Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1934)
- Date
- 1934-06-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 26 Der Israelit 28. Juni 1934 Grundlage mit dem Ausblick nach dem Weltmarkt, all das mag dazu beigetragen haben, daß die Eltern heute eine einseitige Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder scheuen. Aber es gibt auch innere Mängel, die von uns und von innen heraus abgestellt werden müssen. Die hygienischen und sanitären Einrichtungen in einigen religiösen Schulen, besonders in Jerusalem, könnten eine Besserung, unbeschadet ihrer inneren Struktur, gut vertragen. Etwas mehr Luft und Licht, Raum und Reinheit wären, bei allen anderen Vorzügen dieser Schulen, gute Konkurrenzmittel gegen andere Schultypen, die vornehmlich auf jene Aeußerlichkeiten sehen und darüber oft genug das eigentliche Lehrziel vergessen. Die Lehrer müssen angemessene Gehälter und vor allem diese auch pünktlich ausbezahlt bekommen, wenn sie ihre Leistung aus der Berufsfreude schöpfen sollen und wenn nicht unter der Last der täglichen Kümmernisse und Sorgen ihr bestes Können und Wollen zusammenbrechen sollen. Das alles sind Dinge und Aufgaben, die nicht über der Sphäre der Menschenmöglichkeit liegen. Es bedarf nur der Männer, die die Sache energisch in die Hand nehmen. Chaluzim müßten kommen von der Art, wie sie vor Jahren ins Land kamen, um die berühmten Krankenhäuser und Waisenanstalten in die Hand zu nehmen, und mit der Rettung der Chedarim und Talmud Thora-Schulen die Zukunft des alten und überhaupt des Jischuw retten. All unsere Mühe und Arbeit würde umsonst vergeudet sein, wenn wir nicht die Schule haben, die uns den Nachwuchs, das wertvollste Material für den geistigen Aufbau, den Menschen, sichert. Freilich kann es nicht die Aufgabe eines Menschen sein, es müssen sich zu diesem Zwecke alle zusammentun, die die Kraft und die Eignung für diese geistige Rettungsaktion in sich verspüren. ,,Kol Israel" macht einige praktische Vorschläge für die Erschließung neuer Einnahmequellen zu Gunsten der religiösen Schulen. Eine kleine Erhöhung der Schechitah gebühren, die heute schon für religiöse Zwecke verwendet werden, wäre durchaus tragbar und würde den Schulen zugute kommen. Die Chewra Kadd i s c h a h müßte ihren erzielten oder auf leichte Art zu erzielenden Ueberschuß diesem lebendigsten aller Zwecke zur Verfügung stellen. Sehr einleuchtend und akzeptabel erscheint uns ferner der Vorschlag, für die Besuche der jüdischen heiligen Stätten eine kleine Gebühr zu erheben, was bei Besichtigungen von Kunststätten in Europa überall als Selbstverständlichkeit erachtet wird. Die Reisegesell- Dic Sidra spricht zu uns . . . In „Aboth", Abschnitt V, Mischnah 19, wird eine Parallele zwischen den Schülern von Abraham, unserem Vater, und B i 1 e a m , dem Bösewicht, gezogen, die sich in drei Punkten voneinander scharf unterscheiden. Es fällt zunächst auf, daß hier Bjleam, ohne Rücksicht auf die große zeitliche Distanz, Abraham gegenüber gestellt wird und nicht Moses, der doch schließlich die drei genannten Eigenschaften ebenfalls verkörperte und ein Zeitgenosse des heidnischen Propheten war. Antwort: Es soll hier in den Vätersprüchen nicht etwa der Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden gezeigt werden. Geistige und sittliche Höhe, gekennzeichnet durch den Besitz der genannten menschlichen Eigenschaften, sind nicht Sache einer Rasse, eines Volkes, sie sind Menschheitsgut, die alle Erdensöhne erwerben können und müssen. Moses ist der g'ttliche Gesetzeslehrer, der Künder der spezifisch jüdischen Lehre, Abraham dagegen ist der „Vater der Völkermenge", der Mann, der auch die Heiden in G'ttes Zelt und unter Seinen Lebensbaum gewiesen hat. Wer also die in dieser Mischnah genannten drei Eigenschaften besitzt, der muß noch schaffen könnten eine gewisse Pauschalsumme entrichten, deren Umlage die Touristen kaum empfinden werden. Mit diesen Geldern allein könnte man schon ganze Schulen erhalten. Aber es gibt auch eine ganze Reihe von religiösen Bedarfsartikeln, die eine kleine Steuer zu Gunsten der Schulen wohl ertragen könnten. In der Hauptsache aber müßten staatliche Subventionen erreicht werden. Wir haben heute schon im Lande eine Reihe von Schulen, besonders für Töchter, aber auch solche für Knaben, die allen für eine Regierungsbeihilfe erforderlichen Voraussetzungen voll entsprechen. Es fehlt nur den Leitern die Energie oder die Autorität, zu ihrem Rechte zu gelangen, woraus sich oft genug die komische Situation ergibt, daß die Kinder dieser rein religiösen Schulen auf das Kontingent der Jewish Agency zur Erreichung ihres Schuletats für die areligiöse Erziehung kommen. Dem könnte durch einigen Zusammenschluß, vor allem durchdie Gründung des längst geplanten Komitees unter dem Titel mnn "pann Tin mit Leichtigkeit abgeholfen werden. Dieser Waad hätte eine Liste der heute schon zur staatlichen Subvention berechtigten Schulen aufzustellen und diejenigen Schu- Wochenrundschau. Ungeahnte Folgen der Einwanderungssperre in Palästina. Ueber die zwei wichtigsten Faktoren des Palästinaaufbaus: freie Einwanderung und Erhaltung der jüdischen Arbeitspositionen im Lande, die zur Zeit beide bedroht sind, äußerte sich Mosche S h o r t e k , Leiter des Politischen Departements der Jewish Agency, einem Vertreter der ITA. gegenüber u. a. wie folgt: Palästina ist im Begriff, gewissermaßen das nationale Kapital des ganzen jüdischen Volkes zu konzentrieren. Gewiß wird das Geld von Einzelpersonen nach Palästina gebracht, dort wird es jedoch zu einem Kapital, das eine sichere Grundlage für gesunde nationale Existenz schafft. Bedauerlicherweise kann' dieses Kapital derzeit nicht voll ausgenutzt werden, da nicht genug Arbeiter zur Verfügung stehen. Der Arbeitermangel damit kein Bekenner des mosaischen Gesetzes sein, aber er' gehört zur abrahamitischen Gemeinde der schönen und geläuterten Menschlichkeit. Nicht Volk gegen Volk, sondern Mensch gegen Mensch wird in dieser Parallele gestellt. Das „böse Auge", das in diesem Satze dem midjanitischen Weisen nachgesagt wird, verstehen die Kommentare im Sinne von Mißgunst, auch von Habgier, die Bileam mit seinem Ausspruch bekundete ann sps m>a x^>» pbi ">b dk „Wenn mir auch Balak ein Haus voll Silber und Gold gäbe (Kap. 22)". Im krassen Gegensatze dazu steht Abrahams Verzicht auf Lohn und Entgelt bvi i^v nsn oiri», bis zum Faden und Schuhriemen. Bileams rvm nn, Hochmut spiegelt sich (Kap. 24) in seiner Behauptung wider, daß er „die Worte G'ttes höre und die Meinung des Höchsten kenne." Darauf, so lehrt Midrasch, wurde ihm gesagt: „Nichtcinmal die Meinung deines Tieres kennst du und siehst nicht den Engel, der ihm in den Weg getreten ist, und rühmst dich, G'tt zu hören, zu sehen und zu kennen." Stark fällt von diesem Hochmut die Demut Abrahams ab, der bei allen Auszeichnungen und Erfolgen spricht "isni 1BJ? '3JKi „Ich bin ja nur Staub und Asche." Ein nbov vsi wird schließlich beim Lehrer der Heiden konstatiert, was so iel wie ungezähmte Leidenschaft bedeutet. Wie könnte er ansonst den Moabitern den teuflischen Rat geben, mit ihren Töchtern Israels Söhne anzulocken, wenn er nicht selbst von solchen unreinen Lüsten beherrscht len, die diese Berechtigung noch nicht haben, auf eine Höhe zu bringen, die jenen Anspruch begründet. All diese Aufgaben können, wie schon gesagt, nicht von Einzelnen gelöst werden, eine Zentrale, wie sie das geplante Erziehungskomitee, der 'Tinn "]12tlfi 7371 darstellen soll, wird sie ohne weiteres lösen. Wird das geplante Komitee bald gebildet werden und in Aktion treten? Diese Frage ist gleichbedeutend mit der Frage, ob wir in der Zukunft überhaupt noch Chedarim und Talmud Thora-Schulen in Erez Israel haben werden. Und diese letztere Frage ist wiederum die Schicksals- und Zukunftsfrage des T-horajudentums in Erez Israel. Wenn jetzt der Keren Hajischuw seine Drei Wochen-Aktion beginnt, darin sollte diese Aktion nicht nur unter dem Zeichen der Wirtschaft stehen, sondern unier demjenigen der Rettung des jüdischen Geistes, der Rettung der Talmud Thora und ihrer natürlichen Fortsetzung, der J e s c h i w a. ,,Prosperity" der Wirtschaft und Untergang des Geistes — das wäre der wahre Churban, vor dem G'tt sein Volk bewahren möge. führt zu Lohnerhöhungen und ' damit zu einem Uebergang jüdischer Arbeiter zu besser bezahlten Arbeitszweigen, zu einer Zusammenballung von Arbeitern im Baugewerbe auf Kosten anderer Arbeitsgebiete. Jüdische Arbeiter verlassen die Orangenpflanzungen, den Dienst bei der Polizei und bei der Eisenbahn. Sie geben überall dort die Arbeit auf, v/o niedrigere Löhne gezahlt werden, und das bedeutet, daß mit großer Mühe errungene Arbeitspositionen den Juden allmählich aus der Hand gleiten. Dazu kommt, daß die bestehenden Unternehmungen infolge des Arbeitermangels nicht erweitert werden können. Jüdische Orangenpflanzungen werden vernachlässigt, die Industrie wird gehemmt, kann ihre Aufträge nicht bewältigen, schon gar nicht neue Märkte erobern. Die künstliche Lohnsteigerung infolge des Arbeitermangels gefährdet auch jene Unternehmungen, die höhere Löhne zahlen, weil sie eigentlich solche Löhne nicht zahlen können. Geplante jüdische Industrieunternehmungen konnten nicht gegründet werden, weil sie nicht in der Lage gewesen wären, mit den hohen Löhnen im Baugewerbe zu konkurrieren. Das Gesamtergebnis ist eine gefährliche Aenderung der wirtschaftlichen Struktur des jüdischen Palästina. Zum Problem der jüdischen und arabischen Arbeit hat Shertok folgendes zu sagen: wäre? Abraham ist aber die personifizierte Reinheit. Aus Sarahs Zelt leuchtet das Licht jüdischer Familientreue heute noch in die jüdischen Häuser hinein. Es gibt welche, die das ns?1 \>y bei Bileam als Bezeichnung für seinen engen Horizont nehmen. Er war ein Seher, er sah schon was, aber er sah nur Halbes, nämlich das Böse, das Tadelnswerte und übersah das Gute und Schöne an und in Israel, das bei näherem Zusehen doch die kleinen Fehler sehr überragte. Bileam war „blind auf einem Auge", sagen die weisen Lehrer. Soll heißen: er sah nur mit einem Auge aus, nach Angriffspunkten, nach Fehlern und Gebrechen, das andere Auge, das viel Schönes und Lobenswertes hätte entdecken können, blieb geschlossen. Diese unglückselige Einseitigkeit wird njn ]">y, eine lückenhafte Sicht genannt. Diese Auffassung findet eine Bestätigung im Kapitel 23, Satz 13, da Balak ihn einlädt, nach einem anderen Ort su gehen, von wo er Israel sehen könnte, nmn ab lVim rmiri insp oss „Jedoch nur e i n Ende, einen kleinen Teil sollst du sehen und das ganze Volk nicht sehen." Nach dem kleinen Ende, nach einzelnen wenigen Exemplaren an der Peripherie, vielleicht noch Ueberbleibsel des berüchtigten Mischvolkes, sollte er das ganze Volk 1 beurteilen. „Ein Jude hats getan," nicht trotzdem, , sondern weil er Jude ist. Und dann: „Nicht der Jude, sondern die Juden waren es, so sind die Juden!" Es ist dies die Taktik all unserer Widersacher bis auf den heutigen Tag.