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Der Israelit · 1934-06-21 · Heft 25 (21.6.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 25 (21.6.1934)
Date
1934-06-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 25 Der Israelit 21. Juni 1934 gingen, lehnen jede Diskussion über den Amiel'- schen Gedanken ab und gehen von der Voraussetzung aus, es könnte jede der beiden Organisationen bei ihrer prinzipiellen Stellungnahme zu den Grundfragen der Volksorganisation verharren, und dennoch sollten beide nicht nur auf allen möglichen Gebieten, insbesondere auf den heikelsten und religiös umstrittensten, dem der Erziehung, zusammenwirken, sondern sogar einen großen orthodoxen Weltkongreß einberufen, obgleich dieser doch den tiefsten Gegensatz in der ganzen Grundstimmung der beiden Organisationen vor aller Welt in katastrophaler Weise offenbaren müßte. Das ist nun die geistige Situation, in der das Thema ,,Agudo—Misrachi" auf die Tagesordnung der Warschauer Zentralratssitzung der Agudas Jisroel gelangte. ■ ■ i - Man muß schon zugeben: der genius loci war schon an sich einer gänzlich unbefangenen, vorurteilslosen Betrachtung des Gegenstandes höchst ungünstig. In Polen brennen alle die Wunden in voller Intensität, die das unverantwortliche (auch nach Ansicht vieler einsichtiger Misrachisten unverantwortliche) Ränkespiel der misrachistischen Gemeindepolitiker, die immer auf die linke Seite fallen, den höchsten religiösen Interessen des J üdentums schon geschlagen hat und fortgesetzt schlägt. Es ist daher menschlich begreiflich, daß die polnischen Zentralrats-Delegierten von einem freundschaftlichen Zusammenwirken mit ihren intimsten Gegnern nichts wissen wollen, genau so, wie man drüben in Erez Jisroel die Anhänger von Rabbiner Kuk verstehen kann, daß sie einem Frieden mit der Agudo nach Jahren gehässiger persönlicher Kämpfe nicht gerade mit großem Vertrauen gegenüberstehen. Dazu kommen dann die Vertreter der agudistischen Kreise der ungarischen Nachfolgestaaten, die im „Misrachi" den gefährlichsten Gegner der rabbinischen Autorität und Verführer der orthodoxen Jugend erblicken, und denen schon jeder Versuch einer Annäherung zwischen Aguda und Misrachi eine unerlaubte Schwächung des rabbinischen Issurs gegen den „Misrachi" zu sein scheint. Somit stehen — wenn man von einer Minderheit deutscher Agudisten absieht — die litauischen Rabbon im um den Kownoer Raw mit ihrer Befürwortung einer agudistisch-misrachistischen Einheitsfront ziemlich allein auf weiter Flur, und da diese Gruppe für eine Vertretung auf der Zentralratssitzung überhaupt nicht ge- Das Colonial Office hat den dem Völkerbundsrat vorgelegten Regierungsbericht über die Verwaltung Palästinas und Transjordaniens im Jahre 1933 veröffentlicht. In dem Bericht, der sich wie in jedem Jahre eingehend mit den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen des Landes, mit den Leistungen auf sozialem, und kulturellem Gebiete, mit Einwanderüngs- und Arbeitsfragen befaßt, wird diesmal dem Problem der Arb eitskonflikte besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es wird auf die Konflikte während der Orangenernte infolge der Forderung des Arbeiterverbandes nach Verwendung rein jüdischer und Ausschluß unorganisierter Arbeit hingewiesen und als Regierungsvorschlag die (inzwischen gesetzlich durchgeführte) Abänderung der Bestimmungen über das Postenstehen in der Weise, daß friedliches Postenstehen nur in Fällen zugelassen werden soll, die nicht von Rasse, Religion oder Sprache der Angestellten ausgehen, erwähnt. Zur Arbeitslosigkeits-Statistik wird bemerkt, daß die Erhebungen noch immer schwierig, durchzuführen sind, obwohl sich die Verhältnisse durch Errichtung eines Arbeitsdezernats beim Immigrasorgt hatte, die anwesenden B'^ITl aber entschiedene Gegner der litauischen Auffassung waren, so hielt es die Aguda-Exekutive für ihre Pflicht,.wenigstens die Türe für weitere Verhandlungen offen zu halten und einen völligen Abbruch vorläufig zu vermeiden., Es gibt agudistische Führer, die der Meinung sind, daß die innere Entwicklung des „Misrachi" eines Tages doch zu einer Stärkung der Amiel'- schen Richtung führen könnte, und daß es auch heute schon Gebiete gibt, wie z. B. den Kampf für den Schabbos in Erez Jisroel, die Rettung der J eschiwos, auf denen eine Zusammenarbeit nicht durch Ressentiments, die aus lokalen Kämpfen herrühren, verhindert werden dürfte. ■ Es ist übrigens in diesem Zusammenhange nicht uninteressant, festzustellen, wie sehr sich;die oberste Leitung des „Misrachi" selber ihres historischen Gegensatzes gegen die räbbinische Welt, gegen die anerkannten 'Vvtt flijmnn des jüdischen Volkes bewußt ist. In derselben Nummer des „Zion", die wir oben bereits izitierten, wird eine große Rede mitgeteilt, die Rabbi Meir Berlin, der Führer des Misrachi, in der letzten Sitzung des zionistischen Aktions- Komitees zur Begründung der misrachistischen Forderungen gehalten hat, und die in das fol-j gende charakteristische Bekenntnis ausklingt: „Sie müssen verstehen, daß es uns nicht mehr möglich ist, länger zu warten, weil uns die Bewegung nicht weniger teuer ist als Euch( die wir unsrer Seele für sie einsetzen, vielleicht mit einem Mangel an Disziplin den großen Rabbonim und Fürsten der Thora gegenüber, mit denen wir,uns zu allen Zeiten verbunden fühlen. Wir haben uns jedoch gegen die Großen des jüdischen Volkes aufgelehnt um des Zionismus willen. Der Zionismus hat uns Opfer gekostet, wie vielleicht Euch nicht..." Wer das sagt, wird verstehen müssen, wie schwer es für „Agudas Jisroel" ist, ihre gänzlich an die Autorität der Thoragrößen gebundene Marschroute auch nur etappenweise mit dem Weg einer Organisation zu vereinen, zu deren Wesen die Auflehnung gegen eben jene Autorität gehört und die vorerst keine Miene macht, dem Rufe Rabb, Amieis zur Heimkehr auf den *pT :*]^an der jüdischen Geschichte Folge zu leisten. . tions-Department gebessert haben. Während sich das Dezernat auf die Statistiken der Arbeitsämter des Jüdischen Gewerkschaftsverbandes weitgehend stützen kann, findet es bei den schlecht organisierten arabischen Gewerkschaften wenig Hilfe. Die Arbeitslosigkeit unter Arabern war ziemlich stationär, der höchste Arbeitslosenstand wurde im Juli mit 20.500, der tiefste im Dezember mit 15.600 Arbeitslosen, in ihrer Mehrheit landwirtschaftliche Arbeiter, erreicht. Die im letzten' Halbjahr 1932 festgestellte Abnähme der Arbeitslosigkeit unter den Juden hat weiter angehalten. Der tiefste Stand der Arbeitslosigkeit betrug 500 im März, der höchste 1550 im Dezember. Es wird dann der Widerstand der Unternehmer gegen die Forderung, nur Mitglieder des Allgemeinen Arbeiterverbandes und nur durch Vermittlung seiner Arbeitsämter anzustellen, und die Komplikation der Lage durch Gründung der revisionistischen Gegen-Gewerkschaft erwähnt. Auch auf den Versuch, in Tel-Awiw eine neutrale Arbeitszuteilungs-Kommission zu schaffen, und auf den Mißerfolg der paritätischen Arbeitsvermittlungsstelle in den Kolonien wird hingewiesen. 57 Fälle von Arbeitskonflikten wurden registriert, davon 42 Streiks,1:3 Aussperrungen und 12 Konfliktsfälle ohne Arbeitseinstellung l infolge der Forderung des Allgemeinen Arbeiterverbandes nach Verwendung ausschließlich jüdi-i -scher oder organisierter Arbeit. Betroffen waren 240 Industrie-Betriebe, 14 Landwirtschafts-Betriebe und eine öffentliche Einrichtung; Die Ar-' beitskonflikte, an denen 2050. Arbeiter beteiligt waren, führten zum Verlust von 19.100 Arbeitstagen. Die Gewerkschaftsbewegung unter den Arabern hat einige Fortschritte gemacht; und es wur-u. den mehrfach Versuche unternommen, arabische1 Arbeiterorganisationen zu schaffen, zum Teil unter dem Einfluß der jüdischen. Arbeiterorganisation, zum Teil spontan in den arabischen Distrikten. Die meisten arabischen Gewerkschaften sind jedoch nicht entsprechend organisiert, einige von ihnen sind inaktiv, manche befinden sich sogar in Auflösung. Die arabischen Arbeiterorganisationen umfassen in der Regel sowohl Lohnempfänger als auch selbständige Handwerker. Zu einem gemischten Typus gehören die mit Hilfe der jüdischen Arbeiterorganisation geschaffenen Gewerkschaften; sie umfassen arabische und jüdische Mitglieder. Die illegale Einwanderung, hauptsächlich die von Juden, wird in dem Bericht als eine der großen Sorgen der Palästinaregierung bezeichnet. 1931 habe man 6000 unerlaubt Eingewanderten die Legalisierung des Aufenthalts ermöglicht. Die Zahl der in den beiden letzten Jahren ohne Erlaubnis Eingewanderten wird auf 22.400 geschätzt. (Die Zahlen sollen in stark übertriebenem Maße die bestrittene Einwanderungsschedule rechtfertigen. Red.). Ohne den Grundsatz der Einwanderurigs-Regelung nach Maßgabe der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit zu verletzen, hat die Regierung, so heißt es in dem Bericht weiter, in Berücksichtigung des Auswanderungsbedürfnisses von Juden in Deutschland einen Vorschuß von 3000 Zertifikaten auf die nächste Arbeiter-Schedule im Jahre 1933 zur Verteilung in Deutschland gewährt; Gesuche palästinensischer Einwohner um Zulassung naher Verwandter wurden mit besonderem Wohlwollen behandelt. Außerdem wurde die Einwanderung von Kapitalisten und geschulten Handwerkern aus Deutschland erleichtert. Jetzt plane die Palästinaregierung die Errichtung eines Statistischen Amtes und gewisse Maßnahmen, um zwischen Einwanderung und Aufnahmefähigkeit des Landes eine engere Relation herzustellen. Der Bericht befaßt sich sodann mit dem Widerstand der Araber gegen jüdische Einwanderung. Gegenüber arabischen Klagen habe die Regierung bei jeder Gelegenheit festgestellt, daß eine Aenderung des Grundsatzes der Regelung der Palästina-Einwanderung nach der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes nicht erfolgt ist und nicht erfolgen werde. Die Unruhen „im Oktober und November hätten zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung die Anwendung von Waffengewalt seitens der Polizei notwendig gemacht. Im Anschluß daran weist der Bericht auf die jüdischen Kundgebungen' gegen die zu geringe Einawnderung und auf die Zusammenstöße in Tel Awiw am 11. Dezember hin, Ueber die Bevölkerungszunahme durch Einwanderung werden in dem Bericht folgende Ziffern angegeben: Die Gesamtzunahme durch Einwanderung betrug im Laufe des Jahres 43.891 Personen. Von diesen wurden 29.101 bei der Ankunft als Einwanderer registriert, 13.029 kamen als Touristen. Dagegen sind 260 Einwohner Palästinas mehr ausgereist, als vom Ausland zurückgekommen. Von den als Einwanderer Registrierten waren 27.862 Juden, 1239 Nichtjuden. Von den im Lande gebliebenen Touristen waren 10.376 Juden und 2653 Nichtjuden. Die Nettozunahme der jüdischen Bevölkerung durch Einwanderung wird auf annähernd 39.000 geschätzt. Nach' der Staatsangehörigkeit waren von den , registrierten jüdischen Einwanderern 13.125 Polen, 5392 Deutsche, 1411 Rumänen, 1287 Jeme- Aus dem Berichte der Palästinaregierung an den Völkerbund.

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