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Der Israelit · 1934-06-14 · Heft 24 (14.6.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M. Juni 1934 D e r ■ Israelit Nr. 24 Seite 7 Angabe, sich deuten, ließe öder überhaupt in den Zusammenhang der dort behandelten Materie hineinpaßte. Etwas anderes steht im Traktat Kidduschin: 40, nämlich iblb flöTT pWZbswri' „Wer rauf der Straße ißt, gleicht einem Hunde." Essen ist . eine Angelegenheit, die wir mit dem Tiere gemein haben, aber., wir haben dies voraus, daß •wir unsere Mahlzeit am Familientische menschlich adeln können.. Das Judentum weiht die jüdische Tafel; zu einem A11 a r e. Wer auf diese ■menschlichen Vorrechte verzichtet und seine iMahlzeit-schamlos auf der Straße einnimmt, der hat: sich» keinerlei ob J u d e o d e r Nichtjude, in einem gewissen Maße seiner Menschenwürde begeben. Etwas anderes' kann aus jener Talmudstelle mit bestem und bösestem Willen nicht herausgelesen werden. 4. ,;D:er . geschlechtliche Verkehr zwischen Nichtjudeniist wie der Verkehr zwischen Bestien. Talmud Sanhedrin 74b." , .In Talmud ,;Sanhedrin" . 74b istaber nur vom Verhältnis der Esther zu König Achaschwerausch, die Rede. Es fällt dem Talmud auf, daß Esther, deren sittliche Ehre auf dem Spiele stand,nicht, wie es in solchen Fällen geboten wäre, lieber ihr Leben opferte, als Achaschwerausch zu-Rillen zusein. Der Talmud gibt zwei Antworten. l .öVltf yplj?' d. h .sie war in dem-Falle ja nur der passive Teil. Dann: "UY pDDJ 1öSy; Achaschwerauscb frölmte nur seiner Leidenschaft, ohne damit die Absicht zu verbinden, Esther zu einer Religiönsübertretüng zu zwingen. Die Pflicht, sein Leben zu opfern, tritt aber nur dann ein, wenn man zu einer Religio nsüb ertretung gezwungen wird. Von „ N i c h t j u d en " und „ B e s t i e n " kein 'S t-e r b e'ri s-w ö r t c h e ri; '; .\ 5. „Jeder Jude, der das Blüt der Gottlosen. (Nichtjuden) vergießt, tut so viel, als wenn er G'tt opfere. Talmud Bamidbar rabba 21c und Jalkut § 772." I Einen Talmud Rabba gibt es nicht und Jalkut hat keine Paragraphen. Es löhnt sich aber,; die Stelle in Midrasch rabba, Bamidbar 21, auf: die hier angespielt wird, nachzulesen, es entrollt sich da ein' Bild jüdischer Welthoffnung vor unseren Augen, dessen wir uns wahrhaft nicht zu schämen brauchen. Wir lesen da wörtlich: D'a'lj?» DDK T"rYl5n, pbw cnb Thsw -»jx numpi tpjsn ünb ^bb \nbw ^ish -p-wn 'iw D'enai nwi irmx 'vn Vm ''ins tu'' „Es spricht G'tt zu Israel: In dieser Welt bringet Ihr mir Schaübrote und Opfer dar, in der zukünftigen Welt werde ich euch die große Festtafel decken, auf daß die Völker der Welt es mit ansehen und sich schämen, wie es in den Psalmen heißt (27) Du richtest mir den Tisch angesichts meiner Bedränger." 'Im Zusammenhange damit werden die siebenzig Stieropfer besprochen, die Israel am Laubhüttenfeste zur Sühne und für das Heil der siebenzig Völker der Erde G'tt darbringt. Ein; Stoßseufzer dann mit den Worten des Psalmsi 'JUBW TianK nnn, „An Stelle meiner ihnen er-: wi.esen.en- Liebe, hässen isie . mich!" So daß sich Israel, enttäuscht aber nicht, ohne Hoffnung; von den Vpjkernj der Welt, wieder schützsuchend zru-. Ihm, seinem G'tt; flü.chtent(muß.: Am:achten!Fest-i tage ist es wieder; allein mit. seinem <G'tte,ve:r-i bundendurch dasieine Opfer, ftflXp ^"»»WH titt! nyb '"»nn-...... - - ■ ' Es hieße, kein Ohr für die leisen Schwingungen einer in Furcht und Hoffnung zitternden Volksseele haben, wollte man den poetischen und lebenbejahenden - Gehalt;; dieser , Midraschstelle; ..überhören, )Wir hoffen f ür. a 11 e , i wir; opfern, f ü r alle,; iünd immeit neue Fluten des Hasses lohnen unsere Liebe/so daß :uns am Ende nur eine .Zuflucht;-bleibt,- b .e i :G ' tt. i' Und iwas^ist das mit den Völkern, die dabeistehen; undisich schämen?. Die, Heiden, die Israel, bedrängten, (denn nur an die konnte Midrasch gedacht haben), sollen,;werin Israel von G'tt die Festtafel, gedeckt wird, nicht dem Untergange geweiht \ isejn, sie;.sollen ,dabei sein und sich schämen, sich' scjiämsn ihrer, Untaten., Und : die Scham wird; zum Wege und zur Brücke zu G'tt, zu dem sie schon jene siebenzig Stiere führen wollten.. Eine andere Rache als Bekenntnis in tiefer Scham und: Einkehr wollte Israel nie an seinen heidnischen Feinden erleben, . Welches Maß von Verkennung jüdischen Wesens und jüdischer Hoffnung gehört dazu, aus diesem Midraschpoem herauszulesen,- daß Israel nicht für die Völker, sondern die Völker selbst auf dem Altare G'ttes opfern möchte! >■'>!: '■ : III. / ' Die Blutbeschuldigung. Von. hier. ist. nur., noch e.i n Schritt zu jener schlimmsten und gefährlichsten aller Anklagen, zu der Blutbeschuldigung. \\;'- : ]' i'Es ist ungeheuerlich, daß wir, das Volk des Sinai, des niln nV' das Volk, das in. seiner1; Schöpfungsgeschichte schon lehrt "Dl D*7Nn D7 "IDItP'das sein Fleisch salzt und das Ei mit dem Blutstropfen wegwirft,1 daß. wir uns erst rechtfertigen, nachweisen sollten, daß wir kein Blut vergießen und genießen, daß G'tt keine Menschenopfer von; uns verlangt. Das Blütmärchen ist uralt und hat nicht einmal in der jüdischen Geschichte seine! Urheimat. Die Römer dichteten es den ersten C h ristenan. Nach 'Rambach behaupteten 'die] Katholiken in Frankreich vön den Protestanten,; in England umgekehrt'die Protestanten von den . Katholiken, daß sie Blut für ihren Kult benütz-! ten, 1892 führte in China die Blutbeschuldigung zu, Christenmetzeleien und zu der bekannten Strafexpeditioh gegen China. Es war immer der schwächere Teil der Bevölkerung, dem, weil er -mit der Sünde seiner Existenz herausforderte, das Blutzeicheh der" Ritualmordbesehuldigung aufgeprägt wurde. Was nützten da die kaiserlichen Edikte und die päpstlichen Bullen?" Das Zeugnis eines Renegaten1 und ein - auf der Folter abgepreßtes Geständnis wogen mehr. Doch glaube man ja nicht, daß es solcher Zeugnisse und Geständnisse gar so viele in' der Geschichte' gibt. Einige wenige, die man kennt, ungezählte Tausende verschmähten es aber, sich ihr Leben durch falsches Zeugnis gegen ihre Gemeinschaft zu erkaufen. Und selbst Was die Renegaten betrifft, waren es nicht lauter Pfefferkorns, die bis zu einem Grade der Verruchtheit gesunken wären, sich auf solche Weise an ihrer früheren Gemeinschaft zu rächen: Es ist zu'wenig bekannt, daß K aiser - Fried t:-ich II. im Jahre 1235 aus Anlaß einer schweren Ritualmordhetze in: Fulda -eine Versammlung j ü d i s c h'e r. Täuflinge zur Begutachtung der Blutbe- . schuldigungen gegen die Juden zusammenruf en ließ. Das Resultat in einem erhaltenen Protokoll ist ein Dokument kaiserlichen Gerechtigkeitssinnes. Es heißt da u. a. wörtlich: „Gewissenhafterweise haben, wir daher geglaubt,' wegen dieses gegen' die Juden erhobenen geheimnisvollen Vorwurfs nicht zweckmäßiger verfahren zu können, als mit Hilfe d e r z u m Christentum bekehrten J u d;e n , von denen anzunehmen war, daß sie, als Gegner^ belastende. .Tatsachen gegen die; Juden oder die mosaischen Bücher oder das gesamte. Alte Testament nicht; verschweigen wurden. Zwar! hatten wir. von einer : Reihe gewichtiger Schriften ,.hierüber persönlich Kenntnis genommen und unser 'Gewissen hielt , die Unschuld besagter Juden für Wahrscheinlich. Wir wollten aber sowohl dem ein- '■fä'chen V6lke als auch, dem Recht geriugtün und ha-: ' ten daher nach eigenem heilsamen Entschluß der Fürsten, Herren, Aebte und frommen Männer zu allen Königen des Abendlandes besondere Gesandte geschickt und aus ihren Königreichen möglichst viele im jüdischen Gesetz bewanderte Kon- .v e r t i t e n zu. uns'.beschieden. Diesen haben'wir an unserem-;Hof zur Erforschung * der 'Wahrheit in be-; sagter Sache ausgiebig .Zeit. gegeben und ihnen auferlegt, die Sache gründlich zu untersuchen und.unser Gewissen zu belehren, ob sie etwas über das angebliche jüdische Bedürfnis nach Menschenblüt wüßten, } welches besagte Juden zur .Begehung des vorgenannten Verbrechens hätte antreiben können.. Ihr,e Aus-, sagen darüber haben wir veröffentlicht, und es ergibt; sich daraus folgendes: W e'd e f im Alten nochiini Nie u e n T e S t a m e n t ist zu finden, daß; die Juden n a c h M e n sc h e n b l;u t; <b e g i e r i g. w.äiren. I m G e g e n(t e,i 1, sie,;hü % e n sich vor d*'e r B e f le c k un g ' d ü r c h j e g 1 i c h e s. B l ut.; Dies' ergibt' sich aus dem Buche, das hebräisch „Berechet" (Bereschit) genannt wird, und in Ueberein- . Stimmung mit - den Vorschriften des Moses aus den jüdischen Gesetzen,, die hebräisch „Talmillot" (Talmud) heißen. Es spricht auch eine nicht geringe - Wahrscheinlichkeit dafür, daß diejenigen, denen sogar das Blut erlaubter Tiere verboten ist, .keinen Durstinach Menschenblut haben können. Es spricht gegdn diesen Vorwurf seine Scheußlichkeit, seine Unnatürlichkeit uhd das natürliche' menschliche Gefühl, das die Juden auch den1 Christen entgegenbringen. Auch ist es nicht wahrscheinlich, daß ^ie (durch ein so gefährliches Vorhaben) Gut und Leben aufs Spiel setzen sollten. Wir haben daher die Juden zu Fulda des ihnen aufgelegten Verbrechens uhd die übrigen deutschen Juden eines so schändlichen Verdachtes nach dem Spruch der Fürsten für. völlig unschuldig erklärt. Deshalb' verbieten wir durch gegenwärtige Urkunde, daß irgendeine Person, sei sie geistlich oder weltlich hoch oder niedrig, Schulze, Vogt, Bürger oder wer immer, besagten Juden samt; und, sonders unter dem , Vorwande einer .<öffentlichen;, Bekanntmachung., oder irgeridfeiner Gelegenheit den! vorgenannten.-; sdhinäh- ■ liehen Verdacht auflege, noch ihnen einen; Vorwurf mache. Jedermann soll wissen, daß, weil der Herr in seinen, Knechten geehrt wird, alle diejenigen, die sich den Juden, unseren Knechten, günstig Und wohlwolend \beweisen, nicht zögern, uns Ehre zu erweisen, daß aber diejenigen, welche gegen den Wortlaut gegenwärtiger Urkunde zu verstoßen wagen sollten, sich der Beleidigung unserer Majestät schuldig machen werden." Von all dem wissen unsere Ankläger, die in der Geschichte nur die Akten der Staatsanwälte studiert haben, ohne sieh für Gang und Ausgang der Prozesse' überhaupt ' zu interessieren,' rein nichts. In den 131 Fällen, die der „Stürmer" von 200 vor der übl. Ztr. bis zur Gegenwart aufführt, handelt es sich, soweit das Altertum in Betracht kommt, um unselige Legenden der Vorzeit, im Mittelälter um Geständnisse, die auf der Folter abgepreßt würden (Trient unci auch Damaskus) und schließlich um Prozesse aus der neueren Zeit, die alle mit Freisprechung der Angeklagten ausgingen, sofern der Gerichtssaal nicht unter der dämonischen Gewalt der Gasse stand, wie etwa in Tisza Eslar und Polna. Der Talmüdgelehrte, des neuen Blutmärchenanti'semitismus ist Erich Bischoff, seines Zeichens Theologieprofessor in Leipzig. Ein sonderbarer Heiliger, der sich vom Saulus zum Paulus entwickelt hat. Er war es, der seinerzeit die Rohling'schen Sohardeutuhgen als Wahnsinn bezeichnete und er ist es, der heute jene alten Anklagen zum Teile selber aufgreift und sie in seinem 1929 erschienenen Buche ,, Das Blut'im jüdischen Schrifttum und Brauch" erhebt. Gekränkter Ehrgeiz scheint dabei eine große Rolle zu spielen, weil seine vor. zwanzig Jähren erschienenen dilettantischen Bücher über die Kabbalah bei den Juden keine Anerkennung fanden. Aber sehen wir uns einige seiner Beweise bei Lichte an: In M. IV, Kap. 23, 24 lesen wir: *pü Vdk1» ist n:w x1? xwiw nam Dip"» K-a^D oy ]n »nw a^n cm „Siehe, ein Volk, das wie ein Leopard sich erhebt und wie ein Löwe sich aufrafft und nicht eher lagert, als bis er Beute gegessen und Blut der Erschlagenen getrunken' hat." Hier stehe etwas von B 1 u 11 r i h k e n in der jüdischenThora! Wer ab>er biblischen StilJ nur oberflächlich'kennt,, weiß, daß hier das Beüteessen uhd Bluttririken sich nicht auf das Volk, sondern auf den L öw e n bezieht, der bildhaft zum Vergleich angeführt wird. Im übrigen stammt dieses Bild nicht von Moses oder einem jüdischen Gelehrten, sondern von einem guten Gesinnungsgenossen der Männer, die vom Mittelalter bis heute uns mancherlei anheften möchten, von B i 1 e a m. Auf eine Blutbeschuldigung wäre aber auch dieser nie gekommen. Ferner: Tn Jore De ah wird die Vorschrift codifiziert, daß man beim Genuß von Kräutern die Hände ohne Segensspruch waschen muß, wenn diese Kräuter mit gewissen Flüssigkeiten in Berührung kommen. Es sind deren sieben, die aus mnemotechnischen Gründen mit dem k Merkworte bezeichnet sind DT Bnt? T' Wein, Honig , Oel, Milch, Tau, Blut [aus gekochtem' Fleisch usw.], Wasser. BiscHbff mißversteht oder mißdeutet die Stelle so, daß man diese genannten Flüssigkeiten

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