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Der Israelit · 1934-06-21 · Heft 25 (21.6.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 25 (21.6.1934)
Date
1934-06-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 25 Der Israelit 21. Juni 1934 ben gezeigt, in welcher Weise Fragen grundsätzlicher religiöser Natur behandelt werden und wir haben gezeigt, welches System bei der Gewährung von Subventionen vorherrscht. Man greift sich an den Kopf, wenn man erfährt, daß 15 Wiener nichtorthodoxe Tempel im Jahre 1933 zusammen S 276.513.50 an Subventionen erhalten haben, während den 49 orthodoxen Bethäusern, von denen einzelne vielleicht mehr Besucher aufzuweisen haben als die ganzen 15 Tempel zusammen, nur S 68.950.— bewilligt wurden. Die Zeit wird kommen, wo diese und noch viele andere himmelschreiende Mißstände ans Tageslicht gelangen werden, die Zeit wird kommen, wo die orthodoxe Judenheit Wiens sich aufbäumen wird gegen eine derart mißbräuchliche Verwendung ihres Vertrauens und ihrer Steuergelder und die ganze religiöse Judenheit Wiens wird sich der Folgerung anschließen, die wir heute zum dritten Male wiederholen: Und wird es nicht i n und m i t der Gemeinde gehen, so wird es neben und außerhalb der Gemeinde geschehen! Die Zeit, in der religiöse Menschen dem Gewissenszwang Irreligiöser ausgeliefert sind, ist unwiederbringlich vorüber. Entweder die jüdische Gemeinde wird religiös oder wir schaffen uns die selbständige religiöse Gemeinde. Beth Jakob-Sommerkolonien. Wien, 15. Juni. In den nächsten Tagen werden die ersten Beth Jakob-Sommerkolonien in Polen eröffnet. Die eine ist in ihrem eigenen, neuerbauten, wundervollen Heim in. Dluga-Siedla bei Warschau untergebracht, die zweite in Jordanow bei Krakau. Auch in den anderen Ländern sind bereits die Vorarbeiten für die Eröffnung der Sommerkolonien im Gange. Schweiz. 25. Tagung der Mandatskommission beendet. Genf, 17. Juni. Die 25. Tagung der Ständigen Mandatskommission ist beendet. Wie der ITA-Vertreter erfährt, soll der Palästina betreffende Teil . des' Berichtes der Kommission an den Rat ziemlich stereotyp abgefaßt sein und nur ganz allgemeine Bemerkungen enthalten. Immerhin hat, wie verlautet, die Kommission in einem einzigen Satze — unter Bezugnahme auf einen im gedruckten Bericht der Mandatarmacht' enthaltenen Passus — auf die Notwendigkeit einer besseren Organisierung der Zertifikate-Verteilung für die Arbeiter-Emigranten hingewiesen. Während der Tagung sollen einige Mitglieder der Mandatskommission Telegramme von der Arabischen Exekutive in Jerusalem erhalten haben, in denen sie vor einer „parteiischen Stellungnahme zugunsten Englands und der Zionisten" gewarnt werden. Die Mitglieder der Kommission wurden auch sonst aus Palästina mit Protesten gegen die jüdische Einwanderung und das Mandat überschüttet. Polen. Behördlich bewilligte Blumentage für Keren Hathora in Polen. Warschau, 15. Juni. Der Keren Hathora in" Polen hat die Monate Siwan und Tamus als Werbezeit für Keren Hathora proklamiert. Die Arbeit wirkt sich nach zwei Richtungen hin aus: nach der ideellen und materiellen. Alle prominenten orthodoxen Persönlichkeiten haben sich für die Werbearbeit zur Verfügung gestellt. Auf der einen Seite ist man bemüht, den ThorageTst unter der Jugend zu stärken und zu vertiefen, auf der anderen Seite wird für die Aufbringung von Mitteln geworben. Im Zuge der verschiedentlichen Aktionen ist besonders hervorzuheben, daß die Behörden erfreulicherweise in vielen jüdischen Zentren die Veranstaltung öffentlicher Blumentage für diesen Zweck bewilligt haben. --- Ueberfall auf eine Hachscharahfarm. Wilna, 15. Juni. Auf die Hachscharahfarm Hribischki bei Wilna wurde Dienstag nacht von Huligans ein Ueberfall ausgeführt. Durch ein Steinbombardement wurden die Chaluzim aus dem Schlafe geschreckt und als sie sich aus dem Hause wagten, wurden ihrer drei ernstlich verletzt. Die Polizei, die erst gegen Morgen mit einem Arzte auf dem Platze erschien, nahm drei der Angreifer in Haft. _______ J Von den Poale Agudas Jisroel in Polen. Lodz, 19. Juni. Am Sonntag fand hier eine Sitzung des Zentralrates der Poale Agudas Jisroel statt. Bei Anwesenheit aller Ratsmitglieder und vieler Gäste eröffnete Ratmann D. H. Silberstein mit einer längeren Rede die Versammlung. Es folgen dann weitere Begrüßungen von Agudagruppen und verwandten Organisationen. Herr Z. A. P. Landenberg hält ein ausführliches Referat über die Lage und die Arbeit der Partei. Er berichtet über die Gründung zahlreicher P. A. J.-Gruppen in der Provinz. Ein großes Arbeitsfeld bot sich in G a I i z i e n. Als Parteiorgan gilt „Der jüdische Arbeiter". Auf der vierten Agudalandeskonferenz waren die P. A. J. mit hundert Delegierten vertreten. Die Adar-Aktion hatte gute Erfolge. Für die Erez Israel-Arbeit wurden verschiedene Hachscharapunkte ins Leben gerufen und eine große Sammelaktion für Keren Hajischuw eingeleitet. Die Zentrale der P. A. J. in Polen steht im steten und engen Kontakt mit der P. A. J. in Palästina. Die Ausführungen über die Erez Israel-Arbeit ergänzt der Leiter der Keren Häjischuw-Zentrale in Polen, Herr P. L e w i n , in einem längeren Referat. Die P. A, J. in Palästina erfreuen sich des Vertrauens und der Unterstützung der Agudas JisroeKWeltorganisation. Nach ausgiebiger Diskussion werden einige Resolutionen gefaßt. U. a. wird beschlossen, eine Delegation nach Palästina zu schicken und die dritte Landeskonferenz der P.A.J. im Monat Marcheschwan kommenden Jahres einzuberufen. Nach einer Nachtsitzung wird morgens 9 Uhr mit Schlußreden der Vorsitzenden die Sitzung beendet. Als das wichtigste Resultat dieser Zusammenkunft darf das Zusammengehen der Poale und Zeirei Agudas Jisroel gelte ri. In einer gemeinsamen Beratung der Führer beider Organisationen wurden wichtige Beschlüsse gefaßt, um alle Differenzen, die noch zwischen den beiden Organisationen besonders auf dem Lande bestehen, restlos zu beseitigen. Palästina. Jerusalemer Brief. Die neue Beth Jacob-Schule in Jerusalem. — Eine Agudas Jisroel-Ortsgruppe in Tel Awiw. — Grundsteinlegung für das Heim der Jeschiwah von Slobodke. — Ein Erholungszentrum im Gebirge Juda. Jerusalem, 12. Juni. Mit finanzieller Unterstützung des Keren Hajischuw ist auf Initiative von Rabbi Pinchas Lewin aus Warschau im Ijar hier eine zweite Beth Jacob- Mädchenschule errichtet worden, die vorwiegend den Bedürfnissen der polnischen Aulim Rechnung trägt. Die Schule ist zunächst in einer Wohnung mit sieben Räumen untergebracht und verfügt daneben über einen schönen Spielplatz. Sie ist einstweilen mit vier Klassen und einem Kindergarten eröffnet worden. Obgleich die Eröffnung mitten im Schuljahr stattfand, wurden doch sofort 49 Schülerinnen angemeldet. Die Frequenz erhöht sich von Tag zu Tag. Die Verwaltung der Schule untersteht einem Komitee, an dessen Spitze Herr Baruch Rabbinowitz, der Leiter der Doresch Zion-Schule der Pekidim, steht. Aus Tel Awiw kommt die frohe Kunde, daß es dort endlich gelungen ist, die Bestrebungen zur Festigung und Ausbreitung der Agudas Jisroel zusammenzufassen und eine Ortsgruppe der Agudas Jisroel ins Leben zu rufen. In einer vorige Woche stattgehabten Versammlung wurde ein Komitee, bestehend aus 50 angesehenen Persönlichkeiten von Tel Awiw als Kern der Ortsgruppe gegründet. Zur Führung der Geschäfte wurde ein Ausschuß gewählt, dem folgende Herren angehören; Jacob Halpern, Wien, Israel Schapiro und Israel Mendel aus Warschau, Mordechai W o 1 n o w aus Lodz, Meir Schazreinski aus Skierz, Jacob Talmud aus Warschau, Sally Geis aus Frankfurt, Mosche Türk aus Warschau, Jecheskel P r y w e s aus Warschau, Jizchok Halpern aus Berlin und Rabbiner Dwor e t z aus Petach Tikwah. Zum Ehrenvorsitzenden der Agudas Jisroel wurde der bekannte W e r i - s c h o w e r Raw gewählt, zum Ehrenvorsitzenden des Waad hapoel Rabbiner S. Halpern aus Amsterdam. Schon vor mehreren Monaten konnten .wir über Pläne zur Errichtung «eines Internats für die Jeschiwah Slobodka/Chebron auf den Namen ihres großen Lehrers, Rabbi. Mosche Mordechai Epstein?-sr, berichten. Vor wenigen Tagen wurde nun hier der Grundstock zu dem Neubau gelegt. Viele hundert Menschen, vornehmlich aus Litauen, England und den Vereinigten Staaten, waren erschienen. In längeren Ansprachen feierten der derzeitige Leiter der Jeschiwah, Rabbiner Teitelbaum, Schwiegersohn von Rabbi Mosche Mordechai Epstein b'ül, alsdann Oberrabbiner K u k , Rabbiner H i 11 m a n n (bisher London), Rabbiner K a t z aus Petach Tikwah, Rabbi Isser Salman M e 1 z e r und viele andere das Andenken des großen Toten und riefen zu treuer Pflege seines religiösen und geistigen Erbes auf. Die Feier war von Gesängen des bekannten Riwlin'schen Kinderchors umrahmt. Es wurden größere Summen als Zimmerstiftungen und außerdem auch kleinere Beiträge gezeichnet. In dem oberhalb der heiligen Stadt im Gebirge Juda befindlichen Villenort ,, K i r j a t h Sir Mose h e h Montefiore" hat Dr. med. Erich Schlüssel aus Berlin. eine streng koschere Kurpension unter dem Namen „Beth Esther" eröffnet. Dr. med. Schlüssel, der seine Ausbildung im Krankenheim der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß Jisroel und im. Krankenhaus der jüdischen Gemeinde empfing, ist weiten Kreisen der Berliner Orthodoxie durch sein Wirken in der Adaß Jisroel-Gemeinde, im „Bund jüdischer Akademiker" und anderen gesetzestreuen Verbänden sowie auch als Mohel wohlbekannt.« Die von ihm errichtete Pension ist für Rekonvaleszenten und Erholungsbedürftige bestimmt, aber auch für Touristen geeignet, die nach den Reisestrapazen die Naturschönheiten des judäischen Gebirges in Ruhe genießen wollen. Die innere Einrichtung des Hauses ist mustergültig und trägt allen europäischen Ansprüchen Rechnung. Die Persönlichkeit des Inhabers bürgt für die rituelle Zuverlässigkeit, doch ist beabsichtigt, das Haus der Aufsicht von Oberrabbiner Duschinski zu unterstellen. Ein arabischer Richter und sein Rechtsspruch. Jerusalem, 17. Juni. Zwei Mitglieder des Vereins „Mashire Schabbath" schrieen einem Autobus, der vollgefüllt am Freitag abend durch die von Juden belebten Straßen fuhr, laut „Schabbath!" nach, worauf sich noch mehrere Menschen ansammelten und in den Ruf einstimmten. Der Wagen gehörte der Gesellschaft „Agad". Beide Rufer hatten sich nun wegen Störung der öffentlichen Ruhe vor dem Jerusalemer Friedensgericht zu verantworten. Sie wurden freigesprochen'. Der Richter, ein Araber, sagte in seiner Begründung: „Es steht jedem Menschen frei, bis abends elf Uhr in den Straßen laut zu sprechen oder zu schreien. Diese Männer waren aber als Mitglieder eines Sabbatschutzvereins sogar geradezu verpflichtet, gegen die Verletzung des Sabbats laut zu protestieren, so daß sie keine Schuld trifft." Der Verteidiger in diesem Prozesse, dessen Ansichten sich der arabische Richter voll und ganz aneignete, war der bekannte Rechtsanwalt und Vertreter der Aguda, Herr Dr. Buxb a u m. Palästinaregierung bereitet, sich auf verstärkte jüdische Einwanderung vor. Jerusalem, 13. Juni. Die Palästinaregierung hat ihr Budget für das kommende Finanzjahr veröffentlicht; dem ist zu entnehmen, daß die Regierung für die Zeit von April 1934 bis März 1935 mit einer 30prozentigen Steigerung der jüdischen Einwanderung rechnet. Die Regierung veranschlagt ihre Einkünfte aus Importsteuern Und mehr als ein Drittel der bisherigen Einkünfte, wovon 30 Proz, aus der Einfuhr jüdischen Kapitals fließen sollen. Diese Tatsache ist nicht so zu deuten, als wenn die Regierung geneigt wäre, die Zahl der Zertifikate für Arbeiter zu erhöhen; sie rechnet eben nur mit einer Erhöhung der gesetzlich unbegrenzten Kapitalisten-Einwanderung. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat soeben einer jüdischen Abordnung erklärt, daß solange er das Amt eines High Commissioner bekleiden wird, er es als seine Pflicht ansehen wird, das Gleichgewicht in der jüdischen Einwanderung zu wahren.

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