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Der Israelit · 1934-06-14 · Heft 24 (14.6.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 24 Der Israelit 14. Juni 1934 Wenn die Orthodoxie weiter untätig bleibt, wenn sie sich nicht zu festen Kreisen zusammenschließt und feste finanzielle Leistungen hervorbringt, wennsienicht ihrenAbgesandten in Erez Jisrael Boden gibt, dann trägt sie Schuld, daß nach dem religiösen Staatsbürger und dem religiösen Zionisten nun der religiöse Proletarier entsteht. Und was soll dann mit der Thora sein? Auf den Schultern der religiösen Chaluzim ruht die Verantwortung für den Stand der Thora im jüdischen Volk. In Erez Jisrael ist Raum für die Durchführung der Thora in allen Lebensbezirken. Auf Erez Jisrael sind die Augen aller Juden gerichtet. Schaffen wir der Thora dort einen sichtbaren Platz, so ist ihre Herrschaft in ganz Israel wiederhergestellt. Durch die heutige Situation ist unser Kamp! und unsere Arbeit für die nationale Durchführung und Anerkennung der Thora an den Boden von Erez Jisrael gebunden. Schaffen wir den Dritten Jischuw! So oder so: Entweder Arbeit oder Kampf für die Herrschaft der Thora, III. Spät kommen wir. Wenn wir sagen: Dritter Jischuw, so ist es das Eingeständnis unserer "Säumigkeit. Nicht wir haben den Zweiten Jischuw gebaut. Wie schwer ist es jetzt das Neue, kaum Sichtbare, nur in der Idee Vorhandene, dem Gewordenen, Sichtbaren, Erfolgreichen entgegenzustellen. Vieles haben wir dem Zionismus vorzuwerfen. Aber gewiß nicht dies, daß er das Land aufgebaut hat. Wir müssen stark sein, um ihn trotz dieser Anerkennung abzulehnen und zu überwinden. Wir greifen aber nicht an sein Innerstes, an das Herz seiner Kräfte, wenn wir die Forderung nach der Wiedereinsetzung der Thora in die Herrschaft über jeden Juden, über das Volk aufstellen. Auch die Propheten haben nicht einfach die Uebertretung der Gesetze gegeißelt. Sie haben die falschen Vorstellungen, die verkehrte Seelenhaltung zuerst heilen wollen. Wir werden den Zionismus erst dann verstehen, wenn wir die Wurzel seiner Wesensart erkannt haben. Dies ist die Sünde des Zionismus und daher die ganze Frucht des Unheils, daß er den Götzen „Stoff" auf den Thron erhob und den Geist G'ttes hinter allem Stofflichen nicht mehr sah. Für ihn ist die jüdische Geschichte zu einem bloßen Spiel der Kräfte geworden, Galuth, die G'ttgesandte, zur „Judenfrage" und Geulah, die G'ttgesandte, zur Lösung der Judenfrage, eine Resultante aus den äußeren Kräften der Juden, der Völker und der Situation. Wir alle fragen uns immer wieder: Woher kommt es, daß die tief- Die Erzählung vom Sohn R. Abahus. Von Rabb. Dr. Kaatz in Hindenburg (O.-S.). In dem Rückblick auf das msnaw-Fest, den Rabbiner Dr. Klein, Berlin jüngst im „Israelit" veröffentlichte, hat der Verfasser eine sehr geistreiche Auslegung des agadischen Berichtes Kidduschin 31b geboten, der ein Beispiel kindlicher Verehrung des Sohnes R. Abahus bringt und folgendermaßen lautet: „Eines Tages sagte er (R. Abahu zu seinem Sohn Abimi), er möge ihm Wasser zum Trinken reichen. Aber während dieser es holte, schlief er ein. Da blieb er gebeugt vor ihm stehen, bis er erwachte. Sein Vorhaben gelang und Abimi legte f\oab ivstö aus." So weit der Talmud. Raschi gibt zwei Erklärungen. Nach der einen habe Abimi in der Zwischenzeit die Auslegung des Inhalts eines der Asaph-Psalmen gefunden, den er vorher nicht verstanden habe. Nach der zweiten habe er den Grund gefunden, warum Psalm 97 die Ueberschrift trage no«»» nam <L h. Lobgesang Asaphs, obwohl er eine Klage über die Zerstörung Jerusalems und des Tempels darstelle, also nicht ein Lobgesang, sondern ein Trauergesang sei. Auch Tossafot bieten unter dem Hinweis auf einen andern als den von Raschi zitierten Midrasch - eine ähnliche Auslegung, die von Meharscha für plausibler erklärt wird als die Raschis. Ebenso sind die neueren Wissenschaftler der Meinung, daß die Auslegung Abigreifende Umwälzung in Deutschland so wenig innere Wirkung auf den jüdischen Menschen hat, daß so wenig befreiende und reinigende Teschuwawellen durch die Menschen gehen? Nun, es ist leicht zu sehen. Solange nicht der jüdische Mensch hinter dem feindlichen Geschehen einen großen Willen sieht, die Einheit des bewußten Geistes hinter aller Vielfalt der blinden Geschehnisse — warum sollte er sich angesprochen fühlen und innerlich berührt? Die so vielfach gesteigerte zionistische Aktivität in Deutschland nach der Umwälzung fing alle nach innen gehenden Strebungen auf und leitete sie auf ein neues äußerliches Werk hin: den Palästinaaufbau aus individueller oder nationaler materieller Haltung. Heute ringen neben der unbedeutenden agudistischen Minderheit im Neuen Jischuw zwei Strömungen um die Oberhand: sozialistische Histadruth und nationalistischer Revisionismus. Beide legitime und eigentliche Kinder des alten Zionismus, der den Götzen Stoff anbetete, „Das Schaffen G'ttes wollen sie nicht schauen und das Werk Seiner Hände sehen sie nicht." Sie halten im wahrsten Sinne des Wortes keinen Sabbat mehr. In der Tat: sie können höchstens einen Hauch von Oneg Sabbat spüren, aber die weltumspannende Schöpfungsidee kennen sie nicht mehr. Sie sagen Schalom und wollen den Frieden. Weil sie aber vergaßen, daß Schalom gleichzeitig ein G'ttesname ist, stiften sie nur Haß, Kampf, Zerrissenheit und Unfrieden. Es muß ja immer so sein. Jeder Götzendienst, jedes Gefangensein von der Einzelkraft, vom Stoff führt unerbittlich zum Auseinanderfallen der geeinten Welt in die Vorstellung von tausend selbstherrlichen Göttern. Weil der Kapitalist dem Profit nachstrebt mit seiner Menschenkraft, Geld, und der Arbeiter dem Lohn mit seiner Menschenkraft, Masse, daher Klassenkampf. Weil der Kapitalist den billigen Araber beschäftigt aus Profitsucht, daher Postenstehen der jüdischen Arbeiter und neue Feindschaft der Araber, Der Revisionismus, der einem Kampf mit den Arabern kühn ins Auge sieht, kämpft zur Stärkung seiner Position einen erbitterten Kampf gegen die Histadruth. Schon haben sie den Misrachi in einen revisionistenfreundlichen alten und einen histadruthfreundlichen jungen Misrachi zerrissen. Die Kluft zwischen dem Neuen Jischuw, der wochen- und mo-, natelang widerhallt vom Geschrei um den Arlosoroff-Mord und vom Geschrei der Arbeitskämpfe, und dem Alten Jischuw wird größer. Und wegen all dieses Streites tragen sie Schuld am großen Streit G'ttes mit den Bewohnern des mis sich auf Psalm 79 beziehe und hier nicht genannt sei, sondern ergänzt werden müsse. So übersetzt z. B. Lazarus Goldschmidt die Stelle: „Währenddessen glückte ihm die Auslegung des Psalmes (79, 1) „ein Psalm Asaphs" (den er vorher nicht verstanden hatte." Auch Bacher in seiner Agada der Palästinensischen Amoräer II S. 102 sagt: „Die Auslegung Abimis zum 79. Psalm wird nicht mitgeteilt. Raschi und Tossafot suchen die Lücke zu ergänzen." Ohne nun gegen die Richtigkeit der bisherigen Auffassungen der Stelle polemisieren zu wollen, möchte ich einen andern Erklärungsversuch bieten. Ich bin der Meinung, daß hier eine Lücke, die zu ergänzen wäre, nicht besteht, sondern nur eine Ausdrucksweise vorliegt, die durch ihre Kürze das Verständnis erschwert. Es wird hier berichtet, daß Abimi in ehrerbietig gebückter Haltung so lange ausharrte, bis der Vater aus seinem, möglicherweise lange dauernden Schlafe erwachte und, wie anzunehmen ist, das ihm geweihte Wasser trank. Darauf folgt NP^noK n'fl^'a „seiner Sache wurde Hilfe geleistet (vom Himmel)" d. h. sie gelang. Diese Redewendung wird im Talmud oft gebraucht, z. B. B. Mezia 85b, wo erzählt wird, daß der Rabbi sich abgemüht habe, Samuel zu ordinieren, xrbis xyrion kVi „aber die Sache gelang nicht." Dieser Ausdruck wird also dort angewandt, wo es sich um eine bestimmte Sache handelt, von der die Rede ist. In unserem Falle ist es daher naheliegend, anzunehmen, daß srn^a sich auf den Liebesdienst Abimis bezieht: Sein Vorhaben, so lange in gebeugter Stellung mit dem Wasserkrug in der Hand auszuharren, bis der Vater aufwachte und trank, glückte ihm. Und nun folgt: T3sV iwtö was «mv Es dürfte also wohl das gegebene sein, anzunehmen, daß wtt sich auf den eben geschilderten Vorgang bezieht. Ich bin daher der Meinung, daß Abdimi den Landes. Das Land ... in schmerzhaften Zuckungen bäumt es sich jetzt auf gegen die Heimatlosigkeit des Herrn des Landes auf Seiner Erde. Wir aber wollen den Geist G'ttes wieder einsetzen über den Götzen Stoff. Der Kapitalist und der Arbeiter sollen ihr Geschick wissen in eines Höheren Hand und aus dessen Hand ihr Brot empfangen wollen. Das Gebet soll sie einen. Der Kapitalist soll sich als Verwalter des G'tteslehens ansehen für alle, daß es ihm nicht schwer falle, seinen Profit kleiner zu machen zu gunsten eines menschenwürdigen. Lohnes des Arbeiters. Der Arbeiter soll an die Gerechtigkeit appellieren im Namen des Herrn der Gerechtigkeit. Das doppelte Band der verwirklichten Idee des G'tteslehens und der durch das Beth Din verkörperten- Idee der Gerechtigkeit soll alle umschlingen und die Kluft des Klassenkampfes schließen. Alle sollen sie ihr Augenmerk richten auf die Erfüllung der Gebote und das Studium der Lehre, sie alle sollen gleichberechtigte Bürger des Lehrhauses: und des unsichtbaren Heiligtumes sein. Die Juden sollen sich ihres Galuthzustandes, ihrer Machtlosigkeit und der verborgenen Schutzeswaltung der Wolkensäulen erinnern. Sie sollen, nicht wie die Söhne Ephraims sein, die das Ende der Not mit den Waffen erkämpfen wollten und von Philisterhand fielen. Noch schläft die Liebe zwischen G'tt und Israel. „Ich beschwöre euch Töchter Jerusalems bei den Rehen und den Hindinnen des Feldes, daß ihr nicht wecket und aufreget die Liebe, bis es ihr gefällt." Wir wollen den Ungeist des Zionismus besiegen. Wir wollen die Götzen Stoff und Kraft absetzen. Wir wollen die Histadruth überwinden: durch die Wiedereinsetzung des Herrn der Wirtschaft in den Raum der Wirtschaft. Wir wollen den Revisionismus überwinden durch die Wiedereinsetzung des Herrn alles Geschehens in die jüdische Geschichte. Wir wollen den Klassen- und Parteienstreit beenden, wir wollen den Haß der Araber mildern, wir wollen das Volk mit dem Land und dem Herrn des Landes versöhnen — durch den großen Sabbat des G'ttesfriedens. F. L. Wochenrundschau, Das Urteil im Arlosoroff-Prozeß. Die Entscheidung ist gefallen. Am Freitag wurde nach langwierigen Verhandlungen gegen Worten r\mb *ii»m eine Drasch-Auslegung gab, die auf diesen Vorgang anspielte. Und zwar vermute ich folgendes Wortspiel: Der Auslegende hat hier das Wort ii»lJ5 mit dem Verbum int den Weinstocfe beschneiden, den Weinberg bestellen nach midraschischer Art in Verbindung gebracht wie z. B. Midrasch Schir Haschirim 2, 12 töth sowohl im Sinne von Gesang als auch im Sinne von Beschneiden des Weinstockes deutet. Abdimi hat ferner das Wort ^dk^ in seiner Bedeutung „sammeln" ausgelegt, so daß der Drasch lautete: „Vom Bestellen des Weinbergs bis zum Einsammeln," ein Wortspiel, welches seiner Genugtuung darüber Ausdruck geben sollte, daß es ihm vergönnt war, seinen Liebesdienst vollständig zu Ende zu bringen. Kleines Feuilleton. Ein neues hebräisches Wörterbuch. Nach dem Deutsch - hebräischen Taschenwörterbuch von Herlitz gibt nun der Verlag Kedem den ergänzenden hebräisch-deutschen Band heraus.*) Der Verfasser war bestrebt, unter Berücksichtigung der Sprachentwicklung möglichste Genauigkeit zu erreichen, soweit das im Rahmen eines Taschenwörterbuchs angängig ist. Er berücksichtigt sowohl das Hebräisch des biblischen und nachbiblischen Schrift- *) Kedem Taschen-Wörterbuch. Hebräisch-deutsch herausgegeben von Ephraim Bräude. Verlag Kedem Berlin-Charlottenburg 1934.

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