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Der Israelit · 1934-06-14 · Heft 24 (14.6.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 24 D Israelit 14. Juni 1934 tär des Rabbinerverbandes, Dr. Langleben, erwiderte, die jüdische Religion werde von den antireligiösen Propagandisten nicht minder bekämpft als die christliche. Gegen andere vom Kardinal-Erzbischof erwähnte Mißstände werde auch von den Rabbinern ein energischer Kampf geführt. In der ostgalizischen Stadt Stanislau wurde das sogenannte Goldfaden-Haus, das als jüdisches Theater dient, in Brand gesteckt, der Sachschaden ist erheblich. Im Städtchen Czerwinski bei Wiszogrod wurden mehrere Juden von Bauernhaufen überfallen, wobei sechs Juden verletzt wurden, einer so schwer, daß er ins Krankenhaus transportiert werden mußte. In fast sämtlichen jüdischen Geschäften wurden die Schaufenster eingeschlagen. Der Kreishauptmann hat einer jüdischen Abordnung Schutzmaßnahmen und Bestrafung der Angreifer versprochen. Litauen. Grundsteinlegung zum Neubau der Slobodkaer Jeschiwah, K o w n o , 5. Juni. In der Kownoer Vorstadt Slobodka fand die Grundsteinlegung zum Neubau der berühmten Slobodkaer Jeschiwah statt. An der Feier nahmen über 2000 Gäste, unter ihnen 200 Rabbiner, hohe Regierungsbeamte und der'amerikanische Konsul teil. Das Grundstück für den Neubau ist von der litauischen Regierung zur Verfügung gestellt worden. Die Baukosten werden zum Teil von einem amerikanischen Komitee der Freunde der Slobodkaer Jeschiwah aufgebracht. Lettland. Keine Rechtsbeschränkungen unter dem neuen Regime. Riga, 6. Juni. Ministerpräsident Ulmanis empfing eine aus den jüdischen Abgeordneten des früheren lettländischen Sejm, Rabbiner N u r o k (Misrachi) und D u b i n und Wittenberg (Aguda) bestehende Abordnung, die im Namen der jüdischen Bevölkerung der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Arbeit der neuen Ref5ierUfl(* erfolgreich sein werde. Rabbiner Nurok sprach bei dieser Gelegenheit die Erwartung aus, daß die Bürger Lettlands ohne Unterschied der Nationalität friedlich zusammen leben würden. Der Ministerpräsident erwiderte, dies sei auch sein eigener Wunsch. Es werde zu keinen Rechtsbeschränkungen kommen. Auch werde die Regierung die zionistische Bewegung nicht behindern. Schließlich gab der Ministerpräsident der Abordnung Zusicherungen betreffend das Fortbestehen der jüdischen Schulen. Griechenland. Rassenhaß in Griechenland unmöglich. Athen, 3. Juni. Der Führer der Opposition in der griechischen Deputiertenkammer, der frühere Ministerpräsident V e - n i z e I o s , erklärte in einem Gespräch mit Herrn Aron S c i a k y , einem hervorragenden Mitglied der venizelistischen Partei Salonikis, die zwischen Venizelisten und Juden bestehende Spannung sei nichts als eine Frage des Parteikampfes. Der Gegensatz zwischen Juden, und einer großen griechischen Partei habe mit Rassenhaß nichts zu tun; dieser sei in Griechenland unmöglich, da er in absolutem Widerspruch stehe zur Vergangenheit und dem Geist des hellenischen Volkes. Bezugnehmend auf die antisemitische Taktik der venizelistischen Zeitungen Salonikis erklärte Venizelos: „Ich habe diese antisemitischen Angriffe von der Parlamentstribüne aus mit afler Strenge verurteilt. Ich habe kategorisch erklärt, daß die judenfeindlichen Angriffe dieser Zeitungen nicht dem Standpunkt der venizelistischen Partei entsprechen. Dies wiederhole ich auch heute." Im Anschluß daran wies Venizelos darauf hin, daß er von der Befreiung Salonikis an stets bemüht war, alle Forderungen, die ihm damals sein Freund, der Oberrabbiner von Saloniki, Jacob Meir (der jetzige sephardische Oberrabbiner von Jerusalem), unterbreitete, zu erfüllen. Bei dieser Gelegenheit wolle er, obwohl er sonst seine politischen Pläne nicht gern verrate, auch mit teilen, daß er die Absicht gehabt habe, anläßlich der letzten Gemeindewahlen in Saloniki einen Juden als venizelistischen Kandidaten für den Bürgermeisterposten vorzuschlagen. (ITA.). Saloniki, 4. Juni, In Castoria ist es zu schweren Ausschreitungen von Mitgliedern der antisemitischen Organisation E. E. E. gegen die Juden gekommen. Mit dem Ruf „Griechen, erschlagt die Juden", durchzogen die Exzedenten die Straßen. In den Häusern der Juden wurden die Fensterscheiben eingeworfen. Ein Sohn des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde wurde ernst verletzt. Auf dem jüdischen Friedhof wurden mehrere Grabsteine zertrümmert. Die jüdische Bevölkerung befindet sich in außerordentlicher Erregung. Di« Polizei soll sich während der Ausschreitungen passiv verhalten haben. Palästina, Sinkende Kriminalität in Palästina. Jerusalem, 28. Mai. Der Chef der Palästina-Polizei, Major Spicer, tritt in einem offiziellen Communique der in der arabischen Presse aufgestellten tendenziösen Behauptung entgegen, die Kriminalität in Palästina sei mit der Verstärkung der jüdischen Einwanderung gestiegen. Aii Hand offiziellen statistischen Materials stellt der Polizeichef demgegenüber fest, daß die Zahl der Krimiiiölfälle in Palästina seit 1929 um über 50 Proz. gesunken ist. Während 1929 27.527 Kriminalfäile registriert wurden, waren es 1933 nur noch 12.602. Die Verteilung der neu ausgegebenen Arbeiter- Einwander ungs-ZertiHkate. Jerusalem, 28. Mai. Das Immigratiöns-Departement der Palästina-Exekutive gibt folgenden Verteilungsschlüssel für die im Rahmen der letzten Arbeiter-Einwanderungs-Schedule ausgegebenen Zertifikate bekannt: Die Hälfte der Zertifikate wird an Chaluzim unter der Bedingung ausgegeben, daß sie sich der Landarbeit zuwenden, 300 Zertifikate sind für orientalische Juden bestimmt, die sich derselben Bedingung unterwerfen und 200 für Industriefachleute. Der Rest wird an gelernte Arbeiter und Handwerker vor allem in Polen ausgegeben; hierbei sollen zunächst solche Personen berücksichtigt werden, die Verwandte in-Palästina haben. Die Immigrations-Abteilung teilt in diesem Zusammenhang mit, daß der Agency 8000 Gesuche um Zuteilung von Zertifikaten an Verwandte in Palästina ansässiger Personen vorliegen; 7000 dieser Gesuche stammen aus Polen; es könne somit mit Rücksicht auf die geringe Zahl der zur Verfügung stehenden Zertifikate nur ein Bruchteil derjenigen, die sich um Einwanderung beworben haben, berücksichtigt werden. Besonders schwierig sei die Lage der Jewish Agency betreffend die Ansuchen von Frauen. Während nicht weniger als 5000 palästinensische Einwohner um die Zulassung weiblicher Verwandter zur Einwanderung gebeten haben, stehen der Jewish Agency nur 185 Zertifikate für Frauen zur Verfügung; 100 von diesen Zertifikaten sind für Frauen aus Deutschland reserviert. Die letzten Tage im Arlosoroff-Prözeß. | Jerusalem, 10. Juni. Ueber das Urteil ist. Ihnen bereits telegraphischer Bericht zugegangen. Es kam für alle Teile gleich überraschend. Aber, mag es ein Zeichen der Besonnenheit oder der Beklommenheit sein, es ist mit Ruhe aufgenommen worden und nirgendwo im Lande wurde nach Bekanntwerden des Ausganges irgendwie die Ordnung gestört. Daß es besonders von revisionisti-. scher Seite Proklamationen regnet, ist erklärlich, aber all die Proteste verlaufen bisher in durchaus gesetzlichen: Bahnen. Ueber die letzten Verhandlungen und die Wortgefechte zwischen Ankläger und Verteidiger sei noch folgendes berichtet: Abdul M e d s c h i d wurde am Dienstag nochmals vernommen, er hält die Widerrufung des Geständnisses aufrecht. Orthopädische Sachverständige, zumeist bekannte Namen aus Deutschland, erklären, daß die Gipsabgüsse der Fußspuren an der Mordstelle nicht die der Angeklagten seien. Dr. David J e 11 i n gibt ein Gutachten über den hebräischen Akzent der orientalischen Juden ab, der sich von dem der europäischen deutlich unterscheide. Rifka F e i g i n , di<* Rosenblatt verraten und angezeigt hat, erhielt von der Polizei Geld, um damit Rosenblatt Geschenke zu machen und ihn auf diese Weise zu vertraulichen Angaben zu veranlassen. Am Mittwoch begannen die Plädoyers. Die Anklagerede des Oberstaatsanwaltes Drustet dauerte volle zwei Stunden. Er stützt seine Anklage auf sieben Punkte: die Aussagen der Frau Arlosoroff, die Aussagen anderer Augenzeugen, die Angaben der Spurensucher, die Angaben Abdul Medschids, zwei Identifizierungsvorführungen und zuletzt die Vorfälle, auf der Versammlung in Kfar Saba. Im Mittelpunkte seiner Beweisführung stehen aber die Aussagen der Frau Dr. Arlosoroff. Nach eingehender Besprechung all dieser Punkte verlangt der Oberstaatsanwalt, Stavsky und Rosenblatt für schuldig zuerklären. Am Nachmittag begann der Verteidiger sein Plädoyer, das auch noch am Donnerstag fortgesetzt wurde. Horace Samuel klammert sich zunächst an die Alibibeweise Stavskys und Rosenblatts. Er bezweifelt sogar, ob die zwei überhaupt einander kannten. Die Aussagen der Frau Arlosoroff seien mit größter Vorsicht zu benutzen, ihre Angaben ließen eher auf ein Sittlichkeitsattentat schließen. Die orientalische Gebärde, die der Mörder gemacht hat, stehe den Angeklagten nicht. Er sucht an den Umständen der Tat nachzuweisen, daß es kein vorbereiteter politischer Mord gewesen sein konnte. Aus den gebrochenen letzten Aeußerungen Arlosoroffs könne man darauf schließen, daß die Mörder Araber waren. Er beruft sich auf die Schießwie Spurensachverständigen, die alle Angaben und Annahmen der Polizei und Untersuchungsbehörden desavouiert hätten. Der Verteidiger behauptet ferner, viele Zeugen seien von der Atmosphäre beeinflußt gewesen und hätten nicht gewagt, ihre Aussagen objektiv zu machen. Da er in diesem Zusammenhange auch noch Frau Arlosoroff bewußte Unwahrheiten vorwirft, mit dem Zwecke, den Verdacht von den Arabern abzulenken, wird er vom Vorsitzenden wiederholt ermahnt und zur Ordnung gerufen. Er plädiert für Freisprechung beider Angeklagten. Am Freitag morgen drängten sich schon in aller Frühe eine gewaltige Menschenmenge um das Gerichtsgebäude. Starke Polizeiaufgebote wachten über die Ordnung. Berittene Polizeiabteilungen durchzogen die Straßen. Gegen neun Uhr wurden die Angeklagten, scheinbar in bester Laune, vorgeführt. Kurz darauf erschien das Gericht und verkündete das Urteil. Stavsky wird zum Tode verurteilt, Rosenblatt freigesprochen! Es spielen sich einige dramatische Szenen ab. Stavsky schreit: „Ich bin unschuldig." Man hört seine Mutter dazwischen weinen. Stavsky redet weiter: „Ich bin völlig unschuldig. Ihr Richter tragt die Verantwortung, für mein Leben und das meiner Eltern. Es haben hier Menschen falsch geschworen. Ihr habt hier ein Lirteil gegen die Ehre eines ganzen Volkes gefällt." Stavskys Mutter fällt ihrem Sohne unter hysterischen Schreien um den Hals, so daß die Polizeibeamten Mühe haben, sie voneinander zu trennen. Unter starker Bewachung wird : Stavsky ■ abgeführt. Auch der freigesprochene Rosenblatt wird von der Polizei' gefesselt abgeführt. Das Urteil des Gerichts im Prozeß gegen Stavsky und Rosenblatt hat folgenden Wortlaut: „Die Mehrheit des Gerichts erkennt zu Recht, daß Stavsky in Tel Awiw in der Nacht vom 16. zum 17; Juni mit vorgefaßter Tötungsabsicht an der vorbedachten Ermordung. Dr. Arlosoroffs teilnahm, indem er fihm nachfolgte, auf ihn wartete, ihn anhielt, ihn mit einer elektrischen. Taschenlampe anleuchtete und der Verübung des Verbrechens beiwohnte, wodurch er Artikel 170 des Strafgesetzbuchs; Abschnitt 3 §§ B und C der Criminal Law Amendment Ordinance Nr. 22 ex. 1927 verletzt hat. Bezüglich des Angeklagten! Rosenblatt findet :;das Gericht nicht den .wesentlichen Zeügenbeweis -'zur.

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