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Der Israelit · 1934-06-14 · Heft 24 (14.6.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 24 Oer Israelit 14.-Juni 1934 als Zukost zu Brot oder Kräutern ge nossen hatte. Es gehört aber auch Tau dazu und wer hat schon je gehört, daß man Tau als Zukost zur Speise genießt? Und nun gar jene inkriminierte Soharstelle die Bischoff früher gegenüber Mißdeutungen richtig gestellt hatte und sich heute selber aneignet, um damit jener „Sondernummer" das Kabinettstück ihrer Sammlung zu liefern. Die Stelle aus int "TlpTl ist in der Nummer photographisch im hebräischen Urtexte wiedergegeben, und sogar richtig wiedergegeben. Sie fußt auf der Vorschrift nB'ntf D"HT:i nilP> ,,Das Schächten ist tauglich, auch durch Nichtpriester." Wer weiß nicht, was das bedeutet? Die eigentliche Opferhandlung beginnt erst mit dem Sprengen des Blutes, so daß das Schächten als Vo r a k t von dem IT' das heißt dem Nichtkohen, vollzogen werden darf. Daran knüpft Sohar die Bemerkung an, daß auch Menschen auf niedriger Bildungsstufe, xvz l'Vtfab l^üll' d. h, solche, die sich nicht mit der Thora befassen, iWniKn I^TOWO K^T es nötig haben, sich mit Opfer und Gebet G'tt zu nähern. »n*apn^ wipnn pnnitei pmj? im izvnb -px „Und wenn sie dies tun und Prüfungen auf sich nehmen, ist es so, als hätten sie sich selbst G'tt zum Opfer gebracht. TniViy nx vbv nnan i^K3 »rmix Und dieses rettet sie vor dem Tode durch den Todesengel, wie es in den Psalmen heißt DTK 71 JPETin nsiiav „Mensch und Tier hilft G ' 11." „Diejenigen aber, deren Taten wie die der Tiere im Felde sind, die da essen ohne Gebet, deren Tod ist wie der der Tiere im Felde durch den Engel des Todes usw." Was besagt das? Keine Menschenseele gibt G'tt verloren. Und es kommt nicht auf Größe und Stellung, noch auf Geist und Gelehrsamkeit an, G'tt will das Herz haben, so daß Jeder, auch der Ungelehrte, auch der aus der Niederung des Lebens kommt, sich G'tt nähern kann und muß, durch Gebet und Opfer. Und was macht Bischoff und was machen die anderen Ankläger daraus? Die richtige Uebersetzung von IT Nichtpriester, Laien, wandeln sie in Nichtjuden um und verdrehen die Präposition 2 durch, in „an", damit das Ganze besage, man dürfe oder müsse eine „Sche- C h i t a h an Sorim" vornehmen. Und dann wird in den Sohar hineingedeutet, daß er jene Sorim als Freibeute, als Opfer den Juden ausliefere. Der Schluß der Stelle, der die ganze Konstruktion als baren Unsinn erweist, wird einfach — verschwiegen. IV. Nach- und Mahnwort. Einige Proben und sie genügen. Wozu das alles? fragt man. Wir bedürfen ja der Aufklärung nicht und die Andern hören sie nicht. Aber denkt man nicht dabei an das zehnfache Märtyrerlied in der bekannten- Slicha: Dlpa^ SPJnWDl nxv1? "ia ^ipn mx p^sn Wir tragen Vieles schweigend, nun aber, da es ans Heiligste geht, an die „Stelle der Tefillin", müssen wir doch den bittern Schrei ausstoßen, wie es jener Glaubensheld getan hat; nicht zum Proteste, aber als Ruf an uns. G'tt ruft uns mit dieser schwersten aller Schickungen. ">n J?1JS '137 13^« ein kostbares, stilles Kleinod, und es wird in die Gasse und Gosse gezerrt. Wodurch wir dieses verschuldet haben? Vielleicht weil es zu sehr yux ">D war, weil wir es zu wenig beachtet haben, weil t\V\1 ppS nmia mirv wir in hundert Jahren Assimilation die Thora aus dem Zentrum unseres Lebens in die Ecke geschoben und sie dort unbeachtet gelassen, so daß jetzt fremde Hände sie aus der Ecke holen, um sie gegen uns auszuspielen. Aber, fragt man sich, sagten wir es nicht schon selbst, daß die Anklagen uralt sind, daß somit auch frühere Generationen, die von der Thora durchtränkt, die die Thora als Lebensodem hatten, schon diese Prüfungen auf sich zu nehmen hatten? In alten Schriften lesen wir von zweierlei Prüfungen, die G'tt seinem Volke auferlegte, die Abrahamsprüfurig wird die eine, die Hiobsprüfung wird die andere genannt. Abraham wurde angerufen, wurde gefragt, ob er sein Liebstes hergeben wollte oder nicht. Er hätte auch G'tt das Opfer weigern können, er sprach aber sein „ H i n e n i! " Hiob dagegen wurde nicht gefragt, es wurde ihm alles genommen, das Opfer wurde ihm nicht abverlangt, sondern auferlegt. Ob er, erst auf die Probe gestellt, diese bestanden hätte, ist angesichts seines späteren Rechtens mit G'tt mehr als fraglich. Im Mittelalter waren die Frommen und Heiligen einer Abrahamsprüfung gewürdigt. G'tt rief sie an: „Wollt ihr oder wollt ihr nicht?" Mit drei Tropfen Wasser und einer Glaubensformel anstelle des „Schma Jisroel" hätten sie sich aus aller Todesnot in Leben und Glück retten können. Aber sie antworteten, gleich Abraham, mit einem lauten „Hineni", Unser Zeitalter ist einer Abrahamsprüfung nicht wert, wohl für sie auch nicht gestählt genug, darum kam die Hiobsprüfung, die nicht fragt, nicht abverlangt, sondern auferlegt. Erschauern müßten wir, wenn wir in stillen Stunden daran denken, wie das Gros der deutschen Judenheit heute auf eine Abrahamsprüfung reageirt hätte. Wie Viele würden heute, ginge irgendwo ein Hintertürchen auf, sich beglückt und bevorzugt fühlen, ins Ariertum einschleichen zu dürfen? . . . Eine einzige kleine Probe und sie hat's gezeigt: die Schechita. Wie Viele haben in Stadt und Land diese kleine Prüfung, die ja letzten Endes meist nur eine Magenfrage ist, bestanden? Wir sind für eine Abrahamsprüfung nicht reif, darum müssen wir H i o b s Schicksal erleiden. Was ist aber der Sinn dieser letzten Schikkung, die nicht uns, sondern unsere Seele, das heilige Schrifttum, trifft? Es ist ein Schofarruf: „Zurück zu den Quellen!" Und würden wir durch diese Angriffe veranlaßt, die balbverschütteten Quellen wieder auszugraben tmd uns daran zu laben wie es unsere Väter getan haben, wahrlich, wir würden auch jene Anklagen als ein Instrument in der Hand der g'ttlichen Waltung erkennen. . Eine hübsche Geschichte, sie könnte im Midrasch stehen, las ich einmal in den Traktätchen von Leo Tolstoi. Brüder teilen eine Erbschaft und der Kleinste und Schwächste unter ihnen, eben darum weil er so klein und schwach und wehrlos ist, bekommt das kleinste ärmste Aeckerchen. Dieses Aeckerchen aber blüht und gedeiht, treibt und trägt Wunderpflanzen von herrlichem Dufte. Da werden die Brüder neidisch und werfen Steine und Schutt auf das Aeckerchen des Bruders. Er aber muß die Steine auflesen, Schutt und Kehricht abtragen. Und indem er gräbt und reinigt, siehe da, leuchtet ihm Gold entgegen. Einen Schatz hatte der Vater an dieser Stelle vergraben und er, der Kleine und Schwache, hätte ihn nicht gefunden, wenn die Anderen sein Aeckerchen nicht mit Schutt und Steinen beworfen und ihn nicht zu graben und zu suchen gezwungen hätten ... Indem wir genötigt sind, nachzusuchen, zu lesen, zu prüfen, zu graben und zu reinigen, finden wir unseren Schatz, sehen wir erst, welches Leuchten von ihm ausgeht. Es ist das Leuchten unserer eigenen Seele. Binden wir unser Leben, das unserer Kinder, daran. Das will G'tt mit seinen Schickungen. Und er soll allen leuchten, dieser Schatz, auch den Menschenbrüdern, die ihn zu verschütten suchen. Gerade mit dem Satze, den sie so gründlich mißverstanden haben, drücken wir unsere letzte Hoffnung aus: "]aw nflN 'D 1J?T1 'Iii Win* psn jr^sr "jnnb "t- Korrespondenzen. Deutsches Reich. Aus der Tätigkeit der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M., 10. Juni. Zu den wenigen jüdischen Organisationen Deutschlands, die sich in ihrer Tätigkeit auch in den letzten Jahren in keiner Weise umstellen mußten, weil ihr Ziel und die Art ihrer Tätigkeit gerade jetzt mehr denn je in den weitesten Schichten der jüdischen Bevölkerung ein starkes Echo findet, gehört die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Wenn auch die größeren Tagungen der vergangenen Jahre eine gewisse Unterbrechung erfahren mußtne, so hat die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums trotzdem in Wort und Schrift es verstanden, bis in die kleinen und kleinsten jüdischen Gemeinschaften, die in großer Isoliertheit, von keinem Rabbiner und keinem Lehrer aufgesucht werden., heranzutreten. Gegen 150 Gemeinden wurden zu Peßach und Schewuoth Predigten zugesandt, die wie die zahlreichen Zuschriften beweisen, freudig aufgenommen wurden. Fortbildungskonferenzen von Lehrern, Schiurim, wurden durch Subventionen der Freien Vereinigung in den letzten Monaten ermöglicht. Vor allem abei* gelang es der Freien Vereinigung durch1 ein Rundschreiben eine relativ große Zahl chulentlassener Kinder dem Jeschiwa-Besuch zuzuführen. Auch auf der Jeschiwa selbst .werden die Bachurim jetzt durch die Freie Vereinigung materiell unterstützt. Eine Aufforderung an alle deutschen Rabbinen wegen des Schuldispens jüdischer Kinder am Sabbat und an Feiertagen, war die erste Kundgebung in dieser so bedeutsamen Angelegenheit und haben eine Reihe von Gemeinden das erfreuliche Resultat erzielt, daß sämtliche aber zumindest der größte Teil der Kinder vom Chillul Schabbos bewahrt blieben. Dank hochherziger Spenden aus allen jüdischen Kreisen Deutschlands, ist es gelungen, in diesem Jahr über 200 Zentner Mazzoth teilweise ohne Vergütung, größtenteils zu stark reduzierten Preisen, in allen Gebenden Deutschlands zu versenden. In jüngster Zeit hat die Freie Vereinigung in Oberhessen, wo leider die Lücke noch nicht geschlossen ist, die durch den Heimgang von Rabb, Dr. Hirschfeld entstanden ist, versucht, den Gemeinden Belehrung und Mahnung durch berufene Kräfte zu bringen. (Vergl. unter Vermischtes Bericht aus Gießen.) Es ist für die Sehnsucht jüdischer Menschen in Deutschland nach geistiger Belehrung charakteristisch, daß die Bücherei der Freien Vereinigung, welche zu billigen Preisen gediegene jüdische Lektüre abgibt, stärker denn je in Anspruch genommen worden. Es kann aber die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums nur dann ihre. Tätigkeit weiter ausbauen, wenn sich verständnisinnige Freunde, vor allem für ihre Landgemeinden finden. Es bedarf sicherlich nur dieses Appells an die Oeffentlichkeit, um allen denjenigen, die materiell und ideell die jüdischen Werte in den jüdischen klei- . nen Gemeinden Deutschlands erhalten wollen, zu veranlassen, auch ihrerseits durch Erwerb der Mitgliedschaft und Ueberweisung von Spenden an das Büro der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums Postscheckkonto 9822 Frankfurt a. M. zu diesem Ziele zu verhelfen Zur Angelegenheit des Kibbuz Rodges. Frankfurt a. M., 13. Juni. Von rabbinischer Seite wird uns geschrieben: „Zu Ihrer in der letzten Nummer des „Israelit" veröffentlichten Notiz sehe ich mich veranlaßt, zunächst folgendes zu bemerken: 1. Es wird bei dem Melken der Kühe am Schabbos kein Ntn»TiKi hok übertreten, da die Milch in einen Topf mit Dickmilch hineingemolken wird. 2. Soweit ich orientiert bin, hat der Oberrabbiner von Tel Awiw wohl

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