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Der Israelit · 1934-06-07 · Heft 23 (7.6.1934) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 23 (7.6.1934)
Date
1934-06-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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7. Juni 1934 Der Israelit Nr. 23 Seite 11 „Was dürfen Juden sieh «rlauben?" Berlin, 1. Juni. Durch die Schlagzeile „Was dürfen Juden sich erlauben?" wird im „Angriff" vom 1. Juni auf einen Artikel Schwarz van Berks „Man macht in Claque—, Juden-rPsychologie 1934" hingewiesen. Der Artikel "wendet sich u. a. dagegen, daß von jüdischer Seite jüdische Leistungen im Weltkrieg besonders betont werden, daß jüdische Gäste in gewissen Lokalen, „die im Frühjahr 1933 der Schrecken entvölkerte", in aufdringlicher Art und „in Rudeln" auftreten, daß Juden ^.rudelweise" zum Wochenende hinausfahren, daß jüdischen Künstlern, die noch das Recht besitzen aufzutreten, von jüdischen Theaterbesuchern demonstrativ Beifall gespendet wird. Der Verfasser schreibt zum Schluß: .. „Vielleicht ist es einem Ausländer schwer, dies alles so zu sehen und zu empfinden, wie wir. Aber es ist so, daß es für uns unerträglich ist, und daß "wir uns mit den Juden in Deutschland auf unsere Weise auseinandersetzen müssen. Wir sind überzeugt, daß sich diese Auseinandersetzung ohne jede Gewalttätigkeit abspielen wird, Denn wir wissen, daß der Jude nur auf Selbstbewußtsein und Standfestigkeit zu stoßen braucht, um wieder bescheidener und stiller .zu werden. Seine rechtliche Lage ist* geklärt, aber sein Lebensstil ist noch ungeklärt. Er muß endlich mit seinem Verhalten von früher brechen, d. h. er muß die •deutsche Qeffentlichkeit den Deutschen überlassen." Die 900-Jahrfeier in Worms. Worms, 5. Juni. . Aus Anlaß des 900jährigen Bestehens der Synagoge zu Worms wurde am letzten Sonntag, 11 Uhr, •eine „Weihestunde" in der Synagoge abgehalten. Obwohl sie als Feier im internen Kreise der Synagogenmitglieder gedacht war, waren doch viele Gäste, besonders Rabbiner aus der hessischen, bayrischen und tadischen Umgegend erschienen. Von der Reichsvertretung in Berlin war Rabb. Dr. Leo B a e c k anwesend. Die Feier begann mit einem Orgelpräludium und Psalmgesängen, ebenfalls unter Orgelbegleitung und - schloß wiederum mit O £ g^'l - Jc 1 ä n g e n und Damenchören in der Schul* von Raschi und im Andenken an diesen Großen und seine Zeit! Zwischen Orgelklängen und Damenchorges.ängen' "wurden die Reden und Absprachen gehalten,, und es klang nicht gerade harmonisch, daß der Wormser Qemeinderabbiner, Dr. H o 1 z e r , seiner .Festpredigt den JRuf an Moses zugrunde legte: -|Vjn 5><?n ^pvi bv „Streife deine Schuhe von Deinen Füßen ab, denn der Platz, auf dem Du stehst, ist h e i 1 i g e r Boden." Das Bewußtsein, hier wirklich auf heiligem Geschieh t s b o d e n zu stehen, hätte die Herren, so sollte man glauben, wenigstens an diesem Tage heiligen Gedenkens veranlassen sollen, dieses heilige Gedenken nicht durch fremde, die äußerste religions- "widrige Assimilation verkündende Klänge zu trüben. Eindrucksvoll war die Rede von Rabb. Dr. B a e c k, Berlin, in der er betonte, daß Adel, von dem diese Stätte zeuge, kein Aeußerliches, sondern immer ein Geistiges sei. Es sprachen noch die Herren Kommerzienrat Mayer, Mainz, Rabb. Dr. Freudenthal, Nürnberg, Dr. Nathan Stein, Karlsruhe für den Badischen Oberrat und Sanitätsrat Dr. Nickelsburg, Worms, der den Rednern und auswärtigen Vertretern dankte. Von den starben Impulsen, die aus solcher Gedenkfeier in schwerer Zeit hätten ausgehen können, erfuhr man nicht die Spur. Es war eine Stunde guter Musik und schöner Reden, Weiter nichts. Neun Jahrhunderte Worms sprechen auf die deutsche Judenheit ein, und Sie wird sich diese Sprache anders zu deuten haben, als dies in der Wormser Synagoge am Sonntag geschehen ist. ' Scji^eiz. XIV. Verbandstagung der Israelitischen Religionslehrer Inder Schweiz. . V. ■ Bern, 28. Mai. Mit einer kleinen. Verspätung eröffnete der Präsident des Verbandes, R o s e n t h a 1, St. Gallen, die Sitzung. Er begrüßte die Kollegen, widmete dem allzufrüh heimgegangenen Kollegen; Simon Tominberg,: Zürich eilien Warmen Nachruf. Die Verlesung des Protokolls mußte auf später verschoben werden. Auch gab er einen sehr gedrängten Bericht über die Bemühungen des Gemeindebundes um die schon oben erwähnte Nothilfskasse des Verbandes. Darauf begann die offizielle Tagung. Nahezu in Corpore erschien der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Bern, vollzählig die Schulkommission der Israelitischen Kultusgemeinde und der Vorstand der Talmud Thora, außerdem mehrere Damen und Herren als Gäste. Nach üblichen Begrüßungen erteilte der Präsident Herrn Studienrat W o 1 f f , Basel das Wort zum Referate „Zur Psychologie des jüdischen Kindes". (Auszug des Vortrages wird in der Pädagogischen Beilage erscheinen.) In der Pension Anschel fand man sich zum Gemeinschaftsessen. Das Benschen wurde dem Rabbi von Lausanne, Herrn Ptaschek, übertragen, der es mit Meisterschaft ausführte. In der Nachmittagssitzung griffen auch die Herren Rabbiner Dr. Littmann und Dr. Weil, Basel in die Diskussion ein. Herr Dr. Kratzenstein sprach noch über die Anlegung eines hebräischen Vokabulariums von etwa 300 Wörtern zum Zwecke der Vorbereitung für Bibel und Gebete. Auch hieran schloß sich eine lebhafte Aussprache. Wieder griffen ide Redner des Vormittags ein. Auch Blumenb e r g , Zürich machte interessante Anregungen. Leider gestattet der enge Raum eines Wochenblattes nicht, alle wertvollen Voten hier anzuführen. Kurz nach 4 Uhr konnte der Präsident die Tagung schließen. Die Junitagung der Mandatskommission. Genf, 1. Juni. Die Tagung der Mandatskommission wurde am 30. Mai eröffnet. In der ersten Sitzung faßte der Chefsekretär der Palästinaregierung, John Harthorn- Hall, den Inhalt des der Kommission unterbreiteten Jahresberichtes zusammen und gab eine Schilderung der derzeitigen Lage in Palästina. Er schildert die Finanzen Palästinas als gesund. Ueber das kulturelle Leben und die religiöse Verfassung berichtete er u. a., daß Verhandlungen zwischen dem Waad Leumi und der Agudas Jisroel im Gange seien, um eine Einigung dieser beiden Organisationen zwecks gemeinsamer Arbeit im Gemeindeleben zu erzielen. Es werden einige Fragen gestellt, die sich auf die Rolle der Arabischen Exekutive beziehen. Außer dem Bericht der Mandatarmaeht liegen der Kommission noch folgende auf Palästina bezügliche Dokumente, die im Verlauf dieser Tagung behandelt werden sollen, vor: das Memorandum der J e w i s h-A g e n c y , Memoranda des Waad Leumi, des palästinensischen Oberrabb i n a t s und der Agudath Israel vom April und Mai 1933 mit Bemerkungen der Mandatarmacht vom 15. Juni 1933. Das Memorandum des Oberrabbinats und des Waad Leumi bezieht sich auf eine angebliche Benachteiligung des Rabbinats-Gerichts durch die Gemeindeordnung; die Agudath Israel fordert in ihrem Memorandum Anerkennung als autonome Gemeinde. Dieselbe Forderung enthält das Memorandum des WaadAdath Aschken a s i m vom 28. August 1933 mit Bemerkungen der Mandatarmacht vom 25. November 1933. Berichterstatter für den in diesen Petitionen berührten Fragenkomplex ist Prof. William R a p p a r d. Ferner befindet sich unter den Petitionen eine der zionistischen Organisationen in Sachen der Bodeneinkäufe in Syrien. Wie bekannt, ist auch die vielgenannte revisionistische Petition der Mandatskommission eingereicht worden, und es verlautet, daß Jabotinsky in den nächsten Tagen in Genf eintreffen wird, um der Petition Nachdruck zu verleihen. Da die Verhandlungen der Mandatskommission geheim sind, wird man Näheres erst aus; dem offiziellen Berichte, der im Herbst erscheint, erfahren. England. Der Export deutscher Waren nach England hat dieses Jahr zugenommen. London, 27. Mai. Wie hier bekannt wird, hat der Export deutscher Waren nach England in diesem Jahre zugenommen. Während in den Monaten Januar bis März 1933 für Lst. 6.591.000 deutsche Waren hier importiert wurden, betrug der Importwert für die gleiche Zeitdauer dieses Jahres Lst. 7.945.000. Diese Zahlen sollten schon, deswegen in Deutschland Beachtung finden, weil man dort allzu geneigt erscheint, den in manchen jüdischen Kreisen des Auslandes propagierten Boykott zu überschätzen. Was speziell England anbelangt, so haben wir hier den Beweis erbracht, daß von einem Boykott praktisch kaum die Rede sein kann. Ganz grundsätzlich muß aber betont werden, daß es eine Ungerechtigkeit, ja eine Unmöglichkeit ist, die deutschen Judenheit für die ausländische Boykotthetze, über die sie nicht die kleinste Kontrolle hat, verantwortlich machen zu können. Wir können es von London aus konstatieren, daß die Kreise, die aus ihrem Gefühle heraus für den Boykott eintreten, nicht zu überzeugen sind, am allerwenigsten von dem deutschen Juden selber. Unter diesen Umständen werden die deutschen Kreise einsehen müssen, daß die Juden Deutschlands nicht für das, was im Auslande ganz gegen ihren Willen geschieht, zur Rechenschaft gezogen werden dürfen. E. St. Wieder eine Palästinadebatte im englischen Unterhaus. LonflSn, 1. Juni. In der Abendsitzung des Unterhauses von gestern wurde das Ermächtigungsgesetz zur Garantie der Palästinaanleihe in zweiter Lesung angenommen. Die politische Linie des High Commissioner wurde anerkannt, obwohl Colonel Wedgewood sehr viele Anklagen gegen die Palästinaregierung anzubringen hatte. Besonders unterzog er die Einschränkung der jüdischen Einwanderung, für die nicht der geringste Grund vorliege, die keinen Nutzen, aber sehr viel Schaden bringen, einer scharfen Kritik. Auch die Anleihe würde weder den Juden noch den Arabern zum Nutzen gereichen. Er könne zur Palästinapolitik der englischen Regierung und ihrer Organe in Palästina kein Vertrauen haben, solange die Palästinaverwaltung, in ihrem Verhältnis zu Juden und Arabern nicht unparteiisch verfahre; das zeige sich auch bei der ungerechten Steuerpolitik. Es sei höchlich zu bedauern, daß die Juden, die in der ganzen Geschichte und noch vor kurzem Englands beste Freunde waren und die größten Hoffnungen auf England setzten, nunmehr alles Vertrauen in England verlieren. Er habe Grund zu glauben, daß die derzeitige Palästinaregierung antisemitisch sei. Würde der Kolonienminister diese Politik decken, so wäre dies eine Schande für die englische Regierung. Der Kolonienminister Sir Philip C u n 1 i f f e - Li st er gibt scharfe Antwort. Er glaubt feststellen zu dürfen, daß solche Sprache auch vielen Juden als unheilvoll erscheine. (Sehr richtig. Red.) Er verteidigt die Anleihe und das Steuersystem. Darauf wurde der Gesetzentwurf, wie schon gemeldet, mit Stimmenmehrheit in zweiter Lesung angenommen. Rumänien. Neue Agudabewegung in Alt-Rumänien. J a s s y , 3. Juni. Seitdem die Agudabewegung in der Bukowina und Neu-Rumänien so starke neue Impulse empfangen hat und sich so ersprießliche Resultate augenfällig bemerkbar machen, ist die Bewegung in starkem Maße auch auf Alt-Rumänien übergeströmt. Auch hier beginnen schon die Früchte der Reaktivierung zu reifen. Eine neue Beth Jakob-Schule, die sich überaus gut entwickelt, ist hier als erste Schule in Alt-Rumänien gegründet worden. Eine Hachscharah-Kolonie für junge Agudisten Alt-Rumäniens ist in der Nähe von Jassy ins Leben gerufen worden. Für den 20. Siwan ist ein Massenmeeting der Aguda angekündigt*, das Hauptreferat wird Oberrabbiner Zirelsohn halten, der speziell zu diesem Zwecke aus Chisinau herkommen wird. Vier Juden im neuen Bukarester Stadtrat. Bukarest, 3. Juni. Bei den Wahlen zum Bukarester Stadtrat haben die Liberalen einen eindrucksvollen Sieg errungen; auf ihre Liste wurden 25.000 Stimmen, auf die Liste

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