Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1934)
- Date
- 1934-05-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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31. Mai 1934: Der Israelit Nr. 22 Seite 7 sxonspreis soll ein verhältnismäßig sehr niedriger sein. Ernste Interessenten erhalten durch Schreiber dieser Zeilen gern weitere Einzelheiten. : * * * Politische Einstellung der deutschen Emigranten; Ueber die jüdisch-politische Einstellung der deutschen Olim läßt sich im allgemeinen dasselbe wie über die aus dem Osten Eingewanderten sagen. Wem es vergönnt ist, nach Erez Israel zu kommen und hier seinen ständigen Aufenthalt ZU nehmen, der zieht im allgemeinen einen dicken Strich unter seine bisherige politische Einstellung. Er will überhaupt nichts mehr von Politik wissen. Er hat sich Jahre und Jahrzehnte in seiner früheren Heimat mit jüdischer Politik beschäftigt, sieht jetzt, da er hier ist, daß doch gar vieles mit' seiner bisherigen Auffassung nicht in Einklang zu bringen ist, ja, zum großen Teil war seine bisherige Einstellung überhaupt eine falsche gewesen. Nach dieser Erfahrung hat man nun das Bedürfnis, sich von der Politik überhaupt auszuruhen, zumal es hier tatsächlich kaum eine jüdische Politik gibt. Wir überlassen es gern Frankfurt, London oder neuerdings auch der Jewish Agency in Jerusalem, diese schweren Probleme, die allerdings hier im Lande selbst absolut nicht als solche empfunden werden, zu lösen. Diese Herren werden es schon richtig machen! Wie stark das politische Ruhebedürfnis der Olim ist, kann man schon daraus ersehen: wir beherbergen jetzt hierzulande die tüchtigsten, redebegabtesten deutschen Zionisten- und Misrachistenführer, die auf ihren Agitationsreisen und sonstigen Versammlungen fast immer überfüllte Säle hatten — oft mußten Parallelversamm- Korrespondenzen. Deutsches Reich. Erez Jisroel-Kundgebung der Berliner Agudas Jisroel und des Noar Agudati, Berlin, 29. Mai. Die Kundgebung, zu der die Berliner Gruppen der Agudas Jisroel und der Chug des Noar Agudati eingeladen hatten, wurde zu einem gewaltigen Bekenntnis zur Forderung der Herrschaft der Thora in Erez. Jisrael. Die siebenhundertköpfige Versammlung' folgte den tiefschürfenden und formvollendeten Ausführungen der beiden Referenten Rabbiner Dr. Moses Auerbach und R.-A. Dr. Isaak Breuer mit gespanntester Aufmerksamkeit. Glühende Liebe zum jüdischen Land, verbunden mit dem Bewußtsein schwerer Verantwortung für Land und Volk der Thora kennzeichneten das gewaltige Pathos, das beide Referate durchzog. Das große Erlebnis Erez Jisrael formte die beiden Bekenntnisse. Die bedeutsame Veränderung, die Palästina erfahren hat, so führte Rabbiner Dr. Auerbach aus, wird erst deutlich, wenn man etwa vor eineinhalb Jahrzehnten das Land gesehen hat. Das Land der jüdischen Zukunft, Erez Jisrael ist das Land der Arbeit und des jüdischen Arbeiters. Der gewaltige Lebensrhythmus des aufbauenden Volkes erzeugt eine starke Tendenz zum Materiellen. Auch die Jugend unterliegt diesem Zuge; aber hier, bei der Jugend, ist der ideelle Kern deutlicher. Man weiß um den Aufbau unseres Landes. Aber die materielle Tendenz berührt ebenso schmerzlich wie die Tatsache, daß sich dort ein starker Zug zur Verweltlichung des jüdischen Volkes und Landes zeigt. Die Opferbereitschaft und Hingabe der ersten Chaluzim müssen anerkannt und gewürdigt werden. Die Orthodoxie muß ihre Unterlassungssünde offen bekennen. Aber es ist vieles besser geworden; die Orthodoxie anerkennt die Pflicht zur aktiven Aufbauarbeit in Erez Jisrael. Hier muß der Thora eine Stätte bereitet werden. Das jüdische Volk muß lungen hergestellt werden — und jetzt, da sie am Ziele ihrer Hoffnung gelandet sind, schweigen auch sie, schweigen nicht bloß in „Iwrith", sondern auch in allen anderen Sprachen! Wir hatten gehofft, wenn erst die Misrachiführer hier sein werden, werden sie sich bemühen, der Thora zu ihrem Recht zü verhelfen. Bisher ist aber leider nichts zu merken, obwohl gerade diese Herren die Berufensten hierzu wären und bestimmt so manches erreichen würden, wenn sie die richtigen Wege und Mittel ergreifen. Es ist natürlich vollkommen verfehlt, sich darauf zu beschränken — wie es in letzter Zeit auch einige Gäste aus Deutschland getan haben — in einer der Synagogen über Sabbathaltung zu reden. Es ist dieses ganz unnütz verschossenes Pulver. Wer hier in die Synagoge geht, der hält auch seinen Sabbat, es bedarf bei ihm nicht dieser Anregung. Ganz andere Wege müssen beschritten werden. Diese Herren müssen dorthin gehen, wo die Sabbatschänder anzutreffen sind, auch wenn diese Wege etwas schwerer gangbar sind, als in' einer ruhigen, friedlichen Synagoge zu sprechen. Von seiten der „Charedim" und „Jungaguda" wird dieser schwere Weg, zu dem allerdings sehr viel Mut gehört, seit einigen Wochen gegangen, hoffentlich führt er auch zu einem Erfolg. Auch beim ,,Oneg Schabbath" im „Ohel Schern" wären solche Unterhaltungen am richtigen Platze. Die ,,Aguda'; ist, in letzter Zeit mit ihrer Palästinaarbeit im heiligen Lande selbst etwas aktiver geworden. Einige günstige Teilerfolge sind bereits bemerkbar. Hoffen wir, daß es gelingt, die Heiligkeit im Heiligen Lande wieder zu neuem Leben zuerwecken. ' den Mut haben, sein Land als heiliges Land zu empfinden. Die Durchheiligung des jüdischen Landes und jüdischen Lebens ist die Aufgabe; darin liegt die Schicksalsfrage des jüdischen Volkes beschlossen. Hier kann es keine Kompromisse geben. Die Thora verlangt keine „Berücksichtigung", sie fordert die Herrschaft. Alle Lebensgebiete müssen der Thora unterstellt werden. Redner berichtet von der erschütternden Tatsache, daß heute noch 2/a der jüdischen Kinder areligiös oder antireligiös erzogen werden. Im Lande selbst wird die Forderung nach religiöser Erziehung laut. Es darf, so ruft der Redner aus, in Erez Jisroel nur eine Front geben, die Front der Thora. Die Unterschiede zwischen Poale Agudas Jisroel und Poale Hamisrachi sollen nicht verwischt werden. Aber unser Kampf kann keine Feindschaft bedeuten. Es bildet sich in Erez Jisrael der Typ des Poel Dathi, In dem Begriff des Jischuw Hasch- Ii s c h i verbinden sich die jüdische Geistigkeit des alten Jischuw mit der zukunftsfreudigen Arbeit des neuen Jischuw. Mit einem Aufruf zur Mitarbeit an diesen Bestrebungen schloß der Referent seine eindrucksvollen Ausführungen. Wenn man berücksichtigt, aus welchen Kreisen die Einwanderer nach Erez Jisrael zum großen Teil kommen, so leitete Dr. Isaak Breuer seine Ausführungen ein, dann erkennt man die gewaltige Kraft der Thora. Man begegnet in Palästina der stummen Sprache der jüdischen Volksseele. Gewiß hat die Orthodoxie Schuld auf sich geladen, wie immer die Gesetzestreuen schuldig sind, wenn Untreue sich 'geltend macht; aber in der Chibbath Haarez glüht noch unbewußt die Liebe der Alten zur Thora nach. Jede Aufbauarbeit in Erez Jisrael, das war die tiefe Ueberzeugung von R. Chajim Sonnenfeld V'XT' ist ein Aufbau für das Volk der Thora. Die g'ttliche Vorsehung hat sich des Zionismus bedient, um geschichtliche Wirkungen auszulösen. Der Weg des jüdischen Volkes in das jüdische Land war schon immer schwer. Die epochalen Ereignisse: Emanzipation, Zionismus, Weltkrieg und das Schicksal unserer Tage sind die Mittel der Vorsehung, das jüdische Volk in seine Heimat zurückzuführen. Heute drohen in Erez Jisrael zwei Gefahrenmomente: die Gefahr der nationalen Selbstverg'ttung und die Gefahr der Vergötterung der Wirtschaft. Die Histadruth Haowdim entlehnt ihre Wirtschaftsauffassung dem Sozialismus Marx'scher Prägung. Das judische Volk kennt keine Souveränität der Wirtschaftsgesetze. In Erez Jisrael soll die Welt aufhorchend sehen, wie die Thora die soziale Frage löst. Jüdische Lehre ist, daß die jüdische Nation nicht zu herrschen bestimmt ist, sondern zu dienen. Es wird so lange keine Harmonie unter den Menschen geben, bis G'tt als der Souverän anerkannt ist. Wir stehen im Zeitalter der nationalen Emanzipation. Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen. Hinter jedem jungen jüdischen Menschen, der nach Erez Jisrael geht, muß die Weltorganisation stehen. Man erwartet die Gesetzestreuen in unserem Land. Wir wollen keine Zionisten werden, mit unserer Auffassung gehen wir nach Erez Jisrael. Wir werden dort freudiger empfangen, als es hier in der „Jüdischen Rundschau" geschieht. Die jüdische Jugend zu Bürgern des G'ttesstaates zu erziehen, das ist die Aufgabe der Stunde. Eine Bewegung der jüdischen Gesetzestreuen der Welt muß entstehen, die den Sinn unseres jüdischen Seins gestaltet. Nur auf diesem Wege, so schloß der Redner sein bedeutsames Referat, werden wir der Forderung der Zeit gerecht werden können. Im Anschluß an die Kundgebung wurde dann nach einer Besprechung im kleineren Kreise unter Leitung des Herrn Dr. Ehrmann ein „Chug Erez Jisroel" (Agudistischer Erez Jisroel-Kreis) gebildet. Wir hoffen, daß die Impulse, die von dieser Veranstaltung ausgehen sollen, in der- Chugarbeit ihre Verwirklichung finden werden. Gauleiter Kube über die Judenfrage. Berlin, 27. Mai. Wilhelm Kube, der Gauleiter und Oberpräsident der Kurmark, veröffentlicht in der „Westfälischen Landeszeitung" vom 19. Mai 1934 einen Aufsatz unter dem Titel „Und immer wieder die Judenfrage", in dem sich u. v. a. folgende Stellen befinden: . . . „Was Pest, Schwindsucht und Syphilis für die Menschheit gesundheitlich bedeuten, das bedeutet das Judentum sittlich für die weißen Völker. Darum ist die Judenfrage eine internationale Frage, die gemeinsam von allen Kulturvölkern gelöst werden muß! Der Pestträger muß ausgemerzt und isoliert werden. Jedenfalls sollte man ihm die Möglichkeit nehmen, weiter die Völker der Erde gegeneinander zu hetzen. Wie der Weltkrieg ein abgefeimtes Werk der Juden und Freimauerr war, so sind die heutigen Krisen, die die Ruhe der Welt immer wieder erschüttern, ebenfalls ein Werk des Judentums. Rüstungsindustrie, Weltbankiers, Weltspekulanten: Wohin ihr faßt, ihr werdet Juden fassen! Die zwei Millionen deutscher Toter kommen ebenso auf das Schuldkonto Judas, wie die 10 Millionen Toter der anderen Völker der Welt, die am großen Kriege teilnahmen. Daran sollten die Mütter der Welt immer denken, wenn sie einen Juden sehen oder von ihm hören. Glaube niemand, daß das Judentum die Schlacht schon verloren gibt. Es wäre das dümmste, was man in Deutschland glauben könnte. Solange es Juden gibt, solange hassen sie den nordischen, den germanischen, den deutschen Menschen und seine Gestaltungskraft. Der Jude ist die personifizierte Verneinung, der Deutsche ist die g'ttgewollte und g'ttbedingte Schöpferkraft ... Denn nur wer beharrlich und zähe ist, wird des Judentums besiegen. Man kann mit halben Maßnahmen anfangen, mit rücksichtsloser Brutalität wird dieser Kampf aber einmal von den überwiegend nordischen Völkern beendet werden müssen. Ob ihn unsere Generation schon beendigen wird, erscheint mir sehr zweifelhaft. Darüber brauchen wir nicht nervös zu werden. Unsere Kinder und Enkel brauchen ja schließlich auch einen Lebensinhalt. Und der Kampf gegen Juda bis zur Vernichtung soll ein Teil unseres stolzen Vermächtnisses sein!" „Mit Recht hat unser Reichspropagandaleiter Dr. Joseph Goebbels neulich darauf hingewiesen, daß es keine Hintertür für das Judentum oder seine Verbündeten gibt, im Dritten Reiche sich irgendwo oder irgendwann irgendwie niederzulassen oder häuslich einzurichten. „Saufot!" erklingt hier unser Jagdruf. Womit wir übrigens die schwarz-rot-goldene Republik von Weimar und ihre mauschelnde „Geistesaristokratie" meinen.