Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1934)
- Date
- 1934-06-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 23 Der Israelit 7. Juni 1934 Die „Beitragskarte" <jes „Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau". Berlin, 5. Juni. Ueber die Bedeutung der Einführung der vom Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau in Verbindung mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden ausgegebenen Beitragskarte als Mittel, die jüdische Hilfsarbeit auf breiteste Grundlagen zu stellen und die vom Zentralausschuß und der Zentral-Wohlfahrtsstelle bei weitgehender Mitarbeit des Jüdischen Frauenbundes organisierte Sammelaktion bis in die kleinsten Gemeinden hineinzutragen, machten namens des Zentral-Ausschusses und der Zentral- Wohlfahrtsstelle Dr. Friedrich Ollendorf und Dr. Georg Lubinski am. 5. Juni den Vertretern der jüdischen Presse Mitteilungen, in denen vor allem darauf hingewiesen wurde, daß hier zum ersten Mal der großangelegte Versuch unternommen wird, jeden Einzelnen zur aktiven Wohlfahrtsarbeit und zum Gesamtwerk für Hilfe und Aufbau heranzuziehen. Die jüdischen Gemeinden haben sich bereitwillig in den Dienst der Aktion gestellt, ihnen wird in erster Reihe die praktische Durchführung, Ausgabe der Beitragskarten und Organisierung der Einhebung der Monatsbeiträge obliegen. Nur dort, wo jüdische Gemeinden nicht bestehen, sollen andere jüdische Körperschaften mit der Durchführimg der Sammlung betraut werden. In jeder Gemeinde wird die Werbeaktion durch eine Versammlung aller Werber eingeleitet. Die Beitragskarte selbst, die auf der Vorderseite die Ausgabestelle, den Namen des Beitragenden und die Höhe des Monatsbeitrags der zwischen 25 Pfg. und 3 Mk. festgesetzt wird, aufweist, bietet auf dem zum Einkleben der Beitragsmarken bestimmten Blatt einen Ueberblick über die Verwendungszwecke der Hilfsgelder in Form der für jeden Monat ausgegebenen Losungen: Für die Mütter, für die Säuglinge, für das Kleinkind, für die Schuljugend, Ausbildung im Lodz, 3. Juni. Die Stadtratwahlen in Polen haben, das läßt sich nicht mehr leugnen, überall einen Sieg der Nationaldemokraten gebracht. In Lodz, der zweitgrößten Metropole Polens, können sie einen durchgreifenden Sieg feiern. Dort konnte die vereinigte, nationale Front 80 Proz. der insgesamt abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen und hat somit mit 40 Stimmen die absolute Mehrheit im Stadtrate, Die genauen Resultate in anderen Städten werden nach der polnischen Wahlordnung erst später bekanntgegeben. Der Jüdische Block hat in Lodz 10 Mandate errungen, von denen sechs den Agudisten zufallen. Somit hat die Aguda zu ihren früheren Judenexzesse in Polen. Warschau, 3. Juni. Neue Exzesse gegen Juden fandn in G r o d n o und Pabianic, kleinere Ueberfälle auch in Lodz und wieder in Bialystok statt. Aus Ostgalizien wird über Ausschreitungen und Plünderungen in Plumacz bei Kolomea gemeldet. In Grodno wurden die Fensterscheiben in der Geschäftsstelle der jiddischen Zeitung „Grodnoer Moment" und in anderen öffentlichen jüdischen Lokalen eingeschlagen und mehrere Juden schwer mißhandelt. Der Starosta griff mit seiner Polizei energisch ein. Handwerk, Berufsumschichtung, Arbeitsvermittlung, Wirtschaftshilfe, Wanderungshilfe, Speisung und Kleidung, Krankenhilfe, für das Alter. Dabei soll nicht etwa der Sammelertrag jedes Monats ausschließlich für den in der Monatslosung angegebenen Zweck, sondern je nach den gerade vorliegenden Bedürfnissen Verwendung finden. Die innerhalb eines bestimmten Gebiets gesammelten Gelder sollen in erster Reihe den Bedürftigen dieses Gebiets zugute kommen. Zwei Drittel des Ertrages sollen innerhalb der sammelnden Gemeinde verbleiben, ein Drittel wird an den Zentralausschuß abgeführt, damit ein gerechter Ausgleich zwischen den großen und leistungsfähigen und den kleinen und leistungsschwachen Gemeinden herbeigeführt werden kann. Es wird erwartet, daß der Gedanke, die deutsche Judenheit als solche nicht nur Objekt, sondern gleichzeitig auch Subjekt der Hilfe und Aufbauarbeit werden zu lassen, in Anbetracht seines hohen ethischen Wertes von den breitesten Schichten des deutschen Judentums mit Begeisterung aufgenommen werden und der gesamten Hilfsarbeit, die zur öffentlichen Wohlfahrtspflege zusätzlich hinzutritt und stärker als jemals benötigt wird, einen wesentlichen Auftrieb geben wird. Wie uns mitgeteilt wird, hat die „Vertretung der Unabhängigen Orthodoxie Deutschlands" beschlossen, die Beitragskarten-Aktion des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau mit allen Kräften zu fordern. Der „Reichsbund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden", wird in den nächsten Tagen ein hierauf bezügliches Rundschreiben an die ihm angeschlossenen gesetzestreuen Gemeinden richten und seinerseits Anweisungen zur Durchführung der Aktion geben. fünf Mandaten im Gemeinderat noch ein sechstes bekommen. Gesichert ist bisher die Wahl folgender Agudavertreter: Kehillahpräses Minzberg, Präses des Kehillarates S. Liebermann, E. Steinschneider, J. Margo- 1 i s , Advokat L. Reichmann. Der sechste Name wird noch bekanntgegeben. In 304 Ortschaften, von denen bisher Berichte vorliegen, sind im Ganzen 1308 Juden gewählt. 648 Mandate entfallen auf Agudisten und andere der Regierungspartei angeschlossene Juden. Die Zionisten haben nach den bisherigen Berichten 450, die Bundisten und die rechten P o a 1 e Zion je 48, die linken Poale Zion 15 Mandate erworben. In Pabianic kam es leider zu einem Zwischenfall, der die gesamte polnische Judenheit in größte Erregung versetzt. Die Hooligans überfielen den Ortsrabbiner, Rabbi Mendel Alter, einen Bruder des Gerer Rebben, zur Zeit Präsident des polnischen Rabbinerverbandes, und mißhandelten ihn so schwer, daß er ernstlich krank darniederliegt. In Lodz feierten die Nationaldemokräten mit den Ausschreitungen ihren lokalen Sieg bei den Gemeindewahlen. Samuel Kahan-Frankl neuer Landespräsident der ungarischen Orthodoxie. Budapest, 3. Juni. Oberhausmitglied Adolf Fr an kl, der dreißig Jahre lang als 'Landespräsident der Orthodoxen Zentralkanzlei an der Spitze des ungarländischen Judentums stand, hatte, wie bereits mitgeteilt, mit Rücksicht auf sein hohes Alter diese Würde zurückgelegt. Demzufolge wurde die aus vierzig rabbinischen und sechzig; Laienmitgliedern bestehende Landesrepräsentanz nach Budapest zur Präsidentenwahl einberufen. Die Landesrepräseritanz wählte einstimmig den Schwiegersohn des bisherigen Präsidenten Frankl, Herrn Samuel Kaha n - Frankl, zum Präsidenten der orthodoxen Landeszentralkanzlei. Präsident Frankl wurde in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen zum Ehrenpräsidenten gewählt, und er bleibt auch weiterhin Mitglied des ungarischen Oberhauses als der Vertreter der ungarischen orthodoxen Judenheit. Die Lage der Danziger Juden. Der politische Sekretär der Agudas Jisroel beim Oberkommissar. D a n z i g , 30. Mai. Auf der Reise zur Tagung des Zentralrates: der Agudas Jisroel-Weltorganisation in Warschau hielt sich der ehrenamtliche politische Sekretär dieser Organisation und Mitglied des Joint Foreign Committee A. H, Goodman in Danzig auf, wo er mit, dem . Völkerbunds-Kommissar für Danzig,. Lester, Besprechungen darüber abhielt, wie die . Lage der 7000 Seelen umfassenden jüdischen Bevölkerung Danzigs verbessert werden könnte. (ITA.) - Der neue Leiter des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung. Jerusalem, 28, Mai. Die Ernennung des bisherigen stellvertretenden Chefsekretärs der Palästinaregierung, Eric Mills, zum Leiter des Einwanderungsamtes als Nachfolger Albert M. Hyamsons, der nach Erreichung der Altersgrenze von 60 Jahren in den Ruhestand tritt, wird jetzt offiziell bekanntgemacht. Captain Mills, dessen Ernennung zum Einwanderungs-Kommissar schon seit längerer Zeit als feststehend gilt, steht im 42. Lebensjahre, In die Dienste der Pälästinaregierung ist er im Jahre 1920 getreten. Damals wurde er zum stellvertretenden Distrikts-Kommissar in Nablus ernannt. 1925 wurde er erster Hilfssekretär der Palästinaregierung und hat in dieser Stellung wiederholt den Chefsekretär vertreten. Einmal hat er auch als stellvertretender Chefsekretär die Funktionen des verreisten High Commissioner ausgeübt.. Im Jahre 1931 leitete Captain Mills die Durchführung der palästinensischen Volkszählung. Im Mai 1927 vertrat er die Palästinaregierung auf einer Konferenz des Colonial Office, im folgenden Monat war er zweiter Vertreter der englischen Regierung vor der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes. Der neue Kurs in Lettland. Minderheiten-Schulwesen bleibt erhalten. Riga, 29. Mai. . In einer unter dem Vorsitz des Unterrichtsminister Dr. Adamowitsch abgehaltenen Konferenz zur Beratung der Organisation des Schulwesens wurde beschlossen, die derzeitigen Verwaltungen der Minderheiten-Schulwerke auf-! zulösen. Der Vizeminister für Unterrichtsweseh, Tschamanis, erklärt, diese Maßnahme bedeute keineswegs eine.Einschränkung der Minderheitenrechte in Lettland. Die gegenwärtige Stellung der Minderheiten-Schulen bleibe unverändert. Die Stadtratwahlen in Polen.