Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1934)
- Date
- 1934-06-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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21. Juni 1934 Der Israelit Nr. 25 Seite 7 niten und Adenesen, 1256 Griechen, 1169 Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, 1099 Litauer und 287 Engländer; 1827 waren staatenlos. 2876 Personen, die als Touristen oder ohne Erlaubnis nach Palätsina gekommen waren, wurden als Einwanderer registriert, unter ihnen 2465 Juden, 344 Christen, 63 Mohammedaner und 4 andere. Die Registrierung von 935 Juden und 15 Nichtjuden> erfolgte auf Grund der besonderen Regelung vom Jahre 1931. In die arabische Presse haben übertriebene Berichte über unerlaubte Einwanderung Eingang gefunden und unvorsichtige Aeußerungen repräsentativer Zionisten, von unverantwortlichen Prophezeihungen einzelner Juden in Zeitungen und auf der Redner- Tribüne zu schweigen., hätten wenig dazu beigetragen, diese Berichte zu entkräften. Was die angeblich übermäßige Einwanderung von Arabern aus Transjordanien nach Palästina zwecks Arbeitssuche betrifft, so seien im Sommer höchstens 1000 Araber auf Arbeitssuche nach Palästina gekommen, die meisten seien aber noch vor Jahresschluß. wieder fortgezogen. Die Zahl der Transjordanier, die sich unerlaubt in Palästina niedergelassen haben, betrage nur wenige Hunderte. t. Wenn es je noch eines Beweises für die anhaltende wirtschaftliche Prosperität in Palästina bedürfte, heißt es in dem Bericht weiter, so wäre er durch den Verwaltungsüberschuß erbracht, der nach dem Stand vom 31. März 1934 auf fast 2x/2 Millionen Pfund geschätzt wird. Die günstige Wirtschaftslage wird in dem Bericht auf die Einwanderung von Kapitalisten und anderen Einwanderern, durch die der Konsum erhöht wird, zurückgeführt, auf die Ermöglichung der Erteilung billigen Kredits infolge der Kapital-Akkumulation in den Banken, auf die dauernde Ausdehnung der Landwirtschaft und die lebhafte Tätigkeit im Baugewerbe. Palästina ist nicht nur für Juden ein anziehender Arilagemarkt. Die Eröffnung des Hafens von Haifa und die Fertigstellung der Oelleitung von Mossul nach Haifa bedingt eine Belebung des Interesses an Palästina seitens der Exporteure und Investitoren Englands und des europäischen Festlandes, (Schluß folgt.) Korrespondenzen. Deutsches Reich. Hilfe und Aufbau. Berlin, 15. Juni. Die Beitragskarte für Hilfe und Aufbau ruft alle Juden in Deutschland auf zur Tat durch Hilfe zum Aufbau. Keiner, der noch ein Einkommen hat, darf sich dieser Pflicht entziehen. Die Werbung im Monat J u n i; soll das Hilfswerk „für die Säuglinge" in das Bewußtsein der jüdischen Gesamtheit bringen. Wirtschaftliche Not und Sorgen in vielen jüdischen Familien lassen befürchten, daß die Zahl der Geburten, die bereits in den letzten Jahrzehnten von Jahr zu Jahr geringer geworden ist, immer mehr abnimmt. Solange wir an uns und unsere Zukunft glauben, haben wir das Recht und die Pflicht, in unseren Kindern weiter zu leben. Wir müssen uns der Verantwortung, die unsere Gemeinschaft für jedes jüdische Kind hat, bewußt werden. Die Pflege, die ein Kind in seinen ersten Lebensjahren erfährt, ist für seine Entwicklung von größter Bedeutung. Die richtige Ernährung im Säuglingsalter macht das Kind widerstandsfähig und bietet den besten Schutz gegen Krankheiten. Wir müssen deshalb dafür sorgen, daß unsere Mütter durch besonders hierfür geschulte Aerzte beraten und belehrt werden, damit jeder Säugling die richtige Ernährung erhält. Es muß unser Bestreben sein, der Mutter zu ermöglichen, so lange' als irgend möglich ihr Kind selbst zu nähren und zu pflegen. Ist die Mutter gezwungen, schon nach wenigen Monaten der Erwerbsarbeit nachzugehen, so muß durch Unterbringung in Krippen für eine sorgfältige und sachgemäße Pflege der Säuglinge gesorgt werden. Für kranke und elende Säuglinge oder für das Kind, welches ohne den Schutz der Familie aufwachsen muß, soll das Säuglingsheim, das Heim für Mutter und Kind, eine Zuflucht bieten. Die Erhaltung unserer Beratungsstellen, Krippen, Säuglings- und Mütterheime, die Durchführung aller Arbeiten auf dem Gebiete des Säuglingsschutzes er- Die Woche- Berlin. Der Deutsche Glasversicherungsverband macht auf die ' wirtschaftlichen Folgen aufmerksam, die entstehen, wenn in vereinzelten Fällen die Fensterscheiben großer Firmen eingeschlagen würden. Beim Einwerfen von Fensterscheiben jüdischer Geschäfte würden1 nicht die Geschäftsinhaber geschädigt, sondern die deutschen Versicherungsgesellschaften. — In Anerkennung seiner nach nur einjähriger Lehre vollbrachten Leistungen, wie sie sonst erst von Lehrlingen im vierten Lehrjahre verlangt werden können, erhielt Erich L ü d k e den ersten Preis für das gesamte Baugewerbe Deutschlands, ferner das gesamte Ofensetzgewerbe in Deutschland. Sein Lehrmeister war das Vorstandsmitglied des Vereins selbständiger jüdischer Handwerker, Töpfermeister M. Kramarski. — Zu der Meldung des „Niederdeutschen Beobachters", daß der Hauptausschuß der Gemeindeverwaltung Arendsee beschlossen hätte, jüdischen Besuchern die Benutzung des Strandes innerhalb der .Ortsgrenzen zu verbieten, teilt die Reichsvertretung der deutschen Juden mit, daß das Strandverbot inzwischen wieder zu rückgenommen wurde. — Nach neuerlichen Feststellungen befinden sich zur Zeit nur noch 300 jüdische Studenten an der Berliner Universität, zu denen auch noch die 100 Besucher der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zu zählen sind. Früher gab es in Berlin durchschnittlich 1500 jüdische Studierende. Am stärksten zurückgegangen ist die Zahl der angehenden jüdischen Juristen und Mediziner. Dessau. Vor kurzem berichteten wir über den Verkauf der Synagoge in Gröebzig in Anhalt. Wie nun der Landesverband der Anhaltischen Israelitischen Kultusgemeinde mitteilt, schweben darüber noch Verhandlungen zwischen Stadt und Gemeinde. Die Synagoge wird längst nicht mehr benutzt, da die Gemeinde auf zwei männliche Seelen zusammengeschmolzen ist. Die Ueberlassung an die Stadt soll gegen die Verpflichtung erfolgen, daß der jüdische Friedhof Eigentum der Gemeinde bleibt und für ewige Zeiten in Stand gehalten wird. Ein Zwang wurde von Seiten der Stadtbehörde nicht ausgeübt. Warschau. Bei der in Wilna durchgeführten Neuwahl des Gemeinderats wurden 34 Vertreter der Regierungspartei, 19 Natiorialdemokraten, 9 Vertreter des Nationaljüdischen Blocks, ein Bundist und ein Vertreter der rechten Poale Zion gewählt. Die Zahl der jüdischen Vertreter ist dieselbe wie im früheren Gemeinderat. Saloniki. Die .griechische Regierung hat für die jüdisch-soziale Arbeit in Saloniki eine. Beihilfe von 500.000 Drachmen gewährt. Jerusalem. Es heißt hier, daß der M i s r a c h i beschlossen hätte, seine Vertreter aus dem Waad leumi zurückzuziehen. Es soll nur noch die Einwilligung des polnischen Misrachi zu diesem Beschlüsse ausstehen. — Die arabische Tageszeitung „AI Dschamea al Islamia" druckte einen Teil der „Ritualmordnummer" des deutschen „Stürmer" ab und verbreitete das Blatt in einer gesteigerten Auflage. Die Zeitung wurde aus diesem Grunde von der Regierung „wegen Verbreitung der Ritualmordlüge" für eine Woche verboten. Newyork. Die Weltmeisterschaft im Boxschwergewicht wurde beim Match in Newyork, dem 60.000 Zuschauer beiwohnten, Max B a e r, dem bekannten jüdischen Boxermeister, zugesprochen. fordern große Mittel. Wir können diese unsere Aufgaben nur erfüllen, wenn jeder nach besten Kräften daran mitwirkt. Kriegsopierversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. B e r 1 i n , 14. Juni. Vor kurzem fand unter Leitung des Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin und Mark des RjF. Callmann die erste allgemeine Kriegsopfer-Versammlung für den ganzen Landesverband statt. Es waren 250 bis 300 Kriegsopfer erschienen. Der Leiter der Kriegsopfer-Abteilung bei der Bundesleitung, Oberlandesgerichtsrat a. D. Dr. Rosenthal, berichtete über die Entwicklung der Kriegsopferversorgung im allgemeinen, ihren jetzigen Stand und die Einrichtungen des RjF. für die Betreuung der Kriegsopfer. Er machte auch Mitteilungen über den Stand des geplanten neuen Kriegsopferrechts. Einer in der darauf folgenden Aussprache gemachten Anregung entsprechend, sagte der Landesverbands-Vorsitzende die regelmäßige Veranstaltung von Kriegsopfer-Versamm- Slungen auch für die einzelnen Ortsgruppen zu. Ferner sollen für jede Ortsgruppe kriegsbeschädigte Mitglieder des RjF. zur Beratung der Kriegsopfer bestellt werden. Diese Berater werden durch den Leiter der Kriegsopfer-Abteilung in besonderen Schulungskursen atisgebildet und über die Grundzüge des Versorgungsrechts und des Verfahrens vor den Versorgungsbehörden unterrichtet werden. Nichtarische Kinder vom innerdeutschen Schüleraustausch ausgeschlossen. Berlin, 14. Juni. Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Berlin veröffentlicht einen Aufruf, in dem es die Schüler und Schülerinnen der preußischen höheren Lehranstalten auffordert, sich bei ihren Direktoren zum innerdeutschen Schüleraustausch zu melden. Die Austauschpartner verleben ihre Ferien gemeinsam, um sich gegenseitig kennen zu lernen. Der Gegenbesuch ist jeweils für die darauffolgenden Ferien vorgesehen. Von diesem innerdeutschen Schüleraustausch sind nichtarische Kinder grundsätzlich ausgeschlossen. Zionistische Abgrenzung. Berlin, 15. Juni. Der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat .in seiner Sitzung vom 6. Juni 1934 folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Zugehörigkeit zur Zionistischen Vereinigung für Deutschland ist mit der Zugehörigkeit zur Staatszionistischen Organisation unvereinbar. 2. Die Zugehörigkeit zur Zionistischen Vereinigung für Deutschland ist mit der Zugehörigkeit zum Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und seinen Sportgruppen unvereinbar. Die „Jüdische Rundschau" veröffentlicht hierzu eine ausführliche Begründung, die sich hauptsächlich mit dem RjF. befaßt. Es heißt in ihr u. a.: „Wir finden es besonders beschämend, daß der RjF., die Bindungen der Frontkameradschaft, deren Respektierung er von Nichtjuden erwartet selbst seinen jüdischen Kameraden gegenüber, sofern diese Zionisten waren, hintansetzte. Nicht einmal das Frontkämpferprivileg, das die Ariergesetzgebung den jüdischen Frontkämpfern gelassen hat, wird von Dr. Löwenstein innerhalb des jüdischen Kreises den Zionisten zugebilligt." Oesterreich. Was geht vor? Wien, 15. Juni. Sämtliche der „Union Oesterreichischer Juden" angehörenden Kultusvorsteher haben nach einem schweren Konflikt mit der zionistischen Gemeindemehrheit, ihre Mandate im Vertreterkollegium, in den Kommissionen und den. Sfeuersenaten usw. niedergelegt. Dazu schreibt die „Jüdische Presse" u. a.: „Wir hatten in den letzten Monaten wiederholt Gelegenheit, ein wenig Licht in die Tätigkeit der derzeitigen Kültusgemeindemehrheit zu werfen. Wir ha-