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Der Israelit · 1934-05-31 · Heft 22 (31.5.1934) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 22 (31.5.1934)
Date
1934-05-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 22 B s r a e 31. Mai 1934 Die Umwälzung in Lettland und die Juden. R i g a , 27. Mai. Der stellvertretende Ministerpräsident wie der Kriegsminister empfingen jüdische Abordnungen und erklärten ihnen, daß die neue Regierung Antisemitismus um keinen Preis dulden werde. Gerade aus dem Munde des stellvertretenden Ministerpräsidenten S k u j e - n i e k, der nicht gerade als Freund der Juden bekannt ist, ist eine solche Aeußerung von größter Wichtigkeit. Auch in einer Rundfunkrede betonte dieser Minister, daß alle Bürger ohne Unterschied von Glauben und Nationalität sich für die Verteidigung des Vaterlandes einsetzten und sich auch in Zukunft einzusetzen bereit sind und darum unbeschränkte Rechte genießen müssen. Ein Protesttelegramm der polnischen Agudas Jisroel an die Palästina-Regierung. Warschau, 27. Mai. Im Zusammenhange mit den letzten Vorgängen infolge der Sabbatentweihung in Tel Awiw und als Sympathiekundgebung für die Mitglieder des Schomre Schabbos-Verbandes in Tel Awiw, hat die Z e-n trale der polnischen Agudas Jisroel ein Telegramm an den High Commiss'ioner abgeschickt, das folgenden Wortlaut hat: ,,Das orthodoxe Judentum in Polen ist aufs Tiefste erregt über das scharfe polizeiliche Vorgehen gegen Juden, die gegen die öffentliche Sabbatentweihung in Tel Awiw protestiert haben. Wir bitten Eure Exzellenz, zu veranlassen, daß' den heiligen religiösen Gefühlen, die aus Herzweh über Schändung der Heiligtümer zum Durchbruche kommen, besser geschönt werden und daß die Angeklagten yon jeder Strafe befreit werden." Ein ähnliches Telegramm richtete die Aguda- Zentrale an die Tel Awiwer Iri ja. Urteile in Kattowitzer und Warschauer Ritualmordprozessen, Warschau, 28. Mai. Wie im Kattowitzer Prozeß (siehe Die Woche), wurden auch in einem Warschauer Ritualmordprozesse die beiden angeklagten Redakteure der nationalistischen „Gazeta Warszawska" zu je vier Monaten Gefängnis und 500 Zloty Geldstrafe verurteilt. Die politische Neuordnung in Bulgarien, Sofia, 23. Mai. Wie der Präsident des Jüdischen Konsistoriums Bulgariens, - Dr. Chaim F a r c h i und der Vorsitzende der bulgarisch-palästinensischen Handelskammer Dr. Säul M e - z a n der ITA. mitteilen, hat die neue bulgarische Regierung den jüdischen Stellen^ erklärt, daß sie, die Garantie für die Sicherheit der bulgarischen Juden und die Aufrechterhaltung ihrer vollen bürgerlichen und politischen Rechte übernehme. Nach Durchführung der politischen Neuordnung herrscht in ganz Bulgarien vollkommene Ruhe. Die revisionistische Petition und die Agudas JisroeL Wien, 28. Mai. Die Revisionisten bereiteten eine Petition an die englische Regierung und an den Völkerbund vor, für die sie nicht ohne Erfolg Unterschriften in der ganzen Welt sammelten. Die Petition, von den Revisionisten stark propagiert und von ihren Gegnern, wie auch von der offiziellen Leitung der zionistischen Organisation bekämpft, ruft die englische Regierung und den Völkerbund auf, für volle Durchführung der Mandatsverpflichtungen gegen Palästina einzutreten, insbesondere für freie Einwanderung, freien Bodenerwerb und eigenen Sicherheitsschutz durch Juden. Auf Anfrage bei der Aguda- Weltzentrale, wie sich die Aguda zu dieser Petition, für die auch bei Agudisten geworben wird, verhalte, läßt diese nach einer Meldung des Wiener A. I. P. T. folgendes verlautbaren: ,,Die Agudas Jisroel steht auf dem Standpunkt, daß jede öffentliche Bewegung oder Betätigung im jüdischen Volke, geschweige denn eine Betätigung für Jischuw Erez Jisroel auf den Grundsäulen der Thora, des Glaubens und der Tradition des orthodoxen Judentums fußen muß. Das ist für uns die erste Vorbedingung, die unserer Ansicht nach bindend ist für jede jüdische Bewegung. Wir stehen deshalb im Gegensatz zur allgemeinen zionistischen Organisation, weil sowohl in der Fassung ihres Statutes wie in ihrer praktischen Arbeit diese Grundbedingung fehlt. Da auch im Arbeitsprogramm der Revisionisten diese erste und wichtigste Grundbedingung fehlt, kann unsere Einstellung zum Revisionismus keine andere sein als zum Zionismus. Ohne über Nutzen und Zweckmäßigkeit der revisionistischen Petition ein Urteil abgeben zu wollen, müssen wir uns schon aus den obenerwähnten Gründen ausschließen. Da Wir aber keinen Anlaß haben, gegen die Revisionisten im Allgemeinen zu kämpfen, wollen wir auch nicht mit öffentlichen Protesten gegen diese Petitionsbewegung auftreten. Wir betrachten diese Angelegenheit als rein interne zionistische Sache, die für uns jeden Interesses entbehrt." Einschränkung der Einwanderung nach Brasilien« Rio de Janeiro, 28. Mai. Die brasilianische Regierung hat eine Verordnung erlassen, derzufolge die Einwanderung nach ßasf^Sa^nWL . jncLS$Qe&Qndj& tSpjöcuttlncu^ Brasilien auf 2 Proz. der Stärke jeder Nationalität nach den Ziffern der Volkszählung von 1920' beschränkt wird. Die neue Verordnung bedeutet einen schweren Schlag für die jüdische Einwanderungsbewegung nach Brasilien. Sie geht weit, über den Antrag hinaus, der vor einem Monat, am 25. April, vom Abgeordnetne Nogueira dem. Parlament vorgelegt worden war und die Beschränkung der Einwanderung auf 5 Proz. der Volkszahl jeder Nationalität vorsah. Die Einwanderung vermögensloser Angehöriger von brasilianischen Einwohnern und von jüdischen Auswanderern aus Mittel- und Ost-Europa wird auch dadurch erschwert, daß die Polizei in Rio de Janeiro und Sao Paulo von jedem Einwanderer die Hinterlegung einer Kaution von 200 Dollar verlangt. Diese Kaution wird zurückerstattet, sobald der Einwanderer sich dauernd niedergelassen und einen festen Erwerb gefunden hat. Die letzten Maßnahmen zur Einschränkung der Einwanderung nach Brasilien hatten darin bestanden, daß von den Einwanderungsanwärtern die Vorzeigung von 210 Dollar oder einer „Chamada" genannten Einwanderungserlaubnis des Immigrationsamtes verlangt wurde. Die Zahl der Einwanderer ist infolgedessen von 45.694 im Jahre 1931 auf 38.473 i. J. 1932 zurückgegangen. Dagegen ist, wie aus einem vor. kurzem veröffentlichten Bericht hervorgeht, die Zahl der jüdischen Einwanderer dank der von Hicem geleisteten Auswandererfürsorge, in dereslben Zeit von 1985 auf 2049 gestiegen. Sowjetfeldzug gegen Synagogen. Moskau, 29. Mai. In letzter Zeit hat in einer Reihe von Städten mit starker jüdischer Bevölkerung, darunter Odessa, Kiew, Baku und Niepropetrowsk ein Feldzug gegen jüdisch-religiöse Einrichtungen eingesetzt, der zur Schließung zahlreicher Synagogen führte. Die lokalen Behörden geben keinerlei Grund für diese Maßnahme bekanntgegeben. Radikal wurde die Kampagne in Niepropetrowsk durchgeführt, wo von 45 Synagogen nur drei kleine Bethäuser an der Stadtperipherie mit einem Fassungsraum für 700 Personen ihrer ursprünglichen Bestimmung erhalten geblieben sind. Dabei beträgt die jüdische ..Bevölkerung 100.000 Seelen, von denen mindestens 10.000 religiös leben. Unter Führung der Rabbiner Lewik Schneierson und Aron Liachoff hat sich eine Abordnung aus Niepropetrowsk nach Moskau begeben, um dem Kommissar für jüdische Angelegenheiten Smidowitsch ein Memorandum zu überreichen, in dem Klage über die Verletzung der verfassungsmäßig gewährleisteten Freiheit der Religion durch die lokalen Behörden geführt wird. Dem Protest der Abordnung schloß sich namens der Jüdischen Gemeinde Moskau deren Vorstandsmitglied Albert Fuchs an. Es heißt, daß Kommissar Smidowitsch telegraphisch Bericht darüber eingefordert hat, ob die Schließung der Synagogen unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschriften erfolgte, denen zufolge Synagogen nur auf eigenen Wunsch der Konfessionsangehörigen geschlossen werden dürfen.

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