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Der Israelit · 1934-06-14 · Heft 24 (14.6.1934) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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14. Juni 1934 Der Israelit Nr. 24 Seite 9 seine Zustimmung zu diesem Verhalten gegeben. Da ich selbst sowohl in mündlicher Aussprache, als in schriftlichen Auseinandersetzungen an dem Vorgehen des Kibbuz Rodges entschiedenste Kritik geübt habe, so liegt mir um so mehr daran, daß die -öffentliche Kritik von Seiten unserer Presse nicht über das Ziel hinausschießt und durch Schaffung unnötiger seelischer Spannungen zwischen den bei den gesetzestreuen Lagern die Möglichkeit der Einflußnahme zum Guten erschwert. Vorläufig ist doch leider noch der Kibbuz Rodges trotz all unse rer berechtigten Kritik die beachtenswerteste Position der gesetzestreuen Jugend in Erez Jisroel die nicht durch zu scharfe Kritik oder auch durch peinliche Fragestellungen gedrückt werden dürfte.' Wir bemerken hierzu unsererseits, daß wir zu nächst an der von uns auf Grund authentischer In formation gebrachten Behauptung hinsichtlich der Stellung des Oberrabbinats von Tel Awiw f e s t h a 1 t e n müssen. Darüber hinaus wird uns aber noch mitgeteilt, daß der Kibbuz Rodges sich in der Angelegenheit u r sprünglich an Oberrabbiner Kuk gewandt habe, der sich entschieden weigerte, den verlangten H e 11 e r zu geben und im Gegen teil geantwortet habe, daß ein gewissenhafter Jehudi sich keine Kühe anschaffen dürfe, wenn er nicht von vornherein die Möglichkeit hat, das Melken am Schab bos durch Nichtjuden besorgen zu lassen. Es wäre außerdem auch interessant, zu erfahren, wie das zunächst zuständige Ortsrabbinat von Petach Tikwah sich zu der Angelegenheit gestellt hat. Im übrigen möchten wir mit aller Entschiedenheit betonen, daß es uns vollkommen fern gelegen hat, dem Kibbuz Rodges Schwierigkeiten bereiten zu wollen. Unser Gewissen verpflichtete uns, vor der Oeffentlichkeit festzustellen, daß die Verhältnisse im Kibbuz Rodges nicht allen religiösen Anforderungen entsprächen — nichts weiter. Erst gegenüber dem ungeheuerlichen Vorwurf der „Verleumdung", den uns die Herren Rabbiner Dr. Unna und Rudi Herz entgegenschleuderten, waren wir gezwungen, die Tatsachen bekannt zu geben, auf die sich unser Urteil stützte. Es wäre gut, wenn die über das Prinzipielle hinausgehende spezifisch halachische Erörterung nunmehr in die hierfür bestimmte Fachpresse verlegt würde. Berufsbeamtengesetz auch für Privatschulen. Frankfurt a. M.( 11. Juni. Die „Frankfurter ,Zeitung" berichtet: Die Grundsätze, die das Gesetz zur ■ Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 tragen, haben nach einem Erlaß des Preußischen Unterrichtsministers auch für die Privatschulen, ihre Inhaber und Lehrer, und für die Nachhilfeunterricht erteilenden Lehrkräfte Geltung. Sie finden nicht nur für neu erbetene Unterrichtserlaubnisscheine oder Privatschulkonzessionen Anwendung, sondern auch die bisher ausgesprochenen Bewilligungen sind nachzuprüfen. Nichtarische Bewerber sind grundsätzlich von der Erlaubniserteilung auszuschließen, es sei denn, daß es sich um Frontkämpfer oder um Väter oder Söhne von im Kriege Gefallenen oder um solche Antragsteller handelt, die schon vor dem Kriege Privatunterricht erteilt oder eine Privatschule geführt haben. Jedoch will der Minister über jeden Fall der Entziehung einer Konzession Bericht haben. Diese Bestimmungen finden dann keine Anwendung, wenn der Unterricht einer Privatschule ausschließlich an nichtarische Kinder erteilt wird. Die Nachprüfung der bisher erteilten Erlaubnisscheine soll bis zum 31. Juli ds. Js. beendet sein. Sie bezieht sich auf alle Arten von Privatschulen, soweit dort Personen unter 18 Jahren unterrichtet werden, also auch auf Tanz- und Ballettschulen, auf Theater- und Filmschulen und die entsprechenden dort oder frei tätigen Lehrkräfte, Nichtjude verteidigt den Gebrauch des Hebräischen im jüdischen G'ttesdienst gegen Angriffe nationaldeutscher Juden, Berlin, 8. Juni. In einer am 7. Juni im Noll endorf-Krug abgehaltenen sehr stark besuchten Versammlung des Verbandes nationaldeutscher Juden schloß sich an die dem Thema „Nationaldeutschtum, nicht Alljudentum' gewidmeten Ansprachen von Herrn Rotenbusch und dem Verbandsvorsitzenden Dr. Max Naumann eine Diskussion, in der u. a. verlangt wurde, daß das Hebräische aus dem G'tteshause verschwinde. Gegen diese Forderung erhob der einzige nichtjüdische Redner des Abends, Prof. Sandkuhl, Einspruch. Er erklärte, der jüdische G'ttesdienst sei ein wunderbarer Kultus; die Kultur würde durch die Abschaffung des Hebräischen sehr viel verlieren. In den vorangegangenen Referaten wurden scharfe Angriffe gegen die Reichsvertretung der deutschen Juden erhoben. Dr. Max Naumann erklärte u. a., es werde der Tag kommen, da man die Juden nicht nur nach ihrer Rasse, sondern auch nach ihrer Einstellung zum deutschen Volk beurteilen werde. Kundgebung. Die Synagoge ist als g'ttgeweihtes Haus die Stätte für Tefilloh und Tauroh. Gebet und Lehre. Als solche ist sie vor jeder Entheiligung zu schützen. Es mehren sich aber in neuester Zeit die Fälle, daß Veranstaltungen in den Synagogen stattfinden, die eine Entheiligung des G'tteshauses bedeuten. Es ist vorgekommen, daß in Synagogen musikalische Darbietungen, Rezitationen profaner Gedichte und ähnliches stattgefunden haben und es wurde sogar schon der Versuch von Filmvorführungen in der Synagoge unternommen. Die Umgestaltung der Synagoge in einen Konzert- oder Theatersaal durch Anbringung eines Vorhanges vor dem Oraun Hakaudesch bedeutet nicht eine Verminderung der Entheiligung, sondern muß erst recht als lächerlich und verletzend empjEunden werden- Wir legen gegen derartige Entweihung der uns heiligen. Stätten entschiedenste Verwahrung ein und rufen alle Gemeinden, die noch am überlieferten Thoragesetz hängen, auf, sich mit Entschiedenheit gegen jeden derartigen Versuch zu wehren. In schwerer Zeit ist es doppelte Pflicht, die Stätte unserer Zwiesprache mit G'tt in ihrer Weihe zu erhalten. Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands i. A. Rabbiner Josef Horovitz-Frankfurt a- M. Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg Rabbiner Dr. Merzbach-Darmstadt Vorlehre-Kurse für jüdische Jugendliche. Berlin, 6. Juni. Am 15. Juni werden in Berlin Kurse für diejenigen jungen Menschen, die bisher keine Lehrstelle gefunden haben, eingerichtet, um ihnen eine erste Einführung in manuelle Berufe zu geben. Es ist ein Lehrplan geschaffen, der ohne auf einen bestimmten Beruf einzugehen, den Teilnehmern die Vielheit der Technik zeigen will. Es werden Kurse für praktische Werkarbeit, Materialkunde und Zeichnen abgehalten. Jede Arbeitsgemeinschaft wird 25 Stunden in der Woche umfassen. Die Kurse finden im Gemeindehaus, Oranienburgerstraße, und in der Volksschule Auguststraße statt. Veranstalter ist das Jugendpflege- Dezernat der Jüdischen Gemeinde Berlin. Gegen die Bezeichnung „Christliches Geschäft". Nürnberg, 5. Juni. Der Nürnberger Oberbürgermeister Liebel hat erklärt, daß bei der Unterscheidung von deutschen und nichtdeutschen Geschäften die Bezeichnung „christlich" als durchaus unangebracht grundsätzlich zu vermeiden sei. Es gebe keine christlichen Geschäfte, Viehhändler, Rechtsanwälte usw. im Gegensatz zu den jüdischen, sondern nur deutsche und jüdische Geschäfte usw. Es sei zumindest für die nationalistische Stadtverwaltung durchaus belanglos, ob der eine oder andere der in Frage kommenden Juden katholisch, protestantisch oder sonstwie getauft sei, er sei und bleibe Jude. Schweiz. Palästinaeinwanderungs-Problem auch in der Mandatskommission erörtert? Genf, 6. Juni. Informationen des Genfer ITA-Vertreters zufolge soll im Verlauf der Palästina-Debatte in der Mandatskommission die Frage der die jüdische Arbeitereinwanderung einschränkenden Einwanderungspolitik der Mandatarmacht eingehend behandelt worden sein. Es wird berichtet, daß ein Mitglied der Kommission den Vertreter der Mandatarmacht fragte, warum in letzter Zeit ein so großer Abstand zwischen den Zertifikate-Anforderungen der Jewish Agency und der von der Regierung bewilligten Zertifikatezahl bestehe. Wenn z. B. die Exekutive der Jewish Agency für das Halbjahr April-September 1934 20.100 Zertifikate anforderte, die Regierung aber nur 5600 Zertifikate bewilligte, so wäre es interessant zu wissen, aus welchen Gründen die Palästinaregierung eine so radikale Herabsetzung der Anforderung für notwendig gehalten hat, und ob sie glaubt, daß die Erhebungen zur Feststellung des Arbeiterbedarfes von der Jewish Agency nicht ernst genug durchgeführt wurden. Darauf habe der Vertreter der Mandatarmacht erwidert, die von der Exekutive der Jewish Agency der Regierung vorgelegten Zertifikate-Anforderungen seien durchaus gewissenhaft ausgearbeitet und würden von der Regierung auch sehr gewissenhaft geprüft. Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes müsse die Regierung jedoch vorsichtig zu Werke gehen. Sie müsse insbesondere darüber wachen, daß die auf Grund von Zertifikaten ins Land kommenden Einwanderer dort nicht nur zeitweise, sondern ständig Beschäftigung' finden. Ein großer Teil der von der Jewish Agency angeforderten Zertifikate beziehe sich jedoch auf solche zeitlich begrenzte Beschäftigungsmöglichkeiten. Andererseits sei auch zu berücksichtigen, daß alljährlich eine steigende Zahl junger Palästinenser ins Berufsalter tritt; dies werde bei der Berechnung des Arbeiterbedarfs durch die Jewish Agency nicht in Betracht gezogen. Im Zusammenhang mit dieser Debatte soll eines der Kommissionsmitglieder auch von der Gefahr gesprochen haben, die übermäßige Einwanderung von jüdischen Kleinkapitalisten zu Ungunsten der Arbeiterelnwandemng für' die gesunde Entwicklung des jüdischen Nationalheims bedeuten könne. Der Vertreter der Mandatarmacht versicherte, daß die Regierung diese Seite des Problems nicht aus dem Auge verliere. Polen. Die antisemitischen Unruhen in Polen. — Rabbinerdelegation beim Erzbischof von Warschau. Warschau, 7. Juni. Das katholische Episcopat in Warschau hat mit Vertretern des Rabbinats eine Besprechung abgehalten, in der erörtert wurde, wie die Verbreitung von Rassenhaß unter der polnischen Bevölkerung, die bisher stets in strenger Befolgung katholischer Grundsätze den Antisemitismus ablehnte, verhindert werden könne. Kardinal-Erzbischof K a - k o w s k i, der die Rabbiner-Abordnung empfing, wurde von dem ehrwürdigen Greise Rabbiner P e - r e 1 m a n n mit dem hebräischen Priestersegen begrüßt. Rabbiner K a n n a 1 legte, dem Kardinal nahe, einen Hirtenbrief des polnischen Episcopats gegen Rassenhaß zu erlassen, da dieser dem Katholizismus widerspreehe. In dem Hirtenbrief solle den Theorien entgegengetreten werden, die, obwohl sie im Widerspruch stehen zum katholischen und zum polnischen Geist, gewisse Gruppen der polnischen Jugend beeinflussen. Der Kardinal erklärte, er verurteile entschieden jede Art von Gewaltanwendung und Ausschreitung, von welcher Seite immer sie käme. Andererseits müsse er es bedauern, daß Juden sich am Kampf gegen die Religion beteiligen. Der Sekre-

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