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Der Israelit · 1934-05-31 · Heft 22 (31.5.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 22 (31.5.1934)
Date
1934-05-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 22 Der Israelit 31. Mai 1934 3: Wenn heute über den Kavalierauseinandersetzungen mit monarchistischen Kreisen das Judentum und sein Anhang sich vergessen glaubt, so können wir es darüber freundlich aufklären: Vergessen seid Ihr Brü der von uns bestimmt nicht! Wir beobachten jeden Eurer Schritte. Wir lesen Eure Zeitungen, Zeitschrif ten und Briefe. Wir kennen Eure Beziehungen im In und Auslande. Wir passen auf! Mit uns spielt Ihr nicht 9. November 1918. Eher spielen wir mit Euch Babylon oder Zerstörung Jerusalems. Und die Welt wird immer hellhöriger. Mehr als Euch frechem Ge schmeiß lieb ist! Seid und wart ihr international verbunden, um die nordischen Völker dieser Männererde zu betrügen und gegeneinander zu hetzen, so sind wir bereit, Euch international an die Kette zu legen, wie es der Hyäne und den stinkenden Coyoten gebührt Und wenn Ihr meint, daß wir rauh und grob in der Auswahl unserer Bezeichnungen gegen Euch waren: „dann lest mal in Euren „Heiligen Stammesschriften" nach, wie Ihr Euch nach Eures Stammesgötzen Gebot schon im Altertum gegen anständige nordische Völker benommen habt. Spiegelberg Juda, wir kennen Dich!" Hilfe und Aufbau — für Kinder. Berlin, 24. Mai. Man schreibt uns: Viele jüdische Familien, die sich oder ihren Kindern bisher noch allsommerlich einen wenn auch nur kurzen Erholungsaufenthalt gönnen konnten, haben heute so schwer nur für den notwendigsten Lebensunterhalt zu kämpfen, daß sie aus eigenen Mitteln nichts mehr für die Gesundheit ihrer Angehörigen tun können. Die stark verminderten Einnahmen der jüdischen Gemeinschaft reichen kaum zur Linderung der bittersten Not, so daß die gesundheitliche Fürsorge für Erkrankte sehr stark eingeschränkt werden, die Beihilfen für Erholungsbedürftige ganz fortfallen mußten. Die seelische Not, der Kampf um die nackte Existenz, den so viele Juden zu bestehen haben, das plötzliche Abfallen des Lebensstandards unter das einer menschlichen Konstitution noch erträgliche Maß gefährden ernstlich den Gesundheitszustand der jüdischen Bevölkerung und haben in vielen Fällen schon schwere, zum Siechtum führende Krankheiten zum Ausbruch gebracht. Vorbeugen ist besser und auch wirtschaftlich sinnvoller, als Erkrankte und Sieche zu pflegen. Die Erhaltung der seelischen und körperlichen Kräfte müßte daher die Grundlage aller Hilfsmaßnahmen sein. Insbesondere der jüdischen Jugend, die doch die Zukunft des deutschen Judentums bedeutet, den jüdischen Frauen und Mädchen, die sie pflegen und erziehen, sollte die vorbeugende Fürsorge der jüdischen Gemeinschaft gelten. Daher wird der Jüdische Frauenbund E. V. im Einverständnis mit dem Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau in den nächsten Wochen an diejenigen Juden herantreten, denen auch noch heute das Glück zuteil wird, aus eigenen Mitteln in Bade- und Kurorten die heilenden Kräfte der Natur auf sich wirken zu lassen. Oertliche Vertrauenspersonen, die sich freiwillig für diese Arbeit zur Verfügung stellen, werden von den Badegästen Beihilfen für die Kräftigung ihrer bedürftigen Brüder und Schwestern erbitten, die ohne diese Hilfe körperlich und seelisch zu erliegen drohen. Alle jüdischen Organisationen, alle für die Gemeinschaft fühlenden Juden müssen an diesem Werke mithelfen, soweit es ihre Kräfte irgend erlauben. Wer nicht an die örtlichen Vertrauenspersonen geben kann, sende seinen Beitrag unmittelbar an den Jüdischen Frauenbund E. V., Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 158, Gth. L, Postscheckkonto Berlin, Nr. 96802. Auch die kleinste Gabe ist willkommen. Zur Ueberführung deutsch-jüdischer Kinder nach Palästina. Berlin, 24. Mai. Wie wir schon in der jüngsten Nummer berichteten, hat die Ueberführung jüdischer Kinder aus Deutschland nach En Charod und Ben Schemen in weiten Kreisen Palästinas große Entrüstung hervorgerufen und zur Gründung eines Komitees geführt, das, aus führenden Männern der AgudasJisr o e 1 und des Misrachi zusammengesetzt, die r e 1 i - J giöse Kinderalijah in die Hand nimmt. Der vom Komitee erlassene Aufruf liegt uns nun im folgenden Wortlaute vor: An die Juden Deutschlands! Die Frage der religiösen Erziehung der jüdischen Kinder aus Deutschland, welche nach E r e z J i s r o e 1 kommen, erweckt ernste Sorge, wenn man bedenkt, daß ein großer Teil dieser Kinder nach En Charod und Ben Schemen geschickt worden ist. Wir sind sicher, daß der größte Teil der deutschen Juden, die Eltern dieser Kinder, nicht weiß, was es Die Woche. Nürnberg. Wie die „Fränkische Tageszeitung" berichtet, hat Gaubetriebszellenobmann P e ß 1 e r vor den Angestellten der jüdischen Geschäfte in Nürnberg eine Ansprache gehalten, in der er u. a. erklärte, daß in Franken nichtarische Betriebsführer überhaupt nicht in Frage kommen, da die Gauleitung unter Führung Julius Streichers unbedingt auf dem Standpunkt steht, daß arische Menschen nur von Ariern geführt werden können. Leipzig. Die hier stattgehabte Reichsführer - t a g u n g der Jugendgemeinschaft „Habonim Noar Chaluzim", an der sich 210 Vertreter aus allen Teilen des Reiches beteiligten, legten scharfen Protest gegen die Einwanderungsbeschränkung und Verdrängung jüdischer Arbeit in Palästina ein. Braunschweig. Der braunschweigische Ministerpräsident Klagges stellte auf einer Massenkundgebung in Harburg-Wilhelmsburg, entgegen der Meinung mancher Uebernationalsozialisten, die Judenfrage sei ungenügend gelöst, daß die Juden aus allen öffentlichen Aemtern entfernt seien und daß sie nirgends mehr Einfluß besitzen. Es sei nie Absicht der Nationalsozialisten gewesen, das jüdische Volk vollständig auszurotten. Kattowitz. Gegen den Schriftleiter einer antisemitischen Zeitung, Eduard Chowanski, strengte die jüdische Gemeinde eine Verleumdungs¬ und Beleidigungsklage an, weil er auf Grund gefälschter Talmudzitate behauptete, die Juden gingen auf die Vernichtung der christlichen Welt aus. Chowanski wurde vom Kreisgericht zu neun Monaten Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre verurteilt. Warschau. Für den 4. Juni wurden Protestkundgebungen in ganz Polen gegen die Einwanderungsbeschränkung in Palästina angesetzt. Riga. Nunmehr hat auch das agudistische Wochenblatt „Unsere Stimme" sein Erscheinen eingestellt, so daß die lettländische Judenheit zur Zeit keine einzige Zeitung hat. Athen. Auf dem Olympischen Kongreß, der in den letzten Tagen in Athen abgehalten wurde, brachten die englischen und amerikanischen Delegierten die Frage der Beteiligung jüdischer Sportler auf der Berliner Olympiade im Jahre 1936 zur Sprache. Die Vertreter Deutschlands erklärten, daß jüdische Sportler bei den Berliner Spielen ebenso gern gesehene Gäste sein werden wie alle anderen. Jerusalem. Am 21. Mai ist der Führer der englischen Liberalen und erste High Commissioner von Palästina, Sir Herbert Samuel, mit seiner Gattin in Haifa eingetroffen und im Hafen von Vertretern der Regierung und der Jewish Agency begrüßt worden. — 11 jüdische Arbeiterführer, die die neue Verordnung, durch die das Postenstehen vor Betrieben, die arabische Arbeiter beschäftigen, verboten wird, übertreten haben, wurden je zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Strafaufschub bis nach den Feiertagen gegen Hinterlegung einer Kaution wurde ihnen verweigert. Tel Awiw. Die Levante-Messe. deren Dauer bis zum 25. Mai festgesetzt war, ist bis zum 4. Juni verlängert worden." Newyork. Auf einer Massenversammlung gegen die Einwanderungspolitik der Palästinaregierung wurden Begrüßungsschreiben der Senatoren B o r a h und Wagner verlesen, in denen sie ihre Sympathie für den Palästinaaufbau zum Ausdruck bringen. — Das Hilfswerk des Joint Distribution Committee für deutsche Juden brachte, wie jetzt offiziell mitgeteilt wird, im Laufe eines Jahres eine Million Dollair auf. bedeutet, Kinder En Charod und Ben Schemen zu überantworten. Die Atmosphäre dieser Stätten bedingt vollkommene Auslöschung jedes religiösen Empfindens, Entweihung der heiligsten Güter unseres Volkes, für die unsere Väter ihr Leben hingaben. Es ist unausdenkbar, daß in den Herzen dieser Jugend die vieltausendjährige, heilige Erbschaft zerstört werden soll — durch Erziehung in jener Atmosphäre! Wer hier beiseite steht und nicht hilft, die Lage zu bessern, der ist für die Folgen moralisch mitverantwortlich. In Erkenntnis der Lage in unserem Heiligen Lande und in Würdigung der Tatsache, daß die Erziehung dieser deutschen Kinder aus religiösen Kreisen besondere Sorgfalt erfordert, beabsichtigen wir, für diese Kinder besondere Erziehungsinstitutionen zu schaffen, in denen sie in hebräischer Sprache unter Leitung religiöser Lehrer ausgebildet werden sollen. Mit den Erziehungsstätten sollen Internate verr bunden werden, die sich unter der Aufsicht des Komitees befinden und in denen eine Atmosphäre der Liebe und der wahrhaften Fürsorge im religiösen Geiste herrschen soll. Wir kennen wohl die Schwierigkeiten, die der Verwirklichung dieser unserer Absichten entgegenstehen; aber wir sind sicher, daß der heilige Gedanke, der uns leitet, alle Schichten unseres Volkes durchdringen wird und daß wir moralische und materielle Unterstützung überall finden werden, wo das Herz eines wahrhaften Jehudi schlägt. Wir wenden uns an alle Juden, und besonders an die deutschen Juden, mit einem heißen Aufrufe, und sagen ihnen: Schützet die Seele Eurer Kinder! Laßt nicht zu, daß das Heiligste und Schönste, dem das jüdische Volk die besten seiner Kräfte opferte, aus ihrem Herzen gerissen wird! Die Unterzeichneten haben zur Organisierung einer religiösen Jugendalijah ein Komitee gebildet. Eltern, welche diesem Komitee die Erziehung ihrer Kinder übergeben wollen, werden gebeten, sich an die untenstehende Adresse zu wenden. Dr. Moses Auerbach, Berlin, Rabbi Mosche Blau, Jerusalem, Dr. Isaak Breuer, Frankfurt a. M., Jeschuo Heschel Farbstein, Jerusalem, Dr. Samuel G r ü n b e r g, Berlin, Daniel S i r k i s, Tel Awiw. Adressen zur Anmeldung von Kindern: Dr. M. Auerbach, Berlin N 24, Artilleriestr. 31; Dr. S. Grünberg, Berlin NW 40, Thomasiusstr. 24. Vom Hilfsverein der Deutschen Juden. Berlin, 24. Mai. Die in Berlin abgehaltene diesjährige Generalversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden erfreute sich außerordentlich starker Beteiligung. Der Vorsitzende, GenersvM-onsul Eugen Landau begrüßte die Erschienenen. Es folgte die Verlesung eines Schreibens des am Erscheinen verhinderten stellvertretenden Vorsitzenden Max W a r b u r g , in dem die ' Aufgaben des Hilfsvereins in der Gegenwart dargelegt sind und die Notwendigkeit der Förderung der Hilfsvereinsarbeit durch die gesamte deutsche Judenheit unterstrichen wird. In dem Schreiben heißt es: „Der Hilfsverein hat zu seinen alten Aufgaben eine neue übernommen: die Beratung und Betreuung derjenigen, die aus Deutschland auswandern wollen. Der Hilfsverein steht auf dem Standpunkt, daß die deutschen Juden in ihrer Heimat, deren Schicksal das ihrige ist, in der Hoffnung auf ein würdiges Weiterleben ausharren wollen. Erscheint es aber deutschen Juden aus wirtschaftlichen Gründen und der Zukunft der Kinder wegen unmöglich, in Deutschland zu bleiben, und ergibt sich infolgedessen eine wirtschaftliche und ideelle Notwendigkeit zur Auswanderung, so legt der Hilfsverein größten Wert darauf, daß diese sorgfältigst vorbereitet wird. Der Hilfsverein hat eine genaue Untersuchung aller Möglichkeiten vorgenommen, die sich für die Auswanderung der deutschen Juden bieten. Er hat das Material eingehend bearbeitet, so daß eine Beratung in sehr großem Maße bereits stattfinden konnte und auch weiter stattfinden wird. 60.000 Menschen sind vom Hilfsverein im Laufe des Jahres 1933 beraten und mit Informationen jeder Art versehen worden. 7700 Personen wurden finanziell unterstützt durch Zuschüsse für Bahnudn Schiffskarten, Visen, Verpflegung, Trans-

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