Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1934)
- Date
- 1934-05-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 21 Der Israel ,i t 24. Mai 1934 Machtvollkommenheit, sondern erst nachdem sie den Rat der großen rabbinischen Lehrer in Erez Israel eingeholt hatten. Ihre Gutachten sollen demnächst im Wortlaute veröffentlicht werden. So weit die Angaben der P. A. J. Man muß zugeben, daß nach dieser sachlichen Darstellung die Angelegenheit ein etwas anderes Gesicht bekommt. Wir, die wir an dieser Stelle wiederholt bei aller Betonung des "py "JTTN Ttl vor Streik und Postenstehen gewarnt haben, glauben jetzt umgekehrt, bei nochmaliger scharfer Ablehnung aller Gewalt- und Zwangsmittel zum prinzipiellen Ausschluß der Araber, doch den jüdischen Besitzern, in erster Reihe denen, die treu zur Thora halten, das Gebot des inj? *pnx Tll mit aller Eindringlichkeit in die Seele rufen zu sollen. Eine neue Golus-Republik. Wie bereits mitgeteilt, hat das Zentral- Exelcutivkomitee der Sowjetunion beschlossen, das jüdische Kolonisationsgebiet in Biro Bidschan mit sofortiger Wirkung zur autonomen unabhängigen jüdischen Sowjet-Republik mit eigener Regierung auszurufen. In dem Dekret heißt es, daß die neugegründete jüdische Sowjet-Republik als gleichwertiges Mitglied in den Bund der Sowjet-Republik eintritt. Sie erhält eine eigene Regierung und bildet eine eigene kleine Armee unter Leitung eines bei Namen genannten Generals der Roten Armee, ebenso eigene Währung und Briefmarken. Die Regierungssprache ist jiddisch. Ein offenes Wort von einem jungen Agudisten.! Die Bedeutung der Konferenz. Der Zentralrat der Agudas Jisroel ist für den 14. bis 16. Siwan {28. bis 30. Mai) nach Warschau einberufen worden, und die agudistischen Mitglieder haben von der bevorstehenden Konferenz ihrer Führer gebührend Kenntnis genommen. Mit dieser Kenntnisnahme müssen aber Erwartungen und Forderungen, vor allem seitens der Jugend, verbunden sein, wenn uns das Recht zustehen soll, in Agudas Jisroel eine auf dem Tradition. filS/iaitf-Nachklang. Von Rabbiner Dr. Hermann Klein in Berlin. In rwvrp 'on wird uns von "n^s berichtet, daß ihn einst sein Vater beauftragt hat, ihm etwas Wasser zu bringen, bis er wiederkam, schlief sein Vater ein. Er stand gebeugt über ihn, bis er aufwachte; inzwischen erklärte er den Psalmenvers *]0K^> tust» Nach Ansicht von '"en und msoin handelt es sich um das Kapitel 79, in o^nn, in dem von dem Untergang des Tempels die Rede ist. Die Schwierigkeit besteht in der Ueberschrift, die nicht ^nb ->wa, sondern nr>j? s\unb lauten müßte, da ja in ihm in herzerschütternden Worten von dem Untergang des jüdischen Staates und des jüdischen Heiligtums, von dem Tod der Frommen, von dem Hinschlachten der heiligen Diener des Heiligtums gekündet wird, da ja der ganze Psalm den Zeiten tiefsten Verfalls und hilflosester Verlassenheit geweiht ist. Allein die Erklärung und die Lösung liegt in dem kleinen Erlebnis des wax und auch hier bewahrheitet sich der Satz *pa*» nion n»x rm vsiv nau Das Kapitel 79 schließt mit den Worten: /■jnbrin icoj ni "mV abwb ii» mu ■r/rjnia jkxi ins uwri „Wir aber dein Volk und die Herde deiner Weide, huldigen dir für immer, von Geschlecht zu Geschlecht erzählen wir deinen Tatenruhm." Mögen die Feinde Die Berichte, die zuletzt aus Biro Bidschan eintrafen, klangen nicht gerade wie Erlösungsbotschaft. Wenn Stalin und K a 1 i n i n , die das Dekret unterschreiben, es jetzt an der Zeit halten, Biro Bidschan als kleines jüdisches „Nationalheim" zu proklamieren, so spielen dabei vielleicht einige politische Motive mit, nicht zuletzt der Wille, dem Zionismus einen Schlag zu versetzen, dem im gleichen Dekret schärfster Kampf angesagt wird. Ein sichtlicher Grund für die Palästinafreunde, in Biro Bidschan ein Konkurrenzunternehmen gegen den Palästinaaufbau zu erblicken, liegt aber gar nicht vor — solange sich leider keine Aussicht eröffnet, das jüdische Problem in seiner Gesamtheit auf Erez Jisroel-Boden r2v> zu losen. Auch mit der „Republik" und ihren Attributen (Heer, Marken) könnte man sich abfinden, ja man könnte die weitgehende Autonomie sogar begrüßen, wenn sie so zu verstehen wäre, daß dort die Juden in ihrem' eigenen abgelegenen Erdenwinkel, von Moskau und seinen weltbeglückenden Ideen ganz unbehelligt, ihr eigenes Leben nach Religion und Tradition führen dürften. Es könnte dann dieses Biro Bidschan Zufluchtsort für viele werden, die im weiten Rußland auch geistig heimatlos sind. Ob die Grundlagen der „Republik" solche Entwicklung zulassen? Man wird noch mehr darüber hören müssen, um sich ein Urteil zu bilden. Die Namen derer, die der neuen Golusrepublik Pate gestanden haben und derer, die dort in die führenden Stellungen einrücken, berechtigen kaum zu großen Hoffnungen. Wir wollen abwarten! Fundamente des G'ttesgesetzes basierende volksumfassende Weltorganisation zu erblicken. Und von dieser Voraussetzung ausgehend, wollen wir eingangs schon in ungeschminkter Formulierung der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß man in den polnischen Konferenzräumen vom 14. bis 16. Siwan möglichst wenige Reden homiletischen Charakters halten wird, u m dort jede Minute für ernsthafte, allen politischen und wirtschaftlichen Realitäten des jüdischen Lebens ins Auge schauenden Beratungen auszunützen. in dein Erbe kommen, dein Heiligtum verunreinigen, Jeruscholajim zu einer Stätte des Grauens machen, mögen sie auch die Leichen deiner Diener zum Fraß den Vögeln des Himmels preisgeben, das Fleisch Seiner Frommen dem Getier des Waldes; mögen sie durch Eroberung des G'tteslandes, durch die Entweihung des G'ttestempels, durch die Zerstörung der G'ttesstadt, durch die Ermordung der G'ttesdiener einen Triumph über das G'ttesvolk feiern und mögen wir auch vorübergehend zum Hohn und Spott unserer Umgebung werden, „wir bleiben dein Volk und bekennen uns für immer zu dir, denn von Geschlecht zu Geschlecht künden wir deinen Tatenruhm." Und darum trotz Allem und Allem nicht t]0*b nvp, sondern <noxb nnm Nicht das G'ttesland, nicht der G'ttesstaat und nicht das G'ttesheiligtum sind Bürgen für die Ewigkeit g'ttlicher Wahrheiten, für den endlichen Sieg der Sinaiworte, Holz und Stein kann dem grimmigen Ansturm der entfesselten Wildheit einer feindlichen Welt zum Opfer fallen, damit ist aber noch nicht G'tt, damit ist aber noch nicht G'ttes Volk besiegt oder gar vernichtet. Bürgen für die Ewigkeit des G'ttesvolkes sind die Geschlechter, die es als ihre Aufgabe begreifen, den Folgegeschlechtern G'ttes Wahrheiten zu überantworten. Es ist die Wahrheit, die unserem ersten und größten Lehrer schon bei seiner Berufung im Dornbusch offenbart wurde. Nach einem tiefen Midraschwort wurde ihm gezeigt, daß das jüdische Volk, wenn es auch vom brennenden Haß der Umwelt umgeben sein wird, 'ok ur» njuni niemals ganz verzehrt werden wird. Und als Moses nach dem Geheimnis der Ewigkeit des jüdischen Volkes forschte und in naina und nnbn die Garantie für diese Ewigkeit erkennen wollte, da wurde ihm bedeutet, daß weder die eine noch das andere II. "' Aufgaben der Weltorganisation. Als erstes erblicken wir die grundlegende, vitale Pflicht der Konferenzteilnehmer darin, Mittel und Wege zu finden, um Agudas Jisroel aus der Position, in der sie sich: heute trotz erhöhter Aktivität der letzten Zeit befindet, endgültig zu befreien. Wenn heute der größte Teil der jüdischen Volksmassen immer noch in der Aguda eine mehr oder minder exaltierte religiöse Separationssekte erblickt, die, in mittelalterlicher Verkennung einer neuen Zeit, angeblich stumpf ist für den Elan des heutigen, zionistischen Geschlechts, dann liegt die- Schuld mehr an Agudas Jisroel selber als bei den Kreisen, die wider besseres Wissen solche Greuelmärchen verbreiten. Und wirfragen: Werden die Herren Agudisten dies einsehen und reuemütig ob ihrer Lethargie vergangener Jahre sich auf die Brust klopfen und sagen: „Wir haben vieles, sehr vieles versäumt. Und' wir werden noch me hr besser mache n."?! Diese Vorstimmung muß vorhanden sein, denn nur dann ist der Nährboden geschaffen, ausdem heraus die agudistischen Samen zu reicher Fruchtfülle gedeihen können. Es ist in diesem Zusammenhange sehr wesentlich, in Warschau die politischen Relationen der Aguda sowohl dem Zionismus als auch dem Misrachi gegenüber klar und eindeutig zu reglementieren, so daß endlich, ohne nur um ein Jota von der agudistischen Ideologie abzurücken, sowohl auf dem Papier, wie auch in der Praxis gewisse „diplomatische Beziehungen" mit den nichtagudistischen Organisationen hergestellt sind. Dies würde zur Folge haben, daß Agudas Jisroel aus ihrer „splendid isolation", die, politisch gesehen, sich gar nicht so splendid ausgewirkt hat, herauskommt und sich auch in den Augen der gegnerisch eingestellten jüdischen Organisationen einen „salonfähigen" Charakter aneignet. Besonders über die Beziehungen Aguda — Misr i c h i sind in letzter Zeit auf beiden Seiten Unklarheiten zutage getreten, und durch die agudistische Initiative könnte eine von beiden Parteien annehmbare Revision des gegenseitigen Verhältnisses im Interesse aller religiösen Kreise des jüdischen Volkes hergestellt werden. Ohne daß die Aguda, der gegenüber Misrachi mehr als einmal eine sehr lieblose Politik trieb, es nur im Geringsten nötig hätte, mit letzterem besonders zu liebäugeln, wird sie sich des Eindruckes, daß in vielen misrachistischen Kreisen eine Annäherung an die Aguda aus ehrlich-religiösen Motiven sehnsuchtsvoll herbeigewünscht wird, nicht entziehen die Ewigkeit verbürgen, sondern grade, umgekehrt, weil das jüdische Volk auf alle äußeren Attribute sowohl weltlicher als auch geistlicher Herrschaft verzichten kann, darum ist es ewig. Ein einziger Mensch, der gleich Dmas sein ""^n spricht, ist obiy bw m»y Dipna nm, Säule der Welt, denn ö^w tio' p^si/ der Gerechte ist Grund und Ziel der Welt. Der eine und einzige Abarham gewann eine Welt seinem G'tte, denn er ward nicht müde, G'tt zu künden und zu G'tt zu rufen und ein Geschlecht kündete dem folgenden G'ttes Ruhm und Herrlichkeit. Solange lebendige Zeugen für G'tt auftreten, verstummt die Harfe der G'ttesbegeisterung nicht, darum trotz aller Wucht äußeren Elends, trotz aller erniedrigenden Schmach nicht m'p, sondern n » T »• Der Schluß des Kapitels beweist, daß nas -pm »m, daß die Ueberschrift doch, richtig ist. Dieses hat aber eines zur Voraussetzung, und zwar daß cmi 3R to-s rnxn, im Volke lebendig ist, daß die Tradition ein wirksamer Faktor ist. Ein Geschlecht kündet dem Folgegeschlecht G'tteswahrheit. Wie aber, wenn dieses kommende Geschlecht die Botschaft des vorigen Geschlechtes nicht übernehmen will, wenn die Kette der Tradition gerissen ist, wenn zwischen Vätern und Söhnen eine Kluft gähnt, die nicht zu überbrücken ist, wenn die Wahrheiten, die den Vätern das Leben ihrer Seele bedeuteten, für die sie gerne und willig alle Leiden der Welt auf sich nehmen, für die sie freudig alle Martern erduldeten und für die sie freudig in den Tod gingen, von den Söhnen mitleidig belächelt oder gar grimmig bekämpft werden, dann allerdings hat das tpsV msia seine Berechtigung verloren, dann sind mit den Mauern der Stadt und des Heiligtums auch alle Hoffnungen in die Erde gesunken, daß dem Volke G'ttes ja wieder eine Auferstehung werden könnte. (Vgl. 'bin Was wir von der bevorstehenden Warschauer Agudakonferenz erwarten und verlangen.