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Der Israelit · 1934-06-28 · Heft 26 (28.6.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 26 (28.6.1934)
Date
1934-06-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 26 Der Israelit 28. Juni 1934 Wo bleibt da die jüdische Solidarität, das Arewus, das doch einzig und allein heute noch das Schlimmste, abzuwenden vermag, und den Feinden, die in allen Kammern lauern, zu. trotzen imstande ist? Hier eröffnet sich dem bayerischen Verband, dem Verantwortlichen-in den Gemeinden ein Betätigungsfeld, das unentwegt beackert werden muß, soll in zwölfter! Stunde das schlimmste Unheil, das die bayerische Judenheit treffen kann, noch abzuwenden sein. — Und in erster Linie wenden wir uns an unsere leistungsfähigen Glaubensgenossen in Stadt und Land! Haltet Herz und Auge offen! Verschließt euere Hand nicht! Seid eingedenk der eisernen Notwendigkeit, hier zu helfen! Seid. eingedenk euerer ungeheuren Verantwortlichkeit! Ihr braucht nicht mehr zu leisten als bisher! Nur das, was ihr vorher aus Zwang durch das Gesetz geleistet, sollt Ihr jetzt freiwillig geben! Euer Geben hat heute einen anderen Sinn wie zuvor. Es bedeutet einen edlen Trotz gegen die Umwelt, den Ausdruck höchsten •Selbsterhaltungswillens gegen die vernichtende Tendenz der Umwelt. ■ G.; Tel Awiw selbst ist ein Mikrokosmos eines jüdischen Nationalheims, In kleinerem Umfang; stellen die jüdischen Vorstädte von Haifa, Tiberias und Jerusalem, die Konzentrierung (jüdischen Bemühens und Interesses ebenso dar wie in den ländlichen Gebieten die dichte Anhäufung jüdi-" scher Landwirtschafts-Betriebe und Pflanzungen in der Küstenebene und in den Tälern Jesreel und -Esdraelon den Kern einer homogenen jüdischen Siedlung darstellt. Besonders bezeichnend ist das Verschwinden der unter den Einwanderern bestehenden Verschiedenheiten zu Gunsten des allmählichen Aufkommens eines einheitlichen palästinensischen Typs bei der heranwachsenden Generation. Schließlich erwähnt der Bericht noch die auf Wunsch der Jewsih Agency zugesagte wohlwollende . Behandlung der Einwanderungs-Gesucher von geschulten Handwerkern, den in gewissen Fällen möglichen Ersatz der Touristen-Kaution durch Garantie eines Mitglieds der Agency-Exekutive, die Zulassung weiterer Banken für die Bestätigung des Eigenkapitals der Einwanderer der Kapitalisten-Kategorie; ferner die auf Wunsch; des Waad Leumi vorgenommenen Abänderungen der Gesetze , über das Statut der jüdischen Gemeinden und die Organisation religiöser Gemeinschaften zwecks Ermöglichung der Amtsverlängerung von Gemeindevertretungen, der Zuerkennung des Charakters einer juristischen Person an. die Exekutive des Waad :Leumi und der Aufnahme einer Anleihe durch den Waad Leumi. Auch auf die angebahnte Annäherung zwischen Knesseth Israel und Agudath Israel, sowie auf das von der Agency der Aguda bewiesene Entgegenkommen in der Frage der Zertifikate-Verteilung; wird hingewiesen und die Möglichkeit einer Verständigung in der Frage der Rabbinischen Gerichte, guten Willen von beiden Seiten vorausgesetzt, betont. . Korrespondenzen. Deutsches Reich, Armenrecht und nichtarische Anwälte. Frankfurt a. M. 18. Juni. Das Oberlandesgericht Frankfurt am. Main hat, wie die „Juristische Wochenschrift" berichtet, in einem Beschluß vom 24. Mai 1934 (3 "w" 107/34) entschieden, daß eine Partei im Armenrecht, die an sich Anspruch auf Beiordnung eines Armenanwalts habe, doch kein Recht darauf besitze, daß ihr ein bestimmter Anwalt beigeordnet werde, und auch nicht darauf, daß sie nur einen nichtarischen Anwalt erhalte. In der Begründung, welche dieser Entscheidung gegeben wird, bringt das'Gericht zum Ausdruck: Ans dem Gesetz zur- Wiederherstellung des ''Berufsbeamtentums' ergebe sichunzweideutig, daß der Gesetzgeber Personen'nichtarischer Abstammung zur Rechtsanwaltschaft n i c h t zulassen wolle. Zur Vermeidung; von Härten seien besonders in der Uebergangszeit Ausnahmen zugelassen worden, und in einer Durchführungsverordnung habe der Reichsjustizminister bestimmt, daß jeder im Beruf verbliebene Rechtsanwalt nicht nur im vollen Genuß seiner Berufsrechte bleibe* sondern auch Anspruch auf 'die Achtung habe, die ihm als Angehörigen seiner Standesgemeinschaft zukomme.' Es dürfe ferner auch kein Rechtsanwalt in der gesetzmäßigen Ausübung seines Berufes gehindert oder beeinträchtigt werden. Es wäre aber, so wird in der Entscheidung weiter erklärt, eine gekünstelte und ausdehnende Auslegung, wenn man die Verordnung des Reichsjustizministers dahin verstehen wollte, 'daß sie den nichtarischen Anwälten ein — nötigenfalls im Wege der Beschwerde — er'zwingbares Recht öder einen Anspruch auf Bestellung zum Armenanwalt habe beilegen wollen. Auch die arme Pär- Aus dem Berichte der Palästinaregierung an den Völkerhund. (Schluß.} In dem Bericht wird sodann , die gesunde Grundlage der bestehenden Industrie-Unternehmungen und die Ausweitung ihres Marktes betont. Manche Betriebe müssen ununterbrochen mit wechselnden 'Belegschichten arbeiten. So die Silikat- und Textilfabriken, die moderne Oelfabrik in Haifa und die Zementwerke. Erfahrene jüdische Industrielle aus Deutschland haben eine Reihe neuer Fabriken ins Leben gerufen, R a - m a t h G a n bei Tel Awiw entwickelt sich allmählich zu einer Fabrikstadt. Unter den neu aufgenommenen Erzeugungen werden Seidenweberei, Aluminiumwaren-Herstellung, Messer- und Silberschmiedearbeit, Herstellung von Draht, Nägeln, Rasierklingen, elektrotechnischen Bedarfsartikel, Metallwaren und Schokolade erwähnt. Auf Vorschlag der Ständigen Kommission für Handel und Industrie hat die Regierung die industrielle Entwicklung durch Schutzzölle und Zollbefreiung für gewisse Einfuhrartikel gefördert. Nach Beratung der Regierung mit den Vertretern des Citrus-Handels wurde im November eine Exportsteuer für Citrus-Früchte eingeführt, deren Erträgnis für die Finanzierung der Export- Propaganda bestimmt ist. Dadurch soll die Konkurrenz der palästinensischen Citrus-Produktion mit derjenigen anderer Länder gefördert und ein vorteilhafter Absatz der palästinensischen Ware auf ausländischen Märkten gesichert werden* Die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims wird in dem Bericht folgendermaßen geschildert: 1920 betrug die jüdische Bevölkerung Palästinas 66.574 Seelen, von denen 51.000 in den Städten und 15.000 auf den Farmen und in den Siedlungen wohnten. Ende 1933 war die städtische Bevölkerung auf 175.000, die Landbevölkerung auf 65.000 in 126 landwirtschaftlichen Siedlungspunkten gestiegen. 1920 hatten 137 jüdische Schulen, unter ihnen drei Mittelschulen und drei Lehrerbildungsanstalten, insgesamt 12.830 Schüler. Heute werden 38.337 jüdische Schüler in 141 Elementarschulen, 10 Gewerbe- und Ackerbau-Schulen, 13 Mittelschulen und 4 Lehrerbildungsanstalten unterrichtet. Der Umfang des jüdischen Landbesitzes ist .von 450.000 Dunam i. J. 1920 auf 1.110.000 Dunam i. J. 1933 gestiegen; Der Jüdische Nationalfonds hat im Jahre 5693 (Okt. 1932 bis Sept. 1933) 32.351 Dunam, von denen 18.519 vorher der American Zion Commonwealth gehörten, erworben. 93.000 Pfund wurden 1933 von der Jewish, Agency für landwirtschaftliche Siedlungen ausgegeben. Auf diesem neuen Land wurden 83 landwirtschaftliche Siedlungen gegründet, das Orangenpflanzungsgebiet wurde auf 125.000 Dunam ausgedehnt. Die Ernte aus den jüdischen Orangenplantagen macht etwas mehr als die Hälfte der gesamten Orangenernte aus. Verpackung Verladung werden weitgehend auf genossenschaftlichem Wege durchgeführt. Ein ausgedehntes Netz jüdischer Krankenhäuser, Kliniken und Ambulatorien, unter denen die von der Krankenkasse des Allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes erhaltenen Einrichtungen be-§. sonders zu erwähnen sind, dient den Aufgaben des Gesundheitswesens. Auch auf vielen anderen Kundgebung. Der 17. Tammus, der Tag'der ersten schweren Versündigung Israels, des Götzendienstes am goldenen Kalb, und des großen Zusammenbruchs unseres staatlichen Lebens, der Eroberung Jeruscholajims, ist uns als Fasttag eingesetzt word. n. Niemals darf aber Fasten nur äußerlich Enthaltung von Speise sein; es muß uns darüber hinaus näher zum G'ttesdienst bringen. In schwerer Zeit sollte der diesjährige 17. Tammus in allen Synagogen in diesem Sinn begangen werden. Mussar-Ansprachen und Selbstbesinnung müssen darauf hinwirken, Jeden, der an G'tt als den Lenker unseres Geschickes glaubt, auch dazu zu bringen, mehr als bisher G'tt im Gebet anzuflehen. Regelmäßige pünktliche Teilnahme am Gemeinschaftsgebet in der Synagoge — das ist unsere Forderung. Der Tag an dem: der tägliche G'ttesdienst der Gemeinschaft im Bejß Hamikdosch, das Darbringen des Tomid, eingestellt wurde, soll unser Tomid, unsere Tefillas Zibbur wieder zur Geltung bringen.; Das Gebet der Gemeinschaft — die bewährte Waffe unserer Väter — kann und wird Jisroel ■Hilfe bringen. Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands i. A. Rabbiner Josef Horovitz-Frankfurt a. M. Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg Rabbiner Dr. Merzback-Darmstadt Gebieten übt der 40.000 Mitglieder umfassende Arbeiterverband seinen Einfluß aus. Er hat seine, eigenen kulturellen Einrichtungen, eigene Dorfj-' und Abendschulen, eigene Lehrwerkstätten, eigene Arbeitsbüros, eine eigene Zeitung. Die Ausbreitung der hebräischen Sprache in Palästina geht aus den Angaben über Muttersprache in der Volkszählung von 1931 hervor; Von einer jüdischen Gesamtbevölkerung von 175.000 haben nicht weniger als 165.500 Hebräisch als Umgangssprache angegeben. Drei Tageszeitungen und 35 Zeitschriften, darunter eine Anzahl von Gewerbe-, Kunst- und sonstigen Fachzeitschriften, erscheinen in Palästina in hebräischer Sprache, Gut eingerichtete Verlagsanstalten in Tel Awiw und Jerusalem bringen moderne Literatur in hebräischer Uebertragung, hebräische! Originalwerke und Lehrbücher in größer Zahl; heraus. ........... ...... ., , .

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