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Der Israelit · 1934-05-31 · Heft 22 (31.5.1934) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 22 (31.5.1934)
Date
1934-05-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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31; Mai 1934 z&a: B iüfaeiit Nr. 22 Seite Ii Meifr Dr, Milan Erigelsrath schloß die erste delegier!"ewersammlürig der Agudas Jisröel in Jugoslawen} iüBem «r. das Versprechen gab", die neue Leitung werde das eifrigste Bestreben haben und ihre ganze Energie in den Dienst der heiligen Sache stellen^ um das so vielseitige Programm der Agudas Jisröel zu verwirklichen. Im Anschluß an den Delegiertentag fand die konstituierende Sitzung der neugewählten Leitung statt. Zum Vorsitzenden des Aktionskomitees wurde Herr Leopold Klein, Senta und zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Dr. Milan Engelsrath, Zagreb gewählt. - Palästina. Proteststreik in Palästina und Ausschreitungen in Tel Awiw. Tel Awiw, 25. Mai. Der halbtägige Generalstreik am Mittwoch nachmittag begann in voller Ruhe. Alle Läden, alle Betriebe und alle Werkstätten'■ waren wie im ganzen Lande so auch in Tel Awiw geschlossen. Selbst die Levante-Messe schloß ihre Pforte von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends. Die Durchführung des Streiks hätte als voll gelungen betrachtet werden können, wenn es nicht gegen Abend doch noch zu bedauerlichen Zwischenfällen und Unruhen gekommen wäre. Die Unruhe begann in der Bialikstraße, wo die Polizei der von einer Protestversammlung kommenden Menge mit Gummiknüppeln in den Weg trat, was die Demonstranten mit einem Steinhagel beantworteten. Es wurden sogar Barrikaden errichtet. Gegen y2l Uhr fuhr eine Feuerwehrabteilung mit der großen Spritze auf und sandte Wasserstrahlen in die Menge. Bald erschien der Bürgermeister Dizengoff auf dem Platze, und es gelang ihm, die ungeheuer erregten Menschen ein wenig zu beruhigen. Aber es gab schon eine große Anzahl von Verwundeten, von denen einige schwere Verletzungen davon trugen. Es sind auch 6 Polizisten verwundet, unter denen sich, wie schon "wiederholt, auch der Inspektor G o f f e r mit ernstlichen Verletzungen befindet. Unter den Verwundeten sind 25 Mitglieder der Histadruth und 10 Revisionisten. Der Rest besteht aus Personen, die zufällig oder aus Neugierde in den Trubel hineingeraten Avaren. Um 7 Uhr abends herrschte in Tel Awiw vollkommene Ruhe. Eine weitere Feststellung nennt 52 Personen, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, von denen 15 dort für längere Behandlung bleiben mußten. Ueber die Schuldfrage beginnt nun der alte bekannte Streit. „Doar Hajom" spricht von einer Provokation der Histadruth, während die anderen Zeitungen die ganze Schuld den Revisionisten in die Schuhe schieben. Ganz gewiß hat auch das Vorgehen der Polizei, die ein wenig die Nerven verloren hatte, zur Verschärfung der Situation beigetragen. In Jerusalem wurde der Streik, abgesehen von ganz geringfügigen Zwischenfällen, in Ruhe durchgeführt. In dem jüdischen Viertel blieben auch zahlreiche nichtjüdische Geschäfte geschlossen. Versuche von Straßenkundgebung im Anschluß an eine Protestversammlung in der Lämlschule wurden von der Polizei rasch unterdrückt. Die starken Polizeiaufgebote machten auch gelegentlich von ihren Gummiknüppeln Gebrauch, wobei ein Jugendlicher ernst verletzt und" ein anderer, der Steine gegen die Polizei geworfen hatte, verhaftet wurde. In M e a Shearim wollte die Menge die Schließung einiger Läden, deren Besitzer, Anhänger der Aguda, aus Prinzip den Streik nicht mitmachten, mit Gewalt erzwingen. In Haifa und anderen Städten wurde der Streik ohne jeglichen Zwischenfall durchgeführt. Eine Delegation unter Führung von Ben Z w i und Rabbi U s i e 1 sprach beim High Commissioner vor. Von Seiten des Waad Leumi und Jewish Ag;ency wird eine Delegation nach London entsendet, um an den höchsten Stellen die tiefe Erbitterung der jüdischen Bevölkerung in Palästina und in der Welt zum Ausdruck zu bringen. Der Arlosorof fprozeß. Jerusalem, 27. Mai. Achi Meir ist trotz seiner gerichtlichen Freilassung immer noch in Haft. Seinen Hungerstreik 'hat er nach einer Aussprache mit Oberrabbiner Kük Sendet. Revisionistische Kundgebungeil und Intervenfrotfen gegen seine Haft- Hieben erfogllos. Die Zertrümmerung einiger Fensterscheiben im Gebäude des Waad Leünti werden im Zusammenhang mit diesen Demonstrationen gebracht. Zu Beginn der, fünften Verhandlungswoche am Dienstag vormittag legte der Verteidiger Samuel seinen Verteidigungsplan . dar. Sie strahlt nach drei Richtungen aus: Bestätigung der von den Angeklagten geführten Alibibeweise, Widerlegung der Verdachtsmomente und Klärung in Sachen Abdul Medschids. Er bestreitet die Möglichkeit eines politischen Mordes und besteht darauf, daß das Geständnis Medschids nicht aus der Luft gegriffen sei. Die fünfzehnjährige Tochter des Hoteliers T u r - g e m a n bestätigt, daß Stavsky an jenem Freitag nachmittag ein Zimmer im Hotel bestellt hatte. Andere Zeugen hatten andiesem Tage St. in Jerusalem gesprochen, auch am folgenden Morgen sei er von einigen gesehen worden. Am Donnerstag, den 24. Mai, wird Achi Meir nocheinpial aus dem Gefängnis vorgeführt. Er sieht sehr abgehärmt aus und muß seine Aussagen sitzend machen. Als der Generalstaatsanwalt ihm nocheinmal seine Aufzeichnungen vorhält, springt er erregt mit den Worten auf: „Was würden Sie als englischer Patriot denken und tun, wenn England in Gefahr wäre?" Er könne nocheinmal unter Eid bestätigen, daß er Stavsky am Mordabend um 7 Uhr in Jerusalem gesehen hatte. Individuelle Terrorakte lehne er ab, seine Schuld bestehe nur darin, daß er recht viele Juden nach Palästina bringen wollte. Andere Zeugen sagen aus, daß Rosenblatt am kritischen Tage an einer Versammlung in Kfar Saba teilgenommen und dort auch gesprochen hätte. Am Montag, den 28. Mai, unterzog der Verteidiger die Untersuchungsmethoden der Polizei einer scharfen Kritik, besonders sei die Spurenverfolgung ganz falsch angefaßt worden. Einige darauf vernommene Polizeibeamte suchen ihre Methoden zu rechtfertigen. Es sind noch ungefähr 47 Zeugen zu verhören, doch will der Verteidiger auf einige verzichten. Die in Jerusalem herrschende außerordentliche Hitze stellt an die Prozeßbeteiligten große Anforderungen. Es wurde daher mit Genugtuung die Mitteilung aufgenommen, daß das Urteil des Gerichtes schon in den ersten Tagen von Juni zu erwarten sei. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Leo, Sohn des Herrn Lehrer A. Trepp, Osnabrück, Rolandstr. 51, "p-nbv tav, — Albert, Sohn des Herrn Ludwig Westheim. Eckenheimerlandstr. 3, "f?-nbv 'S niv, Synagoge Friedberger Anlage. Verlobte: Lotte Strauß, Friedberg/Hess., Artur Marx. Baisingen Wrttbg.-Frankfurt a. M. Silberne Hochzeit: Julius Oppenheim und Frau Jenny geb. Levi, Wiesb.-Biebrich., 31. Mai. — Josef Levi und Frau Martha geb- Kahn, Wiesb.-Biebr. 31. Mai. 7 0. Geburtstag: Frau Rosette Lang geb. Seckel, Rechneigrabenstr. 18, 4. Juni. Personalien, Oberrabbiner Dr. Spitzer V"ST- Hamburg, 30. Mai. Kurz vor Redaktionsschluß .wird uns telegraphisch aus Hamburg die Kunde vom plötzlichen Ableben des Hamburger Raw, Oberrabbiners Dr. Spitzer, übermittelt. Die Nachricht wird ihre erschütternde Wirkung in der jüdischen Welt, vorab im Kreise der Gesetzestreuen in Deutschland nicht verfehlen. Oberrabbiner Spitzer war eine zentrale und führende Persönlichkeit im deutschen thoratreuen Judentum, als Führer und Thorakapazität auch vom gesetzestreuen Rabbiherstande in Deutschland anerkannt. Aus Ungarn kommend (er hatte in jungen Jahren dem Frankfurter Raw, Rabbiner Dr. Salomon Breuer ^*XT' als Schüler zu Füßen gesessen), wirkte er über zwanzig Jahre an erhöhter sichtbarer Stelle in einer der größten Gemeinden Deutschlands und nahm regen Anteil an allen großen und kleinen Aktionen, die die Orthodoxie in Deutschland und in der Welt zur Wahrung ihrer vitalen Interessen unternahm. Man sah ihn als Mitglied des Rabbinischen Rates Und Leiter des Keren Hathora der Agudas Jisroel bei der Kenessio Gedaulo, wie bei allen anderen großen Versammlungen. Wir stehen im Momente zu sehr unter dem überwältigenden Eindruck der Trauerkunde, um schon im Einzelnen zu sagen, was wir mit dem Heimgang des- Hamburger Raw verloren haben. Das soll in einer ausführlichen Würdigung in nächster Nummer geschehen. Mit der Gemeinde Hamburg steht das Thorajudentum Deutschlands verwaist an der Bahre eines ihrer bedeutendsten Lehrer und Führer. P*'T Scheveningen, 29. Mai. Wie ein Donnerschlag traf uns die Nachricht von dem plötzlichen Ableben von Frau Rosa Birnbaum, der Gattin Dr. Nathan Birnbaums. In der kurzen Zeit, die sie sich hier in Holland aufgehalten hatte, hatte sie es verstanden, einen großen Platz in den Herzen Vieler, vo#n Jungen und Alten, einzunehmen. Eine Fürstin nicht allein von Gestalt, sondern auch eine Fürstin an Geist und Gemüt war sie. Ihr Haus war stets offen, ob man morgens früh kam, oder abends spät — jederzeit wurde, man mit jener Freundlichkeit aufgenommen, die sie so besonders auszeichnete und durch die man sich als in den häuslichen Kreis aufgenommen fühlte. Ihre Augen strahlten von Freude und Güte, wenn die Jüngeren kamen, um mit ihrem Manne zu sprechen. Man fühlte ,wie stolz sie war auf ihren Mann. Dann fühlte man, was für eine gewaltige Quelle von Mut und Treue sie für ihren Mann war auf seiner mühevollen und abwechslungsreichen Lebensbahn. Niemals verlor sie das Vertrauen in ihm und sie war seine niemals wankende Stütze. Das große G'ttvertrauen Dr. Nathan Birnbaums möge ihm diesen schweren Schlag tragen helfen. Das jüdische Volk aber wird einaml begreifen, was Frauen wie diese Frau für es bedeuten und bedeutet haben. H. B. v. L. Mainz, 18. Mai. Frau Henriette Wimpfheimer geb. Scheuer in Newyork, eine Urenkelin des berühmten Mainzer Rabbiner R. Herz Scheuer geb. 20. Juni 1836 (5. Tammus ispn) wird 98 Jahre alt. Sie ist die einzige noch lebende Tochter des R. Bär Scheuer ^*st, dessen sich die alte Generation noch erinnern dürfte. Die Familie stammt ursprünglich aus Frankfurt a. M. und ihr Stammhaus, „Zur Scheuer" genannt, war am Ausgang der Judengasse nach dem Fahrtor auf derselben Stelle, auf der heute das Gemeindehaus (ehemals Rothschild's Geschäftshaus) steht. Rabbi Tewele Scheuer war um die Mitte des 18. Jahrhunderts Dajan in Frankfurt, dann Rabbiner in Bamberg als Nachfolger seines Schwiegervaters R. Nathe Utitz b":rt und zuletzt Rabbiner in Mainz. Sein Sohn R. Herz ^*st war sein Nachfolger im Rabbinat und führte eine große weltberühmte Jeschiwoh, aus der viele Rabbiner hervorgingen. Es waren zu einer Zeit 36 seiner Schüler gleichzeitig als Rabbiner vornehmlich in Süddeutschland, Elsaß und Lothringen tätig. Diese Jeschiwoh wurde nach seinem im Jahre 1822 erfolgten Ableben von seinem Enkel, R. Samuel B o n d i ^sr, bis zum Jahre 1840 weitergeführt und erlag dann den Strömungen der Zeit, die auch die Mainzer Gemeinde erfaßt hatten. Die Jubilarin, Frau Wimpfheimer, eine Trägerin großer Traditionen, kam in jungen Jahren nach Amerika, woselbst sie heiratete. Sie ist trotz hohen Alters geistig und körperlich noch auf der Höhe und erinnert sich gerne ihrer Vaterstadt, erzählt noch häufig und gerne aus jener Zeit, in der die Mainzer Gemeinde führend für Süd- und Westdeutschland war. Möge 7~V7n sie weiter gesund erhalten/ ^"»itttf. Crumstadt b. Darmstadt, 22. Mai. In diesen Tagen feierten Herr Josef Mayer und Gemahlin Frau Regina geb. Mayerfeld ihren 73. resp. 74. Geburtstag. In ihrer körperlichen und geistigen Frische erfreut sich das jugendliche Greisenpaar in näherer und weiterer Umgebung Crumstadts in allen Schichten der Bevölkerung größten Ansehens und wird verehrt von ihren Kindern in Birkenau i. 0„ in Biebesheim und Amerika. Wir schließen Uns deren innigen Wünschen an. mW D,~IE7S1 ilNM IV London, 17. Mai. Dr. Raymond, zuletzt Privatdozent an der Universität Heidelberg, wurde zum Honorary Lecturer am King's College University of London ernannt. Er wurde bereits vor einiger Zeit zum Mitglied von O r i e 1 College, Oxford, gewählt. Briefkasten. M. H. in S. M. 5.— für angegebenen Zweck eingegangen. Rabb. J. in K. Die nisn na-Parscho ist 17. 3. 22 ix 's, 24. 3. 22 wnv 's, 14. 5. 22 Tpna 'a. . J. Gr. Hamburg. Das gesamte Material über R. Ch. Sonnenfeld b"Sf finden Sie in einem Werkchen von R. Mosche Blau, zusammengestellt das von der Jerusalemer Aguda P. O. B. 513 zu beziehen ist. M. H. in M. Die Barmizwoh findet mun fp» na» statt. H. L. in W. Der Artikel mußte mit vielen anderen wegen Platzmangels zurückgestellt werden und erscheint in dieser Nummer. J. P. in L. Wir haben Ihren Bericht an den Schriftleiter unserer Lehrerbeilage Weitergegeben, WO er demnächst erscheinen wird.

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