Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1934)
- Date
- 1934-05-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 21 Der Israelit Proteststreik in Palästina. Jerusalem, 22. Mai. In ihrer Schlußsitzung am 18. Mai beschloß die Assefath Haniwcharim, zum Zeichen des Protestes gegen die Drosselung der jüdischen Einwanderung und die Behinderung des Schutzes jüdischer Arbeit in jüdischen Siedlungen einen halbtägigen Generalstreik des gesamten Jischuw am Nachmittag vom Mittwoch, dem 23. Mai, zu proklamieren. Alle Geschäfte und Werkstätten sollen in diesen Nachmittagsstunden geschlossen sein. Besonnene Mitglieder, wie der Bürgermeister von Tel Awiw, Dizengoff, und der Führer der jüdischen nach Erez JisroeL Eine in Berlin gebildete „Arbeitsgemeinschaft für Kinder - und Jugendalijah", die sich zusammensetzt aus der „Jüdischen Jugendhilfe e, V,", der „Jüdischen Waisenhilfe e. V." — der Trägerin des Kinder- und Jugenddorfes Ben Schemen — und des Kinderheimes „Ahawa", veröffentlicht einen Bericht, aus dem sich ergibt, daß bisher 200 deutschen Jugendlichen für zwei Jahre Unterkunft und Ausbildung in Palästina gesichert worden sei. 50 Jugendliche folgen noch in diesem Monat, während weitere 250 die Wartezeit benutzen, um sich für ihre Uebersiedlung im Herbst vorzubereiten. In dem Berichte wird behauptet, daß alle Richtungen des Judentums diese Bewegung unterstützen, sowohl die Nichtzionisten und zionistischen Kreise, als auch die religiösen. Letztere deshalb, weil, wie es in dem Berichte heißt, „auch streng orthodoxe Gruppen nach Palästina gebracht würden." Die Anmeldungen häuften sich mit jedem Tage und die englische Regierung habe eine neue zusätzliche Kategorie von Jugendzertifikaten für 15—17jährige geschaffen. Hierzu ist mitzuteilen, daß die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendalijah in Berlin keinerlei Anspruch erheben kann und darf auf das Vertrauen orthodoxer Kreise. Eine Vereinigung, die Kinder u. a. in Ben Schemen unterbringt, wo sie dem vollendeten Abfall vom Judentum, der radikalsten G'ttesfeindschaft überliefert werden, sollte ehrlich genug sein, auf dieses Vertrauen orthodoxer Kreise überhaupt keinen Anspruch zu erheben. Daß daneben auch Kinder in dem Kibbuz Rodges untergebracht werden — der übrigens auch nicht allen religiösen Ansprüchen genügt —, kann das Verbrechen an der jüdischen Kindesseele, das in der Auslieferung jüdischer Kinder an den Radikalismus von Ben Schemen liegt, nicht gut machen. In der Assefath Haniwcharim, die am 16. Mai eröffnet wurde, wurde von Almaliah, der im Auftrage des Waad Leumi Tiberias besucht hatte, Bericht über das Ausmaß der Katastrophe erstattet. Tiberias, erklärte er, sei noch (am 16. Mai) unter Wasser gesetzt, kein Geschäft sei geöffnet. Die Zahl der zerstörten Wohn- und Geschäftshäuser betrage 400. Neun jüdische Leichen habe man bestattet, ein Jude werde vermißt und einer sei im Krankenhaus am folgenden Tage gestorben, so daß sich die Gesamtzahl der jüdischen Opfer auf elf beläuft. Von den über tausend Obdachlosen hätten 150 im Rabbi Meier Landwirte, Mosche Smilansky sprachen sich scharf gegen die Demonstration aus, blieben jedoch in der Minderheit. . Während des Streiks werden im ganzen Lande Protestversammlungen stattfinden, in denen Redner aller Parteien mit Ausnahme der Agudath Israel auftreten werden. Diese hat eine Erklärung veröffentlicht, daß sie sich zwar dem Kampf gegen die Einwanderungspolitik der Regierung anschließt, einen Generalstreik jedoch nicht als geeignetes Kampfmittel erachtet. Infolge dieser Situation ist eine der bekanntesten führenden Persönlichkeiten des Misrachi, H. Farbstein, vor einiger Zeit an Rechtsanwalt Dr. Isaak Breuer aus Frankfurt a. M., als er in Palästina weilte, mit der Anregung herangetreten, ein aus misrachistischen und agudistischen Einzeipersönlichkeiten bestehendes privates Komitee in Palästina und in Europa zu bilden, das versucht, die Mittel aufzubringen, um der Schande von En Charod und Ben Schemen ein Ende zu machen, in größerem Maßstabe Kinder aus religiösen Häusern nach Erez Jisroel zu bringen und sie dort unter verantwortlicher Führung des bekannten orthodoxen Pädagogen Dr. Moses Auerbach zu erziehen. Das Komitee besteht aus den Herren: Dr. Moses Auerbach-Berlin, Rabbi Mosche Blau-Jerusalem, Dr. Isaak Breuer-Frankfurt a. MM Jeschuo Heschel Farbstein-Jerusalem, Dr. Samuel Grünberg-Berlin, Daniel Sirkis-Tel Awiw. Daß sich hier agudistische und misrachistische Persönlichkeiten, trotz mancher Bedenken in agudistischen Kreisen, zur Lösung einer gemeinsamen Aufgabe zusammengefunden haben, beweist am deutlichsten die Dringlichkeit des Rettungswerkes ^miP'ö T\WQ1 mpsh> Es sei bemerkt, daß der Beitritt von Rabbi Mosche Blau zu dem Komitee unter ausdrücklicher Genehmigung von Oberrabbiner Duschinski erfolgt ist unter der Bedingung, daß es sich in der Tat um ein privates Komitee handelt und nicht um ein Zusammenwirken von Organisationen, sowie ferner, daß, wie vereinbart, die oberste verantwortliche Leitung Dr. Moses Auerbach anvertraut bleibt. Der Aufruf des Komitees ist in der palästinensischen Presse bereits erschienen und wird in Kürze auch in den ausländischen Zeitungen veröffentlicht werden. Wir machen von der Komitee-Bildung nur deshalb bereits jetzt Mitteilung, weil es für manche jüdische Eltern in Deutschland doch von Bedeutung ist, von der in Vorbereitung begriffenen Aktion Kenntnis zu haben, bevor sie Entschlüsse über das Schicksal ihrer Kinder fassen. Baal Haneß-Heime und über 100 im Schweizer Hospital Zuflucht gefunden. Die Gesamtzahl der Menschenopfer beträgt 29. Von den jüdischen Opfern wurden bis jetzt folgende Namen bekannt: Der siebzigjährige Rabbiner Moses J i f r a h und seine Frau, die vom Mittagstisch von den Fluten fortgerissen wurden; ferner der sefardische Rabbiner Chajim S a - megh, Josef Cohen, Channah Schochet und Abu Chassid. Aus einem uns zugegangenen direkten Berichte der Jerusalemer Agudas Jisroel sei noch folgendes wiedergegeben: Die letzten Tage unserer Tätigkeit standen ganz im Zeichen des Hilfswerkes für Tiberias. All unsere Büros und das gesamte Personal waren von dieser Arbeit ganz in Anspruch genommen. Wir schickten bis jetzt (Mittwoch, den 4. Siwan, also zwei Tage nach dem Unglück) drei große Wagen voll der Kleidungsstücke und Nahrungsmittel im Gesamtwerte von mehreren hundert Pfund nach Tiberias, neben einer Barsumme an die sephardische und askenasische Gemeinde. Die erste Gabe unmittelbar nach dem Unglück (2000 Brotlaibe und 6000 Eier) ging an die Adresse der Stadtverwaltung in Tiberias, wo sie der Bürgermeister gleichmäßig an Juden und Araber verteilte, Die erste Sammlung der Aguda in Jerusalem ergab 120 Pfund. In Bezug auf die weitere Sammelaktion werden noch Verhandlungen mit Waad Haleumi geführt, und man hofft, daß die Regierung sich am Hilfswerke tapfer beteiligt. Der Gesamtsachschaden soll 100 000 Pfund übersteigen. Es wird in den Zeitungen hervorgehoben, daß bis jetzt die Agudas Jisroel die einzige Stelle war, die praktische Hilfe geleistet hat und daß von anderer Seite bis zum heutigen Tage praktisch etwas Greifbares nicht geschehen ist. Ein Monat für die Thora-Propaganda, Warschau, 18. Mai. Laut Beschluß der Landeskonferenz der Chinuch-Zentrale „Chorew" der Agudas Jisroel wurde der Siwan als Werbe monat für Erziehung und Keren Hathora- A r b e i t proklamiert. Es hat eine große Propagandatätigkeit in der Presse, sowie durch Vorträge und Sammlungen eingesetzt. Eine spezielle Broschüre unter dem Titel „Die orthodoxe Schulorganisation „Chorew" und ihr Finanzinstrument, der „Keren Hathora", enthält das gesamte nötige Propagandamaterial. Es soll auch de Eltern der frommen Kreise klar gemacht werde? wie unhaltbar es sei, daß sie ihre Kinder in die freigesinnten Schulen schicken, statt sie den Erziehungsanstalten des Beth Jakob anzuvertrauen* Im Zusammenhang mit der Sitzung des Zentralrates der Agudas Jisroel wird auch eine internationale Keren Hathora- Konferenz tagen, auf der Berichte über die Arbeit des Keren Hathora erstattet und Vorträge über alle Gebiete der Erziehung, gehalten werden. In Sachen des Chinuch in E. J. findet die Beratung unter Beteiligung der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel statt. Eine starke Autorität verleiht der Siwan- Aktion ein Aufruf der R.e bbes und Rabbiner von Polen, in dem mit lapidaren Worten auf die Lebensnotwendigkeit des jüdischen Volkes, die Talmud Thora- und die Beth Jakow- Schulen zu unterstützen, hingewiesen wird. Die Thora sei in dieser Krisenzeit in Gefahr, wenn wir uns nicht alle zusammentun, um mit den Talmud Thora-Schulen, Jeschiwoth und Beth Jakow-Schulen unserer Jugend die Quellen unserer Kraft zu erschließen und zu erhalten. Unter den Namen der 53 Rabbinen, die den Aufruf unterschrieben, steht an erster Stelle der des Ger er R e b b e n. Man kann dieser Aktion der Gesetzestreuen in Polen nur vollen Erfolg wünschen. Was sie für die Erziehung besonders auch in Erez Jisroel leisten, ist Dienst an der gesamten thoratreuen Nation in der Welt und verdient daher die Aufmerksamkeit und die volle Unterstützung der Glaubensbrüder auch außerhalb Polens. Kinder- und Jugendalijah aus Deutschland Die Katastrophe in Tiberias.