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Der Israelit · 1934-05-24 · Heft 21 (24.5.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 21 (24.5.1934)
Date
1934-05-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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24. Mai 1934. Der Israelit Nr. 21 Seite 5 können. Die Konsequenzen aus dieser Sachlage zilziehen,.müssen wir w.q'hl unseren_Führern überlassen, w.enn wir auch das Tempo ihrer Entscheidungen, da, die Zeit drängt, gerne beschleunigen möchten, Vifas; nun. unser; Verhältnis zum; Zionismus, dessen, de.sjtr,ukti.ye. religiöse Betätigung, trotz seiner un,et;hört gewaltigen, technisch-wirtschaftlichen .Leistungen auf; orthodoxer Seite nicht verkannt wenden, darf,, anbelangt, sp, ist die Entscheidung der, letzten, Kenessip. G.edaulp. peremtorisch und riGhtungg.eb.end. Agudas Jisroel hat damals betont, daß betreffend, religiöse Fragen Konzessionen, undijSkutjabel seien, daß, aberin Bezug auf Probjetne. politischer und wirtschaftlicher Natur, wo, letzten Endes der sensu.s communis des Staatsmannes; allein ausschlaggebend ist, einer Kooperation nichts im Wege stünde und eine Demarkation der verschiedenen weltanschaulich eingestellten jüdischen Gruppen nicht notwendig erscheine. Das agudistische Qesiderium nach einem Gremium, da.s sich lediglich auf die ^ejhandlung rein wirts.chaftHch-po^itische^ Angelegenheiten beschränkt, ist bis zur S,tunde leider unerfüllt geblieben. Wir hegen nicht den leisesten Zweifel da.ran,. daß dies in der Hauptsache d,em aus~ gesprochen schlechten Willen der Zionisten zur Last fällt. Zu einem gewissen Teile aber glauben wir, daß die Bemühungen der Aguda hinsichtlich der Erreichung dieses Zieles nicht den Erfordernissen entsprochen haben. Hier auch erscheint die aufmerksame Behandlung dieses Problemes eine wichtige Aufgabe der Warschauer Konfereriz zu sein. Wir zweifeln nicht, daß bei einer klugen politischen Taktik Verhandlungen geführt werden könnten, die den Weg zur Errightung einer gemeinsamen Plattform, freizumachen in der Lage wären. III. Agudistische Arheit in Deutschland. Die ungeheuren jüdischen Volksmassen in Polen, die sich mit Stolz unter dem agudistischen Banner zusammenscharen, haben mit einer erfreulichen Evidenz gezeigt, daß es nicht nur eine agudistische Ideologie, sondern eine aktuelle agudistische Praxis gibt. Auch in Deutschland mit seinen 500 000 Juden wissen wir von der Existenz einer agudistischen Praxis, die, verglichen mit der Polens, allerdings mikroskopisch kleinen Umfanges ist. Wir wollen hier davon absehen, einer nörglerischen und deplazierten Kritik freien Lauf zu lassen, weil wir wissen, daß sie im selben Ausmaße von Schaden ist wie auf der anderen Seite die blinde Selbstzufriedenheit. Wir wollen gerne anerkennen, daß das agudistische zur Stelle.) Als in wunderschöner Weise das schönste und menschlichste Gebot von 3K TO'j erfüllte, da begriff er das ^d«^ nni», daß nos bei der Schilderung des größten und herbsten Unglücks des jüdischen Volkes, bei der Schilderung des Untergangs von Staat und Heiligtum, von Stadt und Volk, vom Tempel und seiner Priester doch ein Lied anstimmen konnte, denn wenn man das Gebot des DSi 3N "m»3 erfüllt, so erstehen statt der Mauern aus Holz und Stein unüberwindliche Mauern aus Fleisch und Blut, <lie von Geschlecht zu Geschlecht G'ttes Ruhm künden und für G'ttes Wahrheiten trotz aller Erniedrigung und trotz alles Hohngelächters leben, denn für G'tt zu leiden bedeutet innere' seelische Erweiterung w»mn /ins. bedeutet innere Befreiung aus aller seelischen Bedrängnis und Enge^ssin Tiipisnav und sie weisen den Weg in die Höhe, in die Freiheit. Über Sinai-Strahlen, Wesen und Wirkung. Betrachtung zum Offenbarungsfeste. Von A. Mannheimer in Dettelbach. (Schluß.) Die Sinaistrahlen stechen nicht und brennen nicht. Keiner braucht sie zu fürchten. Es wird uns erzählt, daß bei der Offenbarung das Heidentum erschreckt zusammenlief und an ein nahes Tohu-Wabohu glaubte. Kein Wunder, wenn solche Leuchtkugeln in die Nacht des Heidentums hernieder sausten! Doch ihr großer Zauberer Bileam beruhigte sie, zur Bestürzung liege kein Grund vor. Wohl empfange Israel heute vom Sinaigipfel eine Macht; es wird solche aber nie anders als friedlich anwenden. ( " viVm' iar :n» '-pa» 71 ij/p isyV ny 'n So ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. Leben Deutschlands im letzten Jahre frisches Blut erhalten hat und daß, eine Entwicklung bei der Jugend im Gange ist, die man mit Optimismus verfolgen kann. Aber trotzdem wird keiner verleugnen können, daß weite Kreise der deut-; sehen religiösen Judenheit, die sich innerhalb des agudistischen Milieus gradezu zuhause fühlen sollten, kalt bleiben beim Worte Aguda. Uns ist unbekannt, welche Rolle man der Besprechung der Fragen der deutschen, Landesorganisation auf der Warschauer Konferenz beizulegen gedenkt. Wir hoffen aber, daß, wenn auch von Deutschland nur drei oder vier Vertreter der Konferenz beiwohnen werden, man dennoch nicht die große Bedeutung der Durchdringung der jüdischen Kreise Deutschlands mit der Idee der unabhängigen. Orthodoxie unterschätzen wird. Die religiös-geistigen Lebensenergien, die im deutschen orthodoxen Judentum aufgespeichert sind, werden auch in den chassidischen Kreisen Polens nicht verkannt werden können. Deutschland wird das Menschenmaterial liefern., um das Ideal der agudistischen Erez Jisroel-Politik zu realisieren. Ünd wir sind daher der Meinung, daß die agudistische Position in, Erez Jisroel zu einem großen Teil letzten Endes davon abhängen wird, in welchem Maße es gelingt, die deutsche Judenheit und vor allem die dortige Jugend innerhalb der Agudas Jisroel zusammenzufassen. Deshalb hoffen wir, daß man in Warschau der agudistischen Lage in Deutschland vollste Aufmerksamkeit schenken und über die erforderlichen Mittel beraten wird, wie der Apathie in Deutsch- Von Menachem Lewinsky in Tel Awiw. Es ist nun gerade ein Jahr her, daß die starke deutsche Alijah eingesetzt hat und da dürfte es wohl am Platze sein, eine kurze Jahresbilanz zu ziehen, inwieweit sie nutzbringend oder gar schädlich auf Erez Jisrael eingewirkt hat. Es läßt sich keine auf zuverlässiges statistisches Material fußende Zahl der deutschen Einwanderer angeben, da die illegal Eingewanderten nicht erfaßt werden können. Jedenfalls dürften die in Tel Awiw ansässigen deutschen Juden mit 10 Proz. der Gesamtbevölkerung als nicht zu hoch bemessen sein; dasselbe gilt für Haifa, viel- Unsere Mission ist eine innere, eine stille, friedliche. Wohl setzt der Gedanke, daß einst die große Welt dem Alleinigen huldigend zu Füßen sinkt, die jüdische Seele in höchste Schwingung. Doch ist kein historischer Nachweis möglich, daß wir je mit „Bibel und Flinte" vorgingen, wie ein geflügeltes Wort es bezeichnet. Sinaistrahlen stechen nicht und brennen nicht. Auch am Offenbarungsfeste fühlen wir uns nicht als „auserwähltes Volk" im Sinne überhebenden Dünkels, den man so gerne uns böswillig andichtet. Was können schließlich wir dazu, daß man uns den Dekalog 6ab? Gerade am Offenbarungsfeste, wo der Gedanke exklusiven Stolzes keimen Icönnte, tritt in den jüdischen G'tteshäusern das Bild einer Heidin vor die Andächtigen hin: Rut, die Moabiterin, und schlägt sogleich wieder die Fäden zur Allmenschheit hinüber. Gerade am Schowuos! Unbehelligt und unbehindert war Orpa nach Moab und zu „ihren Göttern" zurückgekehrt. Rut trennt sich nicht von der Schwiegermutter Noemi und schließt sich durch ihr Bekenntnis „dein G'tt sei mein G'tt, dein Volk sei mein Volk" freiwillig dem jüdischen Volke an. Und wie vornehm wird auf dem Acker des Boas das „moabitische Mädchen" behandelt, dessen Edelmut Boas rühmt und das nun gekommen, sich zu „bergen unter die Fittiche des G'ttes Israel." Und Rut ist die Stammutter eines David, eines Salomon, den Glanzgestalten unter Israels Königen. Heidnisches Blut floß in ihren Adern. Kam uns je der Gedanke, sie zu schmähen oder auch nur als minderwertig einzuschätzen wegen ihrer fremdrassigen Abstammung? Ihre Bücher sind dem heiligen Schrifttum einverleibt, kein Bannstrahl könnte sie treffen.*) Schemajo und Abta- *) Siehe auch die Schrift vor Dr. Mendel Hirsch 5>*ät» „Das Judentum im Lichte des reinen Menschentums." land Agudas Jisroel gegenüber wirksam entgegenzutreten ist. IV. Was wir wollen. Wir wollen vor allem, daß der .Weltjudenheit endlich eingehämmert wird, daß Agudas Jisroel kein Chederismus, sondern wirklichikeitsnahes, lebensprudelndes Judentum bedeutet. Wir haben eine agudistische Ideologie, und sie soll Gemeingut aller frommen Juden werden. Agudas Jisroel zu popularisieren, von einem Diskussionsthema zu einer banalen Selbstverständlichkeit zu machen, muß und kann gelingen. Es ist ein schwacher Trost, der für uns eine schlechte Ausrede ist, immer wieder zu betonen, daß es nicht Aufgabe der Orthodoxie sei, zu den ■Werbetrommeln zu greifen. Nun, wir meinen, daß wenn man aus einem lächerlichen Bequemlichkeitsdünkel heraus es für unwürdig betrachtet, für die heilige und erhabene jüdische G'ttesidee zu propagieren, man es den religionsfremden jüdischen Kreisen nicht zum Vorwurfe machen kann, daß sie während der Zeit, da wir den köstlichen Schlaf des Gerechten genießen, für ihre Sache eine Aktivität entfalten. Wir hoffen mit Zuversicht, daß die Tagung des Zentralrates der Agudas Jisroel vom 14. bis 16. Siwan den agudistischen Stein kräftig ins Rollen bringen wird. Die Zeit ist dazu reif, hoffentlich auch wir! leicht auch für Jerusalem. Auf dem Lande ist ihre Zahl geringer. Lustwandelt man in den Straßen der Städte, am Strande, fährt man in der Eisenbahn oder im Autobus, so würde man ihre Zahl auf weit höher schätzen, da neben „Iwrith" heute die deutsche Sprache am meisten gesprochen wird. In den Cafes ist überhaupt fast nur die deutsche Sprache zu hören. Es ist dieses im Interesse des jüdischen Nationalheimes sehr zu bedauern. Die Erlernung der hebräischen Sprache fällt den älteren Einwanderern :— oft aber auch den jüngeren — sehr schwer. Erst das nächste Geschlecht wird zu guten Hebraisten herangebildet werden können. * * * lion, zwei zum Judentum übergetretene Heiden, wurden die Lehrmeister von H i 11 e 1 und Schamai, der größten Lehrer im alten Israel, Jebusiter wohnten noch zu Davids Zeiten in der G'ttesstadt: Sinaistrahlen stechen nicht und brennen nicht! Dem Juden widersteht es, in widerlicher Aufdringlichkeit seine Humanität und Toleranz laut hinauszuposaunen. Wir sind auch da die bescheidenen, stillen Missionare. Man muß bei allem Obigen sich wohl vor Augen halten, daß das Judentum stets seine „völkische Eigenart" strenge wahrte und wahrlich einem wie immer gearteten, wie immer entschuldigten Mischehentum nie anders als ablehnend gegenüberstand. Um so sympathischer mutet uns das schöne Freundschaftsverhältnis an, das Salomo wirtschaftlich mit dem Könige Hiram von Phönizien verband. Und damals stand er auf dem Gipfel seiner Macht, ein günstiger Boden für Regungen des Chauvinismus. Doch das Gegenteil ist das Bild der damaligen Weltlage gewesen, friedliche und freundschaftliche Beziehungen zu den Völkern ringsum, nicht nur zu Phönizien. Wenn Salomo bei der feierlichen Tempelweihe vor 3000 Jahren die Worte einfließen läßt: Aber auch den Fremden, der nicht von Deinem Volke Israel ist, welcher hierher kommt, um zu beten, erhöre auch ihn und gewähre ihm seine Bitte"--so mag uns das heute, wo die Welt in Haß, Neid, Mißtrauen und Vorurteilen sich zerklüftet, als ein eigenartiger Anachronismus vorkommen. Und doch ist es nichts anderes, als die natürliche Wirkung der alten Sinaistrahlen. Ein wundersamer Gegensatz zu den schrillen Tönen, die aus dem politischen Tageskampf uns ins Ohr dringen. Dürfte nicht ein milder Strahl vom Sinai wieder heilsam die Welt küssen?-- Ei|i Jahr deutsche Alijah und ihre religiöse, wirtschaftliche und politische Auswirkung.

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