Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1934)
- Date
- 1934-05-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr. 22 D I s i i t 31. Mai 1934 Die Wormser Synagoge 900 Jahre alt. Eine seltene Feier kann die Jüdische Gemeinde zu Worms begehen: die 900-Jahrfeier ihrer. Synagoge. Die Zeit ist für rauschende Festlichkeiten nicht gerade geeignet, um so mehr aber recht nackdenk- Iich zu stimmen über das, woran uns ein solches Jubiläum gemahnt und wozu es uns verpflichtet. Eine seltene Weihe erfaßt uns, wenn wir in der engen Gasse durch den schmalen Chuppahhof in den alten ehrwürdigen Raum treten. Es sind natürlich zunächst die neun Jahrhunderte Geschichte, die auf uns einsprechen, aber es scheint, daß man sich damals schon auf Andacht und Stimmung in Stein wohl verstand. Dunkel abgetönt ohne düster zu sein, steigt man Stufen hinunter und ist gezwungen, in die Höhe zur Wölbung zu blicken. Kühl ist es hier auch in Hochsommerzeit und man fühlt sich dennoch innerlich erwärmt. Getäfel, Gestühl und die Leuchter mögen nicht alle so alt sein wie der Raum selbst, einige Kandelaber sind es aber, und in der heiligen Lade steht unter den vielen anderen eine alle Thorarolle, die von Rabbi M e i i r v o n Rothenburg am Ausgang des 13, Jahrhunderts selbstgeschrieben wurde. Er hat sie vielleicht im Gefängnis zu Ensisheim geschrieben, und jeder Buchstabe war ihm Halt und Licht in der Finsternis. Sie wurde mehrere Jahre nach dem Tode des Maharam mit dem heiligen Leichnam miterlöst. Ersterer kam in die heilige Erde in der Andreasstraße an die Seite seines Vaters, seine heilige Rolle wurde in die damals schon 250 Jahre alte Synagoge gegeben. Sie steht heute noch da und wird dreimal im Jahre, je am letzten Festtage zu „Matnath Jad", ausgehoben. "Fremde Klänge umrauschen sie, die heilige Rolle, sie kommen von der Empore gegenüber der heiligen Lade, wo eine bilderstürmende Zeit, vandalisch und geschmacklos zugleich, eine Orgel hineingebaut hat. Die Stürme unserer Zeit haben, wie wir hören, die Orgel zum Verstummen gebracht, und die 900-Jahrfeier wird vielleicht noch andere Impulse auslösen, nicht allein in und für Worms ... Worms gehört zu den drei ältesten jüdischen Gemeinden in Deutschland, die in der alten Literatur unter dem Namen a~iv (Speyer, Worms, Mainz}' auftreten. Möglicherweise haben hier in den Städten am Rhein Juden schon vor Zerstörung des zweiten Tempels gelebt. Ueberlieferungen, die die Grenze zwischen Wahrheit und Dichtung nicht immer einhalten, greifen kühn bis zur frühesten Römerzeit zurück. Der Katakombenbau der abgrundtiefen, heute wasserleeren M i k w a h im Synagogenhof weist deutlich auf römische Bauart hin. Ein anderes noch älteres Tauchbad wurde erst vor kurzem ausgegraben. Die Synagoge ist nachweislich im Siwan 1034 durch eine Stiftung des kinderlosen Ehepaares Jakob und Rahel erbaut und ihrem heiligen Zwecke übergeben worden. Rabbi Gerschom, das „Licht der Diaspora", der 1040 in Mainz starb, kann darin, wenn er in deir letzten Lebensjahren in Worms seine bekannten Kongresse abhielt, noch gebetet haben. Ganz gewiß hat R a s c h i in seinen jungen Jahren, bevor er, etwa 25 Jahre alt, nach seiner Heimat Troyes zurückging, hier gelernt und gebetet, wenn auch der Raschistuhl in der sogenannten Raschikapelle sich als Stein in den Bau des Historikers nicht so recht einfügen will. Dagegen kann sich die eingedrückte Mauer keineswegs auf Raschis Mutter berufen, die nie Worms gesehen hat, sondern eher auf Rabbi Jehuda Hachassid aus Regensburg, den die Mutter um 1200 unter ihrem Herzen wohl durch diese hohle Gasse getragen haben konnte. Alt, uralt ist das Haus mit allem, was drum und dran ist, und jeder Stein ist eine Geschichte von Tränen und Glück. kann an dieser Stelle früher auch das alte Lehrhaus gestanden haben, in der Raschi gelernt hatte, -uÄ'd. der. sogenannte R a s chistuh 1 könnte ein Eckstein" in jenem alten Bau gewesen sein. Es ist in den letzten Jahren noch manches .andere zum alten Hause gekommen, was zu ihm nicht paßt. ntiment aus alter Zeit, zugleich aber auch ein Me m'ento für Gegenwart und Zukunft . . Vom Mirjarabrunnen im Kinereth - See. (Dazu zwei Bilder.) Die alte Synagoge in Worms. Zu den UeBerlieferiingen der alten heiligen Stadt T i b e r i a s gehören auch folgende: Sieben Meere hat G'tt geschaffen und von all den sieben hat er sich nur das eine als sein Lieblingswasser gewählt, den K i n e - reth-See. Kinereth wird der See genannt, weil das Wort auch Harfe oder Violine bedeutet. Lieblich wie die Klänge einer Fidel strömen die Düfte aus dem blauen Wasser aus, und die Früchte, die an den Gestaden des Kinereth Namen „Früchte des Kinereth" houu m-i's) die, wachsen, sind unter dem welche an die Genüsse des Paradieses erinnern. Als das Volk Israel nach vierzigjähriger Wüstenwanderung in das Land kam, wo „Täler und Berge sich vom Regen des Himmels satt an Wasser trinken," hatte der Wanderbrünnen Mirjams, der das Volk durch die Wüste begleitete und es mit dem Labetrank all die Zeit versorgte, seine Mission beendet. Was tat der Brunnen? Er tauchte im Kinereth-See unter und blieb dort bis auf den heutigen Tag. Kein Menschenauge sieht ihn, man kann ihn nur ahnen. Nur einer sah ihn einmal: Der heilige Rabbi Jizchak Luria, genannt ,,Ari" (der Begründer der kabbalistischen Schule um 1500) nahm einmal seinen Jünger Rabbi Chajim Vital an die Hand, führte ihn in ein Boot, das am Ufer des Kinereth-Sees bereitstand und sie ruderten ein Stück hinaus.' An der Stelle, wo die Brandung silbern leuchtet, machten sie halt. „Hier ist der Mirjambrunnen," sprach der Meister, „trinke von dem Wasser und du wirst gesunden an Geist und Seele." Rabbi Chajim Vital trank und wurde erkoren, Nachfolger des großen Ari und Verbreiter seiner Lehren zu sein . . . Wenn man auf dem Hügel über dem Grabe von ■Rabbi Meiir baal Haneß steht und von dort das Auge über den blauen Seekessel unten schweifen läßt, sieht man mitten im Gewässer eine kreisende Strömung von hellerem Glanz. Hier, so sagen Juden und Araber, hat der Mirjambrunnen im Kinereth-See seine Ruheheimat gefunden . . . Blick auf Tiberias am Abend. Und dennoch ist es die „alte Schul" von damals, von Jacob und Rahel, von Rabbehu Gerschom und Raschi längst nicht mehr. Denn 1203 kam der Anbau hinzu und 420 Jahre später, im Jahre 1624, wurde das G'tteshäus durch David Oppenheim, dessen Name hier ebenfalls verewigt ist, vollkommen umgebaut. Er hat auch die sogenannte Raschikapelle errichtet, die als Beshamidrasch lange Jahrhunderte diente. Es Vereinigung gewesener Hörer der öffentlichen Rabbinatsschule, Bratislava. Auf Grund allgemeinen Verlangens der Preßburger Talmidimkreise beabsichtigt die „Hisachdus Talimde Preßburg" eine halachisch-agadische Zeitschrift herauszugeben. Die in bestimmten Zeitabständen zu erscheinenden Hefte, welche den Titel yynn führen werden, sollen den Kontakt der ehem. Talmidim zu einander als auch zur n3,p\ der Lehrstätte, woselbst sie ihre geistige Ausbildung genossen und sich hierdurch für das Leben ausrüsteten, enger gestalten. Sie sollen das geistige Band bilden, welches sämtliche gewesenen Talmidim des In- und Auslandes zu einer ideell bewußten Gemeinschaft umschlingt. Das erste Heft erscheint in kürzester Zeit. Vom Inhalte sind in erster Reihe bis nun in Druck nicht erschienene Responsen des Chatam Sofer, des Ksaw Sofer und halachische Beiträge vom Preßburger Oberrabbiner **3» hervorzuheben. Des weiteren kommen aus den Kreisen der Talmidim wertvolle halachische und agadische Beiträge zur Veröffentlichung. Am Tiberias-See mit Blick auf das Grabdenkmal des Maimonides. Der Raum daneben, der.die Frauen fast,ohne Scheidewand im Gebete mit den Männern vereinigt, zum Beispiel. Aber all diese Neueruhgen konnten dem Hause von seiner alten Weihe nichts 'nehmen. Es" isfe ein Denkmal deutsch-jüdischer Geschichte, ein Mo- Es werden auf diesem Wege die ehemaligen Talmidim gebeten, die genaue Adresse ehest der Vereinigung, B r a t i s 1 a v a , Schloßstraße •74, anzuzeigen, damit die Zusendung des Heftes keine Verzögerung erfahre. Das Abonnement fürs Jähr beträgt Kc. 30.—. :• :; *