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Der Israelit · 1934-06-28 · Heft 26 (28.6.1934) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 26 (28.6.1934)
Date
1934-06-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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28. Juni 1934 Der Israelit Nr. 26 Seite 3 Die Talmud Thora-Schnle in Erez Jisroel. (Fortsetzung von Seite 1.) dem Jischuw selbst noch nicht hervorgegangen, so müssen denn die Pflanzstätten unangetastet bleiben, wenn nicht anders der jüdische Geist bei Aufbau rundherum ganz abgebaut werden soll. Um dieses einzusehen, muß man nicht erst exponierter Agudist oder Misrachivertreter sein, man braucht nur einige Umschau im Geistesleben Palästinas zu halten und die kritische Lage der schwer um ihre Existenz ringenden religiösen Schulen zu sehen, die aber trotz allem und allem heute noch allein den Erez Israel-Menschen formen können, auf dem unsere Hoffnung ruht. In dem misrachistisch orientierten Tel Awiwer 1, Haje ssod" lasen wir vor einiger Zeit einen Aufsatz unter dem alarmierenden Titel „Vor einer neuen Zerstörung Jerusalems", aus der Feder eines Anonymus, dem die Redaktion das Zeugnis einer ragenden Autorität ausstellt. Es ist ein Schrei aus tiefem verwundetem Herzen. Man sei nahe daran, bei allem Aufbau der Stadt. Jerusalem sämtliche Talmud Thora- Sc h u l e n , die einzigen Pflanzstätten unseres .geisitgen Lebens, zu schließen und auf den Trümmern der heiligen Stadt ein neues, profanes Jerusalem aufzubauen, just zur Zeit, da die anderen Religionen in der heiligen Stadt immer mehr ihre Positionen ausbauen und. befestigen. Der Artikel schließt mit den Worten; „Würden die gesetzest reuen Blätter die Sache in die Hand nehmen, einheitlich mit System und Energie vorgehen und alle Rabbinen und prominenten Lehrer zu einer Konferenz zusammenführen, es müßte sich jetzt noch eine Lösung finde n." Dem muß aber hinzugefügt werden, daß die Frage der religiösen Erziehung nicht allein für Jerusalem, sondern für ganz Palästina von brennender Aktualität ist. Höchstens nur, daß im stilleren Jerusalem sich der geistige Untergang deutlicher ankündigt, als in Tel Awiw, wo alle leisen Schwingungen der angstvollen Seele in den Geräuschen der Straße und der Bauplätze untergehen. Nur noch 500 Kinder erhalten im großen reichen Tel Awiw eine hundertpr o z entige jüdische Erziehung. Tausenden von Kindern ist aber der Er- - ziehungsweg zum Thorajudentum fremd, nicht etwa weil sie oder ihre Väter diesen Weg nicht wünschten, sondern weil er ihnen von der Irijah, der jüdischen Stadtverwaltung, glatt abgeschnitten wird. Die gleiche Irijah, die von allen Bewohnern im gleichen Maße, ohne Unterschied von Gesinnung und Einstellung, die Erziehungs-steuern erhebt, gibt prozentual für jedes religiöse ,Kind, das eine rein religiöse Schule besucht, den vierten oder fünften Teil von dem aus, wassie sonst pro Kind und Jahr in den allgemeinen Schulen auswirft. ^Freilich erhält die Misrachischule ungefähr die ihr prozentual zukommende Subvention. Wo aber eine neue Schule gegründet werden soll, ist Misrachi, von vornherein ausgeschaltet. Schlechthin wird die Schule, wo sie in neuen Bezirken erforderlich ist, auf areligiöse Grund-, läge gestellt. Will sie Misrachi religiös gestaltet haben, so hat er nachzuweisen, daß ein Bedürfnis nach religiöser Schule in diesem Stadtviertel, vorhanden sei. Das Primäre und Selbstverständliche ist also nicht das Religiöse, neben dem Ausnahmen geduldet würden, sondern umgekehrt das Nicht- und Unreligiöse dominiert, während für das Religiöse als Ausnahme erst der Bedürfnisnachweis; erbracht werden muß. Sodann!aber ist es doch so, daß unzählige orthodoxe und ein- Neueste B Wirtschaftsnachrichteri ■ aus Erez Jisroel. H Die „Industrial and Financial HH Corporation of Palestine Lt d.", die vor vier Wochen die Regierungskonzes- S| sion erhielt, veranstaltete am 31. Mai ihr H| Gründungsmeeting in Anwesenheit von Lord [H Melchett. Die Gesellschaft will in Palästina, |H wie außerhalb des Landes, einen Markt für HH bereits emittierte oder in der Ausgabe ber 13 findliche Wertpapiere palästinensischer Un- HIB ternehmungen schaffen. Die Gründershares HB sind in den Händen der Anglo Palestine HB Bank, Lord Melchetts sowie von Finanziers S» in Johannesburg, New York, Kairo und Bggf Alexandrien. — Die Einlagen in den pajggfl lästinensischen Banken haben die Höhe von 14 Millionen Pfund erreicht. — Die Regierung interessiert sichz ur Zeit für die Förderung der lokalen Küsten- und Binnenseefischerei und hat die einschlägigen Untersuchungen einem bewährten Marinebiologen übertragen, — Die im März 1934 in Haifa errichtete Mineralwasserfabrik beschäftigt zur Zeit 14 Personen; Es wird durch Zusatz von Salzen ein dem Appollinaris ähnliches Wasser produziert. — In der Haifa-Bay sind zur Zeit im Aufbau begriffen eine Eisfabrik durch einen Berliner Industriellen, eine Essenzf a b r i k für Fruchtsäfte und ätherische Oele, eine größere Wurstfabrik und eine Ziegelei. — Die Templer-Kolonie S a r o n a hat beschlossen, an Juden keine Wohnungen mehr zu vermieten, obgleich die Hälfte von Sarona von der Lieferung von Gemüsen und Milch nach Tel Awiw lebt. — Nach dem Mai-Bericht der Landwirtschaftsabteilung der Regierung haben sich die Ernteaussichten gegenüber den ungünstigen Bedingungen der zweiten Märzhälfte gebessert. Im südlichen Palästina bestehen alle Aussichten für eine mittlere bis gute Ernte. In den nördlichen Gegenden zwischen mittel und schlecht. Die Hülsenfruchternte ist die beste in den letzten Jahren. Kartoffel gute bis mittlere Ernte, Erajj Tomaten, frühe Kürbisse und Gurken kom- EM men zu hohen Preisen auf den Markt. — Hg Die Zitrus-Frucht-Ernte wird für 1934/35 auf |9 6—6}/2 Millionen Kisten veranschlagt. — Im EH Jahre 1933 sind nach Palästina noch für Big 231.000 Pfund Früchte eingeführt worden, die B« im Lande selbst durch Vergrößerung der gfl Anbaufläche gewonnen werden könnten, ggf Dazu gehören insbesondere Datteln, Aepfel, ggl Aprikosen, Wallnüsse und Feigen. Erfor- EH derlich wäre dafür eine Anbaufläche von rund 17 500 Dunam. — Die fünf kleineren Oelfabriken verhandeln wegen der Bildung eines Oelsyndikats. (Palnewes.) — Die in Berlin erscheinenden Palästina-Nachrichten bringen in- Nr. 6 einen Artikel über die Entwicklung und Aussichten der Gerberei-Industrie in Palästina, wichtige Informationen über die Durchführung von Grundstückskäufen in Palästina. Unter der Rubrik „Wirtschaftsvorgänge" wird u. a. berichtet, daß der Aufschwung des Kraftwagenimports in Palästina anhält. Von amerikanischer Seite sei der Absatz gebrauchter Automobile in Palästina organisiert worden und finde starken Zuspruch des Publikums. — Die Regierung .veröffentlicht den Entwurf eines Elektrizitätsgesetzes, das die' Elektrizitätsversorgung des Landes regelt. — . Im Hafen von Haifa wird eine Transitzone für den Exportverkehr aus dem Irak reserviert. Im vorigen Jahre sind aus dem Irak per Auto über Syrien nach Beyrut u. a. 100.000' Tonnen Getreide, 200.000 Stück Hammelköpfe, 500 Felle exportiert worden. Außerdem große Mengen japanischer Industriewaren über Bagdad, Irak nach Syrien. Verhandlungen mit der Palästina-Regierung bezwecken den Ausbau des Ueberlandweges Haifa—Bagdad zu einer erstklassigen Autostraße von 1000 km Länge und die Transportdauer auf 12 Stunden abzukürzen. — Kürzlich fand in Haifa die Jahreskönferenz der Zentralleitung des ,,Hamaschbir" (Konsumgenossenschaft) statt, an der etwa 100 Vertreter der verschiedenen landwirtschaftlichen Siedlungen, Konsumgenossenschaft und Kwuzoth teilnahmen. Der Konferenz wurde ein schriftlicher Bericht über die Tätigkeit des „Hamaschbir" während j der vergangenen Tätigkeitsperiode vorgelegt, aus dem hervorging, daß der ..Hamaschbir" insgesamt für 122.000 Lst.P. Waren abgesetzt hat, wovon für 35.000 Lst.P. „Tozere'th-Haarez" .(Landesprodukte) waren. fache Juden für ihre Kinder eine vollreligiöse Erziehung in einer Talmud Thora-Schule und nicht in einer Anstalt wie „Tachkemoni" wünschen. Wissen sie doch nur zu gut, daß das beste jüdische Element im Lande eben noch aus der alten Chederschule hervorgegangen ist, während das sogenannte "]j?in» nn« (es hat sich das Wortspiel herausgebildet pIDö lin) des Tachkemoni nach seinem ganzen Lehrplan gar nicht imstande ist, uns den Erez Isroel-Juden vom alten Typus zu geben. Die Tachkemoni-Schulen — das gibt Misrachi unumwunden zu — erziehen uns Menschen, die der Religion nicht feindlich gegenüber stehen, wie die Zöglinge anderer Schulen. Das ist auch schon etwas, aber herzlich wenig, denn Mangel an Haß ohne zu positiven Taten führende Liebe und Beg e i s t e r u n g' wird den drohenden geistigen Untergang nicht aufhalten. Die Zustände in Tel Awiw können noch ideal genannt werden im Vergleich zu denen in anderen Städten und Kolonien, wo es nicht einmal eine Misrachi-Schule gibt und wo die Neueingewanderten, egal aus welchem Lande und ■ Milieu sie kommen, ihre Kinder ahnungs- und gedankenlos einfach den Schulen des Waad Lcumi anvertrauen. Wie soll das in der Z u k u n f t w e r d e n? Eine auf ■ gründlichen Studien beruhende Artikelserie von Rabbi Mosche Blau im Jerusa-; lemer „Kol Israel" läßt uns mit wenigen Zahlen und Daten die ganze Tragödie, deren zweiter Teil erst für die Zukunft aussteht, ahnen. Es geht hier um eine geistige Krise, die effektiv die Grundlagen des Jischuw gefährdet. Wo es noch Talmud Thora-Schulen in Jerusalem und in der Provinz gibt, sind dort nur die unteren Abteilungen von Kindern bevölkert, die höheren Bänke, für Kinder im Alter von 10 Jahren und aufwärts, werden leer und leerer. Was daraus folgt, ist, daß auch d i e Kinder, die zu Schulbeginn den Weg in die Talmud Thora-Schule finden, sie in einem etwas höheren Alter fluchtartig verlassen, um anderswo eingeschult zu werden. In anderen Städten und Kolonien, so in Rischon Lezion, Rechowoth, Sichron J a k a u w existiert überhaupt keine religiöse Schule, so daß die Eltern auf die andere Schule angewiesen sind, wenn sie ihre Kinder nicht auf die Straße schicken wollen. Ein Kapitel für sich, und ein recht trauriges, bildet die Mädchenerziehung. Unter den 6000 Kindern, die in Palästina eine rein religiöse Erziehung genießen, befinden sich kaum mehr als 1000 Mädchen. Außer in Jerusalem und Tiberias gibt es kaum noch eine religiöse Lehranstalt für Mädchen im Lande. Dabei macht die Mädchenbildung in den allgemeinen Schulen gewaltige Fortschritte. Das Verhältnis ist heute so, daß auf 17 Mädchen, die freigesinnte Schulen besuchen, eine Schülerin einer rein religiösen Mädchenschule kommt. Von der großen Schar der Töchter in frommen. Häusern, die gar keine Gelegen-; heit zum Schulbesuch haben, gar nicht zu reden. Daß die Gründung von religiösen Schulen ■ immer nur eine Frage des guten Willens und der > Persönlichkeiten; ist, die solchen guten Willen zu wecken und ihm entgegenzukommen wissen, dafür bietet Petach Tikwah ein drastisches Beispiel. Die Kolonie hatte eben das Glück, daß dort gleich nach dem Kriege eine orthodoxe Talmud Thora-Schule der Aguda gegründet wurde, und diese echtjüdische Schule besteht dort heute noch und wächst von Tag zu Tag. Was in Petach Tikwah möglich war, wäre in anderen Städten und Kolonien in gleichem Maße zu erreichen, wenn der alte Jischuw und seine geistigen Grundlägen so viele Annehmer und Freunde gefunden hätten wie der nun einmal im Zeichen der „prosperity" stehende neue Jischuw. Die allgemeine Lage, die Entwicklung der Dinge, die Modernisierung des öffentlichen Lebens, die Entfaltung des Handels auf moderner

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