unterstellung, daß die ,,Mehrheit der Juden die Interessen ihrer eigenen Rasse vor das Wohl des Landes" stelle, in dem sie wohnen, wird von der ganzen englischen Judenheit m i t gerechter Empörung zurückgewiesen und die ungeheure Mehrheit der führenden nichtjüdischen Kreise Englands lehnen sie aus ihrer Kenntnis der englisch-jüdischen Geschichte heraus auch aufs entschiedenste ab. Männern gegenüber, wie beispielsweise Lord Reading, Herbert Samuel und vielen anderen klingt sie völlig absurd. Bisher kann man übrigens nicht behaupten, daß die Bestrebungen Sir Oswald Mosleys ein besonders starkes Echo in der englischen -Masse fänden. Aus dem Inhalt: Austritt des Misrachi aus dem Waad leumi Seite 2 Das Privatschulwesen in Polen . Seite 2 Neue Devisenbestimmungen . . . . Seite 2 Die Londoner Schönfeld'sche Schule Seite 4 Pester Kultusgemeinde gegen Reform Seite 7 Die Rabbinatsfrage in Warschau . Seite 7 Recht in Sowjetrußland..... . Seite 7 Eine persische Marranenstadt in unseren Tagen...... . Seite 9 Hachscharahstätten der Aguda . . Seite 10 Durch die Luft nach Palästina . . Seite 10 Beilage: Erziehung und Lehre. Eine Anweisung über die Aenderung von Namen. Der preußische Innenminister hat Anweisungen über die Aenderungen von Familiennamen und Vornamen herausgegeben. Unter anderem wird bestimmt, daß Personen arischer Abstammung, die Namen tragen, die nach allgemeiner Auffassung jüdisch klingen, diese Namen ändern können. Dahin sollen aber nicht Namen gerechnet werden, die auch von Juden, häufiger aber von Christen gebraucht werden, wie z, B. Meyer. Anträgen von Nichtariern, ihre Namen zu ändern, soll grundsätzlich nicht stattgegeben werden, damit nicht die nichtarische Abstammung verschleiert werde. Nur anstößige jüdische Namen könnten in andere jüdische Namen umgeändert werden. Manifest an die agudistischen Arbeiter in Erez Jisroel. Von Dr. Isaac Breuer in Frankfurt a. M. Die Kunde ist an mein Ohr gelangt, daß ihr euch an den agudistischen Zentralrat und an die rabbinischen Führer wandtet, ob der Abschluß einer „Vereinbarung" mit der sozialistischen Arbeiterorganisation in unserem Lande, der „Histadruth", zulässig sei, und daß ihr eine verneinende Antwort erhalten habt. Agudistische Arbeiter! Eure Frage erfreut mich und betrübt mich in einem. Sie erfreut mich als weithin sichtbares Zeichen, daß ihr entschlossen seid, euch in all euren schweren Sorgen und Nöten der Disziplin der Weltorganisation einzuordnen und namentlich dem Wort unserer rabbinischen Führer nicht nur etwa in den Fragen des religiösen Alltagslebens, sondern auch auf dem Gebiete der allgemeinen Politik und Wirtschaft entscheidende Bedeutung einzuräumen. Sie betrübt mich, weil ich aus ihr ersehen zu müssen glaube, daß in euren eigenen Reihen noch keine hinreichende Klarheit über die ganze Größe und Schwere der Aufgabe besteht, die euch als Bahnbrechern der Thora im Wirtschaftsleben unseres Landes zugefallen ist. Agudistische Arbeiter! Ihr wisset, daß der „alte Jischuv/",umbrandet von den Wogen des neuen Wirtschaftslebens, einen verzweifelten Abwehrkampf um die Erhaltung seines, der ursprünglichen Idee nach, ganz der Thora und ihren Mizwoth geweihten Daseins kämpft, glücklich, wenn es ihm gelingt, seine Jugend vor den tausendfältigen Einflüssen der Straße und der immer drängender pochenden Zukunftssorgen in die Lernstube zu retten. Löwenmut und Löwenstärke braucht heute diese Jugend, um in der Lernstube zu verharren, und oft genug muß die Stimme der Thora den feindlichen Lärm der Straße und die Stimme des Hungers in der eige- . nen Brust übertönen. Agudistische Arbeiter! Ihr braucht doppelten Löwenmut und doppelte Löwenstärke, wenn ihr daran gehen wollet, die Stimme der Thora auf die Straße selber zu tragen und die Fahne der Thora mitten in einem Wirtschaftsleben zu entfalten, das unter der Geißel der Histadruth seufzt und worin sich Histadruth und Revisionistenpartei um Dinge brudermörderisch zerfleischen, die fernab von den Wegen der Thora liegen. Nur restlos klare Erkenntnis des in der Ferne winkenden Zieles der agudistischen Arbeiterpartei in Erez Jisroel, nur flammende Begeisterung für dieses Ziel, nur entschlossene (Fortsetzung auf Seite 3.)

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