Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-06-14 · Heft 24 (14.6.1934) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450830--80497-2538332
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 12 Nr. 24 Der Israelit 14. Juni 1934 duld reißt und sie gegen diese Verletzung ihrer Heiligtümer protestieren. Der Sabbat sei im jüdischen Volke nicht ein gewöhnlicher Ruhetag, auf den jeder nach Belieben verzichten könne, sondern eine grundlegende religiös-nationale Institution, die alle Generationen hindurch geheiligt wurde. Es sei geradeso, als ob man beispielsweise einem Briten zumuten wolle, ruhig mitzuzusehen, wie vor seinen Augen die britische Krone in den Straßen von London beschmutzt und entweiht werde. Der Verteidiger zitierte eine Stelle aus der bekannten Entscheidung des Richters Frumkin in einem Sabbatprozeß vor dem Appellationsgericht, worin es heißt, der Sabbat sei die Grundinstitution des jüdischen Volkes, von der man mit Recht sagen könne, daß sie das jüdische Volk mehr behütet habe, als das jüdische Volk seinerseits den Sabbat. Wer den Sabbat öffentlich entweihe, stört in einer jüdischen Stadt die öffentliche Ordnung. E r ist der eigentliche Friedensbrecher und nicht derjenige, der sich gegen die Entweihung dieses Heiligtums auflehnt. Es gibt im Lande Gesetze gegen die Entweihung der religiösen Heiligtümer der Muselmanen, warum nicht auch solche gegen die Sabbatentweihung? Der Verteidiger beantragte völlige Freisprechung, oder aber bedingte Verurteilung gegen Sicherheitsleistung. Das Urteil lautete auf Hinterlegung von je Lst. 10.— als Gewähr für gutes Verhalten während der nächsten 6 Monate. In der Urteilsbegründung zeigte sich in überraschender Weise, wie wef-ig der britisch© Richter bei allem 'guten Willen, objektives Recht zu sprechen, doch in der Lage war, sich eine richtige Auffassung von der Stellung des Sabbats zu bilden. Die Begründung weist auf die Notwendigkeit hin> die Gewissensfreiheit aufrecht zu erhalten und sucht nachzuweisen, daß es unter den Juden selbst verschiedenerlei Auffassungen gäbe, so z. B. hinsichtlich der Barttracht, der Peos, der Kleidung, die sich doch auch gegenseitig dulden müßten. Daß diese Dinge mit der Sabbatfrage nicht zu vergleichen sind, hat der Richter natürlich nicht empfunden. Der ,, E g e d " -Skandal geht immer weiter. Bekanntlich hat diese Automobilgesellschaft, nachdem sie gegen einige Sabbatfreunde, die ihre öffentlichen Sabbatentweihungen durch einen Maueranschlag kennzeichneten, die Verurteilung zu einem Mil erzielt hatte und nachdem durch eine regelrechte Zeugenvernehmung vor dem Besdin von Oberrabbiner Duschinski ein Issur gegen die Benutzung der Fahrzeuge ergangen war, sich schließlich an das Oberrabbinat Kuk gewandt, das eine demütige Unterwerfungserklärung der Gesellschaft herbeiführte, die darin hoch und heilig versprach, sich fortan keiner Verletzung des Sabbats mehr schuldig zu machen. Daraufhin veröffentlichte dann das Oberrabbinat naturgemäß eine Kundgebung, daß es eine Mizwoh sei, die Gesellschaft zu unterstützen. Das Ergebnis war aber, daß die Gesellschaft ihre Versprechungen vollkommen vergaß, und wie die neueste Nummer des ,,Kol Jisroel" zu melden weiß, ihre Praxis fortsetzt und verschlimmert. Am Sabbat Bamidbor kamen 16 ,,Eged"-Automobile mit Reisenden zu Ehren des Schewuosfestes nach Jerusalem. Man darf gespannt sein, ob das Oberrabbinat sich nun entschließt, energisch gegen die Gesellschaft vorzugehen, die natürlich sich sofort unterwerfen muß, wenn das Publikum auch nur kurze Zeit dem Issur Folge leistet. Nach den Meldungen aus T i b e r i a s besteht die Notwendigkeit kräftiger Hilfeleistung dort unverändert fort. Der ärmeren Bevölkerung sind ihre ganzen Erwerbsquellen abgeschnitten. 1200 Personen mußten zum Schewuosfeste von dem Hilfsausschuß mit Lebensmitteln, Kleidern und Barsummen unterstützt werden. Die von der Agudas Jisroel in Jerusalem gesandten Lebensmittel und Kleider wurden von dem Hilfsausschuß an alle jüdischen Einwohner verteilt. Auch die nahegelegene Stadt Zfas beteiligt sich täglich an der Lieferung von Lebensmitteln. Die Not wird vergrößert durch die Notwendigkeit, weitere Baulichkeiten abzutragen, die in ihren Fundamenten erschüttert sind. Außerdem legt die Regierung — wodurch weitere Gebäude zum Opfer fallen — zwei breite Straßen durch die Stadt an, damit das Wasser in künftigen Fällen in den Kinereth-See abfließen kann. Nationalsozialisten in Palästina. Jerusalem 3. Juni. „Haarez" und andere Zeitungen berichten über die Gründung einer arabischen nationalsozialistischen Organisation in Palästina und fordern die Regierung auf, der neuen Organisation einiges Interesse zuzuwenden. Die Erregung wird gesteigert durch die Mitteilung, daß eine Gruppe von britischen Polizeibeamten auf der Levante^Messe in Tel Awiw mit ihren Abzeichen die Juden provozierten. Ueber die Gründung einer arabischen nationalsozialistischen Partei wird auch aus Damaskus berichtet. Lösung der Verwaltungseinheit zwischen Tel Awiw und Jaffa. Tel Awiw, 1. Juni. Obwohl Tel Awiw in seiner Entwicklung die Stadt Jaffa, zu der es ursprünglich gehörte, bereits längst überflügelt hat, ist es in mancher Hinsicht noch immer Jaffa verwaltungstechnisch angegliedert. Dieser Zustand soll nunmehr schrittweise beseitigt werden, so daß Tel Awiw in absehbarer Zukunft von Jaffa verwaltungsmäßig vollständig unabhängig sein wird. Zunächst beabsichtigt die Regierung, die Tel Awiwer Polizei, die bisher der Jaffaer Polizeikommandantur unterstand, von dieser loszulösen und unmittelbar der Jerusalemer Polizeidirektion zu unterstellen. Messeschluß in Tel Awiw. T e 1 A w i w , 5. Juni. Die Levante-Messe in Tel Awiw wurde nach fünfwöchiger Dauer am 5. Juni geschlossen. Die Messe, die einen außerordentlichen Erfolg aufzuweisen hatte, ist von über 600.000 Gästen besucht worden. Die nächste Levante-Messe wird im Jahre 1936 abgehalten werden. Personalien. Köln, 8. Juni. Mit Herrn Leonhard B i e r - W e i 11, welcher am in^na p~v nach längerem Leiden im Alter von 76 Jahren von dannen ging, ist ein Mann von uns geschieden, der in seinem Wirkungskreise zur Mehrung des Judentums Hervorragendes leistete, wenngleich er dank seiner Bescheidenheit niemals danach strebte, in der Oeffentlichkeit eine Rolle zu spielen. Den Grundzug seines Wesens bildete seine ehrliche, aufrichtige jüdische Gesinnung. Einer echt jüdisch gearteten Familie entsprossen, bewahrte er die elterliche Tradition in allen Lagen seines Lebens. Er wählte sich eine gleichgesinnte Gattin als Lebensgefährtin, und vereint mit ihr pflanzte er ins Herz seiner Kinder den Sinn für die ernste und pflichtbewußte Weltauffassung des Judentums. In seinem ganzen Leben huldigte er dem Grundsatze der knappen Rede und der reichen Tat — und vor allem in seinem trauten Heime gab er damit seinen Kindern ein gutes Vorbild, das sie in den Stand setzte, selber Häuser in gleichem Sinne zu gründen. Es gereichte ihm zur Freude, daß seine Kinder sich mit der Tauroh beschäftigen und eifrig der Erfüllung der Mizwoth ob.- liegen, und er durfte einen besonderen Lohn der g'ttlichen Vorsehung darin erblicken, daß er noch wahrnehmen konnte, wie schon seine acht Enkelkinder, von welchen er drei als Gevatter in den Bund Abrahams einzuführen die "OT hatte, von ihren Eltern auf denselben Weg geleitet wurden, auf welchem er durchs Leben geschritten. Wie tief seine jüdische Ueberzeugung in der Brust seiner Kinder Wurzel gefaßt, erhellt unter anderem aus dem Umstände, daß einer seiner Söhne seit Jahren in uneigennütziger Weise sich als ^nnö betätigt. Im geschäftlichen Leben war er von solcher Ehrlichkeit geleitet, daß er sich die Wertschätzung seiner nichtjüdischen Geschäftsfreunde erwarb und lange Zeit dem Vorstande des Kölner Immobilien- und Hypothekenmakler Vereins angehörte. Außerdem war ihm die Auszeichnung der Ehrenmitgliedschaft des Reichsverbandes Deutscher Makler zuteil geworden. Sein Geschäftsunternehmen entwickelte sich unter G'ttes Beistand durch seinen unentwegten Fleiß zu einem maßgebenden Hause und gestaltete sich infolge seiner allgemeinen Beliebtheit zu einem D»n s?vr>p von bedeutsamer Prägung. Die Verehrung, welche dem Heimgegangenen von weiten Kreisen entgegengebracht wurde, kam so recht bei seiner Bestattung zum Ausdruck. Eine zahlreiche Trauergemeinde lauschte an seiner Bahre der Rede des Herrn Rabbiner Dr. Carlebach '"a, der im Namen der Synagogengemeinde Adaß Jeschurun dem Freunde für die Treue, die er der Gemeinde stets bewahrte, in warm empfundenen Worten den Dank aussprach und seine vortrefflichen Eigenschaften schilderte. Der Verblichene genießt nun im ]W in welches er am Enip T)2V zum fov lioiP.p')? einzog, den Lohn für seinen frommen Lebenswandel und sein mar möge sich seiner Familie allezeit zum Segen erweisen. n"3X3r> Königsbach (Baden), 6. Juni. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde hier Frau Babette Danke zu Grabe getragen. .Die Verstorbene erreichte das Patriarchenalter von 88 Jahren und war die älteste Einwohnerin unseres Ortes. Sie gründete mit ihrem Marin ein echt jüdisches Haus, ein Haus, an dem nur die min Richtschnur für das Leben war. Und so zog sie ihre Kinder auf, zu guten jüdischen Menschen, in denen sie unablässig das. heilige Feuer der mm schürten. Noch bis in die letzten Jahre, als ihr Augenlicht schon zu erlöschen drohte, da brannte in ihrem Innern um so heller ein reinem Licht und alle, die mit ihr verkehrten, mußten in Achtung zu ihr aufschauen. Eine große Liebe verband sie mit ihren Mitmenschen. Kein Armer ging ungespeist von ihrem Hause. Jedem war sie eine Mutter, ihren Kindern, als auch den fremden. Vor einigen Monaten ließ sie ihren Sohn nach isi»' px ziehen, wohin auch ihre Sehnsucht immer drängte und noch bis zuletzt weilten ihre Gedanken bei ihrem Sohne, der die heilige Saat, die sie in ihre Kinder ausgestreut hat, dort im Lande unserer Väter betreuen sollte. So starb sie, mit dem seligen Bewußtsein, daß sie ihren Kindern einen Halt gegeben hat auch für die schwersten Zeiten. — Das Wirken dieser wahrhaft jüdischen Persönlichkeit fand Ausdruck in den Worten, die an ihrer Bahre gesprochen wurden. Herr Lehrer S r o g gedachte dieser frommen Frau als einer Mutter, die durch ihr Leben i m jüdischen Hause auch, nach außen strahlte. Danach sprachen drei Söhne der Familie Pfeuffer aus Giebelstadt und Würzburg, denen sie immer eine liebevolle Mutter, ein leuchtendes Vorbild der Tugend war. Zum Schlüsse sprach noch ihr Enkel, dessen Eltern in Vjnfi?' px sind und der als Vertreter seiner Eltern seine Großmutter zum letzten Male grüßte. Die tiefe Verehrung, die aus seinen Worten sprach, zeugte von der stillen Größe dieser Frau, die ihren Enkeln immer ein hehres Beispiel treuester, jüdischer Pflichterfüllung, allen eine Trösterin in Zeiten der Not war. So ist sie von uns gegangen und so haben wir ihr Bild in unserem Herzen eingeprägt. Die Erinnerung an,,diese Mutter in VsnE" wird uns stets eine Leuchte sein im Dunkel der Zeiten: rraxm Ichenhausen, 7. Juni. Am -p^yria wurde das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Leopold Koschland. im Alter von fast 87 Jahren zu Grabe getragen. Der Verstorbene, der von glühender Liebe zu rmajn min durchdrungen war, wollte noch am Morgen seines Todestages bei seinem Enkelkinde als pnJO fungieren, als ihn rrapn kurz zuvor in die ewige Heimat zurückrief. Selbst noch in der Todesstunde zeigte sich seine tiefe Frömmigkeit. Er ließ die Männer der p"n zu sich rufen, verabschiedete sich von ihnen mit Worten der n^Ti», sagte mit ihnen zusammen die mnt&, bis er seine reine Seele aushauchte. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Schwab und schilderte den Entschlafenen als einen Jehudi, dessen Charakter und Wirken durch und. durch „gehämmertes Gold" waren. Als langjähriger ehrenamtlicher Mohel sei es ihm vergönnt gewesen, nahezu 400 Knaben in den Abrahamsbund aufzunehmen. Seine besondere Liebe galt den Armen von für die er Jahrzehnte hindurch in hiesiger Gemeinde als väterlich sorgte. Alsdann dankte Herr Hauptlehrer Hammelburger namens der »»'HP man ihrem Ehrenvorsitzenden, der sich um die Förderung derselben in fast 60jähriger Mitgliedschaft — darunter 30 Jahre als erster Vorsitzender — bleibende Verdienste erworben habe, die bereits von dem Vorgänger, des jetzigen Rabbiners, Herrn Rabbiner Dr. N e uw i r t h , Stuttgart, durch Verleihung des Chower- Titels gewürdigt waren. Zuletzt nahm ein Sohn des Verstorbenen in herzlichen Dankesworten Abschied vom Vater, auf den mit Recht das Wort angewendet werden dürfe: rraxjn Auf Pension Braun im Nordseebad Zandvoört, von der heute im Inseratenteile berichtet wird, sei auch hier nochmals hingewiesen. Das Nordseebad Zandvoört hat einen breiten Strand und eine ungefährliche Küste mit glänzender Brandung. Güte Gelegenheit zum Baden und Schwimmen, Sonnenbäder, Segeln. Schöne Spaziergänge in den Dünen. Prächtige Aussicht am Wasserturm. Gut unterhaltene Auto- und Fahrradwege. Niedrige Steuern. Keine Fremdensteuern. Keine Kurtaxe. Gute Schulen. Die Pension Braun bietet innerhalb dieses Ferienparadieses alle Bequemlichkeit und allen Comfort, auf die ein religiöser Jude Anspruch macht. Näheres Inserat, Briefkasten. Orepa: Für J. in W. sind noch M. 5.25 für Abonnement zu zahlen- R. R. in Eisenach. Der 10. September 1884 war am 20 Elul, Sie könnten sich daher an das jüdische Datum halten, das dieses Jahr dem 3 1. August entspricht. E. D. in B. G. Der 2. Dezember 1817 fiel auf den 23. Kislew, der 27. Aw 5627 auf den 28. August. Ihre weiteren Anfragen bedauern wir nicht beantworten zu können, weil uns dafür alle Unterlagen fehlen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.