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Der Israelit · 1934-06-14 · Heft 24 (14.6.1934) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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.14. Juni 1934 Der Israelit Nr. 24 Seite 11 Erhärtung seiner Identifizierung durch Frau Arlosorö'ff, wie er in Abschnitt V der Criminal Law Amendments Ordinance vom Jahre 1924 gefordert wird. Rosenblatt wird deshalb von dem Verbrechen, dessen er beschuldigt wurde, freigesprochen. Was die Ersatzansprüche betrifft, so hält es das Gericht nicht für angebracht, von dem ihm in Abschnitt VI' der Gerichtsordnung von 1925 eingeräumten Recht Gebrauch zu machen." Ueber die unmittelbare Wirkung des Urteils ist kurz und zusammenfassend folgendes zu sagen: Es erschien ein Aufruf des Oberrabbinates unter dem Motto: „Stellt den Bruderkampf ein!" Eine Proklamation der Histadruth warnt vor Provokationen und Ruhestörungen. Eine Proklamation der Revisionisten, die von einem Telegramm Jabotin s k y s bekräftigt wird, bezeichnet das Urteil als Fehlurteil und Justizmord und legt geharnischten Protest ein. Dem tapferen Verteidiger wird Dank ausgesprochen. Jerusalemer Gespräche, Jerusalem,-?. Juni. Der Freispruch Achimeirs, den das Gericht inmitten der Verhandlung verkündet hat, noch ehe die Zeugen der Verteidigung gehört wurden, — ein Freispruch aus Mangel an hinreichenden Beweisen — hat allgemein dort Befriedigung hervorgerufen, wo man Freude darüber empfindet, wenn ein Jude von schwerer Beschuldigung freigesprochen wird. Achimeir war beschuldigt, Stavsky und Rosenblatt zur Ermordung Arlosoroffs angestiftet zu haben. Erwiesen hat der Prozeß nur, daß Achimeir, ein blind-fanatischer Revisionist, Mitglied des „Brith Bironim", in Briefen, Artikeln und Reden Beispiele einer überaus feindlichen, rohen Einstellung zu allem, was nicht revisionistisch ist, gegeben hat. Achimeir ist kein Mann, der dem Frieden dient — das ist das Gelindeste, was von ihm ausgesagt werden kann, und das darf trotz der menschlich-natürlichen Freude über den Freispruch nicht vergessen werden. Deshalb hat es allgemein erstaunt, und selbst ein so besonnenes Organ wie ,,Haarez" bringt sein Erstaunen zum Ausdruck, daß der offizielle Oberrabbiner Erez Jisroels diesem Achimeir ein Glückwunschtelegramm gesandt hat, in dem er-als ,,edler Schriftsteller" begrüßt und der besonderen Wertschätzung des Oberrabbiners versichert wird. Die Revisionisten haben natürlich diese offizielle Ehrung ^weidlich als Reklame ausgenutzt, und in den. nichtrevisionistischen Kreisen des Jischuw, selbst in den dem Oberrabbinat nahestehenden, herrscht über diesen unerwarteten Schritt offener Parteinahme starke Betretenheit. (Im Verlauf des Prozesses gegen die Sabbat-Demonstranten wartete man -vergebens auf ein Lebenszeichen des Oberrabbinates.) Achimeir ist noch nicht freigelassen worden, weil er wegen der Teilnahme am „Brith Birjonim" unter Anklage steht. Dies Verhalten der Polizei gegen einen Mann, der zehn Monate wegen einer nicht erwiesenen Anklage in Haft sitzt, ist reichlich hart. Achimeir hat den inzwischen aufgegebenen Hungerstreik proklamiert, was für die Revisionistische Zeitung „Chazit Haam" ein Anlaß war, unter der Ueberschrift "mo nvn m ntm »ai am nwiar ein Extrablatt zu drucken, zu verteilen und anzuschlagen! Eine Entweihung, die bisher selbst im neuen Palästina unerreicht dasteht. Und das zur gleichen Zeit, in der man sich mit großem Lärm der angeblichen Sympathie des Oberrabbinates rühmt! Der Streit, den die jüdische Arbeiterschaft um die jüdische Arbeit in der Landwirtschaft führt, nimmt ernste und sorgenerregende Formen an. In Kfar Saba gehen die Pardes-Besitzer in steigender Zahl dazu über, arabische, d. h. billigere Arbeiter einzustellen. Die Arbeiterprganisation hat mit allen Mitteln den zeitweilig tatsächlich vorhandenen Arbeitermangel durch Einberufung städtischer Arbeiter und Kwuzah- Mitglieder zu beheben versucht, und die Pardes-Besitzer könnten bei gutem Willen das Recht des jüdischen Arbeiters auf Arbeit im jüdischen Betrieb wahren, würden sie nicht die Gelegenheit, billige arabische Arbeit zu erhalten, mit Freuden ergreifen. Das von den vertriebenen jüdischen Arbeitern organisierte, ruhige und gewaltlose Postenstehen vor den Plantagen, an dem sich angesehene geistige Führer des neuen Jischuw aus Solidarität beteiligen, ist von der Die Woche. Berlin. Die Berliner Jüdische Gemeinde stiftet eine Thora- Rolle für Marannen in Braganza. — Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung, die z. Zt. eine umfangreiche Landhilfe durchführt, hat angeordnet, daß Personen nichtarischer Abstammung zur Landhilfe nicht zugelassen worden. Die Arbeitssuchenden haben eine Erklärung abzugeben, daß sie trotz sorgfältiger Prüfung keinen Grund hätten, anzunehmen, daß sie nichtarischer Abstammung seien. — Der Allgemeine deutsche Kantorenverband erhielt die Verständigung, daß seine Eingliederung in die Reichsmusikkammer nicht in Frage komme. Einzelne jüdische Kantoren brauchen, sofern sie nur in ihren Gemeinden tätig sind, der Kammer nicht beizutreten, wohl aber wenn sie daneben als Solisten oder Musikpädagogen wirken. — Am Reichssport.fest des Sportbundes jüdischer Frontsoldaten am 10. Juni nahmen 126 Vereine teil. Es war mit dem Feste eine große Werbeveranstaltung verbunden, mit der der Sportbund der R. J. F. auf dem Sportplatz Grunewald vor die Oeffentlichkeit tritt. — Als eine der Forderungen, die Oberregierungsrat S c h r a u t vom IReichsjustizkommissariat in einem Vortrag über „Das nationalsozialistische Rechtswollen" in der Hochschule für Politik erhob, wird in einem Bericht der „Frankfurter Zeitung" auch die nach Verhinderung mischrassiger Ehen in der Zukunft durch fortgesetzte Belehrung und eines Tages auch einmal durch gesetzgeberischen Anspruch erwähnt. — Wie der „Nieder deutsche Beobachter" erfährt, hat der Hauptausschuß der Gemeindeverwaltung Arendsee beschlossen, allen jüdischen Besuchern die Benutzung des Strandes innerhalb der Grenzen des Badeortes Arendsee zu verbieten. Eingeschlossen in dieses Verbot ist auch das Betreten der Seelandungsbrücke, der Lesehalle und des Konzertgartens. Gleiwitz. Der N aturheilverein, Besitzer des Frei-, Schwimm- und Sonnenbades Gleiwitz-Richtersdorf, hat in einer außerordentlichen Generalversammlung den .Arierparagraphen eingeführt und seine letzten sechs jüdischen Teilnehmer (etwa 40 sind bereits im vorigen Jahre ausgetreten), nach erregter Debatte ausgeschlossen. Es handelt sich bei diesen durchweg um Frontkämpfer. Der Verein erfreute sich seit seiner Begründung der ideellen und materiellen Förderung durch viele Juden. Stuttgart, Wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, wird in Württemberg, nach einer soeben erlassenen Verordnung, israelitischer Religionsunterricht an den höheren Schulen nicht mehr erteilt. Es bleibe der Israelitischen Religionsgemeinschaft unbenommen, privat israelitischen Unterricht erteilen zu lassen. Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln würden nicht gewährt. Darmstadt. Nach einer Verordnung des Kultusministeriums wird die Lektüre des! Alten Testamentes in den öffentlichen Schulen wesentlich eingeschränkt. Jerusalem. Am 22. Siwan fanden zur ersten Jahrzeit nach dem Tode Dr. Chaim Arlosoroffs überall Gedenkfeiern statt. — Aus den in der Presse veröffentlichten Beschlußfassung des Gerichts im Arlosoroff-Mord- I prozeß ist zu ersehen, daß das jüdische Mitglied des aus vier Richtern bestehenden Gerichtshofes, -Richter Joseph Moses Valero, sich gegen die Verurteilung Stavs- kys ausgesprochen hat. Die Presse weist darauf hin, daß bisher in Palästina noch kein Jude gehenkt wurde. Abraham Stavsky hat verlangt, daß ihm ins Gefängnis Tefillin für das tägliche Gebet gebracht werden. Saloniki, Der Präfekt von Florin.a hat den Auftrag, strengste Maßnahmen zur Verhütung von Ausschreitungen gegen Juden zu treffen und die Nachforschung nach den Schändern des jüdischen Friedhofes energisch zu betreiben. Ein Rädelsführer wurde verhaftet. Toronto. Auf der in Toronto abgehaltenen ersten Tagung der Dominion-Exekutive des Canadisch-jüdischen Kongresses wurde beschlossen, 250.000 Dollar für die Hilfsaktion zu Gunsten deutscher Juden aufzubringen. Die Sammelkampagne wird im September durchgeführt. , Regierung durch ein ad hoc geschaffenes Gesetz verboten worden. Die Regierung ist gewillt, den arabischen Arbeitern bei dem Versuch, jüdische Arbeitsplätze einzunehmen, Hilfe zu gewähren. Die Verbote haben keinen Erfolg gehabt, die Gerichte haben bereits gegen die Uebertreter harte Strafen (6 Monate Gefängnis, in einem Falle 2 Monate Zwangsarbeit!) verhängt. Der jüdische Arbeiter (ohne Unterschied der Partei) führt den Kampf um sein Recht mit Ausdauer und Erbitterung fort; die Spannungen wachsen und die Situation erregt ernste Besorgnis. M. N. Die Agudas Jisroel bei Sir Herbert Samuel. Jerusalem, 5. Juni. Am Mittwoch morgen wurde eine Delegation der Agudas Jisroel, bestehend aus Rabb. Jonathan B. Horowitz, Rabb. Mosche Blau und Rabbi M. L. Bernstein, vom früheren Hochkommissar Sir Herbert Samuel in Audienz empfangen. Rabb. Horowitz überbrachte Sir Herbert die Grüße der Aguda-Zentrale in Erez Israel wie der orthodoxen Gemeinde der Aschkenasim, auch die von Oberrabbiner Duschinski, der aus Gesundheitsrücksichten am Erscheinen verhindert war. Das gesetzestreue Judentum in Palästina, sagte er, werde die Wirkungszeit Samuels in Palästina, besonders sein Eintreten für die religiösen Belange des jüdischen Nationalheimes nie vergessen. Die Orthodoxie setze weitere Hoffnungen auf den hohen Gast, dafP er ihr die Hilfe zum Aufbau von *Erez Israel im Geiste der Thora nicht versage. Sir Herbert Samuel antwortet in herzlicher Weise. Er sehe den Aufschwung des Landes nicht allein in den wirtschaftlichen und technischen Errungenschaften, sondern vor allem darin, daß sich das Land anschicke, zu einem geistigen Zentrum des jüdischen Volkes zu werden. Rabb. Mosche Blau erstattete Bericht über die Entwicklung der Agudas Jisroel und über das vielfache Entgegenkommen, das sie bei den Regierungsbehörden erfahren hat. Er berichtete, daß in den gesetzestreuen Kreisen der Gola zur Zeit ein starker Trieb zur Auswanderung nach Erez Israel erwacht ist, der aber leider seine Grenze in der Beschränkung der Zertiftkatenzahl findet. Nach halbstündiger Unterredung verabschiedet sich die Delegation in freundschaftlichster Weise von dem hohen Gaste. Wieder ein Sabbatprozeß. — Der „Eged"-Skandal. — Tiberias. , ... Jerusalem, 1. Juni. Am letzten Freitag fand wieder eine der im Gefolge der Sabbatdemonstration von Ende April nacheinander sich abspielenden Prozesse gegen die Ruhestörer vor dem britischen Friedensgericht statt. Diesmal waren zwei Angeklagte vor dem Richter, Mr. Bodilly, erschienen, die unter der Anklage standen, sich gegen die Aufruhrakte von 1929 durch Teilnahme an einer ungesetzlichen Zusammenrottung vergangen zu haben. Der Verteidiger, Advokat G a f n i, erklärte, daß die Regierung selber an den Unruhen Schuld sei, weil sie der Forderung der Stadt Tel Awiw nach Bestätigung eines für diese Stadt geeigneten Sabbatruhe-Gesetzes noch immer keine Rechnung getragen habe. Artikel 23 des Palästina-Mandates verpflichte die Regierung, die Festtage jeder religiösen Gemeinschaft als gesetzliche Ruhetage für diese Gemeinschaft anzuerkennen. Aus diesem Artikel des Mandates gehe die unzweifelhafte Pflicht der Regierung hervor, einer jüdischen Stadt die Wahrung der Sabbatruhe innerhalb der Grenzen ihres Gebietes zu ermöglichen. Auch in Artikel 15 des Mandates und § 83 der Königl. Verordnung von 1922, welche Sicherung der Gewissensfreiheit in Erez Jisroel verlange, ist ausdrücklich die Bedingung hinzugefügt, daß hierdurch die öffentliche Ordnung nicht gestört werden dürfe. Ohne Zweifel ist aber die öffentliche Sabbatentweihung durch Juden in einer jüdischen Stadt durch öffentlichen Verkehr eine Störung der öffentlichen Ordnung. Es hat schon einmal vorübergehend ein vom High Commissioner bestätigtes Hilfsgesetz für Tel Awiw zur Sicherung der Sabbatruhe von 1926 bestanden, das aber nachher wieder annulliert wurde. Unter diesen Umständen könne man sich nicht darüber wundern, wenn der Masse der Juden die Ge-

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