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Der Israelit · 1934-06-28 · Heft 26 (28.6.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 26 (28.6.1934)
Date
1934-06-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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28. Juni 1934 Der Israelit Nr. '26 Seite 7 tei habe kein. Recht auf einen bestimmten oder auf einen . nichtarischen Anwalt. Ein solches Recht sei ihr auch :nicht durch jene Verfügung vom 22. Februar 1934 verliehen' worden, in welcher der" preußische Justizminister den Gerichten empfohlen habe, möglichst d e n Anwalt beizuoiylnen, den die arme Partei w.ünsche. Diese Entscheidung des Oberlandesgerichts legt also jene oben . erwähnte Durchführungsverordnung des .Reichsjustizministers n i c h t im Sinne einer v ö 1- 1 i g e n Gleichstellung der auch weiterhin zugelassenen nichtarischen Anwälte mit arischen Standeskollegen aus, denn bei den arischen Anwälten soll in der Regel ja nach den Wünschen der armen Partei verfahren werden. Für die nichtarischen Anwälte gilt jedoch die gleiche Regel nicht. Eine Gleichstellung in dieser Hinsicht hat auch das sächsische Justizministerium neuerdings in einer Verordnung vopi 27. April 1934 abgelehnt, in welcher den Gerichten empfohlen wird, bei der Beiordnung eines Armenanwalts auf das Vertrauensverhältnis zur Partei Bedacht zu nehmen. Dem wird aber hinzugefügt, daß bei r a s s i s che r Verschiedenheit zwischen Anwalt und Partei die Grundlage für ein solches Vertrauensverhältnis zu verneinen sei. Freilich bringt das sächsische Justizministerium mit diesem Grundsatze deutlicher, als es in der Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt geschehen zu sein scheint, zum Ausdruck, daß bei. Rassengleichheit, also wenn sowohl Partei wie Anwalt Nichtarier sind, kein Anlaß bestehen dürfte,-grundsätzlich die Beiordnung des von der Partei gewünschten nichtarischen Anwalts abzulehnen. Aguda-Zertifikate. •'• 'V'. ••' Frankfurt a. M., 26. Juni. Für die Schedule April bis Oktober' 1934 sind laut Abkommen mit der Agency der Aguda folgende Arbeiter-Zertifikate zur Verfügung gestellt: Für Deutschland 74 Polen 106 Rumänien 26 Lettland 15 Litauen 14 Slovakei 12 für die übrigen Landesorganisationen zusammen: 29. Die erste Gruppe der agudistischen Arbeiter aus Polen und aus Deutschland haben bereits im Laufe des Monats Juni die Reise angetreten. Eine weitere Gruppe wird am 18. Juli sich in Triest einschiffen. Außer diesen Arbeiter-Zertifikaten hat die Jerusalemer Aguda vom Emigrationsamt für 14 Rabbiner die Bewilligung zum Daueraufenthalt in Erez Jisrael erhalten, darunter 4 aus Deutschland. danken, wirft unbeschwert Fragen auf - und drängt auf endgültige Antworten, doch wird sie schweigsam, wenn sie zu lernen beginnt und zu den Quellen des Wissens vordringt. Aufgabe eines Rabbiners ist es, Absolventen-Entlassung am Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin, 19. Juni. Am 17. d. Mts., 4. Tammus, dem Jahrzeitstage des Begründers des Rabbiner-Seminars zu Berlin, Dr. Esriel Hildesheimers ^"XT fand in der Seminar- Synagoge die feierliche Ueberreichung, des Rabbinerdiploms an die Herren Dr; Berkovits, Dr. Kahan, Königshoefer und Dr., Schück statt. Dozent Dr. A,u e rb a c.h sprach vor . der Verteilung der. Diplome, über die Aufgaben des Rabbiner.s und seine Stellung in der. Gemeinde. Heute ha.t der Rabbiner viele Aufgaben zu erfüllen, die in der Thora dem Priester zugewiesen sind,,, Er hat das religiöse .Leben entscheidend zu bestimmen und muß in seinem Wirken Vorbild sein für die Gemeinschaft. Der Rabbiner soll die Gemeinde führen und die Gemeinde soll der Resonanzboden des Rabbiners sein. Hierzu ist erforderlich, daß der geistige Führer in seinem Wirken unabhängig ist von der Verwaltung der Gemeinde, dafür aber um so abhängiger von dem Religionsgesetz und dem Gewissen. Höchstes Ziel eines Rabbiners; ist es, neben der großen und schweren Aufgabe der Betreuung einer Gemeinde noch Kraft und Muße zu finden, durch stetes Forschen sein Wissen zu vervollkommnen. „Lernen und Lehren" heißt die Aufgabe des Rabbiners. In. bewegten Worten dankte hierauf Dr. Berkovits im Namen der Absolventen den Dozenten. Er wies nach, daß das Leben eine ständige Weiterbildung bedeutet. Die Jugend, voller revolutionärer Ge- Die Woche. Berlin, Der „Völkische Beobachter" meldet: „Das Geheime Staatspolizeiamt hat auf Grund der Gesetzesbestimmungen über Einziehung kommunistischen bezw. staats- und volksfeindlichen Vermögens das Vermögen einschließlich des Schrift- und Büromaterials des Bundes der jüdischen Arbeitnehmer mit seinen Unter- und Nebenorganisationen zugunsten des Preußischen Staates eingezogen. — Der Stadträt in Vlotho, Westfalen-, beschloß, die nach einem jüdischen Philantropen benannte „Mendel Grundmannstraße" in Deutschestraße umzubenennen. Nürnberg. Die „Fränkische Tageszeitung" ist der Meinung, daß es auf die Vermittlung* des Papstes zurückzuführen sei, wenn eine. Anzahl antijüdischer Bestimmungen in der Verfassung Oesterreichs unterdrückt wurden, und gibt ihrem Erstaunen Ausdruck, daß der Heilige Vater für die Juden eintrete und sie eine „religiöse Minderheit" nenne. Der Rest des Artikels ist eine Beschimpfung der Juden als „Bastardenrasse mit eigenen Blutsgesetzen", deren Religion nicht mehr mit dem zu tun 'hätte, was die Christen darunter verständen. Wien. Am 19. Juni abends explodierte im Warenhaus der Brüder Schiffmann in der Leopoldsstadt ein Böller, der sämtliche Schaufenster zertrümmerte. Ein Sprengstoffanschlag wurde auch gegen die hebräische Buchhandlung B e 1 f in der Seitenstettengasse verübt. Menschen sind, dabei glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Genf. Das Departement für öffentlichen Unterreiht im Kanton Waadt hat Dr, Chanan Lehrmann beauftragt, während des nächsten Wintersemesters einen öffentlichen Kursus an der Laüsanner Universität über „Die Judenfrage in der französischen Literatur" zu halten. Paris. Der bekannte französische Anwalt und Abgeordnete Henri Torr es tritt in einer Erklärung für die Revision des Urteils gegen Stavsky ein. Das Berufungsverfahren müsse unter Bedingungen stattfinden, die strengste Fairness garantieren. Er habe volles Vertrauen zu denjenigen, die Stavsky für unschuldig erklären. Warschau. Die Warschauer Advck.atenkammer sprach sich scharf gegen die Hetze der nationalradikalen Rechtsanwälte aus. Nowodworski, der eine schwarze Liste für Personen, die sich jüdischer Rechtsanwälte bedienen, vorgeschlagen hatte, ist zurückgetreten. Prag. Der Obermagistratsrat Dr. August Stein, langjähriger Präsident der Prager Jüdischen Kultus-' gemeinde, vollendete in diesen Tagen sein 8 0. Lebensjahr. Riga. Nachdem etwa einen Monat lang in Lettland keine jüdische Zeitüng erschienen ist, wird jetzt wieder eine Tageszeitung in jiddischer Sprache herausgegeben. Das Blatt führt die Bezeichnung ,, H a j ri t " und Agudas Jisr.oel. — ländischer Städte, u. Kreuzburg und Glasmanka die Zwangs-Sonntagsruhe ist ein Organ der In einer Reihe lett- Dünaburg, wurde eingeführt. Die säbbathaltenden jüdischen Kaufleute sind somit genötigt, an zwei Tagen in der Woche zu feiern. London. Die zweite Lesung des P a 1 ä s t i na - Anleihe-Gesetzes ging im Oberhause ohne Debatte vor sich. Die einzelnen Verwendungszwecke der Anleihe sind, wie schon bekannt, Ansiedlung, Wasseranlagen' und einige soziale Aktionen im Sinne der arabischen Forderungen, die Verstimmung bei den Juden hervorrufen. — Der jüdische Weltmeister im Fliegengewicht, Jacki Brown, erhielt den Weltmeistertitel in seinem Sportfache zugesprochen. Die Zeitungen stellen fest, daß damit von den acht Boxweltmeisterschaften fünf in jüdischen Händen liegen und widerlegen daran die M,äf von der angeblichen körperlichen Unterwertigkeit der Juden. Jerusalem. Der Kanzler -an der Hebräischen Universität, Dr. J. L. Mag1 n e s, teilt mit, daß von einer ungenannt sein wollenden Persönlichkeit in Amerika 40.000 Pfund für Krebsforschung an der Jerusalemer Universität gezeichnet wurden. den Kontakt zu dieser Jugend zu finden und ihr helfend beiseite zu stehen auf ihrer Suche nach Erkenntnis. Mit einem „El Mole Rachamim" auf R. Esriel Hildesheimer V"3ft schloß die Feier. Jüdische Jugend im Dienste der Beitragskarte ' für Hilfe und Aufbau. Berlin, 26. Juni. Der Reichsausschuß der jüdischen'Jugendverbände teilt mit: Der Führerrat des Reichsausschusses hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, sich an die Leitungen aller ihm angeschlossenen Bünde und Verbände mit der Aufforderung zu wenden, die Beitragskartenaktion des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau zu unterstützen. Bestimmend für diesen Beschluß war die Tatsache, daß mit der neugeschaffenen Beitragskarte der Versuch gemacht werden soll, das Hilfs- und Aufbauwerk des deutschen Judentums auf eine breite und volkstümliche Grundlage zu stellen. Die niedrigen Beitragssätze, die schon von einem Monatsbeitrag von 25 Pfennig aufwärts möglich machen, sich am Aufbauwerk zu beteiligen, geben auch der Jugend die Möglichkeit der Teilnahme, Das Hilfs- und Aufbauwerk des deutschen Judentums dient mit in erster Linie der heranwachsenden Generation. Es muß eine Ehrenpflicht für jeden jüdischen Jugendlichen sein, durch tatkräftige Hilfe dafür zu sorgen, daß dieses der Jugend dienende Werk erhalten werden kann. Wir fordern daher alle Verbände, Bünde und Gruppen, sowie alle jüdischen Jugendlichen auf, sich an der Werbearbeit für die Beitragskarten mit vollem Einsatz zu beteiligen! Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Berlin, 25. Juni. Der große Rat des Landesverbandes trat gestern nach längerer Pause zu einer Sitzung zusammen, in der das Dezernentenkollegium ermächtigt wurde, fortan von einer Vorlage des Haushaltsplans an den Verbandstäg abzusehen und die Zustimmung der Verbandstagsmitglieder zum Haushaltsplan auf schriftlichem Wege einzuholen. Auf schriftlichem Wege werden die Verbandsgemeinden auch ersucht werden, dem Beschluß zuzustimmen, daß fortan, und zwar zunächst bis zum 30. September 1936, der große Rat selbständig rechtswirksame Verbandsbeschlüsse fassen kann. Der Haushaltsplan für 1934/35 balanziert mit rund Mk, 750.000, der zumeist durch die Beiträge der größeren Mitgliedsgemeinden aufgebracht wird. Auf der Ausgabehseite' figurieren Mk. 227.000 Beihilfe an leistungsschwache Gemeinden, Mk. 107.000 Beamten- und Hinterbliebenenhilfe, 40.000 für Bezirksrabbinate und Mk. 20.000 für Lehrerausbildung. Zur Ausübung der Wohlfahrtspflege und Wirtschaftshilfe, mit denen sich der Landesverband nicht mehr befaßt, sind von ihm 200.000 Mark an die Reichsvertretung der deutschen Juden gezahlt worden. Die Verwaltungskosten wurden von. Mk. 104.000 auf Mk. 56.000 herabgesetzt. Die Arbeiten zur Schaffung einer Pensionskasse für die Beamten sind wieder aufgenommen worden. Der Sonderkommission für die Beschaffung von Koscherfleisch aus dem Ausland bei der Reichszentrale für Schächtangelegenheiten h'ät der Landesverband erhöhte Mittel zur Verfügung gestellt. Zur Ausbildung von liberalen Volksschullehrern hat man in Berlin Kurse auf Kosten, des Landesverbandes eingerichtet. Solche Kurse bestehen auch für die aus dem Staatsdienst ausgeschiedenen höheren Lehrer, um diesen die Fähigkeit zur Erteilung jüdischen Religionsunterrichts zu vermitteln. Der Betreuung der kleinen Gemeinden durch religiöse Vorträge, Lieferung eines Gemeindeblattes, Einrichtung von Versandbüchereien und Veranstaltung von sog. Kulturfahrten hat sich der Verband Hand in Hand mit dem Zentralausschuß" der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau gewidmet. Neu eingetreten in den Rat sind die Herren Stadtrat Dr. Georg Leß, Breslau, J. M. Gojtein, Frankfurt und Dr, Friedrich Ollendorf, Berlin. Dr. Breuer in Hamburg. Hamburg, 22. Juni. Das hiesige Lokalkomitee des Keren Hajischuw der Agudas Jisroel veranstaltete am vergangenen Sonntag einen Vortrags-Abend über „Erez Jisroel",

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