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Der Israelit · 1934-06-21 · Heft 25 (21.6.1934) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 25 (21.6.1934)
Date
1934-06-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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-De r Israelit 21. Juni 1934 ' als das größte Hindernis eines richtigen' Bibelverständnisses'betrachte. „Indem sie einen? sinnvollen Organismus, bei dem alle Teile sich auf-; einander beziehen, voreilig zerstückelt, wird' sie gänzlich unfähig, die Zusammenhänge zu begreifen und dieeigenartige Kpmpqsitionsweise 'des Buches zu erfassen."- Aber1'er sagt: „Meine, Be- streitung der Quellenhypothese will;h.icht behaup- 'turig, daß'der Verfasser -'der TKöra das ganze .: Werk rein aus sich herausge;sponnen?oder daß er •keine Quellen benutzt habe;" Beruft sich 'die Thora doch einmal selbst auf eilte alte Quelle. Aber es ist unmöglich, in dem einen großen Strom die Quellen und Zuflüsse zu scheiden. Es gibt in der Genesis kein Geschichtswerk „P", es gibt keinen „J" und keinen ,,E", wie denn die Kritik selbst, oft genug zugeben .muß, daß sie diese beiden nicht zu scheiden: v.ermag. Undider „Redäkior"rist kein anderer als der Verfasser selbst. .Die Genesis^ ist-..ein e in-h e i t l i che s W e r k , in Einem Geist entworfen, durchdacht und durchgearbeitet^' Wenn es wahr wäre, daß unsere jüdischen Liberalen hur deshalb nicht an , die Wahrheit der Thora glauben ko'nnteh, weil sie von der wissenschaftlichen;Nötwen'digkeit und Unbestreitbarkeit der bibelkrltische'n Einwände überzeugt sind, — nicht 'etwa weil ihnen, die Förderung zu schwer, sondern weil ihre dogmatischen Voraussetzungen vor ihrem redlichen und ehrlichen Gewissen als unannehmbar gelten —: dann hätte Jacobs Werk sie zur Selbstbesinnung aufrufen müssen, dann müßten ihre Wortführer mit tiefer innerer Beschämung sich eingestehen, daß sie voreilig die Tradition verworfen, die Wahrhaftigkeit der, heiligen Bücher angezweifelt däß sie einem Götzen statt einem G'tte zugejubelt hätten'.' Dies um so mehr-, als unsere Zeit so tragisch aufgewühlt, so schwer getroffen, so herb an ihre jüdische Bestimmung, an ihre'jüdische Lebensäufgabe erin-, nert: worden ist. Aber Elijähu mag umgehen, um die Herzen zu gewinnen, die alten Vorurteile sind ihnen doch lieber als das Einheitsbekenntnis Israels. Ludwig Feuchtw'anger will sich nicht, belehren lassen. Er meint, daß das Gesamturteil über die Quellenhypothese bei einer isolierten Betrachtung und Kommentierung des ersten ,Bu- Eine Buchbesprechung von Rabbiner Dr, Elie Münk in Ansbach« Es ist ein typisches Merkmal für die innere Krisis unsres deutschen Judentums, für die herrschende geistige Verwirrung, daß uns jede Woche eine Flut von Betrachtungen und Untersuchungen über das wahre Wesen der jüdischen Eigenart und Religion beschert wird, die das Judentum immer aufs neue und jedesmal in ganz origineller, noch nie gesehener Weise zu entdecken vermeinen1.' Der arme Jud'e muß Jallwöchentlich eine sinnverwirrende Fülle von1 Belehrungen "und Aufklärungen über sich ergehen lassen, durch Zeitungen, Zeitschriften Und Bücher vermittelt, bis er schließlich' die' Orientierung erst recht verloren hat. 1 Dieser Wort- und Phrasenschwall bleibt ' gewöhnlieh an der Peripherie stehen. Man kreist um das Judentum, man deutelt nach jeweiliger Stimmung an ihm herum, kaum einer, der wirklich an seinen Lehrinhalt und seine Pflichten sich ernsthaft bis zum Kern heranwagt. Verlegenheit auf der ganzen'Linie, Lösungen über Lösungen, Rätsel über Rätsel, und im Endergebnis: Steine statt Brot! Dieser so deutlich hervortretenden Unsicherheit, ' Unzulänglichkeit und Mangelhaftigkeit gegenüber; — welche überragende Klarheit, welche Zielbewußtheit, welche beruhigende Festigkeit in dem von Dr. I s a a c Breuer herausgegebenen Werk „ DerneueKusari", das im Verlag der Rabbiner Hirsch-Gesellschaft soeben erschienen ist. : ches" gehemmt sein müsse, daß ein Genesis-Kommentar für sich allein noch gar nicht, die herrschende Lehre der alttestamentlichen kritischen 'Schule entwurzeln könne, denn die Einheitlichkeit der großer^ Teile, die durchlaufend'von Anfang an bis ah das .Ende des 2. Königbuches kenntlich sind und sich deutlich abheben, könne ' in diesem Rahmen gar nicht aufgezeigt und charakterisiert werden. Ejin Kommentar zu dieser Kritik ist überflüssig. Jeder einigermaßen Eingeweihte weiß, daß die Scheidung der. ,,E" und ,,J" Quelle lediglich und allein auf die Genesis z urückgeh t , daß gerade die Genesis als der klassische Kronzeuge der höheren Kritik galt für die Zusammenfügung der Thora. Indem dies Fiauptfundament brüchig wird, stürzt der ganze Bau wie ein Kartenhaus zusammen. Aber, das dar! nic{rt sein. Die Konsequenz schreckt. Denn wissenschaftliche Redlichkeit in dieser Frage bedeutet ein Bekenntnis, bedeutet die Tschüwa zu G'tt und Seiner Lehre. >Und so soll mit einem Mal der Nachweis der Einheitlichkeit der Genesis nichts bedeuten. B. Jacob selbst hat, zwar längst die absolute Ünhaltbarkeit der Quellenscheidung überhaupt nachgewiesen. Dieser^ Genesis-Kommentar ist ja eigentlich nur. der . Beweis dafür, daß auch bei fler Einzeldurchführung, wenn man Vers um Vers in Betracht zieht, die bibelkritische Weisheit immer wieder versagt, daß man sich künstlich blind gemacht hat gegen die einfache, gerade und richtige Erfassung der Zusammenhänge und des Aufbaues des ganzen Buches. Es ist ein tieftrauriges Zeichen, daß der Mut zur Wahrheit, um dessentwillen wir Jacobs Arbeit bewundern, so. wenig Gefolgschaft findet. Für uns aber ist .diese Art seichter Kritik^ die sich in ihrer Unberührbarkeit und unbelehrbaren Selbstsicherheit als fanatischen Dogmatismus entpuppt, eine wichtige Erfahrung. Sie zeigt uns, wie schwach fundiert die Gegnerschaft gegen die' ewige Tradition des Judentums ist. Wir sagen darauf wie Rabbi Jochanan ben Sakkai zu dem Sadduzäer: Du, Narr, ist denn die vollkommene Thora, die uns geworden ist, nicht wie das eitle Geschwätz, das euer ist? . (Menach. 65b.) Ein Werk, das keinen geringeren Anspruch erhebt, als das Judentum in seiner ewigen Wahrheit zu erklären und es logisch zu begründen., Das zugleich die aktuellsten, brennendsten Fragen der Gegenwart im Geiste dieser ewigen Wahrheit zu beantworten sucht. Ein Werk endlich, welches ein gesamtes Weltbild des Judentums vor unseren Augen entrollen will. Der äußere Rahmen ist in die Form gespannt, die der Titel andeutet, das Frage- und Antwortspiel, das dem Verfasser die.Möglichkeit gibt, die Gegensätze in aller Schärfe,herauszuarbeiten und bis zur letzten Klarheit vorzudringen. Ein unerbittlicher Wahrheitssucher, einer der vielen ,,Ju7 den am Rande", sucht sein Volk. Ihm wird, gleich dem König der Kusaren, die Verkündung im Traume, daß „sein Streben gut, aber seine Taten nicht'gut"-seien. So beginnt er seinen Weg und sieht sich zunächst den vielen Richtungen im Judentum gegenübergestellt. Auf dem Wege fortwährender Auseinandersetzung, von dem Erlebnis des geschichtlichen Wunders Israels völlig beherrscht, und von einem unbeirrbaren Drang zur ganzen Wahrheit getrieben, findet .er diese endlich, dort wo sie kompromißlos und am reinsten getätigt wird, im Lager der von Rabbiner Hirsch geleiteten und geschulten Thoratreuen. Von jetzt an wirbt er selber für diese Wahrheit, vertieft sich immer mehr in ihren unerschöpflichen Ideengehalt und setzt sich dabei mit, einer Fülle von religionspolitischen, ethischen, erkenntnistheqretischen, religiösen und, religionsphilosophischen, sowie naturwissenschaftlichen und allgemein po?, litischen Fragen auseinander. Die ganze Proble- . ■..; ■ ■ "Nr. 7 Seite 3 matik des jüdischen Lebens zieht solchermaßen in ihrer Totalität an uns vorüber und findet eine aus der Geschlossenheit' der Aascn^uun^ sicn ergebende stets, konsequente Beantwortung/ So fordert das Buch vom Leser kein billiges Werturteil, sondern Stellungnahme heraus. Die große religionspolitische Auseinandersetzung mit allen Richtungen und Parteien innerhalb des 'deutschen Judentums füllt, den ganzen ersten und einen breiten Raum des zweiten Teils aus. Liberalismus, Zionismus, Misrachi, Gemeindeorthodoxie und selbständige Orthodoxie werden einer gründlichen Betrachtung unterzogen, überall mit der gleichen durchdringenden Klarheit und scharf zugespitzten Begriffsprägung. Kein Zweifel, daß diese Partien in hohem Maße geeignet sind, manchem ehrlichen Kämpfer die 'Augen zu öffnen, manchem gutwilligen Wahrheitssucher Führer zu sein. Seiner Berufung gemäßt sucht der Held der Erzählung, Alfred Roden, die „rechte Tat". Ergeht nicht, wie so viele Irregeleiteten, von der egozentrischen Frage aus: „Was. bietet mir das Judentum?", er will vielmehr erfahren,, worin sich das Judentum vom reinen Menschentum, das die allgemeine Menschheitsreligion > ist, . unterscheidet, welche besonderen Forderungen es san den Menschen stellt, welches höhere Ideal es erfüllt haben will. Und er findet, daß der Vertreter des Liberalismus auf diese Frage, die grundlegendste von allen, keine Antwort zu geben weiß, ihn mit leeren Reden und Hinweisenabspeist. ,Er findet weiter, daß der Zionist die Sonderstellung des Judentums gänzlich negiert, daß ihm die Juden ein Volk unter Völkern sind ohne jede besondere Berufung. Der Misrachist, der wohl die Bedeutung der Thora anerkennt, verdunkelt jedoch das Wesen des Judentums durch seine Unterstellung unter den Zionismus. Da wird ihm, das Erlebnis der wunderbaren, einzigartigen, gänzlich unfaßbaren Geschichte seines, Volkes, die eben darum ,,Metageschichte" ist. Dieses, Wunder inmitten des Völkerlebens, das Wunder des „wandelnden Geheimnisses", er findet es gleichwohl in der g'ttlichen Urkunde Israels aufs genaueste vorgezeichnet, geweissagt vor zweitausend Jahren mit einer Präzision, die nicht minder wunderbar ist als diese Geschichte selber.,,.Blitzartig erkennt er den geheimnisvollen Zusammenhang Israels mit dem Lenker der Weltgeschichte und wird sich dessen bewußt, daß nur dort die Wahrheit sein kann, wo diese, unmittelbare Beziehung anerkannt und in ihren-vollen Konsequenzen fürs Leben fruchtbar . gemacht wird. So wendet er sich denjenigen seiner Brüder zu, die dieses metageschichtliche Leben unter g'ttlicher Herrschaft fortzusetzen bestrebt sind. Mit dieser Hinwendung zur Orthodoxie beginnt aber für ihn ein neuer, Zwiespalt. Die völlige Unbeschwertheit und Vorurteü-dosigkeit nämlich, mit der er dank seiner Herkunft von außen ,an die Wahrheit des Judentums herantritt, läßt ihn sofort mit unumstößlicher Gewißheit erkennen, daß die Herrschaft G'ttes und Seiner Lehre nur in den Reihen der selbständigen Orthodoxie in ungetrübter, weil kompromißloser Reinheit anerkannt wird. Aus dieser Erkenntnis ergeben sich nun weitläufige Auseinandersetzungen mit dem orthodoxen Rabbiner einer liberalen Großgemeinde, der ihn in die Praxis der jüdischen Lebensführung eingeführt hatte, und von dem zu' scheiden er sich genötigt sieht, da er seine Einstellung bekämpfen muß.. . In diesen Gesprächen vertritt der Verf. die Sache der selbständigen Orthodoxie mit gewohnter Eindringlichkeit. Er läßt sich dabei, seiner, Gesamtauffassung entsprechend, vom Weltanschaulichen leiten. Oberster Gesichtspunkt ist ihm die unverfälschte Verwirklichung des. geschichtlichen Wesens Israels. Er weiß die Argumente der Gegenseite gerecht und in taktvoller Weise vorzutragen, ja er gesteht ihr 2u, daß sie ehrlich bestrebt ist, die Verwirklichung von Is- Die jüdische Weltauffassung des Hirsch'schen Gedankenkreises,

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