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Der Israelit · 1934-06-14 · Heft 24 (14.6.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 24 Der Israeli*. M. Juni 1934 der inneren Erhebung uns das Land zu bauen/ Gesegnet jeder Schweißtropfen, der von jüdischer Stirne auf den jüdischen Acker fällt, aber solange wir glauben, daß es damit allein getan sei, wenn sich Haus an' Haus, Acker an Acker reiht, solange wir noch' in Erez' Israel um den Sabbat ringen müssen, solange Chaluzim in der Golah sich vorbereiten, nach .„Erez" (wieheute so gerne gesagt wird)* zu gehen und weniger von Erez I s r a e 1 sprechen, noch weniger der Verpflichtungen gedenken, die ihnen das zweite Wort auferlegt, solange dies so ist, werden solche albanische Verhältnisse, wie wir sie im Prozeß und in seinen Hintergründen erlebt haben, so unvermeidlich bleiben wie in jedem Balkanstaate. Wir wollen aber Israels Heimat, die Heimat der Thora, die Stätte der Schechinah aufbauen, bauen nicht in der Luft, sondern auf dem festen realen Boden, auf dem aber mit jeder Aehre g'ttliche Blüten r der menschlichen und sittlichen Veredlung wachsen sollen. Der Prozeß und sein Ausgang sind ein Menetekel für alle, die an^Erez Israel interessiert sind, und zeigen mit erschütternder Deutlichkeit auf, was alles erst, bildlich gesprochen, ausgejätet werden muß aus dem heiligen Boden, damit er, bei aller Segensfülle, Träger der jüdischen Ideale von einer G'ttesgemeinschaft wird. Mißverstandene und und Soharstellen. i. Zweck der Rechtfertigung. Wenn in alter Zeit Leid über Israel hereinbrach — so, wird im Talmud Taanith erzählt — brachte man die heilige, Lade auf die Straße hinaus, womit man sagen wollte: U1? "77 SJUX '^D irawa ntarnv ,.wir hatten ein stilles, kostbares Kleinod und es wurde um unserer Sünden wegen entwürdigt." Man streute Asche auf die heilige Lade, eine symbolische Handlung, G'tt selber gleichsam trauerte in Sack und Äsche mit seinem Volke, rmn msr. Bei allem Schweren, das über uns hereinbrach, ist für uns das Erschütterndste, daß unsere heilige Lade T37 nntn^b. auf den Markt, in die Arena des politischen Kampfes gezerrt und gezogen wird, daß unsere heiligen Urkunden, Sein und Seele unseres Lebens, zu Anklagen gegen uns umgedeutet werden. Was könnten wir dagegen tun? Wenn im Städtchen vernichtende Feuersbrunst ausbricht, dann pflegten beherzte Männer unter eigener Lebensgefahr ins G'tteshaus zw dringen, um aus Rauch und Brand die heiligen Thorarollen zu retten. Und wir sollten nicht die heiligen Rollen aus dem, brennenden Hause retten? . j - Wir genießen im neuen Staate volle Religionsfreiheit, es wird uns in mancher Beziehung (wie in Sachen des Schulbesuches am Sabbat) die Religionsübung sogar erleichtert, wir werden hie und da geradezu auf unser religiöses Eigenheim verwiesen. Darum dürfen wir auch offen und ohne Scheu die Quellen unserer Religion, die man von gewisser Seite zu verschütten und verunreinigen sucht, bloßlegen. Und wäre es auch nur zu unserer eigenen Aufklärung, um unseren Kindern zu sagen: dieses lautet nicht so, sqndern so, und jenes bedeutet nicht das, sondern ganz etwas anderes, und was aus dieser und jener Stelle herausgelesen wird,' ist nicht darin enthalten, sondern das Gegenteil hiervon ist "der einfache oder tiefere Sinn des Ausspruches. Es ist dies um so leichter und lohnender, als es sich bei all den Anklagen nicht um neue Er-' findungen handelt, sondern um uralte Ladenhüter, die man schon in der Polemik von A p i o n und in der Apologetik des Philo in der alten Griechenzeit finden kann, die seitdem in allen Gestalten und Variationen durch das Mittelalter hindurch bis zur Neuzeit immer wieder feilgeboten werden. Tausendfach widerlegt! Aber wer; kennt die Widerlegung, wer hört auf die Proteste; des jüdischen Volkes? II. Die Anklagen und ihre Widerlegung. Es sind immer die gleichen Anschuldigungen seit Pfefferkorn, Eisenmenger und Rohling; in: der Hauptsache drei Anklagepunkte: . j miOdeutete Talmud- ,1. Der jüdische G'tt sei ein G'tt , der Rache. 2. Minderbewertung und Außerrechtsetzung des. Akkum, unter dem man die Nichtjuden schlechthin versteht, nach der jüdischen; Lehre.; 3. Die Blutbeschuldigung. . ' . . .? .Zum ersten Punkte sei nur kurz gesagt, daß es einen „jüdischen G'tt" nicht gibt. Der G'tt Israels ist nur insofern und alsolange Israels G'tt, als ihn die anderen. Völker der Erde noch nicht restlos erkannt und anerkannt haben. Daß dieses recht bald geschieht, ist die Weissagung unserer Propheten, das Gebet unserer Gebete und die tausendjährige Hoffnung unserer Seele. Daß er uns die Rache lehre und befehle, ist gerade damit widerlegt, daß wir ihn ,,G'tt der Rache" nennen. Denn indem wir .Rache und Vergeltung Ihm anheim stellen, o^"Wl Üpl vV' wollen wir sagen, daß es uns Menschen nicht ziemt und nicht zusteht, Rachsucht im Herzen zu nähren oder durch die Tat zu befriedigen. Unsere Gebete sprechen die Hoffnung aus, daß, die Bo,s-; heit verschwinde, wodurch die Bösen;in dem Sinne das Fehl räumen, daß sie sich dem Guten zuwenden. i Die zwei weiteren Anklagepunkte führen uns direkt auf das Kampffeld, auf das, uns die Sondernummer des „Stürmer" mit ihrer Flut von altneuen Anklagen zwingt. Es ist unmöglich, auf all diese Entladungen^ grimmigen Hasses einzugehen. Nur . einige Richtigstellungen sind wir uns selb,strunseren Kindern und allen, denen die Quellen leider verschlossen .sind und heute entsetzt und ratlos frageii: ,,Kann das alles frei erdichtet sein?" schuldig: i; t 1. „Die Juden werden Menschen genannt, die Nichtjuden aber werden nicht Menschen, sondern Vieh ,geheißen. .Talmud Baba Meziah 114b." Der erste, Teil des Zitates ist in der angeführten Talmudstelle enthalten. Es heißt' dort wörtlich "ttl y'JTlK tfVl D1K OTlj?. ÖHN „Ihr werdet Odom genannt, die Völker der Welt aber nicht als Odom bezeichnet." Von Vieh kann der Talmud in dem Zusammenhange schon deswegen nicht sprechen, weil .sich die Feststellung auf den Bibelsatz" in Jecheskel 34 aufbaut /Dns'Dis^nTOi^.'irinsi .. j „Und ihr seid meine Schafe, die Schafe meiner Weide, ihr seid OdomM/ Wenn im gleichen Atem; Israel als „Schafe auf der Weide" und „Odom"; bezeichnet wird, so kann hier Odom unmöglich.- im Gegensatz zu Vieh verstanden werden. Kommt noch hinzu, daß an drei Stellen des Talmuds die entgegengesetzte Auffassung ausgesprochen wird, es wird nämlich zum Satze QfilS fittW HPK am "»m aian bemerkt: .xb -.o^mim tnV-tpsro pmsn htaa) nsa i^siw ia^a tnxn xbx imii >bm ihm n',n''niihn Zu deutsch:'Da es hier nicht tntf, sondern. DINn , heißt, so, ergibt sich daraus, daß selbst ein Nicht-j jude, ja sogar ein Bastard, d u r c h intensives! Thoras tu d i u m die geistig e und 's i't t-} liehe Höhe des Hohenpriesters .e,r-» reich e n kann. (Siehe Talmud. Sanhedrin.59; < Baba kama 38 und Aboda Sarah 3.)!; Damit ist für jeden Kenner tälmudischer Dik- ■ tiohklar bewiesen, daß hier, "nicht eine Vorzugs-; Stellung des Juden bezeichnet werden soll, sondern es wird einfach festgestellt,; daß, wenn Thora und Propheten von „Odorri" (ösh n ei Artikel) sprechen, eine ganz bestimmte* Menschengatturig, -also das jüdische Volk im Auge haben, genau wie die Römer unter „urbs" nicht jede Stadt, sondern R o m verstanden. Wo ab er. «mit QlKn (d e r Mensch) der i nid i!v i d u e 11 e Wert eines einzelnen Menschen hervortritt, kann cliesen hohen Wert jeder Mensch, Jude oder Nichtjude, repräsentieren. Es lag somit nicht dera geringste Grund vor, jener talmudischen i.Feststellung noch den Nachsatz vom Vieh lurizuzudichteh.. 2. „Der Akkum ist wie ein Hund. Ja, die Schrift lehrt, daß der Hund mehr zu ehren ist denn der Nichtjude. Exeget Raschi Exodus 22, 30." Schlägt man die Raschistelle; in , D'bs^a auf, dann ergibt sich uns folgendes Bild. . Im Texte heißt es: :ü■■ -.u i[:;i -' . 'i^DKn nV •nfl'.nb mwn ifoai ">b: ]vnr\ vip 'räi „Und heilige Männer sollt ihr) mir. sein. und das Fleisch: eines im Felde zerrissenen: Tieres nicht essen." Dazu Raschi: Q^Tll»! D^Hp ÖflK Ö« bsj'K lab D*n Drix -nn jyfraj Tip^a- „Wehn, ihr heilig; seid und euch absondert von allem Abscheuwürdigen, dann seid ihr mir, so ihr es aber nicht tut, gehört ihr nicht, mir," Anschließend im Texte: im« ps^l^n nW? ..Vor den Hund sollt ihr es hinwerfen." Dazu Raschi: *|*Ta^!? 13013 1333 nVsni^' „dos will dich Mehren, daß der Hund verehrungswürdiger als er ist." Als wer? Offensichtlich als derjenige, der nicht zu den „heiligen Männern" im Sinne der vorhergehenden Deutung gehört, egal ob Jude oier Nochri, Dann noch, die ^ergänzende Bemerkung 'W. '»m'.te -dp nspa ,vapn ]TO"'fraV? >nwb ihs flirr' ■ „Es belehrt uns dies, daß G'tt keinem Geschöpf den Lohn kürzt. Heißt es doch von den Hunden, daß sie den Söhnen Israels, als sie aus Mizrajim zogen, ihre Zähne nicht fletschten, darum sollen sie mit dem Fleisch des zerrissenen Tieres ihren Lohn bekommen." Das und nichts -anderes ist in jenem Texte und in der exegetischen Erklärung Raschis dazu: zu lesen. Jeder Kreatur, auch dem Huride, ist G'ttes Lohn unverkürzt gesichert. Freilich wird der sittlich entartete Mensch, einerlei welcher Abstammung, unter die Stufe des Tieres gestellt. Zu bemerken ist noch, daß diese Raschistelle in ihrer. Hauptfassung ein Zitat aus der M'ec h i 11 a ist. Was man zur Zeit der Mechilta, da man Christen und Christentum noch nicht kannte, unter „Nochri" verstand, können wir heute nicht genau wissen. Eines aber ergibt sich sonnenklarr Auch dem Nochri,- vermutlich Anhänger eines durch gröbsten Götzenkult bis zur Tierstufe herabgesunkenen Heidenvolkes, wollte man durch Ueberweisung der dem Juden zum Genüsse nicht erlaubten Speisen zu Hilfe kommen. Und daraus will man eine Anklage gegen das Judentum schmieden, das angeblich nur im Juden einen Menschen sehe?. . .;;• ■ -; . •[ .: 3. In Midra'sch Talpijoth, Jalkuth &etibörii und Scheloh .sei wiederholt dei; Nichtjude? als 'ein V i e h :. i n; ' M e n sehe n g e s t a 11 bezeichnet. In all. diesem £und ähnlichen Fällen steht aber k e i n sW.o r t v o n N i c h t j u d e n , von Akkum oder Nochri,:;sondern es ist :die Redevono^y^ir unter denen man immer Vx1^'' '"»SM^*! •> j ükl i s öh. e Bösewichte" versteht. Und was die Menschengestalt betrifft, so knüpft sich daran, unsere letzte Hoffnung auf die Rückkehr der Entarteten, daß sie eines Tages ja doch „erfahren und erkennen/' welche Verpflichtung ihnen -aus der. Ebenbildlichkeit G'tteserwächst; sind sie doch, , wie wir alle,. von G'tf geschaffen^ und tragen .die! g'ttliche'ri Züge in '< ihrem Antlitz. ' ' : 4/. „Wer-/mit einem Nichtjuden ißt, tut so vielt wie wenn er mit einem Hunde äße. Tosaföth Jebamoth 94b." - " 1 1 Das bezeichnete Folio in Talriiud; Jebamoth enthält n i c h t . d i' e Spur von der gemachten Angabe. Weder, in 'Raschi, noöh< in Tössäföth zur Stelle ist nur ein Wort zü i finden; das auf diese

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